Den Abschluss gibt es nicht geschenkt
»Niemand bekommt an der Open University seinen Abschluss hinterhergeworfen«, sagt Marion Bruhn-Suhr von der Hamburger Universität: »Die Prüfungen sind hart, und regelmäßig scheitern auch Studenten daran. Und ein komplettes Studium auf Englisch durchzuziehen setzt ein gutes Niveau der Bewerber voraus.« Bruhn-Suhr berät deutsche Interessenten, die sich an der Open University einschreiben möchten. Die Hamburger Universität kooperiert seit anderthalb Jahrzehnten mit der britischen Hochschule, die bei modernen E-Learning-Systemen zu den weltweiten Vorreitern zählt. Dass die Bafög-Behörden sich bei Open-University-Studenten querstellen, kann Bruhn-Suhr nicht nachvollziehen: »Die Abschlüsse von dort sind überall in Deutschland anerkannt, das haben auch die Hochschulrektorenkonferenz und die Kultusministerkonferenz so festgelegt.«
Die meisten der deutschen Absolventen haben ohnehin die Hochschulreife. Sie entschieden sich für die Open University, weil sie dort auch solche Fächer studieren können, die es in Deutschland nicht als Fernstudium gibt – Psychologie beispielsweise oder auch die Naturwissenschaften. »Zu mir kommen öfter junge Leute, die nach dem Abitur eine Ausbildung als biologisch-technische Assistenten gemacht haben«, sagt die Hamburger Beraterin. »Irgendwann wollen sie dann doch studieren und müssen nebenbei weiterarbeiten. Da kommt ein deutsches Präsenzstudium nicht infrage – und an anderen Fern-Universitäten gibt es eine naturwissenschaftliche Ausrichtung einfach nicht.«
Einen solchen Weg hat Georg Paaßen hinter sich. Er ist examinierter Altenpfleger, hat viele Jahre Berufserfahrung gesammelt und sich dann entschieden, auch noch einen Studienabschluss in Health and Social Care zu machen. Sechs Jahre lang hat er neben seiner Arbeit an den Fernlehrgängen der Open University teilgenommen. »Sobald ich mich bei einer staatlichen Stelle nach einer Förderung erkundigt habe«, sagt er frustriert, »habe ich als Antwort immer nur Gelaber gekriegt.«
Auch bei Stiftungen bekommen Open-University-Studenten kein Geld
Dabei sind es gerade Studenten wie er, nach denen deutsche Bildungspolitiker schon seit Jahren rufen: engagiert, erfahren, aufgeschlossen. Bafög kriegen sie trotzdem nicht. »Die Zulassung zum Studium ohne jeden konkretisierten Eignungsbeleg ist im deutschen Recht nicht vorgesehen«, heißt es beim Bildungsministerium in Berlin. Zwar sei nicht unbedingt die allgemeine Hochschulreife eine Studienvoraussetzung, schließlich würden oft auch andere Eignungsnachweise wie etwa eine Meisterprüfung akzeptiert. Das Mindestalter allein reiche aber nicht aus.
Für die Betroffenen ist diese Absage doppelt schwerwiegend: Weil viele Stiftungen ihre Stipendiaten nur an »Bafög-anerkannten Ausbildungsstätten« unterstützen, finden sie auch nirgendwo anders eine Förderung; die Studienstiftung des Deutschen Volkes etwa winkt bei Bewerbern von der Open University ab. Und selbst das Aufstiegsstipendium der Bundesregierung kommt nicht infrage – obwohl dieses Förderprogramm damit wirbt, man wolle die »Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung« verbessern.
