Jugendparlament Europa ist spannendSeite 2/2
Die zweitägige Generaldebatte findet in der Paulskirche statt. Der geschichtsträchtige Raum kann Profis einschüchtern, und auch das Jugendparlament wirkt bei der Eröffnung ziemlich gehemmt. Immerhin geht es los mit Jean-Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank, es folgen andere gestandene Redner. Die Rituale des EYP lassen die Veranstaltung zu Beginn steif wirken. Erst kommen die formellen Worte der Präsidentin, dann geht es um Resolutionen, Paragrafen, Einsprüche: Nur streng nach Regeln darf hier debattiert werden, die großen Redner sind vorher ausgesucht, höflich meldet man sich für kurze Kommentare per Sprechkarte. Die Redezeit wird pro Komitee vergeben, ein Präsidium wacht über die Länge. Schließt man einen Moment die Augen, könnte man sich fast im Europäischen Parlament wähnen. Dort ist es genauso langweilig, nur wird da nicht fast ausschließlich Englisch gesprochen. Hier geschieht das ganz selbstverständlich; fröhlich radebrechend. Dann aber wird die Sache spritziger. Aufgeregt verteidigen die Redner des Komitees für konstitutionelle Angelegenheiten ihre Resolution, andere greifen sie an. Und plötzlich entpuppen sich die strengen Zeitregeln als Wunderwaffe. Keiner kann abschweifen oder langweilen. Hier könnte noch mancher echte Parlamentarier etwas lernen.
»Wir müssen die EU vereinfachen, damit die Leute ihr mehr vertrauen«, plädiert der Portugiese Diego Santos. Sein Komitee will Europa demokratischer machen. Applaus! Doch das Plenum fordert mehr konkrete Ideen. Es wird über den Vorschlag gestritten, künftig bei europäischen Bürgerbegehren das »E-Voting« zuzulassen, das Abstimmen per Internet. Das reicht vielen nicht. Und so endet die Debatte ulkig: »Stellt euch die EU wie eine große Tasse Tee vor und uns wie einen Schwarm Bienen. Sollten wir nicht unseren Honig nutzen, um die Tasse Tee zu versüßen?«, appelliert der letzte Redner tapfer an die Delegierten. Die lachen herzlich über das Bild. Die Resolution lehnen sie trotzdem ab.
Die meisten Teilnehmer finden es nicht so wichtig, was mit ihren Ideen passiert. Noch nicht. »Es wäre zwar schön, wenn die Politiker uns schon jetzt erst nähmen«, findet Lilian. Auch sie war eine der Rednerinnen und hat die Vorschläge ihres Komitees verteidigt. Jetzt sagt sie: »Noch ist es nicht so schlimm, wenn die im Papierkorb landen.« Denn die Zeit sei auf ihrer Seite. Hier hätten sie alle viel gelernt, und damit werde »die Welt schon noch verändert werden«. In Zukunft.
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- Datum 13.08.2010 - 16:09 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
- Kommentare 11
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Weiter so, es ist wichtig Menschen für die Demokratie und Europa zu begeistern.
Das vorweg: Ich finde es toll, wenn junge Menschen sich für Politik begeistern können und engagieren.
Die vielfältigen Formen von Jugendparlamenten und Jugendgemeinderäten halte ich allerdings für den falschen Weg.
Die politische Arbeit in Deutschland ist in Parteien organisiert. Junge Menschen sollten den Weg der Partei wählen, wenn sie ernsthaft Politik machen wollen, meinetwegen auch über die Jugendorganisationen. Der Jugendgemeinderat/das Jugendparlament lehrt nicht, wie man Politik macht, wer dort hingeht ist zwar gerne gesehener Gast auf Pressefotos, aber mehr auch nicht.
Auch die vielzitierte 68er Generation hat gelernt, dass ein Marsch durch die Institutionen notwendig ist, es hat aber auch 30 Jahre gedauert. Diese Generation sollte sich das auch klar machen. Wer was verändern will, muss Sitzfleisch, Biss, Geduld und Argumentationskraft haben.
Wer nur UN-Jugendbotschafter sein möchte oder Sprecher im Jugendparlament, wird es nicht schaffen Einfluss zu haben. Die Generation iPod ist zwar pragmatisch, aber vielleicht ist sie auch zu weich.
