Ölpest Größter Prozess aller Zeiten
Es beginnt mit einer Niederlage für BP: Gerichtsort wird New Orleans
Boise ist ein freundlicher Ort, weit ab von allem. In der beschaulichen Hauptstadt des US-Bundesstaates Idaho, hoch oben in Amerikas Nordwesten, verläuft das Leben langsamer als anderswo. Eigentlich zu langsam, um Geschichte zu machen – bis vor einer Woche jedenfalls. Von Mittwoch an landeten Privatjets auf dem kleinen Flughafen. Männer in dunklen Anzügen und Frauen mit perfekt sitzenden Frisuren stiegen aus. Sie trugen die Eile und Entschlossenheit von Amerikas mächtiger Geschäftswelt nach Idaho. Mehr als zweihundert Anwälte waren gekommen, denn es begann die juristische Aufarbeitung der schlimmsten Ölpest aller Zeiten. Es wird der größte Rechtsstreit der amerikanischen Geschichte.
Eingeladen hatte Richter John Heyburn. Er und seine Kollegen sollten entscheiden, vor welchem Gericht die Sammelklagen verhandelt werden. Es war der erste Schritt und ein immens wichtiger in dem Prozess, der locker ein Jahrzehnt dauern kann. Die Wahl des Orts und des Richters kann maßgeblichen Einfluss auf den Ausgang und damit auf die Zukunft von BP haben.
Die Uhr über der Tür zeigte am vergangenen Donnerstag neun Minuten nach acht, da betrat auch Daniel Becnel den Saal. Stolz wie ein Feldherr ließ er seinen Blick in alle Richtungen schweifen. Dann lachte er zufrieden. Was für ein Auftritt. Schon seit einer Stunde war keiner der 133 Stühle mehr zu haben. Nur für Becnel gab es noch einen Platz in der ersten Reihe. Mit weniger hat er sich noch nie zufriedengegeben.
Becnel ist der King of Torts, der König im Reich des amerikanischen Deliktrechts. So zumindest lautet der Roman des Schriftstellers John Grisham, in dem eine der Hauptfiguren Becnel nachempfunden ist. »Grisham ruft mich oft an und fragt um Rat.« Der gütig lächelnde Mittsechziger lässt diesen Satz gerne fallen. Zugleich ist er unter amerikanischen Jurastudenten eine Legende, weil er Großkonzerne in Serie besiegt. Mit Klagen, etwa gegen die US-Tabakindustrie oder den deutschen Bayer-Konzern, hat er ein Vermögen verdient.
Hier und heute geht es gegen BP. Becnel reichte die erste Klage bereits ein, da hatte das Öl die Küste von Louisiana noch gar nicht erreicht. Mittlerweile liegen den Gerichten an der Golfküste rund 250 Sammelklagen vor. Dahinter stehen Hunderttausende Anwohner, Bohrinsel-Arbeiter und Bootsbesitzer, Fischer und Hotelbetreiber, die eine Entschädigung verlangen. »Mein Leben wird der Prozess nicht verändern«, sagt Becnel, »aber ich hoffe, dass meine Mandanten den Weg zurück in ihres finden.«
Er und seine Kollegen, die als Kläger nach Boise gekommen sind, sehen sich als die Verteidiger der Ohnmächtigen gegen die Mächtigen. Jeder von ihnen ist der Robin Hood seiner Gemeinschaft, der auf Provisionsbasis arbeitet und seine Mandanten mit Fernsehspots anwirbt. Es ist ein Geschäft, in dem man viel Geld braucht, um mitmischen zu können, und das Talent, die Geschworenen emotional auf seine Seite zu bringen.
- Datum 13.08.2010 - 10:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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Welcher Anwalt vertritt in diesem Millionenprozess die Rechte der völlig zerstörten Pflanzenwelt und die notleidenden Tiere???
dürfte niedriger ausfallen als erwartet. Der 20 Milliarden Dollar Entschädigungsfonds, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass die Regierung um Präsident Obama kein wahres Interesse zeigt, BP in die volle Verantwortung zu nehmen. Denn bis heute drängt die US-Regierung BP nicht dazu, die exakten Messdaten herauszugeben. Wieviel Öl bei dieser Havarie ausgetrat, ist allerdings ausschlaggebend für die Schadenersatzforderungen. Die offiziellen Schätzungen der Regierung sind nach Einschätzung von Experten viel zu niedrig.
In diesem Zusammenhang verwundert es auch nicht, dass amerikanischen Behörden wie beispielsweise NOAA Forschern den Zugang zu ihren Messdaten verweigert, oder Meldungen von Wissenschaftlern als Absurdität einstuft.
http://www.tampabay.com/n...
Auch die amerikanische Food and Drug Administration setzt alles daran, dass großzügig verwendete Corexit nicht als gefährliche Chemikalie zu bezeichnen. Die Chemikalien werden nicht in der Nahrungskette an Menschen weitergegeben und stellen somit kein Problem für die öffentliche Gesundheit dar, heißt es in einem öffentlichen Statement. Bezeichnenderweise sind chemische Analysen von Fischprodukten nicht im Repertoir der Food and Drug Administration.
http://www.latimes.com/ne...
Die Transparenz, welche Obama in seiner Ansprache von BP forderte, lässt seine Regierung ebenfalls vermissen. Was bleibt ist der Eindruck einer beipiellosen PR-Kampagne, in welcher der Konzern BP und die amerikanische Regierung Hand in Hand diesen Riesenschaden herunter zu spielen versucht.
Es ist schon zynisch zu wissen, dass auch weiterhin Corexit verwendet wird, trotz erfolgreichem Top-Kill und BP sowie die US Regierung dies bestreiten. http://www.thedestinlog.c...
Der ExxonValdez Unfall und seine Folgen sind immer noch nicht abgeschlossen.
Hier sind es mehrere Beteiligte und ein Rattenschwanz von Sammelklage.
In diesem Fall gilt tatsächlich: "Guter Rat ist teuer."
Für die großen Anwaltskanzleien ein Geschenk des Himmels, das zu
betreuende Klientel hat Geld ohne Ende.
Die armen Richter, die werden bombardiert mit Schriftsätzen, das wird dauern.
Irgendwann müssen neue Richter den Fall übernehmen, weil sie das Ende
nicht erleben durften oder konnten, delay, delay, delay.
Allerdings sollte man nicht die Macht des DOJ unterschätzen, wenn der
Staat mit im Boot sitzt.
M.E. kann man auch locker 25 Jahre ansetzen, bis alles abgeschlossen ist, ohne falsch zu liegen.
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