Schienenverkehr Trug und Verzug
Die Bahn hat mal wieder versprochen, Sachsens Anbindung zu verbessern.
Sie könnten noch zum Problem für Sachsen und seinen Ministerpräsidenten werden, die 42 Fenster von Boto Mertins aus Berlin-Lichtenrade. Einerseits hat Stanislaw Tillich (CDU) kürzlich über die Zugstrecke Dresden–Berlin gesagt, das abschließende Ziel sei »eine Verbindung unter 70 Minuten von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof«; derzeit dauert die Fahrt doppelt so lange. Andererseits steht Mertins, 78, auf dem fleckigen Kleinsteinpflaster am Bahnhof Lichtenrade und erzählt, wie er und seine kleine Bürgerinitiative die große Deutsche Bahn an der Nase herumführen – und dass es erst einmal nichts werde mit der schnellen Verbindung, zumindest in den nächsten zehn Jahren.
Mit Vernunft betrachtet, ist der Ausbau der »Dresdner Bahn«, einer Trasse im Süden Berlins, alternativlos für eine zügige Verbindung zwischen Dresden und der Hauptstadt: Die Fahrtzeit würde sich um zehn Minuten verkürzen. Momentan fahren hier nur Stadtzüge, die Deutsche Bahn plant einen oberirdischen Ausbau für den Fernverkehr. Sie plant diesen Ausbau schon ziemlich lange, denn oberirdisch und nahe den Gleisen liegen auch die zwei Mietshäuser von Boto Mertins, der die Pläne des Konzerns für Unfug und gesetzeswidrig hält – nicht nur wegen der mageren 2000 Euro, welche die Bahn für den Schallschutz von 42 Fenstern in Mertins Mietshäusern eingeplant habe. »In einem Gutachten«, sagt der Rentner, »steht, dass die Schallschutzwände neun Meter hoch sein müssten – die baut natürlich kein Mensch.«
Gerade sieht es so aus, als würde hier niemand irgendetwas bauen. Die Bürgerinitiative Lichtenrade fordert einen Tunnel, in ihren Unterlagen nennt sie diese Lösung »die grüne Linie der Vernunft«. Die Bahn sagt, ein Tunnel sei zu teuer, und ihre Pläne wiederum werden von Mertins und seinen Leuten blockiert – seit bald 13 Jahren. Für Ende dieses Jahres wird mal wieder ein Planfeststellungsbeschluss erwartet, »und wenn wir dann noch ein bisschen streiten, kommt die Baugenehmigung nicht vor 2017«, sagt Mertins.
Oder gar nicht. Manfred Beck, ein Mitstreiter bei der Bürgerinitiative, hat fest vor, der Bahn noch weiter zuzusetzen: »Die hungern wir aus. Die sollen uns den Buckel runterrutschen.« Der nächste Coup ist schon in Vorbereitung, und vielleicht wird Beck, 73, dabei von der guten Zugverbindung nach Leipzig profitieren: Eine Verfassungsklage vor dem Bundesverwaltungsgericht könne er natürlich nicht ausschließen – »das hier ist längst eine Grundsatzgeschichte«.
Grundsätzliches erhofft hatte man sich vom »Bahngipfel Sachsen«. Gipfel, das Wort versprach besondere Anstrengung. Doch wie besonders die Anstrengung wirklich war, das hatte man im Terminkalender von DB-Chef Rüdiger Grube nachschauen können: Er hatte in den Wochen zuvor schon zu »Bahngipfeln« in Düsseldorf und Bremen geladen, auch in Erfurt und in Saarbrücken. Am Mittwoch vergangener Woche nun erklärten Grube, Tillich und Verkehrsminister Sven Morlok (FDP), wozu man sich alles »committet« habe – dass es nicht allzu viel war, stand anschließend in der Pressemitteilung nachzulesen: Grube sagte demnach »sein hohes Engagement verbindlich zu«. Das klingt wohlwollend, nur: Wer könnte das Gegenteil beweisen?
