Schriftsteller 99 Fragen an Hans Magnus Enzensberger
Mehr braucht kein Mensch
Er hat – natürlich – erst einmal keine Lust. Am Telefon lässt er auf die Interviewanfrage den typischen Enzensberger-Singsang hören, rhetorische Abwehrvolten, Ausweich- und Ablenkungsmanöver, die in ihrem Charme, ihrer Absurdität und freundlichen Verspieltheit praktisch unerwiderbar sind (»Warum reden Sie nicht mit Ihrer Reinigungsfrau? Ihre Reinigungsfrau ist schlau, die weiß alles«). Dann sagt er: »Kommen Sie halt. Wenn’s langweilig wird, dann hören wir auf.«
Das ist doch eine schöne Verabredung. Wenn es einen gibt, mit dem man noch einmal alles, wirklich alles besprechen möchte – die Politik, die Krisen, den großen Bla im öffentlichen Raum –, dann ist es er: Enzensberger, Lyriker und Essayist, der Frische, Helle, Lichte. Wie kein Zweiter in der Geschichte der Bundesrepublik steht er für das Denken mit dem gesunden Menschenverstand. Im November letzten Jahres ist der große Helle achtzig geworden und hat zu der Gelegenheit noch einmal entschlossen nichts gesagt.
Seine Arbeitswohnung liegt in München-Schwabing, Fußnähe zum Englischen Garten, in einem spektakulär unschönen Haus (Postmoderne, siebziger Jahre). Er steht gleich derart angenehm zögerlich, fast verloren in seiner Wohnung herum, als wäre es nicht sein Zuhause. Klassizistische Möbel. Bücherwände. Bücherstapel. Seine lange, elegante Erscheinung. Er breitet die Arme aus. Schließt sie wieder. Bittet an den Tisch. Er ist ja auch Interview-König. Die gesammelten Enzensberger-Gespräche sind als Suhrkamp-Taschenbuch (»Zu große Fragen«) erschienen. Also besser: nicht so große Fragen. Wir machen den schönen Trick, ihm so unendlich große und breite Fragen zu stellen, dass er darauf alles antworten kann.
Plauderstunde mit Hans Magnus Enzensberger. Nebenan in der Küche strömt das Leitungswasser aus dem Hahn, es soll an diesem Sommertag auf Trinktemperatur abkühlen. Strömendes Leitungswasser: brutal irritierend. Aschenbecher, Zigaretten, Wegwerffeuerzeug. Noch brennt keine Zigarette. Sein kreisrunder Kopf, die sprichwörtlich hellwachen Augen. Er freut sich jetzt schon. Über was, um Himmels willen, freut er sich? Grinsender Enzensberger: Wenn er grinst, kräuselt sich sein schlauer Mund. Zum Warmwerden ein paar Entweder-oder-Fragen. Entweder-oder: immer gut.
1Bier oder Wein?
Bier macht mich müde.
2Bach oder Beethoven?
Gerne eine Partita.
3Blackberry oder iPhone?
Kein Handtelefon.
4Das Wasser lieber mit oder ohne?
Nur aus dem Hahn. Das Münchner Leitungswasser ist ja ausgezeichnet. Flaschen schleppen, das gibt’s bei mir überhaupt nicht.
5Lieber den salzigen oder den süßen Snack?
Das Wort Snack ist mir fremd. Aber wenn Sie eine Mousse haben, gerne.
Eine Mousse! Unverändert grinsendes Gesicht. Der Enzensberger-Singsang: Er singt Bayerisch mit fränkischen Untertönen (in Kaufbeuren geboren, in Nürnberg aufgewachsen). Das Wasser in der Küche strömt unaufhaltsam: ström, ström. Noch einmal: Der Enzensberger-Kopf ist die totale Freude. Das Kreisrunde (Kopf) passt gut zum Langen (Körper). Unter der Tischplatte faltet er die Beine zu sagenhaften Schlangenlinien. Es ist, als hielte sich seine Denkfreude nicht nur in seinem Kopf, sondern in seinem ganzen Körper auf.
6Können Sie ausschließen, dass wir uns gerade auf einer Dachterrasse befinden?
Es gibt hier einen Balkon. Da können Sie draußen in der Sonne sitzen, wenn Sie wollen. Ich bin lieber im Schatten.
7Können Sie jetzt sagen, wo sich der Kellerschlüssel befindet?
An einem Schlüsselbund. Vermutlich. Ich könnte das, wenn Sie darauf bestehen, natürlich nachprüfen.
8Wo liegt noch mal Kaufbeuren?
Im Voralpenland, im bayerischen Allgäu. In einer Moränenlandschaft, an der Wertach.
9Wo liegt noch mal New York?
Das wissen Sie nicht? Oder wollen Sie mich verblüffen mit der Mitteilung, dass New York etwa auf dem Breitengrad von Neapel liegt?
10Wie lang brauchen Sie von Ihrer Münchner Wohnung nach Italien?
Zu Fuß ist es mir zu weit. Jedenfalls ist mein Italien nicht die Toskana.
