Geldanlage Der Goldhamster
Friedrich Tiggemann predigt seit Jahrzehnten denselben Anlagetipp: Gold kaufen! Denn früher oder später werde das Finanzsystem zusammenbrechen. Lange hielten die Menschen den Hobbyökonomen für einen Spinner. Hat er womöglich doch recht?

Friedrich Tiggemann lebt in einem Wohnwagen bei Hattingen, seit er Insolvenz anmelden musste. Nachts tippt er seine Gedanken in den Laptop
Der Morgen beginnt mit einem angekündigten Staatsbankrott. Es ist Mitte Juni, in Deutschland ist es zu kalt für die Jahreszeit, der Nachrichtensprecher sagt, nach Griechenland stehe nun auch Spanien vor der Pleite. Friedrich Tiggemann, zweifacher Handwerksmeister im Ruhestand, Hobbyökonom und ehemals Besitzer von 31 Kilogramm Gold, packt sein Kostüm in den Opel Corsa und fährt los. Es verspricht ein guter Tag zu werden.
Auf einem Parkplatz in der Altstadt öffnet Tiggemann den Kofferraum. Hattingen an der Ruhr, eine kleine Stadt zwischen Essen und Wuppertal. Tiggemann sagt, er sei hier so bekannt wie Coca-Cola. Früher war er auch genauso beliebt, ein angesehener Unternehmer, ausgezeichnet mit der silbernen Ehrennadel der Industrie- und Handelskammer für außergewöhnliche Verdienste um die Wirtschaft. Heute, sagt Tiggemann, hielten ihn die Leute für verrückt, aber das werde sich jetzt ändern. Griechenland. Spanien. Euro-Krise. Die Dinge laufen jetzt so, wie er es immer gesagt hat.
Die ganze Welt wurde vom großen Crash überrascht. Friedrich Tiggemann nicht. Er hat auf ihn gewartet, seit Langem schon.
73 Jahre ist er alt, seine Haare sind so weiß wie sein Hemd, aber seine Stimme ist kräftig und sein Rücken noch immer gerade. Er holt die Perücke aus dem Auto, setzt sie auf den Kopf, gewellt ist sie, mit kurzem Zopf im Nacken. Er bindet den mit Rüschen verzierten Kragen um, schlüpft in die Weste, zieht den langen grauen Gehrock an. Kein Karnevalsfetzen aus dem Kaufhaus ist das, sondern fester, gut sitzender Stoff. Beim Schauspielhaus Bochum hat sich Tiggemann nach einem Kostümverleih erkundigt, der Qualitätsware führt. Er sagt, ein Organisationstalent, das sei er schon immer gewesen.
Wie ein gealterter Schauspieler sieht er aus, auf dem Weg zu seiner letzten großen Rolle. Eine Komödie könnte es sein, die nun beginnt, wenn die Sache nicht so ernst wäre, wenn das Stück nicht vom tiefen Fall eines Mannes handelte und von seinem Versuch, wieder nach oben zu klettern, ein paar Meter wenigstens. Um gutes Geld wird es gehen, und um schlechtes, und um die wachsende Furcht vieler Deutscher vor einer weltweiten Katastrophe. Den ersten Auftritt hat der Graf von Monte Christo.
Tiggemann hat das auf den Rücken seines Gehrocks geschrieben, waschmaschinenfest mit blauer und roter Farbe: Graf von Monte Christo II. Der erste Graf, der französische, ein Romanheld, war einer, der nie aufgab. Alle waren gegen ihn, er aber hat gekämpft. Tiggemann sagt, das mache er jetzt auch: kämpfen.
Er greift sich einen Packen gelber Flugblätter und läuft los, vorbei an den Hattinger Fachwerkhäusern, in Richtung Fußgängerzone. Ein paar Straßen weiter wurde er geboren. Nie ist er weggezogen aus der Stadt, die er jetzt aufrütteln will. Auf seinen Flugblättern ist ein Bild der sinkenden Titanic . Daneben stehen Wörter wie Schulden, Staatsbankrott, Zeitenwende.
Es gibt ziemlich viel auf der Welt, wofür man kämpfen kann. Friedrich Tiggemann kämpft für das Geld. Nicht für sein eigenes. Das ist weg. Für das Geld als solches setzt er sich ein. Tiggemann will es schützen. So wie andere Leute die Wale verteidigen oder die Menschenrechte.
Wale werden gejagt. Menschen werden gefoltert. Wer oder was aber bedroht das Geld?
