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Wird man eines Tages alle Bomben gefunden, entschärft und beseitigt haben?

Kann man die Bombenkarte irgendwo einsehen? »Nein«, sagt Thomas Otto, »Kampfmittelbelastungsdaten sind personenbezogene Daten und unterliegen dem Datenschutz.« Aber müsste die Öffentlichkeit nicht informiert werden? »Seit mehr als 60 Jahren wird geräumt, täglich wird geräumt«, sagt Thomas Otto, der Großteil der Blindgänger sei beseitigt. Wirklich und zu hundert Prozent sicher aber ist in diesem Metier nichts und kann es auch nicht sein. Wurde die Alster jemals genau abgesucht, so wie die Berliner Gewässer? »Nicht komplett.« Wie viele der 2900 Bomben, die noch im Hamburger Boden liegen, sind mit chemischen Langzeitzündern ausgestattet? »Dazu gibt es keine verlässlichen Angaben.«

Um die verbliebenen Sprengsätze möglichst gezielt aufzuspüren, kauft Thomas Ottos Behörde noch immer neue Luftbilder, zuletzt in diesem Jahr: 4500 Stück aus einem neu erschlossenen britischen Geheimdienstbestand. Sie werden in die Hamburger Sammlung integriert.

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Die Menge der gefundenen Munition hängt indes weniger von der Masse der Luftbilder als vom Umfang der Bauvorhaben in einer Stadt oder Region ab. In Hamburg wurde 2009 fast doppelt so viel Munition ausgegraben wie 2008 – vieles davon im südlichen Stadtteil Wilhelmsburg, auf dem Gelände, auf dem 2013 die Internationale Gartenschau stattfinden wird. Alles in allem fanden die Bombensucher 3,114 Tonnen Sprengstoff.

Auch die Zahlen für andere Bundesländer sind schwindelerregend: 892 Einsätze meldet Sachsen für 2009; rund 300.000 »Kampfmittel aller Art« wurden aus dem Boden geholt. In Nordrhein-Westfalen, wo annähernd die Hälfte aller alliierten Bomben fiel, bargen die Räumdienste im vergangenen Jahr 27 Tonnen puren Explosivstoff.

Wie viele Weltkriegsbomben bundesweit noch unter der Erdoberfläche liegen, vermag niemand sicher zu sagen. Dazu gebe es »keine belastbaren Daten«, sagt der Altlasten-Experte Wolfgang Spyra. Aber ob es nun 100.000 seien, wie manche meinen, oder noch mehr – das sei letztlich auch egal. Entscheidend sei, die Gefahr, so gut es geht, einzudämmen. Millionen von Luftaufnahmen, sagt Spyra, »harren noch der Auswertung«.

Wird man eines Tages alle Bomben gefunden, entschärft und beseitigt haben?

»Wohl kaum«, sagt Thomas Otto. »Um das zu bewerkstelligen, müsste man etwa hier in Hamburg die ganze Stadt abreißen.« So bleiben die zwölf Jahre des »Tausendjährigen Reichs« auch in dieser Hinsicht eine Vergangenheit, die nicht vergeht.

 
Leser-Kommentare
  1. Als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt brauchen wir keine kritische Berichterstattung zu Spätfolgen erfolgreicher Waffenproduktion.

    Will der Schreiber etwa die Verantwortung dafür übernehmen, wenn durch Angst vor den Spätfolgen eine negative Stimmung gegen Krieg und in der Folge ein Rückgang unserer Rüstungsproduktion mit Anstige der Arbeitslosigkeit in der Rüstungsbranche entstehen?

    Absolut leichtfertig

    Bitte verzichten Sie zynische Kommentare, aus denen nicht klar hervorgeht, ob Sie die darin enthaltene Meinung vertreten. Die Redaktion/is

  2. Ganz Oranienburg ist ein Pulverfass. In Berlin donnerte
    über Jahrzehnte der Schwerlastverkehr im Sekundentakt
    über die, nur 50 cm bis 1 m tiefer liegenden Bomben. Die
    Bürger der BRD, der DDR und West - Berlins waren besoffen
    bis tolldreist lebensmüde und scherten sich einen Dreck
    darum. Und ich glaube das und bin selig. Der Weltunter-
    gang schreit uns aus allen Ecken an und die Erde ist ein
    Unort und das Leben ein Jammertal. Woll. Das ist Sarkasmus
    pur.

  3. vor allem, weil es was kostet (allenfalls für Wehrmachtsmaterial und auch das nur mit sehr gebremstem Schaum).

    Wie - fast immer - ist die Sicherheit der Menschen Nebensache und die weiter entfernten Politiker reden die Gefahren klein, während hunderte (nicht vorhandene) Milliarden dem goldenen Kalb des Kapitalismus geopfert werden.

    Geht es um die "Vorsorge" vor kaum vorhandenen und zumeist selbst inszenierten Terrorismus, dann ist nichts zu teuer von Mautbrücken zu Kennzeichenscannern, von Körperscannern bis Vorratsdatenspeicherung, Abhören von Telefonaten und Ausspähung von Internet und Emails bis hin zu paramilitärischen europäischen Gendarmerieeinheiten, die in- und ausserhalb der eigenen Nationalstaaten gegen die jeweilige Bevölkerung eingesetzt werden sollen.