Er steht auf, kehrt aus der Küche mit zwei blauen Gläsern zurück, mit Leitungswasser gefüllt. Der Wasserstrom ist gestoppt. Er nimmt eine Zigarette mit beiden Händen, rollt sie zwischen den Fingern hin und her, guckt. Er hat das Prinzip dieses Gesprächs natürlich sofort begriffen: Gesprächsvermeidung à la Enzensberger. Es muss nichts mehr gesagt werden. Denn: Es ist ja schon alles gesagt. In den ausgesparten, nicht den ausgesprochenen Gedanken hält sich der Geist auf. Beim Nichtssagen kommt es darauf an, immer den Hauch einer Möglichkeit zu lassen, dass gleich doch etwas Bedeutendes gesagt werden könnte – so entsteht Spannung. Wir müssen nun gemeinsam durch eine etwas langweilige Landschaft hindurch: die Politik.
11Wann ist noch mal die nächste Bundestagswahl?
Wenn die Koalition auseinanderknallt, gibt es vermutlich vorgezogene Neuwahlen.
12Warum muss man Merkel einfach gern- haben?
Ihr Charme ist hartnäckig. Die Medien bilden sich ein, sie könnten die Kanzlerin wegschreiben. Aber das ist eine schwer besiegbare Person. Die Pfarrerstochter aus dem Osten? In der hat sich schon Helmut Kohl getäuscht.
13Ihr Kurzkommentar zum zukünftigen Kanzler Sigmar Gabriel?
Den kenne ich gar nicht.
Übers ganze Gesicht strahlender Enzensberger! Klar, das macht Freude, den SPD-Vorsitzenden für einen Moment lang nicht zu kennen.
14Was lesen Sie im Gesicht des Bundespräsidenten?
Gekonnte Unauffälligkeit.
15Was sagt es über unseren Bundespräsidenten, dass sein Lieblingsbuch »Der kleine Prinz« ist?
Ach. So etwas kann doch jedem mal passieren.
16Über welches Talent verfügt Ihr Gemüsehändler, über das Guido Westerwelle nicht verfügt?
Natürlich über enorme Kompetenz! Man muss da allerdings von Fall zu Fall unterscheiden. Es gibt ja auch unfähige Gemüsehändler. Unserer kennt sich aus. Am Elisabethmarkt gibt es außerdem einen guten Fischhändler und einen exzellenten Käsestand. Der Viktualienmarkt ist zu teuer.
17Mit welchem Mitglied der Bundesregierung könnte man wohl am ehesten einen vergnügten Abend verbringen?
Können Sie sich alle Minister merken? Da wäre ich überfragt. Manchmal kriegt man solche Einladungen mit einem goldenen Wappen drauf: Essen mit dem Präsidenten von Ghana. Dann sitzt man mit dem zuständigen Siemens-Vertreter am Katzentisch. Den Flug bezahlt das Auswärtige Amt. Das ist gut für die Lufthansa, aber nicht für mich.
18Einverstanden, dass die Grünen die anstrengendste Partei sind?
Die Grünen sind ein wenig langweilig, aber nicht so schlimm. Es ist doch ein Vorzug der deutschen Innenpolitik, dass sie so langweilig ist. Zum Beispiel ihr Reformeifer. Schul-, Renten- oder Gesundheitssysteme, die gehören ja zur Klasse der unlösbaren Probleme. Wenn in den Nachrichten von der Gesundheitsreform die Rede ist, schalte ich den Ton ab.
19Koch, Mixa, Köhler, von Beust, welcher ist Ihr Lieblingsrücktritt?
Der Ole von Beust war doch ganz gut. Und dass Herr Köhler es satthatte, kann ich verstehen.
20Im Vergleich zu, sagen wir, 1960: Ist die Politik insgesamt langweiliger geworden?
Noch langweiliger? Das glaube ich nicht.
21Wie geht’s denn nun der deutschen Mittelklasse?
Letzten Endes landet man bei solchen Fragen bei einer Statistik. Und der glaubt doch sowieso niemand.
22Wie lautet Ihr Widerspruch zu dem Trostlossatz »Alle Politiker sind korrupt«?
Die politische Klasse in Deutschland ist bescheiden. Ein Freiflug, ein Ausflug mit dem Dienstwagen, schon regt sich die Presse auf. In Frankreich, wo die Kuverts dicker sind, macht man sich lustig über diese Kleinigkeiten. Jeder Devisenhändler verdient doch mehr als die Bundeskanzlerin.
23Wie lautet Ihr Widerspruch zu dem Satz »Der SPD fehlt das Personal«?
Vielleicht fehlt der SPD der Butler.
24Sind Sie politikverdrossen?
Meine Vorliebe für die Politik hält sich in Grenzen.
25Hängt Ihnen die Politikverdrossenheit auch so zum Halse raus?
Der Begriff der Politikverdrossenheit verdrießt mich.
26ARD, »Bild«-Zeitung oder »FAZ«, welches Medium tut wohl am meisten für die Politikverdrossenheit?
