Konjunktur Ganz schön stark

Auf einmal wächst Deutschland so schnell wie China. Wie ist das möglich?

Immer morgens um acht Uhr mitteleuropäischer Zeit melden Roderich Egeler und seine Leute vom Statistischen Bundesamt, wie es dem Land so geht. Zahl der Adoptionen deutlich zurückgegangen, schreiben sie dann. Oder: Bierabsatz im ersten Halbjahr 2010 um 0,7 Prozent gesunken. Mehr als 500 Pressemitteilungen mailen die Statistiker jedes Jahr an die Redaktionen der Republik – wenn es gut läuft, drucken die Zeitungen am nächsten Tag im hinteren Teil eine kleine Meldung.

Seit 2008 führt Egeler das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Die Information, die er an diesem Freitag verschickt hat, macht Schlagzeilen : Die deutsche Wirtschaft expandiert so rasant wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Allein im zweiten Quartal wuchs sie um 2,2 Prozent – auf das Jahr hoch gerechnet entspricht das einer Rate von neun Prozent. Das ist mehr als in China, wo nur acht Prozent erreicht worden waren. Deutschland wächst auch schneller, als es die ohnehin optimistische Regierungsprognose von 1,5 Prozent vorsah. Mit ungeahnter Wucht erhebt sich das Land aus der Krise. Roderich Egeler, 60 Jahre, war mal Leiter des Beschaffungsamtes im Bundesinnenministerium. Nun verschafft er den Deutschen ein überraschendes Glücksgefühl: Aufschwung! Wachstum!

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Auf einmal ist Deutschland eine der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt.

Auf einmal wächst die deutsche Wirtschaft so schnell wie nur die chinesische oder indische – und viel schneller als die der USA oder Großbritanniens.

Auf einmal kehrt ein Gefühl zurück, das drei Krisenjahre lang begraben war unter Bergen von Katastrophenmeldungen und Schreckensszenarien. Das Gefühl heißt: Es ist wieder etwas möglich in diesem Land. Für seine Bürger. Für die Unternehmen. Ja sogar für diese Regierung.

Wer den Aufschwung verstehen will, muss in den Südwesten der Republik schauen. Hier entstehen die Maschinen, um die sich die Kunden auf den Weltmärkten reißen. Um 35 Prozent seien die Auftragseingänge der Firmen aus der Region in den ersten fünf Monaten 2010 gestiegen, sagt Thomas Lindner, Chef des Verbands der Maschinen- und Anlagenbauer VDMA in Baden-Württemberg. Geliefert werden die Produkte made in Germany vor allem in die aufstrebenden Wirtschaftsmächte: nach China, Indien, Südkorea oder Brasilien. Ob bei Voith in Heidenheim oder bei Daimler in Stuttgart – es ist überall dasselbe Bild. Um mindestens elf Prozent, schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, werden die Exporte im Gesamtjahr zulegen.

»Deutschland ist die Konjunkturlokomotive Europas«, jubelt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, doch die Metaphernstärke des FDP-Mannes kaschiert auch einen spannenden Streit: Belebt Deutschland die Wirtschaft der anderen Länder? Oder sind es die anderen, die Deutschland beleben?

Dass gerade die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika schon wieder so schnell wachsen – und damit nach Maschinen, Autos und Konsumgütern gieren –, kommt zwar in dieser Massivität überraschend, nicht aber, was den grundsätzlichen Trend betrifft. Die Finanzkrise hat diese Regionen weit weniger hart getroffen als Amerika oder Europa, der Wirtschaftseinbruch war dort weniger stark. Zugleich stützte etwa China die eigene Wirtschaft – und damit auch die Nachfrage nach westlichen Waren – enorm: Umgerechnet 460 Milliarden Euro betrug das chinesische Konjunkturprogramm. Gerade die Wirtschaft Chinas gilt inzwischen als dermaßen überhitzt, dass die Regierung in Peking versucht, den durch die Finanzkrise nur leicht gedämpften Boom eher zu bremsen, als weiter zu befeuern.

