Ein grober Schnitzer passierte der Traditionsfirma EMI in den Wirren des Krisenwinters 2010. Kaum nämlich war die Nachricht an die Öffentlichkeit gedrungen, die Konzernspitze plane den Verkauf der Abbey Road Studios an ein Immobilienunternehmen, da hatte sie auch schon die halbe Welt gegen sich. Paul McCartney protestierte schärfstens, Andrew Lloyd Webber schloss sich an, gemeinsam mit anderen Granden der Popkultur schnürten sie ein Rettungspaket von 30 Millionen Pfund. Die Basis allerdings beruhigte sich erst wieder, als der britische Denkmalschutz einschritt. Inzwischen ist sichergestellt, dass »der Charakter des Gebäudes mit Respekt behandelt wird«, und das Ritual kann weitergehen.

Es ereignet sich bei jedem Wetter in Londons vornehmem Stadtteil St. John’s Wood, wohin Scharen von Touristen jeglichen Alters pilgern. Sie fotografieren sich gegenseitig beim Überqueren der Straße, sie hinterlassen mit Filzstift gekritzelte Grußbotschaften, die in regelmäßigen Abständen übertüncht werden, doch schon am nächsten Tag erscheinen neue Zeichen an der Wand. Die Wallfahrt, die tagtäglich von der nahe gelegenen UBahn-Station zu dem Zweckbau an der Abbey Road No. 3 führt, hat die Londoner Stadtverwaltung bereits in Versuchung geführt, den Zebrastreifen davor wegen Verkehrsbehinderung abzuschaffen. Zum Glück scheinen bei der Stadt besonnenere Leute das Sagen zu haben als im Management der maroden EMI. Der Zebrastreifen ist nicht irgendein Zebrastreifen, es ist der Zebrastreifen, auf dem die Beatles für das Cover ihres letzten Albums posierten.

Die Wallfahrt nach St. John’s Wood sagt einiges über die Stellung, die die berühmteste Band der Welt im Reich der Kultphänomene einnimmt. Ihr letztes, schlicht Abbey Road betiteltes Album zeigt vier Freunde auf dem Weg zur Trennung: John voranstürmend, ein Galan in Weiß, dahinter Paul im Businessanzug, George mit Prophetenbart und Ringo als Totengräber. Sie erproben sich bereits in den Rollen, die sie einnehmen sollten, als ihre gemeinsame Zeit abgelaufen war, John, der neurotische Selbst- und Weltverbesserer, George, der Sinnsucher, Paul, der Verwalter des Erbes, und Ringo, ein Überlebender ohne speziellen Aufgabenbereich. Die vier Beatles eilen einander davon, ohne sich noch einmal anzuschauen, man meint, die Müdigkeit in ihren Gesichtern zu erkennen – und doch ist es gerade die Trennung, die sie für immer jung hält. Die Beatles sind die Heilige Familie des Pop. Während andere die Mühen der Ebenen kennenlernten, kehren sie bis heute als Legende wieder.

Es ist eine Wiederkehr, die im Jubeljahr 2010 unter besonderer öffentlicher Anteilnahme begangen wird. Der vierzigste Jahrestag der Trennung am 10. April 1970 war nur der Auftakt. Im August ist es ein halbes Jahrhundert her, dass die Beatles in einem Hamburger Nachtklub erstmals unter dem Namen The Beatles auftraten. Im Dezember gilt es, John Lennons dreißigsten Todestag zu feiern. Man könnte von einem Superbeatlesjahr sprechen, doch welches Jahr ging je ohne größere Beatles-Festivitäten vorüber? In der letzten Saison erst sorgte die digital restaurierte Gesamtausgabe ihres Schaffens für gesteigerte Aufmerksamkeit, davor gab es alljährlich zur Weihnachtszeit Miszellen und Paralipomena aus dem Nachlass. Ironie der Geschichte: Während die Weltreiche des Pop zerfallen sind und die Musikindustrie in Trümmern liegt, hat das Beatles-Märchen nicht nur sämtliche Modernisierungskrisen unbeschadet überstanden, der Bedarf ist größer denn je.