Sie zu erzeugen gehört zum Businessplan aller Medien. Wir sind darin geübt, ihre Zumutungen zu ertragen, nicht nur, was die Politik betrifft. Der Sport ist schlimmer. Ganze Wochen, in denen sich die Fifa oder das IOC als Weltregierung aufspielt. Wenn Sie so wollen: Nach dieser Fußballweltmeisterschafts-Übung bin ich fußballverdrossen.
27Stehen wir mit dem Rücken zur Wand?
Welcher Wand?
Er zieht die Augenbrauen hoch. Macht seinen Mund. Das hat ihm bis hierher, offensichtlich, mäßig Spaß gemacht. Er raucht noch immer nicht, wiegt die Zigarette in der rechten Hand. Des Enzensbergers belustigtes Gesicht ist natürlich auch eine Höflichkeitstaktik, und was ist Höflichkeit anderes als der wohlmeinende Versuch, zur Unzulänglichkeit seines Gegenübers eine Distanz einzunehmen, in der es erträglich wird miteinander. Jetzt muss vom Interviewer mehr kommen. Taktik für die nächsten zwanzig Fragen: Wir öffnen. Noch größere Fragen. Gesprächsthema »Die Zeit, in der wir leben«.
28In einer weltweiten Umfrage wurde Deutschland gerade zum beliebtesten Land der Welt gewählt. Und nun, Herr Enzensberger?
Das klingt ja toll. Wer das wohl erfunden hat?
29Wie war’s eigentlich in Westnorwegen?
Ich habe da einige Jahre gelebt. Ein Hauptwunsch von jemandem meiner Generation war natürlich: nichts wie raus hier! Ich habe mir gedacht: Es gibt im Norden mehr Platz als bei uns. Beliebige Mengen von Natur. Die Leute sind angenehme Hinterwäldler. Außerdem ist das Land nicht so weit weg wie Neuseeland.
30Wie lautet Ihre Kritik an der Deutschen Bahn?
Das Deutsche-Bahn-Kritisieren – noch so ein Volkssport, an dem ich nicht teilnehme. Der Zug ist ja, im Gegensatz zum Flugzeug, immer noch ein relativ zivilisiertes Verkehrsmittel. Leibesvisitationen finden dort nicht statt. Man wird nicht angeschnallt, man kann aus dem Fenster schauen.
31Hat man als älterer Herr jetzt eigentlich Angst in der Münchner S-Bahn?
Woher denn?
32Was fühlen Sie, wenn einer neben Ihnen eine Deutschlandfahne schwenkt?
Bei all diesen Ereignissen und Pseudoereignissen ist der Lärm lästig.
33Wird’s echt immer wärmer, oder bilden wir uns das ein?
Was sagt die Großmutter dazu? Sie erzählt von Wolkenbrüchen, Hagel, Überschwemmungen und Stürmen, von heißen Sommern und eisigen Wintern. Ich lehne es ab, mich übers Wetter zu ärgern.
34Welcher bedeutende Satz über Europa muss unbedingt noch gesagt werden?
Europa ist eine Tatsache. Das genügt.
35Sind Sie – wie viele Intellektuelle – Fan der Wirtschaftskrise?
Ich habe mich mal mit einem deutschen Emigranten beschäftigt, der in London gelebt hat: dem Doktor Marx. Der hat das Betriebssystem des Kapitalismus beschrieben, nach Maßgabe der damaligen Umstände. Krisen gehören zum Betriebssystem, ohne sie könnte es nicht funktionieren. Wenn man eine Wirtschaft wie die unsere haben möchte, muss man das in Kauf nehmen. Im Übrigen gibt es ja auch Leute, die nicht nur beim Boom, sondern auch beim Crash verdienen. Das ist unangenehm, aber es ist nicht der Weltuntergang. Mit der Apokalypse kann ich nicht viel anfangen.
36Welche vielleicht ganz unbedeutende Kleinigkeit haben Sie in den letzten zehn Jahren über Afghanistan gelernt?
Ich bin auch in diesem Fall der Ignorant. Ich war nie in Afghanistan. Aber: Eine flüchtige Kenntnis der Vorgeschichte dieser Weltgegend genügt, um zu sehen, wie die großen Imperien, die Briten, Russen, Perser – die Inder hatten Aspirationen –, dort gescheitert sind. Niemand ist dort ohne Blessuren herausgekommen. Ich glaube aber auch: Am schlimmsten ist Afghanistan für die Afghanen.
37Kannten Sie Gerold Becker, den langjährigen Direktor der Odenwaldschule, persönlich?
Nein.
38Ihr Eindruck von Boris Beckers derzeitiger Ehefrau Lilly Kerssenberg?
Von dieser Dame habe ich noch nie gehört.
39Ist Claudia Kleinert vom Wetter die schönste Frau im Land?
Leider weiß ich auch in diesem Fall nicht, wer das ist. Es gibt eben unendlich große Flächen der Ahnungslosigkeit. Eine Frage, die viele Leute beschäftigt, heißt zum Beispiel: Wer ist der beste Friseur in München? Wieder andere Leute hören »Plasmaphysik«, und da ist Ebbe. Ich kann mir zum Beispiel die Namen von Schauspielern nur ganz schwer merken.