Es sind also wirklich die anderen, die Deutschland nach oben ziehen. Auch die Aufträge aus dem Euro-Raum stiegen zwischen April und Juni dieses Jahres um mehr als acht Prozent. Deutschlands Aufschwung lebt von der Nachfrage der Welt. Und dennoch ist es bezeichnend, dass gerade deutsche Waren so gefragt sind. Dank hochwertiger Produkte und vergleichsweise niedriger Kosten sei die heimische Industrie bestens positioniert, sagt Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank. Der Aufschwung als Ergebnis von Fleiß, Sparsamkeit und Ingenieurskunst: Auch diese Erklärung muss man gelten lassen.

Leser-Kommentare
  1. werden uns noch einholen. Schulden!

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    "Die Grundlagen dieses Aufschwungs werden uns noch einholen. Schulden!"

    Nein. Wenn diese Schulden sprich die zeitweilige Erhöhung der Nettoneuverschuldung für Wirtschaftswachstum über die Ausweitung von Investitionen und Konsum ausgegeben werden, dann könnte es sogar gelingen, die BIP-bezogene Verschuldung zu senken, die infolge der notwendigen Ausgaben zur Bewältigung der Krise auf momentan ca. 80 % des BIP gestiegen ist. Ein Wirtschaftswachstum von 3 - 4 % jährlich in den nächsten fünf Jahren, eine Rate, die von Ländern wie Frankreich erzielt wurde, könnte diese Rate wieder auf das Vorkrisenniveau von ca. 65 % drücken.

    Im übrigen hat die Kürzung von staatlichen Ausgaben in eine Krise hinein noch nie zu einer Verringerung der Neuverschuldung geführt. Im Gegenteil führte das über den Rückgang der gesamtwirtschaftliche Aktivität infolge der dann erfolgten Rückgänge des Konsums und der damit ausgelösten Investitionszurückhaltung zu einem derartigen Konjunkturrückgang, daß die Ausfälle bei Steuer- und Beitragseinnahmen die "Einsparungen" regelmäßig übertrafen.

    • Ellmax
    • 13.08.2010 um 14:50 Uhr

    Der Junkie hat sich einen kräftigen Schuss gesetzt und schwebt in Euphorie. Bis zum nächsten Absturz.

    Und wir sind die Co-Abhängigen der Arbeitgeber- und Industrieverbände, der Politkaste und aller anderen Wachstumssüchtigen, und werden mit ihnen zusammen auch wieder abstürzen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abhängigkeit (Punkt 2.)

    "Die Grundlagen dieses Aufschwungs werden uns noch einholen. Schulden!"

    Nein. Wenn diese Schulden sprich die zeitweilige Erhöhung der Nettoneuverschuldung für Wirtschaftswachstum über die Ausweitung von Investitionen und Konsum ausgegeben werden, dann könnte es sogar gelingen, die BIP-bezogene Verschuldung zu senken, die infolge der notwendigen Ausgaben zur Bewältigung der Krise auf momentan ca. 80 % des BIP gestiegen ist. Ein Wirtschaftswachstum von 3 - 4 % jährlich in den nächsten fünf Jahren, eine Rate, die von Ländern wie Frankreich erzielt wurde, könnte diese Rate wieder auf das Vorkrisenniveau von ca. 65 % drücken.

    Im übrigen hat die Kürzung von staatlichen Ausgaben in eine Krise hinein noch nie zu einer Verringerung der Neuverschuldung geführt. Im Gegenteil führte das über den Rückgang der gesamtwirtschaftliche Aktivität infolge der dann erfolgten Rückgänge des Konsums und der damit ausgelösten Investitionszurückhaltung zu einem derartigen Konjunkturrückgang, daß die Ausfälle bei Steuer- und Beitragseinnahmen die "Einsparungen" regelmäßig übertrafen.

    • Ellmax
    • 13.08.2010 um 14:50 Uhr

    Der Junkie hat sich einen kräftigen Schuss gesetzt und schwebt in Euphorie. Bis zum nächsten Absturz.

    Und wir sind die Co-Abhängigen der Arbeitgeber- und Industrieverbände, der Politkaste und aller anderen Wachstumssüchtigen, und werden mit ihnen zusammen auch wieder abstürzen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abhängigkeit (Punkt 2.)

  2. "Die Grundlagen dieses Aufschwungs werden uns noch einholen. Schulden!"