Rechtsanwältin Sibylle Schwarz will dieses kategorische Nein nicht hinnehmen. Inzwischen prüft die Europäische Union, ob Deutschland mit seiner strengen Auslegung der Förderrichtlinien europäisches Recht verletzt. »Für die Studenten«, sagt Sibylle Schwarz, »gibt es durchaus noch Hoffnung auf Bafög.«
- Datum 11.08.2010 - 16:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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Studium ohne Schulabschluss und dafür Bafög erhalten? Eine tolle Alternative für junge Arbeitslose ohne Verpflichtungen. Nur mit dem Anmeldeformular auf Englisch müsste man ihnen noch helfen. Dass Bewerber regelmäßig durchfallen, ist dann weniger verwunderlich. Treten sie die Prüfung überhaupt an?
Die Studiengebühren werden auch bis zu einem Jahr übernommen. Bis zu ca. 8000€. Korrigiert mich bitte, ich mache hier nicht die Recherche-Arbeit vom Autor. Klingt nach einem tollen Geschäft für die Uni und erfolglosen Schulabgänger.
Das nächste mal beide Seiten betrachten. Die arme Mutter mit Kind, die sich ihren Traum vom Mathestudium nicht erfüllen kann,... sachlich bleiben. Dann findet man auch eher eine Lösung.
In diesem Fall sehe ich die Uni im Zugzwang eine "open discussion" einzuleiten.
Belegen Sie solche Aussagen mit Quellenangaben. Die Redaktion / mh
So etwas zu behaupten wenn Menschen, die viel Zeit für ihr Open University Studium aufbringen und viel Geld investieren, empfinde ich als dreist und unüberlegt.
Bin zwar davon überzeugt, dass das Niveau an der Universität bedeutend höher ist als an der BA, habe den direkten Vergleich (Ich: Universität, Lebensgefährtin: BA), sehe es aber absolut legitim an, dass BA-Studenten ihre Studienleistungen an der Open University anerkannt bekommen und auf diese Weise einen Bachelor verliehen bekommen. Möchte daran erinnern, dass auch FH-Absolventen einen Bachelor bekommen, die erstens kein Abitur benötigen, um ein Studium zu beginnen und deren Studienniveau weit unter dem einer BA liegt. Desweiteren ist es zumindest in Baden-Württemberg so, dass BA-Plätze so begehrt sind, dass schon für den Erhalt eines Platzes ein sehr gutes Abitur notwendig ist. Habe an der Uni schon einige Leute erlebt, die weder überhaupt einen BA-Platz, noch jemals einen BA-Abschluss erhalten hätten, an der Uni aber so mitschwimmen.
So etwas zu behaupten wenn Menschen, die viel Zeit für ihr Open University Studium aufbringen und viel Geld investieren, empfinde ich als dreist und unüberlegt.
Bin zwar davon überzeugt, dass das Niveau an der Universität bedeutend höher ist als an der BA, habe den direkten Vergleich (Ich: Universität, Lebensgefährtin: BA), sehe es aber absolut legitim an, dass BA-Studenten ihre Studienleistungen an der Open University anerkannt bekommen und auf diese Weise einen Bachelor verliehen bekommen. Möchte daran erinnern, dass auch FH-Absolventen einen Bachelor bekommen, die erstens kein Abitur benötigen, um ein Studium zu beginnen und deren Studienniveau weit unter dem einer BA liegt. Desweiteren ist es zumindest in Baden-Württemberg so, dass BA-Plätze so begehrt sind, dass schon für den Erhalt eines Platzes ein sehr gutes Abitur notwendig ist. Habe an der Uni schon einige Leute erlebt, die weder überhaupt einen BA-Platz, noch jemals einen BA-Abschluss erhalten hätten, an der Uni aber so mitschwimmen.
da will man die hier geltenden "Spielregeln" mal wieder umgehen, indem man sich ohne HZB, aber mit Laptop und Open Office bewaffnet an einer Open University in GB einschreibt, will dann aber natürlich die Förderung haben?
Ne ne, so nicht Freunde! In Deutschland braucht man die HZB. Freilich gibt es Leute, die kein Abi haben, aber dennoch ein Studium ihrer Neigung schaffen könnten. Aber solche Leute könnten vorher auch das Abi bzw. die Meisterprüfung schaffen.