    Dafür scheint reichlich Geld und Interesse vorhanden, aber offensichtlich aus einem ganz anderen Motivationshintergrund, der nichts - aber auch gar nichts - mit einem Schutz der Bevölkerung zu tun hat, sondern eher mit Eigenschutz zum Machterhalt, wenn der große Crash ums goldene Kalb kommt (aber in Deutschland geht es ja massiv bergauf wird überall vermeldet - bis zum DoubleDip).

    Insofern sollte man die derzeitige amerikanische Spendenmanie sorgenvoll betrachten. Was wissen diese Leute, was wir nicht wissen sollen oder dürfen?

    Will man sich den Zugang zu den letzten Plätzen auf der Arche Noah sichern, weil man weiß, das Geld später wertlos ist?

  4. Der Kapitalismus ist nur ein Instrument zum Zwecke der Menschenbeherrschung. Wer wird denn wie hypnotisiert ständig auf die Peitsche starren.... mit der er getrieben werden soll ? Seht auf die Hand, die das Instrument hält.
    Schaut den Arm an dem die Hand ist, schaut den Leib. Schaut
    das Gesicht. Menschen sind es, Menschen. Menschen lassen
    andere Menschen so tanzen. Sarkasmus. Alles Sarkasmus.

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    Also sind die sozialistischen Bomben der Roten Armee ungefährlich? Oranienburg lag übrigens Jahrzehnte im sozial existierenden Sozialismus, da hat man sich offenbar auch nicht um die Räumung gekümmert.

    Also sind die sozialistischen Bomben der Roten Armee ungefährlich? Oranienburg lag übrigens Jahrzehnte im sozial existierenden Sozialismus, da hat man sich offenbar auch nicht um die Räumung gekümmert.

  5. noch mindestens einen sehr großen Blindgänger in Bahnhofsnähe. Trotz mehrmaliger Hinweise gab es keine Reaktionen bezüglich dieses Umstands von Seiten des Stadtrats.

    • TDU
    • 06.08.2010 um 22:00 Uhr

    In Köln war die Bombe von voriger Woche in der Nähe einer Jugendherberge und mit Freunden haben wir bei Ausflügen früher da gespielt. Möglicherweise sogar unmittelbar drüber. Ist aber lange her.

    Da habe ich mir weiter keine Gedanken gemacht. Et kütt wie et kütt - erst mal. Aber dann wurde ich völlig abgelenkt von diesen selbstverschuldeten Wehwechen durch die Berichte über Streubomben.

    Verbrecherische Waffen, auch eingesetzt vom Westen, die zu Millionen herum liegen und über denen man nicht spielen kann, in deren Riskobereich dennoch täglich Kinder geraten, die schwer verletzt werden oder getötet. Und wo sich schon der Anflug eines "et kütt wie et kütt" absolut verbietet.

    Deutschland hat ja das Verbot unterzeichnet aber die Waffenindustrie erfindet dennoch Lösungen für ähnliches. Manchmal ist man einfach sprachlos.

  6. Jau, und morgen ist schon wieder Amagedon und die Welt geht zum zig-wiederholten Male unter. Ich finde den Wagemut all der Droschkenlenker über die Jahrzehnte hinweg ja unbedingt erwähnenswert. Todesmutig kacheln sie über ein deutlich gekennzeichnetes Bombenfeld dahin, was sie augenblicklich ins Nirvana oder alternativ ins Wallhall hätte bringen können. Ob dieser Risikobereitschaft mache ich mir keine nennenswerte Gedanken über dem Fortbestamd der Nordisch Rasse. Wir werden überleben. Vorrausgesetzt, es gibt nicht noch den einen oder anderen Weltungergang. Äh, wann ist eigentlich der nächste?

  7. In Hamburg hat es in mehr als 65 Jahren bei ca. 3000 verbliebenen Sprengbomben keine Selbstdetonation gegeben. Das deutet meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich darauf hin, daß die Gefahr weit übertrieben gesehen wird. Vermutlich sind die allermeisten Zünder der Blindgänger beim Aufschlag zerstört worden und daher sind diese Bomben nicht mehr zündfähig.

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    • TDU
    • 07.08.2010 um 10:32 Uhr

    Verharmlosen sollte man diese "Blindgänger" nun wirklich auch nicht. Vor kurzer Zeit ist doch eine Bombe expoldiert. Und wäre das in Köln passiert, hätte die Bombe eine ganze Menge Häuser vollständig zerstört.

    • TDU
    • 07.08.2010 um 10:32 Uhr

    Verharmlosen sollte man diese "Blindgänger" nun wirklich auch nicht. Vor kurzer Zeit ist doch eine Bombe expoldiert. Und wäre das in Köln passiert, hätte die Bombe eine ganze Menge Häuser vollständig zerstört.

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