Geschichte Der Mann, der niemals starb

Berühmt wurde er vor 250 Jahren als Geheimdiplomat in Frankreichs Diensten. Doch der mysteriöse Graf von Saint-Germain war weitaus mehr. Er war Komponist, Alchimist, Unternehmer, Glücksritter. Demnächst tritt er in Hamburg auf – für Frieden und Freiheit

Der Graf von Saint-Germain – das einzige zeitgenössische Portrait, von unbekannter Hand

Der Graf von Saint-Germain – das einzige zeitgenössische Portrait, von unbekannter Hand

Seine diplomatische Laufbahn ist spektakulär, aber kurz – und endet abrupt. Mitten im Siebenjährigen Krieg, zu Beginn des Jahres 1760, reist er im Auftrag des französischen Königs Ludwig XV. in die Niederlande. Er soll bei holländischen Banken die Kredite für Frankreich sichern. So jedenfalls lautet der offizielle Auftrag der inoffiziellen Mission.

Tatsächlich aber ist alles ungleich heikler: Vorbei am Außenminister, dem Herzog von Choiseul, hat Ludwig den eleganten und in vielen Sprachen versierten Emissär, der sich gewöhnlich Graf von Saint-Germain nennt, in den Haag entsandt, um das Terrain für einen Frieden mit den Briten zu sondieren. Das jedenfalls wird später kolportiert. Der Krieg gegen England und Preußen geht bereits ins vierte Jahr, und Ludwig ist des Kampfes müde. Saint-Germain gilt als intimer Kenner der englischen Verhältnisse. Einige Zeit hat er auf den Britischen Inseln gelebt, bevor er in Frankreich die Gunst der Marquise de Pompadour erlangte und damit zum Ohr des Königs fand.

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Die klandestine Außenpolitik seines Monarchen bleibt Choiseul freilich nicht verborgen. Sie droht seine Kreise zu stören. Ihm, einem der Baumeister der Versailler Allianz, mit der Frankreich sich 1756 von alten Bündnispartnern wie Preußen ab- und dem einstigen Erzfeind Österreich zugewandt hat, ist der Graf suspekt. Niemand kennt seine genaue Herkunft noch seine Ziele. Ist er womöglich ein englischer Spion? Mit welchen Mitteln hat er sich die Gunst des Monarchen erschlichen? Keinesweg durch diplomatische Künste, sondern allein mit den seltsamsten naturkundlichen Experimenten. Fleckige Diamanten hat er gereinigt!

Choiseul beobachtet Saint-Germain voller Argwohn. Als dieser dann von Holland aus die Unvorsichtigkeit begeht, der Marquise de Pompadour über seine Verhandlungen brieflich zu berichten, ist für den Außenminister die Gelegenheit gekommen, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Auf der Stelle interveniert er bei Hofe, wo man sich unwissend gibt. In einem Brief an den französischen Gesandten in den Niederlanden nennt er Saint-Germain einen »Abenteurer ersten Ranges« und droht damit, den Grafen bei dessen Rückkehr »für den Rest seiner Tage in einem Kerkerloch einzusperren«.

Schnell spricht sich der Unmut des Außenministers herum. Englands und Preußens Gesandte informieren ihre Höfe. Auch die Banken in den Niederlanden bekommen Wind von der Affäre. Der Graf erscheint desavouiert. Dennoch will er das diplomatische Parkett nicht verlassen. Scheinbar unbeeindruckt setzt er seine Friedensgespräche fort. Immerhin kann er sich auf das Vertrauen Willem Bentinck-van Rhoons stützen. Dieser angesehene Vertreter der Generalstaaten ist nach wie vor davon überzeugt, dass Saint-Germain auf höchste Weisung handelt. Und auch der Gesandte Frankreichs ist offenbar unentschlossen. Vielleicht gibt es ja wirklich einen königlichen Befehl?

Als Choiseul in Paris das Zaudern bemerkt, wird er unmissverständlich. Der König wünsche, schreibt er an den Gesandten in Holland, »dass Sie […] die Verhaftung dieses Burschen durchsetzen, damit er nach Frankreich überführt und […] bestraft wird«.