Die Pixel, sagt Tiggemann, die Bildpunkte. Dazu sei das Geld verkommen, zu einer Zahl auf einem Monitor. Ein Mausklick, und das Geld überspringt Meere und Kontinente, verwandelt sich in Aktien und Bonds, in Put-Optionen und Constant-Maturity-Swaps. Wenn es zurückkommt, hat es sich vermehrt, falls es gut läuft. Läuft es schlecht, verwandelt es sich weiter, in Schulden, immer mehr Schulden, und dann reißt es Banken und Staaten in den Abgrund. Die einzige Rettung: Das Geld braucht eine neue Gestalt. Seine alte. Es muss sich zurückverwandeln. Das Geld muss wieder aus Gold sein.
Sagt Friedrich Tiggemann aus Hattingen an der Ruhr, Graf von Monte Christo II. Und gibt zu, dass dies dem Unkundigen kompliziert erscheinen mag. Heute Abend aber, da wird er es erklären.
Tiggemann wird dann einen großen Auftritt haben. Er hat einen Raum gemietet in einem Kulturzentrum in Essen, hat eine PowerPoint-Präsentation auf dem Laptop vorbereitet. Jetzt will er noch ein bisschen Werbung machen. Deshalb die Verkleidung: damit die Leute ihn sehen, damit sie aufmerksam werden, die Zettel anschauen, auf denen er seinen Vortrag ankündigt, Geld, Gold und die Wahrheit, heute Abend, 18 bis 21 Uhr.
Griechenland. Spanien. Die Euro-Krise. Die Bude werde voll, sagt Tiggemann.
Ein Paar schlendert an ihm vorbei. Die Frau sagt halblaut zu ihrem Mann: »Der Tiggemann soll ja jetzt im Wald wohnen.«
Tiggemann betritt ein Geschäft. Das Schaufenster ist voller Flaschen. Weißwein, Rotwein, teurer Whisky. Tiggemann will nichts kaufen, er will etwas verkaufen: sich selbst und seinen Vortrag. Der Mann im Laden rückt gerade einen Bordeaux zurecht.
»Ach, Herr Tiggemann.«
»Wollte nur mal guten Tag sagen.«
Tiggemann hatte früher selbst einen Laden, ein Blumengeschäft, dazu eine Baumschule. Mit 24 Jahren bestand er die Meisterprüfung zum Floristen, kurz darauf die Meisterprüfung zum Gärtner. Zwei Meistertitel in einem Jahr, das hat bis heute kein anderer in der Gegend geschafft.
Tiggemann machte sich selbstständig, pflanzte Hecken und Sträucher, dekorierte Gräber und Hochzeitsautos, und irgendwann fragte er sich, was ihm blieb von all der Arbeit.
Geld, natürlich, ziemlich viel sogar. Tiggemann verstand sein Geschäft, die Leute kauften. Der Unterschied zwischen ihm und einem gewöhnlichen Gärtner war, dass er sich folgende Frage stellte: War er wirklich wohlhabend, oder besaß er nur einen Stapel Papier?
- Datum 16.08.2010 - 18:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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Ich persönlich finde die Ratschläge, Hinweise und Warnungen von in der jeweiligen Sache erfolgreichen Menschen wertvoller als die von Unerfolgreichen. Aber bitte ...
Untergangspropheten gab es immer und wird es immer geben. Die Frage ist nur, wie zutreffend ihre Vorankündigungen sind. Staatsbankrotte gibt es alle paar Jahre mal. Selbst wenn Herr Tiggemann recht behalten sollte (was ich bezweifle), hat er eine erstaunlich schlechte Trefferquote, wenn er seit Jahrzehnten auf einen Staatsbankrott wartet.
Herr Tiggemann scheint mir einer derjenigen Menschen zu sein, die gebetsmühlenartig immergleiche (Finanz-)Katastrophen beschwören und sich auch durch deren Ausbleiben nicht davon abhalten lässt, weiterzumachen. Er hat einiges gemeinsam mit den "Autoren" vom "Kopp-Verlag", die seit Jahren den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch der Wirtschafts- und Gesellschaftssystems vorhersagen, der dann überraschend doch nicht eintritt.
Letztendlich sind diese Veröffentlichungen (und dazu zähle ich auch Pro Aurum) eine Art Analogon zur BILD-Zeitung, mit dem Unterschied, dass sich die Aufmerksamkeit heischenden Katastrophenmeldungen auf den Finanzsektor beziehen. Und mit Katastrophenmeldungen und dem Schüren von Verlustangst hat sich schon immer leicht Geld verdienen lassen.
Es ist die Ironie des Lebens, dass das ach so sichere Gold, das Herrn Tiggemann vor finanziellem Unheil beschützen sollte, ihn erst in genau solches gestürzt hat. Sämtliche verfügbaren liquiden Mittel in eine Anlageform zu stecken, ist immer ein schlechter Rat. Wer Gold teuer einkauft und es später wegen mangelnder Liquidität billig verkaufen muss, macht unweigerlich Verluste.