Wer seiner Pflicht als Fan nicht nachkommen kann, einmal im Leben persönlich hinzupilgern zu den Stätten des Weltbeatleserbes, erhält die Beatles heute in allen erdenklichen Erscheinungsformen postmoderner Volksfrömmigkeit: als Abreißkalender, Bildband, Poster, Musical, Mousepad oder Kaffeetasse, neuerdings sogar als Computerspiel – für unsere jungen Fans. Es ist, als müsste jede Generation das Wunder der Beatleswerdung auf ihre eigene Weise nachvollziehen. Dass die Geburt des Mythos wie auch seine Vollendung sich an einem Ort vollzog, wo in den vierziger Jahren Weltkriegspropaganda hergestellt wurde – elf der zwölf Beatles-Originalalben entstanden in den Studios an der Abbey Road –, gehört zu den vielen Pointen der Ballade von John, Paul, George und Ringo. Mit Propaganda gewinnt man Kriege. Die Beatles sind die Sieger des Friedens danach.

 

Um zu verstehen, wie vier Vorstadtkinder aus Liverpool den Frieden gewannen, empfiehlt sich ein kurzer Blick zurück ins England der späten Fünfziger, eine Nation der steifen Oberlippen, in der Selbstkontrolle alles war. Keine gute Zeit, um jung zu sein, die Politik bot das Bild eines Veteranenvereins, die offizielle Unterhaltung verströmte den Ruch lähmender Konventionalität und unverdienter Privilegien – und doch kündigte sich das Neue im Teenager zuerst an. Wer sich wie George Harrison die Finger an der Gitarre wund übte, der war bereits mit einem Virus infiziert, das auf dem Seeweg über den Atlantik drang. Und wer wie John Winston Lennon in einer Bombennacht des Jahres 1940 zur Welt kam, mochte besonders gut verstehen, was ein gewisser Chuck Berry ihm ins Ohr sang: »Hail, hail, rock ’n’ roll, deliver me from the days of old!«

Kein Zufall, dass mit Liverpool und Hamburg zwei Hafenstädte für die Geschichte hinter der Legende maßgeblich sind. Liverpool, der Warenumschlagplatz des Empire, genoss damals einen ähnlichen Informationsvorsprung, wie ihn heute das Internet bietet: Die Singles von Chuck Berry, Elvis und anderen trafen hier mit den Matrosen am frühesten ein. Hamburg war eine Insel der Liberalität, über die die Kunde den europäischen Kontinent erreichte. In Hamburgs Spelunken erspielten die Beatles sich ein Repertoire aus alten Rock-’n’-Roll-Titeln, das sie mit britischem Witz vortrugen, hier entstand unter Einfluss der Fotografin Astrid Kirchherr eine Frühform des Beatles-Looks, der »Pilzkopf« – in Wahrheit die Fantasie einer Existenzialistenfrisur. Am Anfang des Welterfolgs steht also eine Import- und Übersetzungsleistung: Ähnlich wie wenige Jahre zuvor Elvis erschlossen John, Paul, George und Ringo schwarze Musik für weiße Hörer. Unterschied: Sie waren zu viert.

»Es ist ein Gemeinplatz, dass im Pop kein Format gut ist, wenn es sich nicht in einem Satz zusammenfassen lässt«, schreibt der Chronist der Teenage-Rebellionen, Nik Cohn. Die Beatles allerdings gingen darüber hinaus. »Jeder einzelne von ihnen konnte mit einem Wort beschrieben werden: Lennon war der Brutale, McCartney der Hübsche, Ringo Starr der Liebenswerte, Harrison der Ausgleichende. Und wenn Lennon taktlos war, dann war McCartney ein geborener Diplomat. Und wenn Harrison blass und trübe erschien, dann war Lennon sehr clever. Und wenn Starr ein Clown war, dann war Harrison fast düster. Und wenn McCartney auf seine Kunst erpicht schien, dann war Starr echt. Herum und herum im Kreise, keine losen Enden irgendwo, und alles schaffte einen beruhigenden Eindruck von Vollständigkeit.« Vier Freunde sollt ihr sein – das war die Erfolgsformel der Sechziger, die die Beatles von den einsamen Solokünstlern der Rock-’n’-Roll-Ära trennte.