40Bleiben wir noch ein bisschen bei den Ihnen Unbekannten – es macht ja trotzdem Spaß. Wie lautet Ihre Liebesbotschaft an Lena Meyer-Landrut, die in diesem Jahr den Eurovision Song Contest gewonnen hat?
Wieder Fehlanzeige. Aber das ist doch schön für Frau Landrut! Nachträglich meinen Glückwunsch.
Die Zigarette liegt nun wieder auf dem Tisch. Er raucht nicht. Spannung. Keine Ahnung, worauf er wartet. Was fehlt dem Raucher Enzensberger, der das Anzünden seiner Zigarette so beharrlich hinauszögert?
41Was ist noch mal das Tolle an der Eulerschen Zahl?
Jede Zahl hat mindestens eine Eigenschaft, die sie von anderen Zahlen unterscheidet. Das sagen wenigstens die Zahlentheoretiker. Nur sind diese besonderen meistens nicht besonders wichtig. Anders ist das bei Zahlen, die fundamental sind: Ohne die Zahl π kann kein Kreis beschrieben werden. Ohne die Eulersche Zahl
e
können Sie Wachstumsprozesse nicht berechnen, und ohne die imaginäre Zahl
i
sind Sie arm dran, wenn Sie eine Turbine konstruieren wollen.
42Welches Gebilde beschreibt der mathematische Fachbegriff der Enzensberger-Fläche?
Das ist eine charmante, aber ganz nebensächliche Geste vonseiten der Mathematischen Gesellschaft. Da gab’s mal einen, der hat eine Mannigfaltigkeit, eine geometrische Funktion, beschrieben. Wenn man die visualisiert, also räumlich umsetzt, entsteht ein sternförmiges Objekt. Für irgendwelche angeblichen Verdienste haben die dieses Ding nach mir benannt – anstelle eines Preises. Ich bin ja kein Mathematiker, ich finde das nur amüsant.
43Traumjob Schriftsteller?
Ich bin mit meinem Beruf ganz zufrieden. Ich habe keinen Chef. Außerdem habe ich Glück gehabt. Ich bin nie eingesperrt, nie zensiert worden.
44Buchverleger oder Zeitschriftenverleger, welchen Beruf empfehlen Sie?
Keinen der beiden. Die meisten Leute müssen, wenn sie so etwas machen, ins Büro gehen. Das konnte ich vermeiden. Ich arbeite ohne Apparat, ohne Sekretärin, ohne Nebenstellenanlage.
45Was ist ein Essay?
Das weiß niemand so genau. Ich verstehe darunter einen diskursiven Text, bei dem ich am Anfang noch nicht weiß, was am Schluss dabei herausspringt. Es kommt, wie der Name schon sagt, auf den Versuch an.
46Killerfrage: Wie geht ein Gedicht?
Wollen Sie mich quälen? Wenn ein Gedicht etwas taugt, dann ist es besser als alles, was darüber gesagt wird.
47Wann ist eine gute Zeit zum Gedichtschreiben? Gegen 16.30 Uhr?
Ich schaue nicht auf die Uhr. Und nur nicht zu viel dichten! Die Überproduktion ist der schlimmste Fehler.
48Wird Lesen eher einfacher oder anstrengender mit den Jahren?
Die Lektüre ist ein Laster wie das Rauchen, und es ist ebenso schwer, sich diese Droge abzugewöhnen.
49Dieses Jahr schon ein gutes Buch gelesen?
Eines? Ein paar Dutzende. Alles durcheinander. Ich bin ein Allesfresser. Wenn Sie hier mal schauen.
Er beugt sich vor, greift das oben liegende Buch von einem der Stapel. Legt das Buch weg. Zieht ein weiter unten liegendes Buch hervor.
Das ist die MaxPlanckForschung, dort wartet Der äthiopische Prinz, hier ist ein Buch über Algebra, die Princesse de Clèves der Madame de Lafayette. Außerdem The Missionary Position. Mother Teresa in Theory and Practice von Christopher Hitchens, einem berüchtigten englischen Publizisten: eine totale Entlarvung. Mit dem wunderbaren Titel »Die Missionarsstellung«. Und hier, hier haben wir eine dänische Dichterin. Ein Durcheinander!
Er steht auf, um die Bücher besser aus den Bücherstapeln ziehen zu können.
50Gibt es ein gutes Buch von Daniel Kehlmann?
Natürlich. Man zieht doch intelligente Schriftsteller vor. Können ist auch von Vorteil. Ich meine nicht nur seinen Bestseller. Er hat auch ein Buch über einen Astrophysiker und ein anderes über einen parasitären Kunstkritiker.
51Gibt’s auch ein gutes Buch von Thomas Mann?
Ach, der Alte. Der war schon gut. Denken Sie an seine Hochstaplergeschichte, den
Felix Krull.
Die ist doch wunderbar.
Er setzt sich wieder. Und Gott sei Dank, jetzt raucht die Zigarette. Man hat gar nicht gesehen, dass er das Feuerzeug benutzt hat. Spöttisches Lächeln! Es ist das alles in Grund und Boden lächelnde Enzensberger-Gesicht. Das Gesicht sagt: Geben Sie sich keine Mühe, in mir drinnen ist es so oder so vergnügt, ganz gleich, wie sehr Sie sich mit Ihren Fragen anstrengen.