Im trüben Licht solcher Aussagen stellt sich denn auch die Frage, was es heißt, wenn sich »DB und Freistaat ausdrücklich zum weiteren Ausbau der Strecke Knappenrode–Horka« bekennen, der wichtigen Magistrale für den Güterverkehr in Richtung Osteuropa. »Das ist schon kurios, und so wird es auch bleiben«, sagt Christian Nitschke, der Bürgermeister von Horka.
Auf der polnischen Seite ist die Strecke längst elektrifiziert. Am Güterbahnhof bei Nitschke im Ort zerschneidet keine einzige Oberleitung den Blick zu Himmelblau und Wattebauschwolken. Horka ist für Gütertransporte der letzte Zwangshalt vor der Grenze, um Waggons und Fracht zu kontrollieren. Tatsächlich gibt es einen Zwangshalt auch, weil jede Lok umgekoppelt werden muss. Züge aus Polen bekommen in Horka eine deutsche Lok zur Weiterfahrt, solche aus Deutschland eine polnische. Derweil können Stunden vergehen.
Die Bahn sei schwerfällig, sagt Nitschke, und das bedeute auch, dass »die nächsten 15, 20 Jahre« in Horka umgekoppelt werde. Bis die Strecke auch auf deutscher Seite elektrifiziert sei, gingen noch ein paar Jahre ins Land, und selbst dann brauchte es teure neue Loks, um ohne Umkoppeln nach Polen zu kommen: Die Züge im westeuropäischen Netz fahren mit einer anderen Spannung als die im osteuropäischen. »Das bleibt ein Nadelöhr hier«, sagt Nitschke.
- Datum 07.08.2010 - 16:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.08.2010 Nr. 32
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....und machte wirklich schlechte Erfahrungen. Die Züge waren regelmäßig verspätet, die Klimaanlagen fielen im Sommer immer wieder aus, das Essen war mäßig gut und dafür teuer. Wenn man nicht bestellte, konnte es geschehen, dass in der ersten Klasse kein Platz war und man Leute ohne Comfortkarte verscheuchen hätte müssen. Wenn es etwas gab, das die Bahn wieder gut machen wollte, vier Stunden warten auf dem Gleis bei winterlichen Temperaturen etwa, gab es einen Gutschein, den man am Schalter einlösen konnte. Will man aber für 5 Euro anstehen? Das weiß das Management und spart sich daher das großzügig erstattete Geld. Die 50% Karten muss man abbestellen, sonst bekommt man sie automatisch für das nächste Jahr wieder. Das passierte einem Bekannten, der sie dienstlich hatte aber nun arbeitslos ist. So musste er aus seinem reduzierten Einkommen aber trotzdem 400 Euro bezahlen, für etwas, das er privat nicht brauchte oder wollte und dienstlich nicht mehr braucht. Da war die DB verlässlich hart.
Das Fernverkehrskonzept Sachsens ist eine Farce und das ist nicht allein die Schuld der Bahn sondern auch die Schuld der sächsischen landespolitik der letzten 20 Jahre unter einer außschließlich "autodenkenden" CDU-Regierung. Jetzt denkt man darüber nach Dresden andlich einmal an Berlin oder Nürnberg anzuschließen, das die Anbindung nach Prag, oder überhaupt Tschechien und Polen, beinah nicht existent ist grenzt schon an die Versinnbildlichung des verkehrspolitischen Versagens und Kleigeistes seit Biedenkopf, Milzbrad und Tillich... Wer heutzutage mit den Zug nach Dresden, Chemnitz, Zwickau, Görlitz, Plauen reisen will kann das nur in lärmigen und unzumutbaren Regionalzügen machen, ein absolut provinzieller Zustand der in der Regierung jedoch nicht zur Kenntniss genommen wird da der letzte Politiker aus Regierung oder Landtag wahrscheinlich das letzte mal vor 15 Jahren Zug gefahren ist.
In Sachsen gibt es auch private Regionalbahnen, nicht von der Deutschen Bahn betrieben und weit besser als diese. Vernünftige Preise, man kann Fahrkarten im Zug lösen, die Züge sind pünktlich und sauber und man bekommt Getränke und Bagettes an den Platz gebracht. Und die Klimaanlagen funktionieren!
