4300 Dollar für ein Fass Öl
Gegen die aktuelle Ölkatastrophe erscheint der Unfall der
Exxon Valdez
auf einmal fast leicht. Dieses Mal starben elf Menschen, geschätzte 4,9 Millionen Barrel Öl sprudelten aus dem Macondo-Feld. Zwar war es ein politischer Sieg, als Präsident Obama BP dazu zwang, 20 Milliarden Dollar für einen Entschädigungsfonds zu geben, aber er griff damit der Justiz vor. »Rein rechtlich steht der Fonds auf einer wackeligen Grundlage«, erklärt der Londoner BP-Anwalt. »Und das werden wir natürlich vorbringen.«
Was er und seine Kollegen in den kommenden Jahren verhandeln werden, ist nicht nur die Wiedergutmachung von gefühltem Unrecht, sondern kann auch das Verhältnis zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Amerika neu definieren. »So etwas wurde nie zuvor gemacht«, sagt er. Auch der Rechtsprofessor Galligan, der regelmäßig dem US-Kongress über die Causa BP Bericht erstattet, meint, es sei »der komplizierteste Fall, mit dem ich mich je beschäftigt habe«.
Die zweite Kernfrage wird sich um das Ausmaß der Schuld drehen: Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit, da gibt es viele Facetten. Die Angreifer werden BPs Schuld aufblasen, die Verteidiger kleinreden – und mit dem Finger auf die anderen beteiligten Konzerne wie den Betreiber der Bohrinsel, Transocean, und dem am Bau beteiligten Halliburton-Konzern verweisen. In dieser Welt der Vertragsklauseln und des Kleingedruckten werden sie sich ineinander verhaken. Transocean hatte in einem internen Bericht schon 2009 schwere Mängel an der Plattform festgestellt.
BP fand seinerseits sieben Monate vor der Katastrophe 390 Fälle von aufgeschobener Wartung und, wie es in einem BP-Papier heißt, »eine Sicherheitspolitik, die unter dem Standard war«. Neben dem Schadensersatz für die Betroffenen könnte am Ende eine Geldbuße wegen Wasserverschmutzung BP am meisten belasten. Nach dem Clean Water Act müsste der Konzern mindestens 1100 Dollar für jedes Barrel Öl zahlen, das ausgelaufen ist. Wird ihm grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen, steigt diese Summe auf bis zu 4300 Dollar – pro Barrel.
In diese Überlegungen fiel am Dienstag die erste Entscheidung. Die juristische Auseinandersetzung beginnt mit einer Niederlage für BP. Richter Heyburn hat sich überraschend schnell entschieden. »Wenn es ein psychologisches und geografisches Zentrum der Katastrophe gibt, dann ist der östliche Bezirk von Louisiana am nächsten dran«, teilte er mit. Gerichtsort wird New Orleans, und urteilen wird dort Richter Carl Barbier. Bei BP wird man sagen: ausgerechnet er.
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- Datum 13.08.2010 - 10:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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Welcher Anwalt vertritt in diesem Millionenprozess die Rechte der völlig zerstörten Pflanzenwelt und die notleidenden Tiere???
dürfte niedriger ausfallen als erwartet. Der 20 Milliarden Dollar Entschädigungsfonds, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass die Regierung um Präsident Obama kein wahres Interesse zeigt, BP in die volle Verantwortung zu nehmen. Denn bis heute drängt die US-Regierung BP nicht dazu, die exakten Messdaten herauszugeben. Wieviel Öl bei dieser Havarie ausgetrat, ist allerdings ausschlaggebend für die Schadenersatzforderungen. Die offiziellen Schätzungen der Regierung sind nach Einschätzung von Experten viel zu niedrig.
In diesem Zusammenhang verwundert es auch nicht, dass amerikanischen Behörden wie beispielsweise NOAA Forschern den Zugang zu ihren Messdaten verweigert, oder Meldungen von Wissenschaftlern als Absurdität einstuft.
http://www.tampabay.com/n...
Auch die amerikanische Food and Drug Administration setzt alles daran, dass großzügig verwendete Corexit nicht als gefährliche Chemikalie zu bezeichnen. Die Chemikalien werden nicht in der Nahrungskette an Menschen weitergegeben und stellen somit kein Problem für die öffentliche Gesundheit dar, heißt es in einem öffentlichen Statement. Bezeichnenderweise sind chemische Analysen von Fischprodukten nicht im Repertoir der Food and Drug Administration.
http://www.latimes.com/ne...
Die Transparenz, welche Obama in seiner Ansprache von BP forderte, lässt seine Regierung ebenfalls vermissen. Was bleibt ist der Eindruck einer beipiellosen PR-Kampagne, in welcher der Konzern BP und die amerikanische Regierung Hand in Hand diesen Riesenschaden herunter zu spielen versucht.
Es ist schon zynisch zu wissen, dass auch weiterhin Corexit verwendet wird, trotz erfolgreichem Top-Kill und BP sowie die US Regierung dies bestreiten. http://www.thedestinlog.c...
Der ExxonValdez Unfall und seine Folgen sind immer noch nicht abgeschlossen.
Hier sind es mehrere Beteiligte und ein Rattenschwanz von Sammelklage.
In diesem Fall gilt tatsächlich: "Guter Rat ist teuer."
Für die großen Anwaltskanzleien ein Geschenk des Himmels, das zu
betreuende Klientel hat Geld ohne Ende.
Die armen Richter, die werden bombardiert mit Schriftsätzen, das wird dauern.
Irgendwann müssen neue Richter den Fall übernehmen, weil sie das Ende
nicht erleben durften oder konnten, delay, delay, delay.
Allerdings sollte man nicht die Macht des DOJ unterschätzen, wenn der
Staat mit im Boot sitzt.
M.E. kann man auch locker 25 Jahre ansetzen, bis alles abgeschlossen ist, ohne falsch zu liegen.
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