Stimmt's? Stecker raus!

"Verbrauchen Ladegeräte auch ohne Handy Strom?", fragt Richard Latzin aus Wien

Ein verschwenderisches Ladegerät zieht etwa 0,5 Watt aus dem Netz, wenn kein Handy dran hängt

Ein verschwenderisches Ladegerät zieht etwa 0,5 Watt aus dem Netz, wenn kein Handy dran hängt

Als Laie stellt man sich so ein Handy-Ladegerät vielleicht vor wie einen Schlauch, der an der Wasserleitung hängt und einen Vorratstank mit Wasser auffüllt. Ist der Tank abmontiert und der Hahn verschlossen, dann fließt auch kein Wasser heraus – den Schlauch kann man ruhig hängen lassen.

Aber so einfach ist es eben nicht. Das Ladegerät enthält einen Trafo, der die Netzspannung auf die niedrige Ladespannung des Handys heruntertransformiert. Und dieser Trafo verbraucht Energie, auch wenn kein Handy angeschlossen ist. Das kann man schon daran spüren, dass diese Geräte häufig recht warm werden.

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Der Handy-Hersteller Nokia warnt seine Kunden vor diesem »Leerlaufstrom« und behauptet, man könne den Verbrauch von »85.000 Haushalten« einsparen, wenn man die Geräte aus der Steckdose ausstöpseln würde.

Rechnen wir einmal nach: Ein verschwenderisches Ladegerät zieht etwa 0,5 Watt aus dem Netz, wenn kein Handy dran hängt. Macht pro Jahr gut 4 Kilowattstunden (die weniger als einen Euro kosten). Ein deutscher Haushalt verbraucht im Jahr etwa 4000 Kilowattstunden Strom. 85.000 Haushalte – das entspricht demnach dem Leerstrom von 85 Millionen eingestöpselten Netzteilen. Weltweit könnte das hinkommen.

Aber egal, ob die Rechnung des Herstellers nun wirklich realistisch ist oder nicht, der Hinweis ist richtig. Jedes Netzteil, das ständig eingesteckt ist, gleicht einem tröpfelnden Wasserhahn. Darum: Stecker raus!

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leser-Kommentare
  1. sondern ein Schaltnetzteil, dessen Wirkungsgrad im Vergleich recht gut ist.
    Ich unterstütze jeden Energieparappell. Im Vergleich zu den Standby-Leistungen vieler anderer elektronischer Geräte ist ein Handy-Ladegerät noch harmlos. Daher sollte man VOR ALLEM die großen Stromfresser ausstecken / abschalten. Ein einziges unnötig brennendes Licht mit 60Watt-Glühbirne verbraucht ca. 120mal so viel, wie ein Handy-Ladegerät.

    Genug geschlaumeiert.

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    der neue Stecker soll 'Micro-USB' werden, neuere Blackberries sind bereits damit ausgestattet. Die Idee ist gut, warum man jedoch wieder eine neue, unübliche Variante wählen musste ist mir schleierhaft. Denn vor wenigen Jahren setzte sich ja Mini-USB als Daten- und Ladestecker durch.

    der angegebene Wert von 0.5 Watt betrifft tatsächlich nicht die alten grossen olschen Netzteile mit Trafo. Sondern die modernen, mit Schaltnetzteil. Aber auch dort gibt es Qualitäts, sprich Unterschiede bei der Leerlaufleistung.
    Allerdings ist auch in Schaltnetzteilen ein Trafo verbaut. Stellen sie sich vor es wärer keiner drin: wie sollten die 230V aus der Steckdose harmlos werden? Allerrsings wird dieser Trafo mit einigen kHz angesteuert, nicht mit 50Hz aus der Steckdose. DAs macht die Trafobleche klein, die Windungen winzig und das Gehäuse kann schrumpfen.

    zur galvanischen Entkopplung, d.h. der Minuspol des Ausgangs kann dann auf ein beliebiges Spannungsniveau gesetzt werden. Diese Speichertrafos sind etwas anders aufgebaut, als klassische Transformatoren.

    Es gibt auch Schaltnetzteile ohne "Trafo", hier wird nur eine einzelne Spule getaktet mit der Eingangsspannung beschaltet. Die Art der Taktung bestimmt dann die Ausgangsspannung und der Ausgang ist galvanisch nicht entkoppelt.