52Die berühmte Rechnung: Wie viel Euro verdient Hans Magnus Enzensberger noch mal mit einem Gedicht?
Gottfried Benn hat ja immer behauptet, von seinen Einnahmen aus der Lyrik habe er die Kosten für seine Zündhölzer bestritten.
53Vermissen Sie die goldenen Zeiten, als es für einen »Spiegel«-Essay 20.000 Mark gab?
Gerüchteweise kann man hören, ich sei geschäftstüchtig. Hätte ich richtig Geld verdienen wollen, wäre ich Banker geworden. Ich sehe aber nicht ein, warum ein Dichter der Idiot der Familie sein sollte. Ich lasse mich ungern über den Tisch ziehen. Hundert Euro für einen Vortrag bei einer deutschen Universität, das weiß ich nicht zu schätzen. Entweder ich mache etwas umsonst, oder ich werde anständig bezahlt. Die schlechten Bezahlungen, die finde ich unpassend.
54Nach fünfzig Jahren, noch immer zufrieden mit dem Suhrkamp Verlag?
Ich habe einen guten Lektor. Ich werde gedruckt. Kein anderer Verlag würde meine Bücher jahrzehntelang lieferbar halten. Was soll ich mehr verlangen? Eine solche Beziehung ist haltbarer als ein Flirt.
55Können Sie zugeben, dass Sie 1971 irrten, als Sie sich verlagsintern gegen die Einführung der Suhrkamp-Taschenbücher aussprachen?
Einer der beliebten Irrtümer, die Journalisten voneinander abschreiben – wie die Legende, ich hätte irgendwann den Tod der Literatur verkündet. Völlig sinnlos, so etwas zu dementieren. Man muss die Leute einfach reden lassen.
56Wann erscheint endlich der Briefwechsel Unseld – Enzensberger?
Darum kümmere ich mich nicht. Kürzlich ist ein Briefwechsel mit Uwe Johnson erschienen. Meinetwegen! Die Editoren haben das tadellos hinbekommen, Stellenkommentar, Register und so weiter. Ich vergesse ja solche Sachen, ich schmeiße alles weg, es ist mir gleich, ich führe kein Archiv. Dieser Briefwechsel existiert nur deshalb, weil der Uwe Johnson im Gegensatz zu mir ein Registrator seines eigenen Lebens war. Er hat nicht nur die Briefe aufbewahrt, die er bekommen hat, er hat auch Kopien derjenigen Briefe behalten, die er geschrieben hat.
Jetzt rauchen die Zigaretten, jetzt läuft’s. Nachbemerkung zum Enzensberger-Singsang: Er spricht eben keine fertigen, keine abgeschlossenen Sätze. Er spricht nicht druckreif. Stattdessen kann man dem Schriftsteller dabei zuhören, wie er sich in seinen Sätzen nach vorne tastet, mal hier, mal dort einen Weg versucht, stehen bleibt, strauchelt, sich umschaut, die schöne Aussicht genießt: die berühmte Verfertigung der Gedanken beim Sprechen. Manchmal wirkt es, als stelle der Sprach-Spaziergänger auch einfach mal einen Satz in die Luft, um sich dann amüsiert anzugucken, wie er dort halb fertig hängt. Die Gedanken sind halt keine fertigen, also muss sich das auch in der Sprache ausdrücken. Zur Enttäuschung des Interviewers wird der Schriftsteller die Schriftfassung des Gesprächs später bei der Autorisierung an einigen gut holprigen Stellen straffen, glätten, eindeutig machen. Auch wieder richtig: So wird man lesbar. Wir gucken nun in die Biografie Enzensbergers hinein: sein langes Leben, sein Wirken, der Einfluss, den so einer bis heute nimmt.
57Können Sie noch einmal kurz beschreiben, worin genau Ihr Handgranaten-Trauma besteht?
Da gibt’s kein Trauma, das ist ganz einfach: Ich bin in den letzten Tagen des Krieges zum sogenannten Volkssturm eingezogen worden. Und ich konnte nicht werfen. Das hat sich schon beim Handball gezeigt, ganz zu schweigen von den Handgranaten.
58Wie lange ist das gefühlt her, dass Sie die chinesische Kulturrevolution gelobt haben, eher 50 oder 250 Jahre?
Auch so eine Journalisten-Sage. Natürlich, ich habe damals das
Kursbuch
herausgegeben, und ich erinnere mich: Im
Kursbuch
gab es richtiggehende Lobredner der Kulturrevolution. Und es gab dort andere, die darüber hergefallen sind.
59Jetzt schon Angst vor 2018, wenn 1968 seinen Fünfzigsten feiert?