Wer das hingegen nicht schafft, obwohl er es ernsthaft versucht, wird im Studium kaum glücklicher werden. Das haben dann wohl auch jene scheiternden Open- Uni- Studenten schon merken müssen, die im Artikel ja bereits eingeräumt werden. Das Konzept scheint also so toll dann auch wieder nicht zu funktionieren, soll dann aber mit deutschem Bafög unterstützt werden.
Na ja, vielleicht seh ich das auch nur zu kritisch.
PS: Müssen die Open- Uni - Absolventen in Dtl. dann später auch die Akademikersteuer der Briten bezahlen? Wäre doch nur fair.
Die oben genannten Beispiel sind schlecht ausgewählt. Studieren ohne Abi und dann Bafög haben wollen??
Es gibt so viele mit Abi die studieren wollen und kein Bafög erhalten, das wäre ein besseres beispiel dafür, wie man in diesem Land wirklich "gefördert" wird.
Generell werden ja fern-unis nicht mit bafög gefördert, das finde ich schnell. Soll man doch am besten arbeiten und sich weiterbilden, und das ständig. Klar, mann kan die kosten von der steuer absetzen, aber was bringt das dem größten teil?
Die verdienen 1700 brutto mtl.,da gibt es nichts abzusetzen.
KRedite kommen oben auch nicht vor. Gibt wohl aber auch einen Grund dafür: Der Kredit bzw das Verschulden für einen Bachelor bringt nahezu immer nur Nachteile. Durch den Druck diesen danach abzuzahlen, nimmt man das erste angebot an und arbeitet deutlich unter dem möglichen verdienst. Folglich bleibt man auch nach studium im niedriglohnsektor und es lohnt sich einfach nicht.
Ich sehe nicht, wie man sich an der Open University einen Titel einfach kaufen könnte, wie von Lost_in_translation behauptet.
Um den im Artikel beschriebenen BA/BSc (Honours) Mathematics zu erhalten, muss man beispielsweise 360 credit points vorweisen (das entspricht etwa 3.600 Stunden Studium, also viel Aufwand und viele Jahre, wenn man nur Teilzeit studiert) sowie etwa 12.000 Euro an Studiengebühren einplanen. Geschenkt ist das definitiv nicht!
Zum Vergleich: an der Uni Hamburg sind derzeit 375 Euro Studiengebühren pro Semester fällig 258 Euro Semesterbeitrag. Für einen Bachelorabschluss nach 6 Semestern ist man hier also mit etwa 3.800 Euro dabei. Und wäre dafür Bafög-berechtigt...
Einen Titel für 150 Euro einfach kaufen ist definitiv nicht drin und ich würde gerne darüber aufgeklärt werden, wer einem denn Studiengebühren von 8.000 Euro im Jahr übernimmt, wie Esquire weiß.
Gewiss, wer nur mit Bafög studieren kann, für den gibt es genug Fernstudiengänge in Deutschland, für die Bafög gezahlt wird - nur, dass sie eben in ihren Zulassungsbeschränkungen festgelegter sind, und man dafür auch nur ein geringeres Angebot als an der Open University - z.B. ohne Psychologie, ohne Naturwissenschaften - bekommt.
Fakt ist, wer sich für ein Fernstudium entscheidet, hat sich verdammt viel vorgenommen und verdient Respekt - und nicht die zynischen Kommentare über Schmarotzer, die hier abgegeben werden!
"nur ein geringeres Angebot als an der Open University - z.B. ohne Psychologie, ohne Naturwissenschaften - bekommt."
Also an der Fern- Uni Hagen kann man sehr wohl Psychologie studieren und übrigens auch Mathematik (ich weiß, dass Mathe keine Naturwissenschaft ist, aber es war im Artikel ja von einer Mathestudentin die Rede).
http://www.fernuni-hagen....