    Nein. Wenn diese Schulden sprich die zeitweilige Erhöhung der Nettoneuverschuldung für Wirtschaftswachstum über die Ausweitung von Investitionen und Konsum ausgegeben werden, dann könnte es sogar gelingen, die BIP-bezogene Verschuldung zu senken, die infolge der notwendigen Ausgaben zur Bewältigung der Krise auf momentan ca. 80 % des BIP gestiegen ist. Ein Wirtschaftswachstum von 3 - 4 % jährlich in den nächsten fünf Jahren, eine Rate, die von Ländern wie Frankreich erzielt wurde, könnte diese Rate wieder auf das Vorkrisenniveau von ca. 65 % drücken.

    Im übrigen hat die Kürzung von staatlichen Ausgaben in eine Krise hinein noch nie zu einer Verringerung der Neuverschuldung geführt. Im Gegenteil führte das über den Rückgang der gesamtwirtschaftliche Aktivität infolge der dann erfolgten Rückgänge des Konsums und der damit ausgelösten Investitionszurückhaltung zu einem derartigen Konjunkturrückgang, daß die Ausfälle bei Steuer- und Beitragseinnahmen die "Einsparungen" regelmäßig übertrafen.

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    kenne ich schon von Prof. Karl Schiller SPD (ehemaliger Wirtschaftsminister der BRD).

    Es wurden immer wieder Konjunkturprogramme mit dem Versprechen aufgelegt, die dabei entstandene Staatsverschuldung mit - dann bei guter Konjunktur - sprudelnden Steuereinnahmen auszugleichen.

    die "zeitweilige" Neuverschuldung, die seit Jahr und Tag stetig steigt?

    • Debatz
    • 13.08.2010 um 13:47 Uhr

    Und hat Frankreich keinen Wirtschaftseinbruch erlebt? Ich denke doch...

    Also wie kann man glauben, dass man auf die gleiche Art und Weise wie man die Probleme erschaffen hat dieselbigen auch noch lösen könnte?

    Da können noch so viele Experten sagen "alles wird gut" aber am Ende bringt es garnichts, außer noch größere Schulden und noch schlimmere Einbrüche in der Wirtschaft.

    Die Wirtschaft kann nicht unbegrenzt wachsen, das ist allein vom Logischen her unmöglich. Es verteilt sich vielleicht anders, aber global gesehen wird immer einer den kürzeren ziehen und dann folgen alle anderen nach weil unser System inzwischen veraltet ist und an seine Grenzen stößt.

    • joG
    • 13.08.2010 um 20:27 Uhr

    ....was die tatsächliche Verschuldung angeht. Die Rentner und Staatspensionäre haben gegen Zahlungen die Zusage ihrer zukünftigen Zahlungen bekommen. Diese Schulden sind so echt, wie die der Bundesanleihen*). Da diese Schulden aber eher um die 250% eines BIP liegen, ist die Ausgewiesene öffentliche Schuld nur die Spitze des Eisbergs.

    *)Sie sollten eigentlich durch die Ausgabe im Gestehungsjahr von Bundesanleihen (die dann in ein Sondervermögen einzubringen wären) gedeckt sein, wie dies in privaten Pensionskassen analog getan wird. Ähnliches gälte auch für Krankenkassen Zusagen für Personen, die zu wenig verdienen, um die Beiträge bezahlen zu können, Zusagen für Ausbildung oder Kindergeld.

    kenne ich schon von Prof. Karl Schiller SPD (ehemaliger Wirtschaftsminister der BRD).

    Es wurden immer wieder Konjunkturprogramme mit dem Versprechen aufgelegt, die dabei entstandene Staatsverschuldung mit - dann bei guter Konjunktur - sprudelnden Steuereinnahmen auszugleichen.

    die "zeitweilige" Neuverschuldung, die seit Jahr und Tag stetig steigt?

    • Debatz
    • 13.08.2010 um 13:47 Uhr

    Und hat Frankreich keinen Wirtschaftseinbruch erlebt? Ich denke doch...

    Also wie kann man glauben, dass man auf die gleiche Art und Weise wie man die Probleme erschaffen hat dieselbigen auch noch lösen könnte?

    Da können noch so viele Experten sagen "alles wird gut" aber am Ende bringt es garnichts, außer noch größere Schulden und noch schlimmere Einbrüche in der Wirtschaft.

    Die Wirtschaft kann nicht unbegrenzt wachsen, das ist allein vom Logischen her unmöglich. Es verteilt sich vielleicht anders, aber global gesehen wird immer einer den kürzeren ziehen und dann folgen alle anderen nach weil unser System inzwischen veraltet ist und an seine Grenzen stößt.