Saint-Germain begreift, dass es Ernst wird. In Paris ohne Rückhalt und im Haag jetzt nur noch von Bentinck gestützt, flieht er kurz entschlossen nach England. Dort freilich will man ihn nicht haben. Aus Furcht vor diplomatischen Verwicklungen soll er schnellstmöglich abgeschoben werden. Preußens König Friedrich II. lässt ihm Asyl anbieten, nach freier Wahl in Emden oder Aurich, weit weg von Potsdam und Berlin. Schon lange hat auch er die Umtriebe des wunderlichen Diplomaten aus der Ferne mit gehöriger Skepsis betrachtet. Lediglich ein Rest von Hoffnung in eine womöglich von höchster Hand gesteuerte und damit vielleicht auch Preußen nützliche Friedensmission des Grafen ist ihm geblieben. Saint-Germain jedoch macht keinen Gebrauch von der Offerte. Ein Exil in Ostfriesland? Kommt für ihn nicht in Betracht. Trotz Haftbefehls reist er heimlich zurück in die Niederlande. Dort verliert sich seine Spur in Rotterdam – im Nichts der Gerüchte und Mutmaßungen.

Wer war der geheimnisvolle Mann, der vielleicht die Chance hatte, dem Siebenjährigen Krieg eine Wendung zu geben und so ein Kapitel Weltgeschichte zu schreiben? Ein unehelicher Sohn der Königin Maria-Anna von Spanien? Die Gemahlin des letzten Habsburgers auf dem spanischen Thron habe, so wurde gemunkelt, ihn von einem jüdischen Bankier in Madrid empfangen. Womöglich war der Erzeuger aber auch ein spanischer Offizier oder gar ein Jesuit. Im Umfeld der Marquise de Pompadour kreiste das Gerücht, Saint-Germain sei ein Bastard des portugiesischen Königs. Casanova hielt ihn für einen italienischen Geigenspieler, der eigentlich Catalani heiße. Andere dagegen wollten in Italien herausgefunden haben, er sei der Sohn eines Steuereinnehmers aus San Germano im Piemont. Daher also der Name: Saint-Germain! Eine bestechende Logik.

Besonders beliebt ist die These vom Grafen als ältestem Sohn des ungarischen Fürsten Ferenc II. Rákóczi (1676 bis 1735), eines wider die Habsburger aufmüpfigen Herrschers aus Transsilvanien. 1696 sei Saint-Germain auf dem Balkan zur Welt gekommen und 1700, noch als Kind, gestorben. Tatsächlich sei er aber gar nicht gestorben. Man habe ihn heimlich nach Florenz gebracht und in die Obhut des letzten Medici gegeben, um den unschuldigen Knaben vor Habsburgs Leopold I. in Sicherheit zu bringen – einem unversöhnlichen Feind der widerspenstigen siebenbürgischen Dynastie. Diese Version seiner Lebensgeschichte hat Saint-Germain selbst kultiviert. Allein an der Hand eines Begleiters sei er durch finstere Wälder geirrt, so beliebte er später zu erzählen. Einzige Erinnerung an seine Eltern sei ein Medaillon gewesen, das seine Mutter ihm, dem kleinen Jungen, am Arm befestigt habe.

Was davon mag stimmen? Die ersten verlässlichen Spuren der gräflichen Existenz jedenfalls finden sich in England. 1745 tritt er in London als Musiker und Komponist auf. Drei Arien für die dort einst populäre Oper L’Inconstanza Delusa, »Die eingebildete Untreue«, stammen nachweislich aus seiner Feder, auch einige Stücke Kammermusik sind überliefert.