»Wenn ihr was über die sechziger Jahre erfahren wollt, spielt die Musik der Beatles« – obwohl der Satz Aaron Coplands längst selbst zur Beatles-Folklore gehört, trifft er gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Zum einen, was die Eckdaten anbelangt: 1960 begann es, 1970 war Schluss, die Geschichte der Beatles fällt wundersam exakt mit dem bewegtesten Jahrzehnt der Nachkriegsgeschichte zusammen. John, Paul, George und Ringo waren aber auch Zeitgenossen in einem emphatischen Sinne: Alles, was die Sechziger bewegte, bewegte auch sie – und wurde von ihnen bewegt. Sie begannen als Jungswunder, dessen euphorischer Beat den Takt einer neuen Ära vorgab. Sie mauserten sich zu Klanglaboranten, die die Strömungen ihrer Zeit im Studio umsetzten. Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens versöhnten sie für einen historischen Moment Massenkultur und Avantgarde. Als sie sich trennten, war nichts, wie es zuvor gewesen war. All das ist in ihrer Musik konserviert.

Über die Musik der Beatles ist viel geschrieben worden, über das Vorkommen modaler, pentatonischer und indischer Tonleitern sowie den Einfluss Mahlerscher Harmonik ab 1965. Es gibt bibelartige Konkordanzen zu ihren Texten und musikphilosophische Betrachtungen, die im Zusammenspiel von Lennon und McCartney den ewigen Konflikt zwischen Wahrheit und Schönheit verkörpert sehen. Richtig ist, dass bereits die ersten Kompositionen des zentralen Songwriterpaars ihre amerikanischen Vorbilder an überraschenden Wendungen und melodischem Einfallsreichtum bei Weitem übertrafen. Dennoch verdient der Kritiker der Times unser Mitleid, der »die Übergänge von Tonika auf Submediante, von C-Dur nach aMoll, und – in geringerem Ausmaß – den Mediantensprung« für die aufkommende Beatlemania verantwortlich machte. Wer angesichts eines Songs wie I Want To Hold Your Hand nur etwas von Musik versteht, versteht auch davon nichts.

Es ist der Aufbruch einer Epoche, der sich in den Miniaturepen der Beatles ankündigt: die neue Permissivität der sexuellen Revolution, die Befreiung von hierarchischen Denkmustern, die Hier-und-jetzt-Mentalität der aufkommenden Gegenkulturen und so weiter, Schlag auf Schlag. Ein Jahrzehnt im Schnelldurchgang: Zwischen der naiven boy meets girl-Thematik des Frühwerks und dem fröhlichen Hedonismus der Swinging Sixties liegen nur ein paar Jahre, in denen sie wie ein Schwamm sämtliche Einflüsse aufsaugten. In der zweiten Hälfte der Dekade passiert dann alles gleichzeitig, LSD trifft Maoismus, das Erbe des Blues trifft auf »that Stockhausen stuff« (McCartney). Ironie einer Vier-Mann-Kulturrevolution: Während konservative Hassprediger ihre Songs rückwärts abspielten, um satanische Botschaften darin zu entdecken, machten die Beatles in Wahrheit Werbung für die Werte eines neuen, vom Ballast der Vergangenheit befreiten Westens.

 

Dass sie das Jahrzehnt ihres Wirkens als Quartett durchliefen, ist dabei mehr als eine Laune des Managements. Zu viert mochte es einfacher sein, das rasante Tempo der Veränderung durchzuhalten, im Viererpack ging aber auch das schwere Geschäft des Sound-Explorierens leichter von der Hand. Ein früher Fall von gelungenem Teamwork: Immer wenn John mal nicht weiterwusste, hatte Paul eine zündende Idee, und immer wenn George sich mit einem Solo überfordert fühlte, war es Ringo, der als Liverpooler Entertainmentgenie von einem Schlagzeuger mit dem rechten Bonmot zur rechten Zeit für Auflockerung sorgte. Zur perfekten Kreisförmigkeit ihres Popstarmodells gehört, dass sie das einsame alteuropäische Komponieren durch das freie Wechselspiel ihrer Temperamente ersetzten. Manchmal allerdings brauchten auch sie ein wenig Hilfe von Freunden. Vor den Beatles machte man einfach Aufnahmen. Mit den Beatles wurde das Aufnehmen zur Kunst.