    • joG
    • 13.08.2010 um 20:27 Uhr

    ....was die tatsächliche Verschuldung angeht. Die Rentner und Staatspensionäre haben gegen Zahlungen die Zusage ihrer zukünftigen Zahlungen bekommen. Diese Schulden sind so echt, wie die der Bundesanleihen*). Da diese Schulden aber eher um die 250% eines BIP liegen, ist die Ausgewiesene öffentliche Schuld nur die Spitze des Eisbergs.

    *)Sie sollten eigentlich durch die Ausgabe im Gestehungsjahr von Bundesanleihen (die dann in ein Sondervermögen einzubringen wären) gedeckt sein, wie dies in privaten Pensionskassen analog getan wird. Ähnliches gälte auch für Krankenkassen Zusagen für Personen, die zu wenig verdienen, um die Beiträge bezahlen zu können, Zusagen für Ausbildung oder Kindergeld.

  3. "Zugleich stützte etwa China die eigene Wirtschaft – und damit auch die Nachfrage nach westlichen Waren – enorm: Umgerechnet 460 Milliarden Euro betrug das chinesische Konjunkturprogramm. Gerade die Wirtschaft Chinas gilt inzwischen als dermaßen überhitzt, dass die Regierung in Peking versucht, den durch die Finanzkrise nur leicht gedämpften Boom eher zu bremsen, als weiter zu befeuern.

    Es sind also wirklich die anderen, die Deutschland nach oben ziehen. Auch die Aufträge aus dem Euro-Raum stiegen zwischen April und Juni dieses Jahres um mehr als acht Prozent. Deutschlands Aufschwung lebt von der Nachfrage der Welt."

    Was wir erleben, ist ein Zwischenhoch der deutschen Wirtschaft, das in erster Linie von der Auslandsnachfrage aus den asiatischen Ländern befeuert wird. Die mittelfristigen Konjunktursignale deuten auf einen drohenden Rückgang hin, der von der nach wie vor instabilen Lage der amerikanischen Wirtschaft und des stagnierenden Immobilienmarktes ausgelöst werden könnte. Ein sogenannter "double dip", ein bevorstehender zweiter Konjunktureinbruch wird von den Ökonomen nicht mehr ausgeschlossen. Auch in China hat sich eine riesige Immobilienblase gebildet, die zu platzen droht.

    Es ist zu beachten, daß der BIP-Rückgang in D nach Ausbruch der Krise wesentlich stärker war als in anderen europäischen Ländern und deswegen der "Aufschwung" lediglich ein allmählicher Rückgang auf das Ausgangsniveau bedeutet.

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    • joG
    • 13.08.2010 um 20:32 Uhr

    ....Studie diese Woche publik, die besagt, dass die amerikanische Unterstützung ihrer Finanzhäuser die europäischen Banken wesentlich stärker stützte als die eigenen. Im Falle Deutschlands Banken flossen vom amerikanischen Steuerzahler etwa die Hälfte dessen zu, das die deutsche Regierung an Kapitalmaßnahmen für die eigenen Banken aufbrachte.

    • joG
    • 13.08.2010 um 20:32 Uhr

    ....Studie diese Woche publik, die besagt, dass die amerikanische Unterstützung ihrer Finanzhäuser die europäischen Banken wesentlich stärker stützte als die eigenen. Im Falle Deutschlands Banken flossen vom amerikanischen Steuerzahler etwa die Hälfte dessen zu, das die deutsche Regierung an Kapitalmaßnahmen für die eigenen Banken aufbrachte.

  4. kenne ich schon von Prof. Karl Schiller SPD (ehemaliger Wirtschaftsminister der BRD).

    Es wurden immer wieder Konjunkturprogramme mit dem Versprechen aufgelegt, die dabei entstandene Staatsverschuldung mit - dann bei guter Konjunktur - sprudelnden Steuereinnahmen auszugleichen.

    Antwort auf "@1 lapidar:"
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    "Diese Argumentation kenne ich schon von Prof. Karl Schiller SPD (ehemaliger Wirtschaftsminister der BRD).

    Es wurden immer wieder Konjunkturprogramme mit dem Versprechen aufgelegt, die dabei entstandene Staatsverschuldung mit - dann bei guter Konjunktur - sprudelnden Steuereinnahmen auszugleichen."