Ich fürchte, das wird uns nicht erspart bleiben. Es gibt diese merkwürdige Versessenheit auf dieses Jahr. Immer dieses Veteranentum und dieser absurde RAF-Kult! Damit kann ich nichts anfangen. Aber in der Summe hat 1968 diesem Land wahrscheinlich eher gutgetan. Die Revolutionsrhetorik war natürlich Unsinn, eine revolutionäre Situation hat es nie gegeben. Aber das Ganze war ein überfälliger Modernisierungsschritt. Es gab damals in der deutschen Gesellschaft noch Reste des Obrigkeitsstaates, geradezu wilhelminische Erscheinungen wie den Kuppeleiparagrafen, den Tschako, lauter idiotische und überständige Dinge. Das musste halt mal endlich alles weg. Marxistisch gesprochen: Die Verkehrsformen entsprachen nicht mehr den Produktionsverhältnissen.
60Muss man im Rückblick nicht klipp und klar sagen: »Klar, die sechziger Jahre waren das tollste Jahrzehnt aller Zeiten«?
Muss man nicht. Sollte man lieber lassen.
61Können Sie sich jetzt – etwa zwei Sätze lang – noch einmal über das Geschenk der deutschen Einheit freuen?
Schon wieder eine solche Fangfrage! Also gut, wenn es sein muss. Ich habe es einfach nicht so gerne, wenn ganze Völker eingesperrt werden. Deshalb war ich froh, dass es damit vorbei war, und zwar nicht nur in Deutschland. Dass auf die Euphorie die Enttäuschung folgte, war vorherzusehen. Die Leute haben sich etwas Wunderbares vorgestellt. Aber vierzig Jahre Diktatur bringen schwere Beschädigungen mit sich, und die kann man nicht einfach durch einen Regimewechsel heilen. Ich habe damals gesagt: mindestens dreißig Jahre, bis sich so etwas wie Normalität einstellen wird.
62Lebensprinzip Seitenscheitel?
Was soll das heißen? Meinen Sie meine Frisur? Meine gute Laune?
63Was gibt’s eigentlich dauernd zu grinsen?
Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute, die andere mit ihren Problemen behelligen, die halte ich für rücksichtslos.
64Haben Sie das erfunden, dass man auch als Intellektueller auf der sonnigen Seite des Lebens stehen darf?
Ich bin gern im Schatten, aber seine Depressionen sollte man für sich behalten. Das hat vielleicht auch eine objektive Seite: Es sind ja eigentlich keine griechischen Tragödien, die ich hier vorfinde, wenn ich aus dem Haus gehe. Im unangenehmsten Fall sind es Tragikomödien. Nicht nur der Literaturbetrieb und der Medienzirkus, aber auch größere Routinen wie Tarifverhandlungen und Koalitionskräche: Das sind ja unfreiwillig komische Erscheinungen.
65
Ihre letzte Straftat?
Als Student habe ich Bücher geklaut. Nie in Bibliotheken!
66Wer hat den schönsten Essay auf Ihren Achtzigsten geschrieben?
Keine Ahnung. Vergessen.
67Was soll eigentlich der grandiose Quatsch, dass Sie sich als ungebildeten Menschen bezeichnen?
Das müssen Sie wieder einmal in einer Zeitung gelesen haben. Ich verfüge über eine durchaus solide Halbbildung.
68Wer ist der klügste Deutsche unter fünfzig Jahren?
Der Klügste, Beste, Blödeste: Auf solche Hitlisten lasse ich mich gar nicht ein.
69Seid ihr Intellektuellen heimlich eifersüchtig auf die Politiker, weil die wenigstens entscheiden dürfen, wo eine Autobahn hingebaut wird?
Ich bedaure diese Personen aufrichtig. Wenn Macht ausüben, dann schon eher als Vorstandsvorsitzender eines interessanten Unternehmens. Solche Leute haben mehr Freiheitsgrade bei ihren Entscheidungen als unsere Politiker.
70Würden Sie die Einladung des Bundestagspräsidenten annehmen, im Bundestag eine Rede zur Lage der Nation zu halten?
Im Bundestag? Warum denn im Bundestag? Die armen Abgeordneten, die muss man schonen, die haben es schwer genug. Es sind ja meistens auch nur zwanzig anwesend. Und wenn ich da reden würde, dann kämen wahrscheinlich nur zehn, weil die anderen ihre Ausschusssitzung nicht verpassen dürfen.
Zwischenstand: Zwei Drittel der Fragen sind beantwortet. Er guckt unverändert freundlich, spöttisch, amüsiert, als wollte er fragen: War das schon alles? Wann geht es denn jetzt endlich mal los? Es kommt aber kaum noch etwas, verehrter Herr Enzensberger, wir kurven jetzt, zurückgelehnt und mit langem Arm am Lenkrad, durch die letzten Kurven dieses Gesprächs. Ist das nicht angenehm? Ist das nicht fantastisch?
71Sind die Schwabinger Frauen die schönsten auf der Welt?
Ja, sicher!
72Wie war der letzte »Tatort«?
Tatort
ist Landeskunde, Ethnologie und, weil es ihn schon so lange gibt, Alltagsgeschichte der Republik.
73Was machen die Wolken?
Es zieht gerade ein bisschen zu.
74Einverstanden, dass der Blick auf die Wolken, also der vom Flugzeugfenster, komischerweise ein ganz langweiliger ist?
Absolut uninteressant.
