Von ihr gibt es so viele Bilder wie von kaum einer anderen Frau im 20. Jahrhundert, aber bei diesem einen kommt man in Formulierungsnot. 1929 lernte Max Beckmann in Paris Mathilde Kaulbach, Kosename: Quappi, kennen. Im selben Jahr malte er sie, wie sie, tja: sagen wir mal – am Boden kriecht. Und viel an hat sie auch nicht. Für den Kunstmarkt war das Auftauchen dieses Gemäldes auf der Art Basel eine kleine Sensation. Vierzig Jahre befand es sich im Besitz der Dargestellten, dann verkaufte sie es an eine gute Bekannte, die es wiederum ungefähr vierzig Jahre für sich behielt. Nun hat das Bild einen neuen Besitzer: Der Glückliche ist ein Berliner Sammler, der es für einen Millionenbetrag erwarb.

Angeboten hatte es, zusammen mit vier anderen marktfrischen, also besonders begehrten Beckmann-Arbeiten, der Kunsthändler Jörg Maaß. Und obwohl die Messe für etliche der Galeristen ein eher durchwachsener Erfolg war, ging das Konvolut weg wie nichts. Ein weiteres Bild ist bereits verkauft, zwei sind von großen Museen reserviert. Das letzte, das Aquarell Holzfäller, ist noch zu haben, aber das wohl auch nicht mehr lange. So etwas ist die Ausnahme, selbst für einen renommierten Händler wie Maaß. Aber es ist natürlich kein Zufall.

Wer zu ihm in seine Galerie in der Nähe der Berliner Gedächtniskirche kommt, darf sich sicher sein, dass er immer etwas Besonderes im Angebot hat. Dabei ist der 52-Jährige nicht einmal ein überragend guter Verkäufer. Er baut darauf, dass seine Kunden selber wissen, wen und was sie vor sich haben. Das liegt an dem speziellen Gebiet, dem er sich widmet.

Eigentlich ist Maaß Grafikhändler. Und dieser Markt unterscheidet sich deutlich vom Rest des Kunsthandels. Grafiken sind etwas fürs Kabinett, wer sie sammelt, wird damit nicht seine Nachbarn beeindrucken, wie er das zum Beispiel mit einem Warhol könnte. Grafiksammler achten auf Feinheiten, auf Beschaffenheit und Zustand des Papiers, auf die Qualität des Drucks und die Geschichte des Blattes. Denn ein Bild auf Papier zu drucken garantiert zwar seine Vervielfältigung, es ist aber immer noch ein organischer Vorgang, mit allen damit verbundenen minimalen Abweichungen. "Kein Blatt", sagt Maaß, der in seiner Laufbahn schon mehrere Zehntausend Grafiken in Händen hielt, "ist wie das andere, je nachdem, wo und wie es gedruckt und gelagert wurde." In Deutschland gilt die Grafik als minderwertiges Medium, in den USA ist das anders. Dort leben bei Weitem die meisten seiner Kunden. Auf den einschlägigen Messen packen potenzielle Kunden am Stand erst mal ihre Lupen aus, auch Mikroskope wurden schon gesichtet. So jemandem macht keiner was vor, deshalb versucht es Maaß auch gar nicht erst. Weltweit, sagt er, gibt es ungefähr hundert Sammler, die für seine Offerten infrage kommen. Da kennt man sich irgendwann fast zwangsläufig gut.

So kam er auch zu den Beckmann-Bildern, mit denen er in Basel Aufsehen erregte. Zuerst schlug er der Besitzerin vor, ihre Gemälde und Aquarelle einem der großen Auktionshäuser anzuvertrauen. Doch sie wollte, dass er sich darum kümmert. Sie hatte ihr ganzes Geld Bernard Madoff gegeben und jahrelang gut von den Zinsen gelebt. Als dessen Schwindel aufflog, war sie über Nacht mittellos. Das ist sie nun nicht mehr. Aber es zeigt, dass auf dem Kunstmarkt des einen Pech oft des anderen Glück ist.