    Immerhin war Schiller der einzige, der es fertigbrachte, die BIP-bezogene Verschuldung zu verringern, und zwar genau mit den konjunkturstützenden Maßnahmen, die von Leuten wie Bofinger empfohlen werden.

    Daß die Bundesrepublik damals in die Krise abrutschte, ist übrigens auf die Politik der Bundesbank zurückzuführen, welche die politischen Maßnahmen mit einer Geldverteuerung konterkarierte.

    (und zwar JEDES mal) und würgte die aufknospenden Aufschwüngchen ab, bevor sie sich zum Aufschwung entwicklen konnten - angeblich wg. der Geldstabilität.

    Daraus wurde dann entwickelt, das Konjunkturpakete nichts taugen würden und nur verbranntes Geld seien.

    Wie hiess der Mann der auch die Vorlagen schrieb für das, was heute in Deutschland unter der Agenda 2010 bekannt ist?

    Vorsitzender des INSM-Kuratoriums und ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank Hans Tietmeyer und sein:
    Lambsdorff-Papier vom 9. September 1982 (IV)
    Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

    Aus genau der gleichen Ecke kommen gerade die (falschen) Forderungen zur Rente ab 70.

    INSM-Kuratoren und Botschafter

    Wen wunderts?

    "Diese Argumentation kenne ich schon von Prof. Karl Schiller SPD (ehemaliger Wirtschaftsminister der BRD).

    Es wurden immer wieder Konjunkturprogramme mit dem Versprechen aufgelegt, die dabei entstandene Staatsverschuldung mit - dann bei guter Konjunktur - sprudelnden Steuereinnahmen auszugleichen."

    Immerhin war Schiller der einzige, der es fertigbrachte, die BIP-bezogene Verschuldung zu verringern, und zwar genau mit den konjunkturstützenden Maßnahmen, die von Leuten wie Bofinger empfohlen werden.

    Daß die Bundesrepublik damals in die Krise abrutschte, ist übrigens auf die Politik der Bundesbank zurückzuführen, welche die politischen Maßnahmen mit einer Geldverteuerung konterkarierte.

    (und zwar JEDES mal) und würgte die aufknospenden Aufschwüngchen ab, bevor sie sich zum Aufschwung entwicklen konnten - angeblich wg. der Geldstabilität.

    Daraus wurde dann entwickelt, das Konjunkturpakete nichts taugen würden und nur verbranntes Geld seien.

    Wie hiess der Mann der auch die Vorlagen schrieb für das, was heute in Deutschland unter der Agenda 2010 bekannt ist?

    Vorsitzender des INSM-Kuratoriums und ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank Hans Tietmeyer und sein:
    Lambsdorff-Papier vom 9. September 1982 (IV)
    Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

    Aus genau der gleichen Ecke kommen gerade die (falschen) Forderungen zur Rente ab 70.

    INSM-Kuratoren und Botschafter

    Wen wunderts?

  5. nach höheren Löhnen unterbinden.

    Wo kämen wir auch hin, wenn Arbeitgeber in ihrer Sorge um das profitable Unternehmen die Mitarbeiter an einem Aufwärtstrend beteiligen würden. (Spott und Hohn)

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    "Dieses postulierte "Zwischenhoch" soll doch nur die Forderung nach höheren Löhnen unterbinden."

    Im Gegenteil. Das wird von Peter Bofinger so eingeschätzt, der seit Jahren für kräftige Lohnsteigerungen eintritt.

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    In der Vergangenheit hat Bofinger immer stärkere Lohn- und Gehaltssteigerungen gefordert, um die durch die Niedriglohnpolitik der letzten Jahren erzeugte strukturelle Nachfragelücke zu schließen. Die zusätzlichen staatlichen Investitionsmaßnahmen, für die er eintritt, sollen dazu dienen, diese Lücke solange zu schließen, bis das Lohnniveau ausreichend gestiegen ist.

    "Dieses postulierte "Zwischenhoch" soll doch nur die Forderung nach höheren Löhnen unterbinden."

    Im Gegenteil. Das wird von Peter Bofinger so eingeschätzt, der seit Jahren für kräftige Lohnsteigerungen eintritt.