Lassen wir uns doch mal kurz überlegen:
Die Eingeladenen mussten sich erst für diese Aktion interessieren, dann qualifizieren und werden jetzt mit einem Urlaub unter Gleichgesinnten belohnt.
Wie wahrscheinlich ist es da, dass diese Jugendlichen NICHT begeistert sind?
Also, die Aussage des Texts, die schon mit der Überschrift beginnt, ist schlicht Unfug. Eine Statistik-Vorlesung genügt für diese Erkenntnis.
Vor ein paar Jahren gehörte ich auch noch zu den jungen Leuten, die sich für "Europa" engagierten. Heute weiß ich, warum das so viel Spaß gemacht hat: man konnte sich für ein Ideal engagieren, das für Frieden, Fortschritt, Brüderlichkeit und die Überwindung von Nationalismus stand. Man konnte jung und träumerisch sein - und bekam dafür von "den Großen" Schulterklopfen. Für solches Engagement gab es immer Fördermittel, Hilfsmittel, Öffentlichkeit und - das beste - Pluspunkte im CV.
Nie ließen sich gefühlte Rebellion und Stromlinienförmigkeit besser vereinen.
Ob sich also Studenten für Europa engagieren oder nicht sagt nicht sehr viel über die Zukunft der Union aus.
Dass seinen die Gründe, warum er dahinging.
Hat ein Deutscher im Deutschlandradio erzählt.
Wenigstens ehrlich...
....Jugendparlamente sind nicht der richtige Weg....
und ob. Schauen Sie sich an, was die Parteipolitik mit Europa angerichtet hat. Unfähige oder unbequeme Personen auf dem Nationlparkett, werden nach Brüssel verabschiedet. Die Parteien egal welcher "Farbe" verlieren zunehmend, wegen ihrer Starrheit, an Anhängern und Einfluss (siehe Nationalwahlen).
Es werden in der Zukunft politische Europäer gefragt, die ausserhalb der parteipolitischen Zwänge tätig werden.
Es ist nicht mehr die Partei wichtig, sondern die Thematik, die man vetreten und durchsetzen will.
... werden auch dadurch nicht behoben, denn Parlamente haben wir ja genug. Neue Scheinparlamente brauchen wir nicht. Und diese Jugendlichen sind ja nicht nur völlig machtlos, sind sie ja überhaupt von niemanden legitimiert worden. Nennen sie es doch bitte Debattierclub.
Dem kann ich nur zustimmen. Diese Aktion wird überbewertet. Ich kann auch einem der anderen Kommentatoren nur beipflichten, der den Weg in die Politik über die Jugendorganisationen der Parteien vorgeschlagen hat.
SO lernt man Politik kennen, von den örtlich interessanten Dingen wie beispielsweise Diskussionen über Verkehrskonzepte in der Stadtentwicklung, auch durch die Mitarbeit in einem echtem Ausschuss, dessen Wort anschließend auch wirklich Gewicht hat.
Ansonsten halte ich alles für etwa so sinnvoll wie dieses unsägliche "Börsenspiel", das wir früher in der Schule über uns ergehen lassen mussten, wo es ebenfalls um nichts ging und noch nicht mal alle Papiere gehandelt werden konnten.
Dem kann ich nur zustimmen. Diese Aktion wird überbewertet. Ich kann auch einem der anderen Kommentatoren nur beipflichten, der den Weg in die Politik über die Jugendorganisationen der Parteien vorgeschlagen hat.
SO lernt man Politik kennen, von den örtlich interessanten Dingen wie beispielsweise Diskussionen über Verkehrskonzepte in der Stadtentwicklung, auch durch die Mitarbeit in einem echtem Ausschuss, dessen Wort anschließend auch wirklich Gewicht hat.
Ansonsten halte ich alles für etwa so sinnvoll wie dieses unsägliche "Börsenspiel", das wir früher in der Schule über uns ergehen lassen mussten, wo es ebenfalls um nichts ging und noch nicht mal alle Papiere gehandelt werden konnten.
"Wer was verändern will, muss Sitzfleisch, Biss, Geduld und Argumentationskraft haben."
Mit diesen Eigenschaften verändert man derzeit in Deutschland gar nichts mehr, aber man schafft sich ein Einkommen, dies war es aber auch schon.
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