75Warum ist das Internet komischerweise kein Thema?
Am Anfang war’s doch ein Thema – in den siebziger Jahren. Da wurde eine Art Idylle oder der Untergang der Kultur an die Wand gemalt. Die Leute wollen immer Gut und Böse.
76Jetzt kommen die maximal philosophischen Fragen, philosophischer wird es heute nicht mehr: Warum drängeln Menschen beim Betreten eines Flugzeugs?
Das Betreten eines Flugzeugs gehört offensichtlich zu den schwierigsten Übungen, denen der moderne Mensch ausgesetzt ist. Es wird genestelt, gedrängelt, gestopft, ja manchmal auch um sich geschlagen. Die riesigen Dinge, die mit an Bord genommen werden: Ich weiß nicht, was es ist. In dieser Büchse ist der Mensch offensichtlich nicht gerne.
77Warum macht es unbeschreiblich traurig, wenn man Geschäftsmänner mit riesigen Krawatten auf winzigen Telefonen herumdrücken sieht?
Es ist immer beklagenswert, wenn die Überzeugung von der eigenen Wichtigkeit überhandnimmt.
78Warum schämt sich der Mensch völlig richtigerweise, wenn er einen Cappuccino mit Sojamilch bestellt?
Das habe ich noch nie gehört. Was ist denn das? Sojamilch? Wir entern wieder diese riesige Zone der Ignoranz.
Er sitzt nun zurückgelehnt, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Er stellt diesem Gespräch, so sieht es aus, jetzt nur noch die eine Hälfte seines Gehirns zur Verfügung. Die andere Hirnhälfte denkt schon über etwas anderes nach – vielleicht darüber, wo er später mit seiner Frau essen geht. Der Interviewer guckt hin, guckt weg und denkt den einfachen, trotzdem richtigen Satz: Es ist ja denkend praktisch unmöglich, dumm auszusehen.
79Was tun Sie da eigentlich immer mit Ihren Händen und Armen?
Im Fernsehen ist das ein Nachteil. Da sieht man wie ein Hampelmann aus, wenn man sich so bewegt wie ich. Vor der Kamera müssen Sie steinern sein. Unbewegte Miene. Das ist Autorität. Ich bin nicht fernsehgeeignet.
80Hat das eine Bedeutung, dass Sie eben nicht am Berliner Savignyplatz oder Gendarmenmarkt, sondern am Englischen Garten in München leben?
Ich will meine Ruhe haben. München hat den Vorzug, dass es ein klein wenig langweilig ist.
81Ihr Münchner Lieblingsitaliener?
Es gibt hier in der Nähe meiner Wohnung noch Reste von bayerischen Lokalen. Hier um die Ecke ist der Weinbauer. Das ist etwas Zuverlässiges. Einen hervorragenden Kaiserschmarrn gibt es da. Diese Wirtschaft ist nicht lästig wie die Lokale an der Leopoldstraße, wo so eine Art
nightlife
tobt.
82Ist das Ihr Trick, dass Sie so fröhlich tun, und dann sind Sie’s wirklich?
Schon wieder! Wenn Sie so weitermachen, sabotieren Sie meine Laune.
83Ist das Ihr rhetorischer Trick, dass Sie hinter Aussagen, die vollkommen überraschend, also alles andere als selbstverständlich sind, immer gerne ein »Ist doch klar« oder ein »Das weiß doch auch jeder« setzen?
Vieles liegt doch auf der Hand, man muss nur hinsehen. Außerdem soll man die andern nicht für dümmer halten, als sie sind. Das ist ja auch ein Problem der Schule: Pädagogen halten Kinder gewöhnlich für blöder, als sie sind. Anstatt ein Kind zu unterschätzen, sollte man so viel wie möglich aus ihm herauslocken. Möglicherweise erfährt man so allerhand, was einem neu ist.
84Kann man mit Hans Magnus Enzensberger sagen, dass die Welt, so wie sie ist, eigentlich ganz okay ist?
Ihre Drohung, dass Sie philosophische Fragen stellen, nähert sich der Gefahrenzone. Herr Schopenhauer hat sein ganzes Leben damit verbracht.
Die Welt als Wille und Vorstellung.
Tolles Buch! Vierzehnhundert Seiten. Leider bin ich kein Philosoph.
Enzensberger guckt sein Bücherregal an. Er macht wieder den Vielraucher-Trick, dass er sich die Zigarette nicht gleich anzündet. Das war doch jetzt unheimlich nett, dass er sich, obwohl er erst nicht wollte, diesen Fragen gestellt hat. Er hat einfach das, was schon alle wissen, noch einmal erzählt – aber eben ein bisschen anders: die Welt, in der wir leben, mit Anmerkungen von Hans Magnus Enzensberger. Mehr geht nicht.
85Wie geht’s dem Rücken?
Null Probleme.
86Mit den Augen ist auch noch alles okay?
Ich hatte eine sehr interessante Operation. Der sogenannte Graue Star. Es ist eine leichte Eintrübung der Linse, die so allmählich voranschreitet, dass Sie es gar nicht merken. Der Eingriff ist Routinesache. Und ich sage Ihnen: Das ist phänomenal. Sie sehen die Welt wie neu. Fünfzigtausend Farben!