Eine Verfassungsklage vor dem BundesVERWALTUNGSgericht in Leipzig, ja? Deswegen spricht man ja immer auch vom "Gang nach Leipzig" oder dass "Leipzig ein Gesetz gekippt" hätte ...
Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo Ihr Problem liegt? Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich TATSÄCHLICH in Leipzig, wie eine einfache Recherche oder www.bverwg.de hätte beweisen können. Stattdessen kommen Sie mit Ihrem Halbwissen daher und meinen wahrscheinlich irrtümlicherweise das BundesVERFASSUNGSgericht, das wiederum de facto nicht in Leipzig, sondern in KArlsruhe zu finden ist.
Erst denken, dann schreiben...
Obwohl ich die Deutsche Bahn noch immer als Verkehrsmittel nutzen MUSS, ist diese als Unternehmen bei mir völlig unten durch und an Peinlichkeiten selbst von der Deutschen Post nicht mehr zu überbieten. Muss irgendwie daran liegen, dass der Staat seine Finger im Spiel hat.
Beide Unternehmen gehören zu der Sorte, die sich darum streiten das kundenunfreundlichste Unternehmen in D zu sein - weitere Mitstreiter gibt es bestimmt...
Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo Ihr Problem liegt? Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich TATSÄCHLICH in Leipzig, wie eine einfache Recherche oder www.bverwg.de hätte beweisen können. Stattdessen kommen Sie mit Ihrem Halbwissen daher und meinen wahrscheinlich irrtümlicherweise das BundesVERFASSUNGSgericht, das wiederum de facto nicht in Leipzig, sondern in KArlsruhe zu finden ist.
Erst denken, dann schreiben...
Obwohl ich die Deutsche Bahn noch immer als Verkehrsmittel nutzen MUSS, ist diese als Unternehmen bei mir völlig unten durch und an Peinlichkeiten selbst von der Deutschen Post nicht mehr zu überbieten. Muss irgendwie daran liegen, dass der Staat seine Finger im Spiel hat.
Beide Unternehmen gehören zu der Sorte, die sich darum streiten das kundenunfreundlichste Unternehmen in D zu sein - weitere Mitstreiter gibt es bestimmt...
Im selbsternannten "Autoland Sachsen" interessiert sich nach meiner Erfahrung niemand für die Bahn, denn jeder der irgendwie kann fährt mit dem Auto umher - kein Wunder bei dem spartanischen Bahnangebot - das mangels Fahrgästen dann weiter ausgedünnt wird. Aus ihrer Windschutzscheibenperspektive merkt die Landesregierung allerdings auch gar nicht, dass es auch Touristen oder Investoren geben könnte, die die Bahn als brauchbares Verkehrsmittel kennen und so etwas auch in Sachsen erwarten, dies aber diesbezüglich in der Diaspora vorfinden. Da prallen dann zwei Mobilitäts-Kulturen aufeinander.
Dass sich der Trend auch umdrehen lässt zeigen einige engagierte Privatbahnen im Erzgebirge, die sich dann auch ein neuer regionaler Ableger der DB zum Vorbild genommen hat - ebenfalls mit Erfolg. Doch eine überregionale Anbindung, um die sich die Landesregierung bemühen müsste, braucht man kaum zu erwarten. Schließlich gibt es ja schon viele schöne Autobahnen, das reicht.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo Ihr Problem liegt? Das Bundesverwaltungsgericht befindet sich TATSÄCHLICH in Leipzig, wie eine einfache Recherche oder www.bverwg.de hätte beweisen können. Stattdessen kommen Sie mit Ihrem Halbwissen daher und meinen wahrscheinlich irrtümlicherweise das BundesVERFASSUNGSgericht, das wiederum de facto nicht in Leipzig, sondern in KArlsruhe zu finden ist.
Erst denken, dann schreiben...