Die Abbey Road Studios in den frühen Sechzigern muss man sich als traditionsreichen, aber in Ehrwürdigkeit erstarrten und deshalb insgesamt geistlosen Ort vorstellen. Die Tontechniker trugen weiße Kittel, sprachen gepflegtes Oxbridge und hatten sehr exakte Vorstellungen, wo man ein Mikrofon hinstellt, um das beste Aufnahmeergebnis zu erzielen. Inmitten dieser wenig inspirierten Atmosphäre begannen die Musiker, die die Welt als erfolgreiche Teeniebopper kennengelernt hatte, mit Halltunneln und anderen technischen Tricks zu experimentieren. Ein kleiner Schritt für die Beatles, doch ein Quantensprung für den Pop. Die Phase von Revolver über Sergeant Pepper bis hin zum Weißen Album ist das popmusikalische Pendant zum Mondflug, sie entspringt der artistischen Nutzung von Technologien, die zur selben Zeit Teflonpfannen und Dumdumgeschosse hervorbrachten. Apollo Beatles: »Turn off your mind, relax and float down-stream«.

Wie alles, was die berühmteste Band der Welt betrifft, sind auch die Jahre nach 1965, in denen John, Paul, George und Ringo das Studio als Instrument entdeckten, erschöpfend dokumentiert. Wenig Aufmerksamkeit allerdings hat der Umstand gefunden, dass es ein Veteran der britischen Luftwaffe war, der sie auf ihren Klangexpeditionen begleitete. Sir George Martin, einem Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, genannt der »Herzog von Edinburgh«, gebührt der Ehrentitel »fünfter Beatle«, erst sein Know-how als Produzent ließ die Beatles am Mischpult abheben. »Sie alle brachten mir ihre Werke mit, so wie Katzen ihre erlegten Spatzen mitbringen«, schreibt er in seinen Erinnerungen an die Aufnahmesessions zu Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Zum Dank produzierte »Big George« so manchen Lennon-Krächzsong mit den vorsintflutlichen Mitteln der Abbey Road zum Geniestreich aus – nicht selten unter dem Stirnrunzeln der Angestellten.

In der Spannung zwischen orthodoxer Aufnahmetechnik und Beatles’schem Experimentierdrang zeigt sich derselbe Konflikt, den die vier stellvertretend für ihre Generation austrugen und den George Martin mit britischem Understatement zu schlichten pflegte. Die Beatles wollen für A Day In The Life ein ganzes Orchester – Martin gibt ihnen ein halbes (tut’s auch). John Lennon schwebt eine Dampforgel für die Kirmesatmosphäre von Being For The Benefit Of Mr. Kite vor – Martin improvisiert, indem er Tonbandschnipsel zu einer Schleife collagiert. Die Beatles bestehen darauf, zwei Liedteile in unterschiedlichen Tonarten zusammenzubringen – Martin rechnet ein bisschen, dreht an der Zeitachse und besorgt ihnen den »Schnitt des Jahrhunderts«. Man darf das wörtlich nehmen: Die Zeit zerfällt in eine Rechnung vor und nach Sergeant Pepper. Im Gelächter ausgerechnet am Ende des ernstesten Stücks, Within You, Without You, geht die Nachkriegsära heiter zu Ende.

 

Es ist eine Ästhetik des Spiels, die das Spätwerk der Beatles bestimmt: Improvisation statt Ergebnisorientiertheit, Gleichzeitigkeit statt Linearität, Bewusstseinsströme anstelle fester Standpunkte. Vergeblich sucht man in ihren Songs nach einer identifizierbaren Botschaft, alles ist im Fluss, die Enden berühren sich, wenn die Auslaufrille erreicht ist, beginnt das Ganze von vorn, denn »nothing is real«. Dass sie Fantasieuniformen trugen und sich Empire-Schnurrbärte wachsen ließen, entspringt keiner seriösen Militarismuskritik, es ist Ergebnis eines ausgeprägten Sinns für Komik, der sie vom schlichten Heroismus amerikanischen Rocks trennt. Wenn Elvis dem Pop einen Körper gegeben hat und Bob Dylan ihm den Geist gebracht hat, sind die Beatles ein Verein zur fröhlichen Bedeutungszerstreuung. Ringo hat es einmal so ausgedrückt: »Ich gehe rüber in Johns Haus, um mit seinen Spielsachen zu spielen, und manchmal kommt er hierher, um mit meinen zu spielen.«