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    In der Vergangenheit hat Bofinger immer stärkere Lohn- und Gehaltssteigerungen gefordert, um die durch die Niedriglohnpolitik der letzten Jahren erzeugte strukturelle Nachfragelücke zu schließen. Die zusätzlichen staatlichen Investitionsmaßnahmen, für die er eintritt, sollen dazu dienen, diese Lücke solange zu schließen, bis das Lohnniveau ausreichend gestiegen ist.

  6. "Das Gefühl heißt: Es ist wieder etwas möglich in diesem Land. Für seine Bürger. Für die Unternehmen. Ja sogar für diese Regierung."
    Ist das Gefühl wirklich 'wieder da'? Sind es wirklich Tugenden der Industrie, welche diesen Aufschwung verursachen?
    Wohl kaum - und von 'wieder' kann auch keine Rede sein. Schon beim letzten Boom profitierte allein die Industrie, die Bürger hatten Sozialabbau und Lohnrückgang zu ertragen, während die grossen Unternehmen Milliardengewinne einstrichen.
    Und so ist es auch jetzt - nicht der Industrie ist der Aufschwung zu verdanken, sondern der Angst der Arbeitnehmer ... und bezahlt wird er mit zunehmender Armut, mit dem Abschmelzen des Mittelstands vorallem nach unten, mit der krank machenden, familienzerstörenden Angst vor dem sozialen Abstieg. Den Treibstoff liefern die von der Wirtschaftslobby lancierten drakonischen Strafen für Arbeitslose, die Zeitarbeitsfirmen, die weder Sicherheit noch Wohlstand schaffen, die Billiglöhne und das Geld der Bürger, welche per Lohnaufstockung den Unternehmen die Lohnkosten schenken.
    Es ist Lohndumping, das Produkte made in Germany so gut verkaufbar macht.
    Dabei ist der Zwang zum Exportweltmeister kein Erfolg, sondern die einzige Überlebenschance. Der Binnenmarkt bommt ganz gewiss nicht, die Menschen haben kein Geld mehr in der Tasche, im Land lässt sich einfach immer weniger verkaufen - da bleibt nur der Export.
    Und das soll ein Erfolgsmodell sein?

  7. Wir sind bei fast 80% des BIP angelangt.

    Die Schweiz dagegen ist bei weniger als 40% !

    • RobJir
    • 13.08.2010 um 12:12 Uhr

    Vielleicht kann mich jemand ueber ein paar Zeilen des Textes aufklaeren:
    1)
    "Beispiel Schulden: Auch wenn die Regierung ungern darüber spricht – Deutschland hat weltweit eines der größten kreditfinanzierten Konjunkturprogramme aufgelegt.[...]
    Selbst ein Brachialkeynesianer wie Paul Krugman lobt jetzt die deutsche Krisenpolitik."
    Ich dachte, dass die Wirtschaftstheorie Keynes' gerade auf Investitionen durch den Staat setzt?! Mir wird nicht ganz klar, warum ein Keynesianer gegen das Konjunkturprogramm sein sollte.

    2)
    "Beispiel Investitionen: Für den früheren Industrielobbyisten Hans-Olaf Henkel zeigt der Aufschwung, dass sich der Staat aus der Wirtschaft herauszuhalten habe. Und Wirtschaftsminister Brüderle, der sich gegen Regierungshilfen für Opel stellte und die Verstaatlichung der Immobilienbank Hypo Real Estate als »Schlag gegen unsere Wirtschaftsordnung« geißelte, lässt sich jetzt gern mit Zigarre in der einen Hand und Ludwig Erhards Wirtschaftswunderklassiker Wohlstand für Alle in der anderen ablichten.""
    Gleiches Verstaendnisproblem: Offensichtlich half doch die Einmischung des Staates der Wirtschaft, oder doch nicht?!

    Vielen Dank fuer Ihre Hilfe im Voraus!

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    "1)
    "Auch wenn die Regierung ungern darüber spricht – Deutschland hat weltweit eines der größten kreditfinanzierten Konjunkturprogramme aufgelegt.[...]
    Selbst ein Brachialkeynesianer wie Paul Krugman lobt jetzt die deutsche Krisenpolitik."
    Mir wird nicht ganz klar, warum ein Keynesianer gegen das Konjunkturprogramm sein sollte."