Dass sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig befindet, ist allgemein bekannt, dafür muss der durchschnittliche gebildete Bundesbürger (anders als offenbar Sie) auf keinen Websites recherchieren. Nur ist das Bundesverwaltungsgericht eben, wie der Name schon sagt, letztinstanzlich für Verwaltungsstreitsachen zuständig, nicht aber für Verfassungsklagen. Die gehen nämlich in der Tat zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe. Die Verwechslung liegt beim Autor, nicht bei mir. Und "Problem" habe ich nicht das Geringste. Ich wollte lediglich einen peinlichen journalistischen Fehler ansprechen. Daher: Erst denken, dann blöd rumpampen.
Dass sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig befindet, ist allgemein bekannt, dafür muss der durchschnittliche gebildete Bundesbürger (anders als offenbar Sie) auf keinen Websites recherchieren. Nur ist das Bundesverwaltungsgericht eben, wie der Name schon sagt, letztinstanzlich für Verwaltungsstreitsachen zuständig, nicht aber für Verfassungsklagen. Die gehen nämlich in der Tat zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe. Die Verwechslung liegt beim Autor, nicht bei mir. Und "Problem" habe ich nicht das Geringste. Ich wollte lediglich einen peinlichen journalistischen Fehler ansprechen. Daher: Erst denken, dann blöd rumpampen.
Wenn gar nichts mehr geht, dann kann man noch in die Provinz gehen und Zeugen fürs Bahnbashing suchen. Irgendwas geht immer. Und wenn man dann unsachlich Verfassungsklagen vor Bundesverwaltungsgericht bringt. Die alten Leute auch noch verspotten, die man fürs Zeilengeld braucht. :-))
Ich bin gestern 600 km mit der Bahn durch die Republik gefahren. Pünktlich, alle Anschlüsse bekommen. Alles so wie geplant. Aber dafür bekommen Journalisten kein Zeilengeld. :-)
Ist ja toll, dass das bei Ihnen alles so problemlos geklappt hat. Sind sie von Stuttgart nach Hamburg mit dem ICE gefahren? Weil diese Strecke funktioniert einwandfrei, was auch niemand bestreiten will, geschweige denn kann.
Das ändert aber nichts daran, dass die Zuganbindung nach Dresden - immerhin eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern - fast nicht existent ist. Mit der Regionalbahn braucht man von Berlin aus gefühlte fünf Stunden, im Vergleich dazu mit dem Auto wenn es gut läuft eineinhalb. Und selbst wenn man Dresden als "Provinz" bezeichnen wollte, ist der hier aufgezeigte Missstand einer, den es lohnt journalistisch aufzuarbeiten.
Ist ja toll, dass das bei Ihnen alles so problemlos geklappt hat. Sind sie von Stuttgart nach Hamburg mit dem ICE gefahren? Weil diese Strecke funktioniert einwandfrei, was auch niemand bestreiten will, geschweige denn kann.
Das ändert aber nichts daran, dass die Zuganbindung nach Dresden - immerhin eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern - fast nicht existent ist. Mit der Regionalbahn braucht man von Berlin aus gefühlte fünf Stunden, im Vergleich dazu mit dem Auto wenn es gut läuft eineinhalb. Und selbst wenn man Dresden als "Provinz" bezeichnen wollte, ist der hier aufgezeigte Missstand einer, den es lohnt journalistisch aufzuarbeiten.
Obwohl ich die Deutsche Bahn noch immer als Verkehrsmittel nutzen MUSS, ist diese als Unternehmen bei mir völlig unten durch und an Peinlichkeiten selbst von der Deutschen Post nicht mehr zu überbieten. Muss irgendwie daran liegen, dass der Staat seine Finger im Spiel hat.
Beide Unternehmen gehören zu der Sorte, die sich darum streiten das kundenunfreundlichste Unternehmen in D zu sein - weitere Mitstreiter gibt es bestimmt...
hat seine Finger leider viel zu wenig im Spiel. Die alte Staatsbahn fuhr günstig und pünktlich.
hat seine Finger leider viel zu wenig im Spiel. Die alte Staatsbahn fuhr günstig und pünktlich.
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