Mit Sergeant Pepper bewiesen die Beatles 1967, pünktlich zum Sommer der Liebe, ein letztes Mal, dass das Resultat einer gelungenen Kooperation mehr sein kann als die Summe der einzelnen Teile. Danach begann der Abstieg. Das Weiße Album ist bereits das Dokument einer heillos zerstrittenen Truppe, die ihr Seelenheil bei einem indischen Scharlatan suchte: noch mehr lose Enden, noch mehr Eklektizismus, noch mehr Postkarten aus einer wirren Gegenwart. Let It Be, das einzige nicht von George Martin produzierte Album, ist der ebenso verzweifelte wie vergebliche Versuch, als schlichte Live-Kapelle von vorn zu beginnen, Abbey Road schließlich besiegelt die Trennung. Im Abschied allerdings ist alles enthalten, was John, Paul, George und Ringo zur Legende werden ließ. Keine Band verkörpert die Utopie der sechziger Jahre so perfekt wie die Beatles – den Glauben, dass man als Kollektiv mehr erreicht, und die Einsicht, dass Kollektive nicht halten.

Der Rest ist Geschichte, die über die Beteiligten hinweggegangen ist, denn es gibt Geschichten, denen man nicht entkommt. John Lennon versuchte sich in seinen Solojahren als Agitpropkünstler, konnte die Geister der Vergangenheit aber nie abschütteln, nach Jahren vergeblicher Versuche, an alte Erfolge anzuknüpfen, schloss er sich in die Stille seines New Yorker Apartments ein, vor dessen Pforten er an einem Wintertag des Jahres 1980 von dem geistesgestörten Fan Mark Chapman erschossen wurde. George Harrison kehrte innerlich nie wieder von seinem Indien-Trip zurück, organisierte Benefizkonzerte und starb 2001 an Krebs. Ringo Starr begann eine Odyssee durch die Nachtklubs der Welt, in deren Verlauf er so viele Brandy Alexanders trank, dass seine Erinnerung nicht mehr die beste ist. Heute lebt er in den Bergen von Hollywood und ist einfach nur berühmt.

Der tragisch-triumphale Überlebende der Legende von den Fantastischen Vier ist Paul McCartney. Ausgerechnet er, der lange Zeit als Mann galt, der die Beatles mit seinem Eigensinn auseinanderbrachte, der ehrgeizige, auf seine Kunst erpichte Paul, tourt heute mit wechselnden Mietmusikern durch die Lande und zelebriert Beatles-Messen. Es ist eine Never Ending Tour, auf der er sich befindet, sie führt ihn von Moskau über Manila nach Los Angeles und zurück ins alte Europa, denn einer muss es tun. Er könnte einem leidtun, dieser ruhelose Bote aus mythischer Vorzeit, hätte er sich nicht längst mit seinem Schicksal abgefunden. Es gibt keine Karriere nach den Beatles. Die Beatles sind nun einmal die Heilige Familie des Pop. Im Beatles-Kult hält die Gemeinde an den family values fest.

Wenn man die Augen schließt, sind sie für einen Moment noch einmal vereint, John, der Vater, Paul, die Mutter, die beiden Scheidungskinder George und Ringo. Gemeinsam spielen sie die Lieder, die sie berühmt gemacht haben und die, gerade weil sie keine Botschaft haben, alles bedeuten können. Wer hat denn gesagt, dass das Glück kein warmes Gewehr ist? Ist die Straße vor uns etwa nicht endlos lang und gewunden? Und leben wir nicht alle, wenn man es recht bedenkt, in einem gelben Unterseeboot? Es ist der Optimismus einer Ära des Aufbruchs, von der das Beatles-Märchen erzählt. »There’s nothing you can do that can’t be done«: So jung und veränderbar hat sich die Gegenwart nie wieder angefühlt.