Schriftsteller 99 Fragen an Hans Magnus EnzensbergerSeite 6/6
Enzensberger guckt sein Bücherregal an. Er macht wieder den Vielraucher-Trick, dass er sich die Zigarette nicht gleich anzündet. Das war doch jetzt unheimlich nett, dass er sich, obwohl er erst nicht wollte, diesen Fragen gestellt hat. Er hat einfach das, was schon alle wissen, noch einmal erzählt – aber eben ein bisschen anders: die Welt, in der wir leben, mit Anmerkungen von Hans Magnus Enzensberger. Mehr geht nicht.
85Wie geht’s dem Rücken?
Null Probleme.
86Mit den Augen ist auch noch alles okay?
Ich hatte eine sehr interessante Operation. Der sogenannte Graue Star. Es ist eine leichte Eintrübung der Linse, die so allmählich voranschreitet, dass Sie es gar nicht merken. Der Eingriff ist Routinesache. Und ich sage Ihnen: Das ist phänomenal. Sie sehen die Welt wie neu. Fünfzigtausend Farben!
87Wie geht das, eine Zigarette richtig zu genießen?
Ach, das Rauchen. Das ist doch auch so ein Ersatzthema.
88Haben Sie einen Trick gefunden, wie man die vielen Bücher wieder loswird?
Ja, wegwerfen!
89Mit einem Blick auf die Kunst an Ihren Wänden: richtige Beobachtung, dass Sie einen gewissen Widerwillen gegen das Abstrakte hegen?
Bilder, auf denen nichts drauf ist, interessieren mich nicht. Das ist natürlich ein sehr simples Kriterium. Auch Kinder können übrigens mit einem schwarzen Quadrat wenig anfangen.
90Welche Form hat ein von Hans Magnus Enzensberger geschätztes Sitzmöbel?
Sie finden hier kein Möbelstück, das ein Designer entworfen hat. Ein Fahrrad, ein Wasserhahn, eine Gabel, ein Bett – an diesen Dingen gibt es nichts zu verbessern. Keine Mätzchen!
91Was unterscheidet eine gute von einer sehr guten Strickkrawatte?
Ich vermeide Krawatten.
92Woher kommt Ihre Vorliebe für das Kleingeblümte in Ihren Hemdenstoffen?
Die Hersteller von Hemden haben sich auf bürokompatible Streifen geeinigt. Diese Uniform ist nicht jedermanns Sache.
93Sind Sie ein guter Tänzer?
Walzer, linksherum, rechtsherum.
94Ihr Mittel gegen Müdigkeit?
Ich bin nicht müde.
95Ihr Mittel gegen Selbstzufriedenheit?
Nackenschläge. Eine katastrophale Theaterpremiere, ein geplatztes Filmprojekt. Wenn etwas schiefgeht, das ist doch spannend. Ich schätze meine Niederlagen hoch.
96Wie macht man einen guten Witz?
Mache ich ja nicht.
97Immer eine wichtige Frage: Wo ist Ihre Frau?
Wir haben zwei Wohnungen, die Familien- und die Arbeitswohnung. Das finden wir angenehm.
98Eine Ahnung, wie viel Grad es hier in Ihrem Arbeitszimmer hat?
Ja.
Er greift nach einem weißen Stück Plastik, das vor ihm auf dem Tisch liegt, schaut auf die LCD-Anzeige. Das Plastikstück trägt die Aufschrift »Mitsubishi Electric«. Es ist die Fernbedienung seiner Klimaanlage.
21 Grad.
99Welcher Gedanke muss heute noch zu Ende gedacht werden?
Du lieber Himmel. Die meisten.