87Wie geht das, eine Zigarette richtig zu genießen?
Ach, das Rauchen. Das ist doch auch so ein Ersatzthema.
88Haben Sie einen Trick gefunden, wie man die vielen Bücher wieder loswird?
Ja, wegwerfen!
89Mit einem Blick auf die Kunst an Ihren Wänden: richtige Beobachtung, dass Sie einen gewissen Widerwillen gegen das Abstrakte hegen?
Bilder, auf denen nichts drauf ist, interessieren mich nicht. Das ist natürlich ein sehr simples Kriterium. Auch Kinder können übrigens mit einem schwarzen Quadrat wenig anfangen.
90Welche Form hat ein von Hans Magnus Enzensberger geschätztes Sitzmöbel?
Sie finden hier kein Möbelstück, das ein Designer entworfen hat. Ein Fahrrad, ein Wasserhahn, eine Gabel, ein Bett – an diesen Dingen gibt es nichts zu verbessern. Keine Mätzchen!
91Was unterscheidet eine gute von einer sehr guten Strickkrawatte?
Ich vermeide Krawatten.
92Woher kommt Ihre Vorliebe für das Kleingeblümte in Ihren Hemdenstoffen?
Die Hersteller von Hemden haben sich auf bürokompatible Streifen geeinigt. Diese Uniform ist nicht jedermanns Sache.
93Sind Sie ein guter Tänzer?
Walzer, linksherum, rechtsherum.
94Ihr Mittel gegen Müdigkeit?
Ich bin nicht müde.
95Ihr Mittel gegen Selbstzufriedenheit?
Nackenschläge. Eine katastrophale Theaterpremiere, ein geplatztes Filmprojekt. Wenn etwas schiefgeht, das ist doch spannend. Ich schätze meine Niederlagen hoch.
96Wie macht man einen guten Witz?
Mache ich ja nicht.
97Immer eine wichtige Frage: Wo ist Ihre Frau?
Wir haben zwei Wohnungen, die Familien- und die Arbeitswohnung. Das finden wir angenehm.
98Eine Ahnung, wie viel Grad es hier in Ihrem Arbeitszimmer hat?
Ja.
Er greift nach einem weißen Stück Plastik, das vor ihm auf dem Tisch liegt, schaut auf die LCD-Anzeige. Das Plastikstück trägt die Aufschrift »Mitsubishi Electric«. Es ist die Fernbedienung seiner Klimaanlage.
21 Grad.
99Welcher Gedanke muss heute noch zu Ende gedacht werden?
Du lieber Himmel. Die meisten.
- Datum 13.08.2010 - 10:02 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 12.08.2010 Nr. 33
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Die Fragen waren größtenteils so interessant, dass mich eine wirkliche Antwort von Hans Magnus Enzensberger interessiert hätte. Leider flieht er entweder ins Komische, was ich grundsätzlich mag, uns aber hier nicht weiterbringt, teils ins Skurile oder auch in Gegenfragen. Enttäuschend! Offensichtlich hatte er einfach keine Lust, ernsthaft zu antworten, bei einem Jüngeren würde man sagen: null Bock. Hätte man in dieser Form m.E. nicht zu drucken brauchen. Ihr ansonsten begeisterter Zeit-Magazin-Leser B.K. aus Offenbach.
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
Ich habe mich tatsächlich durch alle 99 Fragen gearbeitet: "Irgendwann muss doch etwas interessantes kommen!".
Das Problem könnte gewesen sein, dass der Interviewer sich selbst und nicht den Interviewten für den "Star" hielt. Einem Interview tut so etwas nicht gut.
Die Fragen sind nicht, wie wohl beabsichtigt, kreativ und feinsinnig. Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
Auch ich befand mich in der Annahme, kluge oder zumindest witzige Antworten zu lesen. Doch große Fehlanzeige.
Lag es an einer Arroganz, einem besonders schlechter Tag oder einer gewissen Banalität der gestellten Fragen. Auf solche Interviews sollte DIE ZEIT verzichten. Möglich ist auch, das es am bekannten "Sommerloch" liegt, wo mancher Quatsch veröffentlicht werden muß.
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion /ft
Ich bin durch, alle Fragen, alle Antworten. Fast alle, denn ich warte noch auf die Hundertste und ihre Nachfolger. Ich wartete die ganze Zeit. Gleich, gleich kommt da doch etwas, irgend etwas Bedeutsames. Irgend etwas, das das Lesen dieser 99 zusammenhangslosen Fragen und der 99 beliebigen Antworten lesenswert machen würde. Irgend einen Grund, dass man das Ganze in ein Medium einstellt. Manchmal dachte ich, es gehe mehr um die eingestreuten Beschreibungen des Gegenübers, die so seltsam wertend und gleichermaßen literarisch bemüht wirken. Aber das kann ja nicht Sinn eines Interviews sein. Auch kam da letztlich nicht viel mehr als ein Gesäusel, das Wasser fließt eben, wie alles. Und daher wartete ich, warte immer noch...
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
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