Als der katholische Kronprätendent Charles Edward Stuart (»Bonnie Prince Charlie«) im selben Jahr von Frankreich aus mit einer kleinen Invasionstruppe in Schottland landet, um seinen Anspruch auf den schottischen und englischen Thron durchzusetzen, kommt es in England zu Übergriffen auf Katholiken. Auch den Grafen trifft es; wohl wegen seines Namens hält man ihn für einen papistischen Ausländer und wirft ihn ins Gefängnis. Horace Walpole, der Sohn des englischen Staatsmanns und Premierministers Robert Walpole, notiert: »Kürzlich wurde ein Narr verhaftet, der unter dem Namen Saint-Germain lebt. Er ist zwei Jahre hier gewesen und will nicht sagen, wer und woher er ist […]. Er singt, spielt wundervoll Violine, komponiert, ist verdreht und nicht sehr feinfühlig […]. Der Prinz von Wales war unbändig neugierig auf ihn.«

Saint-Germain wird aus der Haft entlassen, traut aber England nicht länger. Für ein Jahrzehnt verschwindet er von der Bildfläche. Als er um 1757 in Frankreich auftaucht, geht die Kunde, er habe sich zuvor in deutschen Landen aufgehalten. Heutige Saint-Germain-Experten wie der Kieler Jurist und Historiker Hartmut Verfürden, der die Lebensgeschichte des Grafen seit zwei Jahrzehnten erforscht, halten es für denkbar, dass er zeitweise in Wien und Italien gewesen sein und selbst Indien bereist haben könnte.

In Frankreich ist Saint-Germain nicht mehr Musiker, sondern agiert als geschmeidiger Unternehmer. Über den Marquis de Marigny, den Bruder der Pompadour, bietet er dem Hof den Aufbau einer Manufaktur an. In ihr will er Farbstoffe herstellen und neue, sensationelle Techniken zum Kolorieren von Textilien und Leder einsetzen. Das klingt einträglich, denn gute Farben sind rar und müssen bis dato für viel Geld aus fremden Ländern importiert werden. Ludwig XV. zeigt sich aufgeschlossen und stellt für das vielversprechende Projekt Räume im prächtigen Schloss Chambord an der Loire zur Verfügung. Von dieser Residenz aus schafft es Saint-Germain, in die wichtigsten Pariser Salons zu gelangen. Dort ist er ein gern gesehener Gast.

r war gelehrt, beherrschte die meisten Sprachen, war ein großer Musiker und Chemiker, hatte ein angenehmes Gesicht und verstand alle Frauen zu kirren«, berichtet Casanova nach einem gemeinsamen Essen im Hause der extravaganten Madame d’Urfé, einer vermögenden Alchimistin. »Er gab ihnen zugleich Schminken und Schönheitsmittel und schmeichelte ihnen mit der Hoffnung, nicht, sie zu verjüngen […], wohl aber, sie in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten, und zwar mittels eines Wassers, das er ihnen schenkte, obwohl es ihn selbst, wie er sagte, viel Geld kostete.«

Natürlich, das ist allen klar, muss er über einen sagenhaften Reichtum verfügen. Und mehr noch: Saint-Germains betont asketische Lebensweise suggeriert arkanes Wissen von der menschlichen Physis. »Er lebte sehr mäßig, trank nie beim Essen und purgierte sich mit selbst bereiteten Sennesblättern« – letztere ein probates Abführmittel. Seinen Freunden gibt er den Rat, es ihm gleichzutun, wollten sie lange leben. Wenig überraschend, dass ihn Dorian-Gray-Gerüchte umgeben: »Er sieht höchstens wie 45 aus, und doch behauptet man, dass er mindestens 110 Jahre zählt.«

Endgültig zur Überzeugung von der Unsterblichkeit des Grafen verdichtet sich solche Rede, als in Paris ein Spaßvogel auftritt, der sich selbst für Saint-Germain ausgibt und mit gehörigem Ernst erklärt, ein Freund von Jesus Christus gewesen zu sein, die Heilige Jungfrau Maria gekannt und am Konzil zu Nicäa teilgenommen zu haben. Der wahre Saint-Germain widerspricht nicht. Warum auch sollte er? Nimbus, so weiß er, kann nicht schaden. »Das ist ein Mann, der niemals stirbt und alles weiß«, spottet Voltaire in einem Brief an Friedrich II. über den Grafen. Einer weitgehend humor- und ironieaversen Esoterikszene gilt die Bemerkung bis heute als kanonisch.