    Wie dem auch sei, wenn wir den PC jetzt für 10 min ausschalten, bringt das mehr, als das Handy-Ladegerät den ganzen Tag abzustecken. Trotzdem will ich niemanden davon abhalten, auch dies zu tun.

    der neue Stecker soll 'Micro-USB' werden, neuere Blackberries sind bereits damit ausgestattet. Die Idee ist gut, warum man jedoch wieder eine neue, unübliche Variante wählen musste ist mir schleierhaft. Denn vor wenigen Jahren setzte sich ja Mini-USB als Daten- und Ladestecker durch.

    der angegebene Wert von 0.5 Watt betrifft tatsächlich nicht die alten grossen olschen Netzteile mit Trafo. Sondern die modernen, mit Schaltnetzteil. Aber auch dort gibt es Qualitäts, sprich Unterschiede bei der Leerlaufleistung.
    Allerdings ist auch in Schaltnetzteilen ein Trafo verbaut. Stellen sie sich vor es wärer keiner drin: wie sollten die 230V aus der Steckdose harmlos werden? Allerrsings wird dieser Trafo mit einigen kHz angesteuert, nicht mit 50Hz aus der Steckdose. DAs macht die Trafobleche klein, die Windungen winzig und das Gehäuse kann schrumpfen.

    zur galvanischen Entkopplung, d.h. der Minuspol des Ausgangs kann dann auf ein beliebiges Spannungsniveau gesetzt werden. Diese Speichertrafos sind etwas anders aufgebaut, als klassische Transformatoren.

    Es gibt auch Schaltnetzteile ohne "Trafo", hier wird nur eine einzelne Spule getaktet mit der Eingangsspannung beschaltet. Die Art der Taktung bestimmt dann die Ausgangsspannung und der Ausgang ist galvanisch nicht entkoppelt.

    Wie dem auch sei, wenn wir den PC jetzt für 10 min ausschalten, bringt das mehr, als das Handy-Ladegerät den ganzen Tag abzustecken. Trotzdem will ich niemanden davon abhalten, auch dies zu tun.

    • jojocw
    • 09.08.2010 um 18:57 Uhr

    Ist es nicht so, dass die EU demnächst alle Handyhersteller verpflichtet, dass es nur noch ein einheitliches Ladegerät für alle Handys, egal welches Fabrikat geben soll?

    Und dass die Hersteller nach langen Überlegungen auf die Idee gekommen sind, die Ladegeräte mit einem einfachen EIN-AUS-Schalter zu versehen, der es tatsächlich vom Stromnetz trennt?
    Dann kann man es nämlich ohne Stromverbrauch eingesteckt lassen. Viele machen das, weil sie das Ladegrät sonst immer irgendwo suchen müssen.

  2. Das "Stecker raus!"-Mantra ist mal wieder so eine Gutfuehl-Strategie ohne echte Wirkung. Darueber taeuschen wir uns nur gerne hinweg mit beindruckenden Zahlen wie 85.000 Haushalte. Weltweit, wohlgemerkt. Das klingt nach viel, bei 6 oder 7 Milliarden Menschen weltweit sind dies jedoch nur ungefaehr 0.004% aller Haushalte, wenn man von 3 Personen pro Haushalt ausgeht.

    Also, "Stecker raus" gerne, aber sich dabei bitte nichts vormachen: Die Energie- und Klimaprobleme der Welt werden mit solchem Firlefanz nicht geloest.

    Mehr dazu:

    www.withouthotair.com

    Das gesamte Buch ist sehr empfehlenswert. Bzgl. der Ladegeraete auf Kapitel 11 klicken ("Gadgets").

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Autor des Artikels spekuliert nur das dies vielleicht Weltweit hinkommen könnet, das 85 Millionen Netzteile ungenutzt eingestöpselt sind.

    Sehr geehrter Herr Drösser,

    ich gebe ihnen recht das sich die in ihrer Rechnung ergebenden 85 Millionen Handynetzteile nach einer sehr großen Zahl anhört, es währen aber auch nur etwas mehr als 1 Ladegerät pro Bundesbürger.Ich nutze Zeitgleich 2 (manchmal auch 3) Handys. Würde ich meine Netzteile also immer eingesteckt lassen würde ich schon einmal dafür sorgen das ein andere Bundesbürger kein Handy zu haben braucht. In meinem Freundeskreis gibt es recht viele Personen die mehr als ein Handy ständig betreiben.

    Der in ihrer Rechnung zu Grunde gelegte Leerlaufstrom ist mit 0,5W sehr optimistisch angenommen. Diese Zahl mag für neue Ladegeräte gelten, die heute gültige EU Vorschriften erfüllen. Wie sie schon fest gestellt haben werden die Dinger oft recht warm, und von nichts kommt nichts. Für Netzteile ältere Bauart würde ich also mindestens das 10 fache veranschlagen. Einigen wir uns auf einen Durchschnittsverbrauch von (aus meiner Sicht immer noch zu niedrigen) 2,5W dann handelt es sich um nur noch 17 Millionen eingesteckte Handy-Netzteile.

    Bei der ganzen Diskussion sollte man sich aber nicht auf Netzteile eines Gerätetyps beschränken. Das große Problem unserer Gesellschaft ist doch das jegliche Energieeinsparung eines Einzelnen Gerätes durch den zusätzlichen Stromverbrauch eines neuen, vorher noch nicht vorhandenen Gerätes ausgeglichen wird.

