Autotest Kleine Duftprobe

Tobias Timm erlebt im Volvo C70 T5 ein totales synästhetisches Erlebnis auf Wald- und Wiesenstrecken und verpflichtet sich in der Stadt zur Diplomatie

Der getestete Volvo C70 hatte einen 5-Zylinder-Turbomotor mit 230 PS unter der Haube

Der getestete Volvo C70 hatte einen 5-Zylinder-Turbomotor mit 230 PS unter der Haube

Mit fremden Autos verhält es sich wie mit dem Besuch von fremden Ländern: Die Unterschiede zum eigenen Auto – oder zur Heimat – fallen einem besonders in den ersten Tagen auf, dann gewöhnt man sich an die Andersartigkeiten. So gesehen ist es ein Vorteil, dass ich den neuen Volvo C70 Cabrio schon nach einigen Tagen wieder zurückgeben musste. Was geübte Cabriofahrer gar nicht mehr bemerken, schlug mir – der normalerweise ein Auto fährt, dessen Dach sich nur mithilfe eines Schneidbrenners abnehmen ließe –, buchstäblich ins Gesicht, es stieg mir in die Nase und drang mir in die Ohren.

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Im Cabrio kann man die Umwelt riechen. Und nicht nur das! Der Volvo C70 ist ein Atmosphärenverstärker. In ihm nimmt man alles viel intensiver wahr. Wir sind mit dem Wagen nach Mecklenburg-Vorpommern gereist, und auf den Landstraßen öffnete sich uns plötzlich ein Geruchspanorama, von dem man in einem normalen Auto selbst bei weit heruntergelassenen Fenstern kein bisschen mitbekommt. Eben noch atmet man den Duft eines ganzes Kornfelds inklusive Kornblumen. Im nächsten Moment badet man in kühler Luft, die nach Kiefernharz riecht, während über einem bei schneller Fahrt die vorbeifliegenden Äste zu einem schlierigen Grünbraun verwischen. Zum totalen synästhetischen Erlebnis wurden die vorpommerschen Wälder und Alleen aber erst dadurch, dass der Volvo C70 so extrem leise ist. Selbst bei geöffnetem Dach hört man praktisch keinen Mucks.

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Meist sind es ja Sportwagen oder Möchtegernsportwagen, die als Cabrio-Variante angeboten werden, und deswegen haben die Sounddesigner ihnen laute, aggressive Motorgeräusche antrainiert. Auch der Volvo fährt schnell an und liegt fest auf der Straße, doch dabei ist er so zurückhaltend wie ein nettes Familienauto (so sieht er übrigens auch aus). Und deshalb konnten wir jeden einzelnen Vogel heraushören, der im Kieferngeäst balzte, während wir unten dahinsurrten.

Nicht nur auf dem Land, auch in der Stadt wirkt die Außenwelt bei offenem Verdeck viel direkter und stärker ein. Am deutlichsten wird dies beim Streit mit anderen Autofahrern: »Du Idiot« ist aus der offenen Fahrgastzelle weit besser zu hören als aus der geschlossenen. Für eventuelle Auseinandersetzungen fühlt man sich schlecht gewappnet, wie ein Eishockeyspieler ohne Helm. Cabriofahren verpflichtet daher zur Diplomatie. Und ist so ein aktiver Beitrag zum Weltstraßenfrieden.

Technische Daten

Motorbauart: 5-Zylinder-Turbomotor
Leistung: 169 kW (230 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
CO2-Emission: 209 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,9 Liter
Basispreis: 39.900 Euro

Tobias Timm ist ZEIT-Autor im Feuilleton

 
Leser-Kommentare
  1. Danke, nach vielen Tiefpunkten ein schön zu lesender "Bericht"!
    Dem Dufterlebnis kann ich selbst nur beipflichten, guter Aufhänger!

  2. Ich kann Ihnen nur beipflichten. Und fahren Sie mal offen im Frühling auf der Landstraße durch ein Wäldchen. Ein Gedicht!

  3. Versuchen Sie es einmal mit einem Spaziergang, dort wo es weit und breit keine Autos gibt.

  4. Entfernt. Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/sh

  5. Liebe ZEIT-Redaktion!

    Den Kommentar zu entfernen, ist kein Ausweis auch nur annähernd journalistischer Freidenkerei. Das können Sie jetzt natürlich auch wieder entfernen - wozu sitzt man an der Maus - oder auch nicht.

    Für Sie also noch einmal in etwas hölzerner Tonart.

    Die Begeisterung Ihres Autors für Cabrios teile ich nur bedingt, es sei denn, Herr Timm pflegt eine sehr sublime Art der Ironie.

    Natürlich sitzt man beim Cabriofahren in der freien Luft. Im Jahr 2010 sollte Autofahren jedoch zuallererst mit dem Verheizen fossiler Brennstoffe in Verbindung gebracht werden, weniger mit schönen Geruchserlebnissen durchfahrener Natur.

    Natürlich kann man im Cabrio die Umwelt riechen. Gegenfrage: Was riecht die Umwelt?

    Vielleicht zitiere ich an dieser Stelle den Autor selbst:

    "»Du Idiot« ist aus der offenen Fahrgastzelle weit besser zu hören als aus der geschlossenen."

    Ja, da ist was dran. Natürlich nur solange Sie diesen Beitrag für ausreichend sachlich halten.

  6. Wenn ich nicht die eigene Vespa fahre, leihe ich mir gerne mal ein Smart Cabrio aus. Gemäckere und Gerüche also sind durchaus bekannt. Kleiner Tipp: spielen Sie im geöffneten Smart Cabrio mal laut Serge Gainsbourg: "Moi non plus". Liebenspäärchen werden die Stimmung genauso schnell wechseln wie Sie selbst (schmunzel, schmunzel).

  7. darf komplett aus den Medien verschwinden. Die Beschreibungen sind unsachlich und angesichts von 230 Ps kaum zu verantworten.

  8. Dufterlebnisse der ganz anderen Art können Autofahrer erleben, wenn Sie mal ausprobieren, was sie ihrer Umwelt eigentlich antun: http://www.monoxitube.com

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