ZEITmagazin: Herr Flimm, Sie verlassen die Salzburger Festspiele und gehen zur Berliner Staatsoper, ist das eine Art Rettung?

Jürgen Flimm:
Nein, das ist keine Rettung, das ist eine Veränderung.

ZEITmagazin: Man sagt, Salzburg ähnele einer Schlangengrube, ist das so?

Flimm: Alle Intendanten, ob Herr Mortier, Herr Ruzicka oder Herr Karajan, haben hier ihre Probleme bekommen, ich auch.

ZEITmagazin: Worin besteht Ihr Problem?

Flimm: Die unbedingte Freiheit im Denken fehlt zu oft, im Planen, im Ausprobieren, im Scheitern. In Salzburg ist es so, dass wir 75 Prozent des Etats einnehmen müssen. Das ist eine Menge!

ZEITmagazin: Welcher Unterschied besteht zwischen Salzburg und Berlin?

Flimm: In Salzburg gibt es immer nur diesen schönen Sommer, und dann verlassen alle die Stadt. Was sich da auf fünfeinhalb Wochen zusammenballt, ist unendlich viel, über 170 Veranstaltungen, hinzu kommen noch Vorträge und Ausstellungen. Am Ende der Saison sind wir immer alle völlig erschöpft. Berlin hingegen ist ein Repertoiretheater, wo täglich die Pforten geöffnet sind. Das ist ein völlig anderer Rhythmus. Die Planung läuft drei Jahre im Voraus, da ist neben dem künstlerischen Denken viel logistisches Denken gefordert, eine wahnsinnige Herausforderung.

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ZEITmagazin: Da kann leicht einiges schiefgehen. Kennen Sie Misserfolg?

Flimm: Was ist das? Mein größter Misserfolg war eine Aufführung in Hamburg von Hoffmanns Erzählungen. Da haben mich die Leute dermaßen von der Bühne weggebuht, ich hatte das gar nicht für möglich gehalten und bin immer wieder rausgegangen, um diese Emotionen nochmals mitzukriegen. Das Stück war ungewöhnlich inszeniert, ich fühlte mich missverstanden und habe erst mal aufgehört mit der Oper. Trotz vieler Angebote habe ich keine Lust gehabt.