Auf einem Baum hat man schon lange nicht mehr gesessen. Mit dem Blasrohr geschossen noch nie. Das Teekannenmuseum im bayerischen Amorbach und das Berliner Currywurst-Museum wurden bislang nicht mit einem Besuch gewürdigt. Warum also nicht einen Sommer zu Hause bleiben und Entdeckungen in Deutschland machen – oder in der eigenen Hosentasche? Staycation nennen das anglophile Trendsetter. Das ist zusammengesetzt aus stay und vacation – also Urlaub an Ort und Stelle.

Einige Neuerscheinungen helfen bei der Planung derartiger Abenteuer. Am einfachsten, wenn auch einfallslosesten ist es, sich den Angeboten der Freizeitindustrie anzuvertrauen. Der neue große Freizeitführer für Deutschland in seiner aktualisierten Auflage 2010 kann als Wegweiser dienen. Geordnet von Nord nach Süd präsentiert das Kompendium 1000 Erlebnismuseen, Vergnügungsparks, Tiergärten, Wildgehege, Museumsbahnen, Dampferfahrten und Spaßbäder.

Es müssen ja nicht immer die gängigen Attraktionen sein. Wie wäre es mit einem Ausflug auf die Sackpfeife? Das ist der höchste Berg im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Wer ihn bestiegen hat, trifft auf einen Sinnespfad mit 14 Stationen von Rindenmulch bis Fichtennadeln und eine 480 Meter lange Sommerrodelbahn.

Im Rheinbacher Freizeitbad monte mare dagegen kann man abtauchen; mit Pressluftflasche, Flossen und Taucherbrille geht es zum künstlichen Riff im Zwei-Millionen-Liter-Becken. Leider listet das Buch die Angebote auf, ohne sie zu bewerten, einige der Texte klingen, als seien sie Werbebroschüren entnommen.

Stärker auf Nischenangebote setzt der Lübecker Kleinverlag Kalimedia: Er hat die Republik, nach Geschlechtern getrennt, auf einer Männer- und einer Frauen-Karte mit jeweils rund 400 Tipps erschlossen. In Bad Säckingen weist die Männer-Karte das Trompetenmuseum aus, in Regensburg eine Selbstschrauberwerkstatt mit Zwei-Stützen-Hebebühne. In Künzelsau können Outdoorfans in Geländewagen durchs Terrain brettern oder mit dem Blasrohr ihr Treffgeschick trainieren.

Damen können sich im Aschaffenburger Frauenkabarett Küchen-Geplänkel amüsieren oder mit der Blue Marlin Group in Hamburg zum Frauen-Fischen gehen. Dass die Autoren ihre Leserinnen ins Dortmunder Kochbuchmuseum schicken wollen, erinnert allerdings an Geschlechterbilder der fünfziger Jahre. Mobile Frauen von heute besuchen wohl lieber die Schrauberinnentage bei Mopetta in Köln und zeigen hinterher männlichen PS-Protzen, wie man den Rußfilter reinigt.

In ein Deutschland jenseits von Industrie und Technik führt das vom Kosmos-Verlag gemeinsam mit dem Nabu produzierte Buch Nix wie raus! Konkrete Ausflugstipps liefert es nicht. Die Autoren geben allgemeine Anregungen. Warum nicht mal Gänseblümchen, Veilchen oder die Schnittlauchblüten sammeln und, in Eiswürfeln gefroren, zum Sundowner auf dem Balkon servieren? Auch ein Mußestündchen in den knorrigen Ästen eines alten Apfelbaumes eröffnet ungewohnte Perspektiven. Wer bei der Gelegenheit ein Etikett in Herzform auf grüne Äpfel klebt, kann Wochen später einen fruchtigen Liebesgruß verschenken; die Schale unter der Herzform wird ohne Sonnenlicht nicht rot.