Ansonsten mag es ja stimmen, dass die Auswahl eingeschränkter ist als an der Open- Uni. Nur wurden eben gerade die falschen Beispiele gewählt.
"nur ein geringeres Angebot als an der Open University - z.B. ohne Psychologie, ohne Naturwissenschaften - bekommt."
Also an der Fern- Uni Hagen kann man sehr wohl Psychologie studieren und übrigens auch Mathematik (ich weiß, dass Mathe keine Naturwissenschaft ist, aber es war im Artikel ja von einer Mathestudentin die Rede).
http://www.fernuni-hagen....
Ansonsten mag es ja stimmen, dass die Auswahl eingeschränkter ist als an der Open- Uni. Nur wurden eben gerade die falschen Beispiele gewählt.
habe mich auf der Seite mal umgesehen, man zahlt anscheinend als Deutscher pro Kurs um die 1400 Pfund Gebühren und man macht ja nicht nur einen Kurs. Da kommen doch tausende Euro zusammen, wie zahlt man das als Normalsterblicher ohne Superjob? Ich habe ja schon mit den knapp 1000 Euro (ok ich übertreibe es sind 870 Euro) Studiengebühren an der Uni Mainz Probleme und die fallen nur einmal im Semester an!
Da findet man doch eher eine Lösung an einer Präsenzuni in Deutschland. Und wie geht das mit den Laborpraktika bei einem Fernstudium? Am Ende hat man ein Chemie-Diplom und weiß nicht, wie die Druckpunkte einer Eppendorf-Mikropipette funktionieren weil man noch nie im Labor war? Wie soll das funktionieren?
"Da findet man doch eher eine Lösung an einer Präsenzuni in Deutschland."
Vollkommen richtig erkannt. Einziges Problem: dann braucht man ja die HZB.
"Da findet man doch eher eine Lösung an einer Präsenzuni in Deutschland."
Vollkommen richtig erkannt. Einziges Problem: dann braucht man ja die HZB.
Ja, schade, dass hier ein wenig geeignetes Beispiel zur Klage benutzt wird. Denn deren Kern ist durchaus richtig und nennenswert. Es herrscht in Deutschland ein eigentümliches Missverhältnis zwischen Worten der Politik (die der Wirtschaft ähneln...) und den diesbezüglichen Taten für Lernwillige. Natürlich, mit dem inzwischen "üblichen" Schlüssel, dass der Markt möglichst umfassend ausgebildete, eierlegende Gummimenschen haben will, was aber nichts kosten darf, erklärt sich einiges.
Staat lebenslanges Lernen, notwendige Weiterbildung von Arbeitnehmern, besonders wenn die arbeitslos sind, oder gar eine Bildungsrepublik Deutschland herrscht ein Klima des Sparwahns, das bei Schülern beginnt, sich über Zweit- oder Teilzeitausbildungen auch per Fernstudium fortsetzt und sein schlechtestes Extrem im Fehlen von Mitteln auch nur für ein Lehrbuch im ALG II findet.
Immerhin, auch dafür ist der Fall dieser Studentin ein Beispiel, denn es wird - wie an anderen Stellen - zuerst darauf geschaut, was es kostet oder was die bürokratischen Regeln dazu sagen, anstatt vom Ziel und möglichen Erfolg auszugehen.
"nur ein geringeres Angebot als an der Open University - z.B. ohne Psychologie, ohne Naturwissenschaften - bekommt."
Also an der Fern- Uni Hagen kann man sehr wohl Psychologie studieren und übrigens auch Mathematik (ich weiß, dass Mathe keine Naturwissenschaft ist, aber es war im Artikel ja von einer Mathestudentin die Rede).
http://www.fernuni-hagen....
Ansonsten mag es ja stimmen, dass die Auswahl eingeschränkter ist als an der Open- Uni. Nur wurden eben gerade die falschen Beispiele gewählt.
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