Nach dem jähen Ende seiner Diplomatenlaufbahn und seinem mysteriösen Abgang im Jahre 1760 tritt Saint-Germain erst etwa zwei Jahre später wieder in Erscheinung, und zwar in den Österreichischen Niederlanden. In Ubbergen bei Nimwegen hat er sich niedergelassen und der neuen Heimat entsprechend den Namen Surmont angenommen. Er plant eine Manufaktur, in der er seine chemischen Experimente wieder aufnehmen will. Es gelingt ihm, den Grafen Cobenzl, Österreichs bevollmächtigten Minister in Brüssel, für sich einzunehmen. Cobenzl wittert ein gutes Geschäft. Er spricht in Wien bei Maria Theresias Staatskanzler Kaunitz vor. »In einem zahlreichen Bekanntenkreis«, preist Cobenzl den Grafen an, »hat er vor meinen Augen einige Versuche gemacht […]. Die Wesentlichsten bestehen in der Verwandlung von Eisen in ein Metall, das ebenso schön ist wie Gold […], ferner in der Färbung und Bearbeitung von Leder in einer solchen Vollkommenheit, daß es alle Maroquins der Welt […] übertrifft. Auch die Seiden- und Wollfärberei hat er zu einer bisher unbekannten Vollendung gebracht.«

Der Staatskanzler indes bleibt skeptisch. Er lässt Materialproben vornehmen. Sie fallen ernüchternd aus. Den Farben mangelt es an Leuchtkraft. Sie bieten nichts Neues. Bei Weitem nicht alle gewünschten Couleurgattungen sind vorhanden. Und ohnehin: Wenn die Gerüchte stimmen, ist Saint-Germain als Spross des renitenten Rákóczi-Clans ein Staatsfeind erster Klasse. Also lehnt Kaunitz es kategorisch ab, sich mit der Sache weiter zu befassen. Als wiederum Saint-Germain erfährt, dass aus der erhofften Staatsbeteiligung nichts wird, packt er stehenden Fußes seine Koffer und verschwindet erneut im Nichts.

Gerüchte besagen, dass er nun in Russland wirkt. Dort ist er angeblich in die Ermordung Zar Peters III. verwickelt, die Katharina II. den Weg auf den Thron ebnet. Er selbst soll später behauptet haben, in Indien und auch China gewesen zu sein. Dichtung und Wahrheit verschwimmen. Gesicherte Erkenntnis gibt es erst wieder für das Jahr 1774. Jetzt lebt der Graf im fränkischen Ansbach, Tsarogy nennt er sich hier. Aufs Neue versucht er sich an seltsamen Produktionsprozessen. Der Markgraf Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach bekundet Interesse. Die Finanzen des kleinen Fürstentums sind zerrüttet. Da kommt ein »Goldmacher« gerade recht. Als Karl Alexander von der wahren Identität des Grafen Tsarogy erfährt, ist das Vertrauen in die Künste des Gastes freilich erschüttert. Saint-Germain muss Ansbach verlassen und zieht über Dresden und Berlin nach Altona.

In der dänischen Stadt vor den Toren Hamburgs lernt er, der sich inzwischen als Graf von Saint-Germain und Welldone vorstellt, im August 1779 den Prinzen Karl von Hessen-Kassel kennen, seinen letzten hochmögenden Protektor. Der Prinz ist königlicher dänischer Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein, ein Freimaurer von hohen Graden und ein Mann mit ausgeprägten alchimistischen Interessen. Er lädt Saint-Germain auf seinen Landsitz Louisenlund unweit von Schleswig ein. Dort – im von Karl erbauten Freimaurerturm – machen beide esoterische Experimente.

Wenig erstaunlich, dass bald die Kunde geht, auch der Graf von Saint-Germain sei ein Mitglied der diskreten Gesellschaft und womöglich gar jener bislang »unbekannte Obere«, der den Brüdern niedrigeren Standes Quellen höchster masonischer Weisheiten und fabelhafter Erkenntnisse zu erschließen vermag. 