- Datum 13.08.2010 - 10:02 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 12.08.2010 Nr. 33
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Die Fragen waren größtenteils so interessant, dass mich eine wirkliche Antwort von Hans Magnus Enzensberger interessiert hätte. Leider flieht er entweder ins Komische, was ich grundsätzlich mag, uns aber hier nicht weiterbringt, teils ins Skurile oder auch in Gegenfragen. Enttäuschend! Offensichtlich hatte er einfach keine Lust, ernsthaft zu antworten, bei einem Jüngeren würde man sagen: null Bock. Hätte man in dieser Form m.E. nicht zu drucken brauchen. Ihr ansonsten begeisterter Zeit-Magazin-Leser B.K. aus Offenbach.
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
Ich habe mich tatsächlich durch alle 99 Fragen gearbeitet: "Irgendwann muss doch etwas interessantes kommen!".
Das Problem könnte gewesen sein, dass der Interviewer sich selbst und nicht den Interviewten für den "Star" hielt. Einem Interview tut so etwas nicht gut.
Die Fragen sind nicht, wie wohl beabsichtigt, kreativ und feinsinnig. Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
@Koestbe: die Fragen waren zum größeren Teil interessant, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich stimme nicht zu, dass die Antworten uninteressant waren. Jemand wie Herr Enzensberger hat zahllose Interviews hinter sich, er musste, wie es ja im Artikel öfters erwähnt wird, bei Laune gehalten werden auch durch "kleinere" Fragen. Mir persönlich sind es einfach zu viele. Ich schaffe es nicht, sie alle hintereinander wegzulesen, ohne dass sich zu früh Sättigung einstellt. Was mir bei diesem einen Interview passierte - wie oft mag Enzensberger das wohl schon erlebt haben? ... Und: auch eine ablenkende Antwort ist eine Antwort...
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
Auch ich befand mich in der Annahme, kluge oder zumindest witzige Antworten zu lesen. Doch große Fehlanzeige.
Lag es an einer Arroganz, einem besonders schlechter Tag oder einer gewissen Banalität der gestellten Fragen. Auf solche Interviews sollte DIE ZEIT verzichten. Möglich ist auch, das es am bekannten "Sommerloch" liegt, wo mancher Quatsch veröffentlicht werden muß.
"Es ist eine schier endlose Sammlung von Quatsch!"
Richtig!
Befremdlich ist mir nur, warum Sie zwar zur Wahrheit, aber nicht zur Erkenntnis durchdringen. Verwechselt da jemand Sinn mit Nutzen? Oder sind Sie Akademiker?
An 1 und 4: Wer ein dressiertes Zirkusäffchen sehen will, das auf Kommando seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, der sollte sich in das entsprechende Establishment bewegen und kein ZEIT-Interview mit Enzensberger lesen. Sogesehen: Selber Schuld und "Das weiß doch auch jeder".
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion /ft
Ich bin durch, alle Fragen, alle Antworten. Fast alle, denn ich warte noch auf die Hundertste und ihre Nachfolger. Ich wartete die ganze Zeit. Gleich, gleich kommt da doch etwas, irgend etwas Bedeutsames. Irgend etwas, das das Lesen dieser 99 zusammenhangslosen Fragen und der 99 beliebigen Antworten lesenswert machen würde. Irgend einen Grund, dass man das Ganze in ein Medium einstellt. Manchmal dachte ich, es gehe mehr um die eingestreuten Beschreibungen des Gegenübers, die so seltsam wertend und gleichermaßen literarisch bemüht wirken. Aber das kann ja nicht Sinn eines Interviews sein. Auch kam da letztlich nicht viel mehr als ein Gesäusel, das Wasser fließt eben, wie alles. Und daher wartete ich, warte immer noch...
Texterette: Sie haben recht, es waren einfach zu viele Fragen, sowohl für den Interviewer als auch für den Interviewten, erst recht für den Leser. Nur: wenn schon Enzensberger, dann muss auch etwas vom großen Geist durchs Interview wehen, sonst sollte man es lieber ganz lassen! Ich bin gespannt, ob die Serie so fortgeführt werden kann, glaube ich eher nicht.
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