    Gemeint ist, daß die deutsche Bundesregierung ungeachtet aller Anti-Keynes-Rhetorik sehr wohl große staatliche Mittel zur Konjunkturförderung (Verlängerung Kurzarbeitsregelung, Abwrackprämie) eingesetzt hat, das aber in der Öffentlichkeit ganz verdruckst darstellt, weil man jahrelang anderes gepredigt hatte. Jetzt will man die Gelder wieder einsammeln, die uns eben noch vor dem Absturz in die Depression bewahr haben.

    "2)
    "Für den früheren Industrielobbyisten Hans-Olaf Henkel zeigt der Aufschwung, dass sich der Staat aus der Wirtschaft herauszuhalten habe. Und Wirtschaftsminister Brüderle, der sich gegen Regierungshilfen für Opel stellte und die Verstaatlichung der Immobilienbank Hypo Real Estate als »Schlag gegen unsere Wirtschaftsordnung« geißelte, lässt sich jetzt gern mit Zigarre in der einen Hand und Ludwig Erhards Wirtschaftswunderklassiker Wohlstand für Alle in der anderen ablichten.""
    Gleiches Verstaendnisproblem: Offensichtlich half doch die Einmischung des Staates der Wirtschaft, oder doch nicht?!"

    Sie sagen es. Die neoliberale Ideologie der Vergangenheit hindert solche Leute an gewissen Erkenntnissen. Die wollen weitermachen wie zuvor.

    Könnte es nicht auch sein, dass Keynes Investitionen des Staates meinte, wenn dieser über genügend liquide Mittel verfügt? Keynes sprach meines Wissens niemals davon, der Staat solle sich Verschulden, um die Konjunktur anzukurbeln. Stattdessen sollen seine Aussagen in die Richtung tendieren, der Staat solle investieren, wenn dies durch die Unternehmen nicht mehr möglich ist, um neue Innovationen einzuläuten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine zuvor erfolgte Mehreinnahme von Steuergeldern durch eine gut funktionierende Wirtschaft.

    "1)
    "Auch wenn die Regierung ungern darüber spricht – Deutschland hat weltweit eines der größten kreditfinanzierten Konjunkturprogramme aufgelegt.[...]
    Selbst ein Brachialkeynesianer wie Paul Krugman lobt jetzt die deutsche Krisenpolitik."
    Mir wird nicht ganz klar, warum ein Keynesianer gegen das Konjunkturprogramm sein sollte."

    Gemeint ist, daß die deutsche Bundesregierung ungeachtet aller Anti-Keynes-Rhetorik sehr wohl große staatliche Mittel zur Konjunkturförderung (Verlängerung Kurzarbeitsregelung, Abwrackprämie) eingesetzt hat, das aber in der Öffentlichkeit ganz verdruckst darstellt, weil man jahrelang anderes gepredigt hatte. Jetzt will man die Gelder wieder einsammeln, die uns eben noch vor dem Absturz in die Depression bewahr haben.

    "2)
    "Für den früheren Industrielobbyisten Hans-Olaf Henkel zeigt der Aufschwung, dass sich der Staat aus der Wirtschaft herauszuhalten habe. Und Wirtschaftsminister Brüderle, der sich gegen Regierungshilfen für Opel stellte und die Verstaatlichung der Immobilienbank Hypo Real Estate als »Schlag gegen unsere Wirtschaftsordnung« geißelte, lässt sich jetzt gern mit Zigarre in der einen Hand und Ludwig Erhards Wirtschaftswunderklassiker Wohlstand für Alle in der anderen ablichten.""
    Gleiches Verstaendnisproblem: Offensichtlich half doch die Einmischung des Staates der Wirtschaft, oder doch nicht?!"

    Sie sagen es. Die neoliberale Ideologie der Vergangenheit hindert solche Leute an gewissen Erkenntnissen. Die wollen weitermachen wie zuvor.

    Könnte es nicht auch sein, dass Keynes Investitionen des Staates meinte, wenn dieser über genügend liquide Mittel verfügt? Keynes sprach meines Wissens niemals davon, der Staat solle sich Verschulden, um die Konjunktur anzukurbeln. Stattdessen sollen seine Aussagen in die Richtung tendieren, der Staat solle investieren, wenn dies durch die Unternehmen nicht mehr möglich ist, um neue Innovationen einzuläuten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine zuvor erfolgte Mehreinnahme von Steuergeldern durch eine gut funktionierende Wirtschaft.

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