Der Prinz jedenfalls kauft ihm in Eckernförde an der Ostseeküste eine leer stehende Fabrik. Saint-Germain nimmt ein letztes Mal Anlauf, wundersame Essenzen und Farben herzustellen, die so dauerhaft sein sollen, dass sie Sonne, Regen und selbst Säuren trotzen. Sie missraten ihm ebenso wie die sonderbare Legierung, die man später sarkastisch als »Karlsgold« bespöttelt. Unterdessen peinigen den Grafen in den feuchten Räumen seines Labors heftige Rheumaattacken. Sein wahres Alter und düstere Melancholie beginnen ihn zu quälen.

Am 27. Februar 1784 stirbt er in Eckernförde, während sein fürstlicher Gönner gerade in hessischen Stammlanden weilt. Das Totenregister der Eckernförder Sankt-Nicolai-Kirche vermerkt schlicht: »Am 2. März der sich so nennende Graf von Saint-Germain und Welldone – weitere Nachrichten sind nicht bekannt geworden – in hiesiger Kirche still beigesetzt.« Der Nachlass des von vielen steinreich Gewähnten deckt nicht einmal die Kosten seiner Beerdigung. Sie werden später von Karl von Hessen-Kassel bezahlt, der dafür die schriftlichen Hinterlassenschaften seines Alchimisten an sich nimmt. Sie verschwinden für immer.

Aber stimmt die Eintragung im Kirchenbuch überhaupt? Ist der Graf wirklich tot? Schon ein Jahr darauf raunt Johann Erich Biester spöttisch im Zentralorgan der deutschen Aufklärung, der Berlinischen Monatsschrift, »daß manche itzt noch, da er gestorben ist, glauben: er lebe und werde bald lebendig hervorgehen«.

In der Tat: Adepten sind von seinem Fortleben überzeugt. Schon 1785 sehen sie ihn auf Freimaurerkongressen in Wilhelmsbad und Paris. Kurz darauf warnt er Marie Antoinette vor den Folgen der Französischen Revolution. 1836 erweist er Karl von Hessen-Kassel die letzte Ehre. An der Beisetzung seines Gönners nimmt er standesgemäß in persischem Gewande teil.

Fünfzig Jahre später entdecken ihn die Theosophen. Helena Petrovna Blavatsky, Mitbegründerin der mystischen Weltanschauungslehre, weist ihm die Rolle eines »geheimen tibetanischen Weisen« zu. In Rudolf Steiners Anthroposophie avanciert er zum »aufgestiegenen Meister« und zur Reinkarnation des hohen Eingeweihten Christian Rosencreutz – zumal gewiss ist, dass sich in den Händen des Grafen die Kopie eines geheimen Dokumentes aus den vatikanischen Archiven befindet, welches das Rätsel um die wahre Symbolik des Pfingstfestes löst. »Dieses Manuskript«, erklärt Rudolf Steiner in einem Vortrag am Pfingstmontag 1904, »hat wohl kaum jemand gesehen,

der nicht in die tiefsten Geheimnisse der katholischen Kirche eingeweiht war oder es im Astrallichte zu lesen vermochte. Eine Kopie davon besitzt eine Persönlichkeit, welche von der Welt sehr verkannt worden ist, die aber heute anfängt, für den Geschichtsbetrachter interessant zu werden. Ich könnte auch ebenso sagen ›hat besessen‹ statt ›besitzt‹, aber es entstände eine Unklarheit dadurch. Deshalb sage ich: eine Kopie besitzt der Graf von Saint-Germain.«

Ein esoterisch orientierter Saint-Germain-Zukunftskongress in Hamburg im Herbst dieses Jahres könnte sicheren Aufschluss geben. Dort soll der Graf – unermüdlicher Streiter für Freiheit und Frieden und deshalb geistiger Schirmherr der Veranstaltung – nämlich fachkundig »gechannelt« werden. Ein Medium tritt als menschlicher Kanal für sein Lichtwesen auf. Da ist Erleuchtung garantiert. Außerdem wird seine Musik gespielt, und die zumindest klingt noch recht lebendig.

Der Verfasser ist Jurist in Hamburg. Bei Tage arbeitet er als Notar. Bei Nacht befasst er sich gern mit der Zauberkunst und seltsamen Gestalten. Mehr zum Thema in der kleinen ständigen Saint-Germain-Ausstellung des Museums Eckernförde, Rathausmarkt 8, Tel. 04351/71 25 47

 
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