    • Timo K
    • 09.08.2010 um 23:56 Uhr

    Aber das was wir als "Haushalt verstehen, das betrifft doch nicht die Lebensumstände von 6 Milliarden Menschen, höchstens von 2 Milliarden, was ja dann immerhin...

    ... im Grunde auch egal.

    Der Autor des Artikels spekuliert nur das dies vielleicht Weltweit hinkommen könnet, das 85 Millionen Netzteile ungenutzt eingestöpselt sind.

    Sehr geehrter Herr Drösser,

    ich gebe ihnen recht das sich die in ihrer Rechnung ergebenden 85 Millionen Handynetzteile nach einer sehr großen Zahl anhört, es währen aber auch nur etwas mehr als 1 Ladegerät pro Bundesbürger.Ich nutze Zeitgleich 2 (manchmal auch 3) Handys. Würde ich meine Netzteile also immer eingesteckt lassen würde ich schon einmal dafür sorgen das ein andere Bundesbürger kein Handy zu haben braucht. In meinem Freundeskreis gibt es recht viele Personen die mehr als ein Handy ständig betreiben.

    Der in ihrer Rechnung zu Grunde gelegte Leerlaufstrom ist mit 0,5W sehr optimistisch angenommen. Diese Zahl mag für neue Ladegeräte gelten, die heute gültige EU Vorschriften erfüllen. Wie sie schon fest gestellt haben werden die Dinger oft recht warm, und von nichts kommt nichts. Für Netzteile ältere Bauart würde ich also mindestens das 10 fache veranschlagen. Einigen wir uns auf einen Durchschnittsverbrauch von (aus meiner Sicht immer noch zu niedrigen) 2,5W dann handelt es sich um nur noch 17 Millionen eingesteckte Handy-Netzteile.

    Bei der ganzen Diskussion sollte man sich aber nicht auf Netzteile eines Gerätetyps beschränken. Das große Problem unserer Gesellschaft ist doch das jegliche Energieeinsparung eines Einzelnen Gerätes durch den zusätzlichen Stromverbrauch eines neuen, vorher noch nicht vorhandenen Gerätes ausgeglichen wird.

    • Timo K
    • 09.08.2010 um 23:56 Uhr

    Aber das was wir als "Haushalt verstehen, das betrifft doch nicht die Lebensumstände von 6 Milliarden Menschen, höchstens von 2 Milliarden, was ja dann immerhin...

    ... im Grunde auch egal.

  3. Der Autor des Artikels spekuliert nur das dies vielleicht Weltweit hinkommen könnet, das 85 Millionen Netzteile ungenutzt eingestöpselt sind.

  4. Es mag ja sein, dass für einige Mitbürger solche Maßnahmen nur Firlefanz sind, aber ich bin der Meinung, die Menge machts und irgendwo muss man ja anfangen. Genauso ist es doch mit dem Wasserhahn offen lassen und Wasser verschwenden während man Zähne putzt. Je mehr den Wasserhahn ausstellen, desto besser. Gemeinsam erreicht man eben mehr als alleine. Von daher finde ich wichtig auch bei solchen "Banalitäten" drauf zu achten. Auch viele in meinem Bekanntenkreis achten auf sowas nicht oder denken, wenn kein Handy, Laptop oder anderes Gerät am Ladegerät angeschlossen ist, würde es auch keinen Strom ziehen. Falsch gedacht!

    • Timo K
    • 09.08.2010 um 23:56 Uhr

    Aber das was wir als "Haushalt verstehen, das betrifft doch nicht die Lebensumstände von 6 Milliarden Menschen, höchstens von 2 Milliarden, was ja dann immerhin...

    ... im Grunde auch egal.

  5. wieso bezieht man das ausgerechnet auf handyladegeräte? jedes laptop netzteil, jeder strahler an der wand mit "so nem kasten am kabel", jedes Hi-Fi Gerät im Wohnzimmer (auch ohne separaten kasten am kabel) zieht eingesteckt strom.

    0,5W als rechenbeispiel her zu nehmen ist da nicht hinführend. alte, falsche, defekte netzteile ziehen in ausgeschaltetem zustand schnell das hundertfache dieses wertes. (z.b. zwei kleine, schlicht-moderne und nur wenige jahre alte leselampen überm sofa meiner eltern je 25W 24h/7tage!)

    eine probate (und im gegensatz zum gegebenen ratschlag wirklich relevante) möglichkeit zum strom sparen, umwelt und geldbeutel schonen sind steckerleisten mit schalter. abends zwei leisten auszuschalten bekommt wirklich jeder hin. da geht dann auch kein handyladegerät mehr verloren, sondern kann getrost in der dose bleiben.

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