...
...
... Spekulation auf eine danach kommenden Goldwährung, die aber nicht kommen wird weil wir sonst eine Dauerdeflation bekämen und die Goldbesitzer dann eine Versichunge bei der Mafia brauchten. Was ist die Ursache und was ist die friedliche Lösung: http://freigeldpraktiker....
...sondern der Goldbesitz wird dann im Falle der Krise staatlich verboten, die Goldbesitzer enteignet - wie schon 1933 in den USA durch Th.Roosevelt. Da hilft dann auch Vergraben im Garten nicht mehr.
...sondern der Goldbesitz wird dann im Falle der Krise staatlich verboten, die Goldbesitzer enteignet - wie schon 1933 in den USA durch Th.Roosevelt. Da hilft dann auch Vergraben im Garten nicht mehr.
lieben und auch hassen, aber das einzige was Bestand hat und fast immer Rendite abwirft,ist Grund und Boden.
Denn wie Oma immer sagte, die Leute mit ihrem Gold und Silber brauchen alle was zum Essen und als Landwirt, hast du immer etwas zum Tauschen und du bestimmst in schlechten Zeiten den Preis.
Würde nie im Leben 5 Unzen Gold kaufen, wenn ich für den selben Preis 1 ha Wald oder Acker bekomme. Selbst wenn man ihn nicht selber bewirtschaftet, kann man ihn verpachten und er wirft Rendite ab.
Auch Grund und Boden kann wie alles andere auch auf einen Schlag wertlos werden. Eine nukleare Katastrophe, egal ob Reaktor oder Bombe, ist, genau wie gigantische Naturkatastrophen, zu unseren Lebzeiten zwar unwahrscheinlich, aber eben nicht unmöglich.
In jüngster Vergangenheit haben viele Menschen im ehemaligen Jugoslawien auch diese Erfahrung gemacht:
Lange in Deutschland gearbeitet und dann daheim mit dem Ersparten ein Haus gebaut. Diese Menschen konnten sich auch nicht vorstellen, das sie eines Tages ihre Heimat verlassen würden müssen. Häuser und Grund konnten sie natürlich nicht mitnehmen. Gold in größeren Mengen auch nicht. Hier wäre Papiergeld die Rettung gewesen. Die Geschichte der Menschheit zeigt, das jede Friedensperiode irgendwann einmal endet.
Das Leben besteht aus Risiko. Niemand kann sich auf alle denkbaren Katastrophen vorbereiten.
Und wer sich auf das Eintreten einer bestimmten Katastrophe verläßt und sein Leben darauf ausrichtet, scheitert mit ziemlicher Sicherheit!
Auch Grund und Boden kann wie alles andere auch auf einen Schlag wertlos werden. Eine nukleare Katastrophe, egal ob Reaktor oder Bombe, ist, genau wie gigantische Naturkatastrophen, zu unseren Lebzeiten zwar unwahrscheinlich, aber eben nicht unmöglich.
In jüngster Vergangenheit haben viele Menschen im ehemaligen Jugoslawien auch diese Erfahrung gemacht:
Lange in Deutschland gearbeitet und dann daheim mit dem Ersparten ein Haus gebaut. Diese Menschen konnten sich auch nicht vorstellen, das sie eines Tages ihre Heimat verlassen würden müssen. Häuser und Grund konnten sie natürlich nicht mitnehmen. Gold in größeren Mengen auch nicht. Hier wäre Papiergeld die Rettung gewesen. Die Geschichte der Menschheit zeigt, das jede Friedensperiode irgendwann einmal endet.
Das Leben besteht aus Risiko. Niemand kann sich auf alle denkbaren Katastrophen vorbereiten.
Und wer sich auf das Eintreten einer bestimmten Katastrophe verläßt und sein Leben darauf ausrichtet, scheitert mit ziemlicher Sicherheit!
Ich bin mir sicher, das die Zeit Herrn Tiggemann recht geben wird. Ein großer Konflikt, demographische Veränderungen, Verteilungskonflikte Wirtschaftskriege, Kampf um Rohstoffe, ein GAU in einem Atomwerk, der Klimawandel, ein heißer Krieg oder ähnliche Ereignisse könnten Regierungen derart unter Druck setzen, das sie die Notenpresse - ein wenig - anschmeißen.Schließt sich solch ein singuläres Ereignis an eine ehe korrigierenden Rezession an, schwindet schnell das Vertrauen der Finanzmärkte. Auf der zweiten Stufe folgen dann die Verbraucher. Sobald aber das Vertrauen ins Papier oder die Pixel schwindet ist es in der Regel schon zu spät zu reagieren. Korea hat in den 90ern seine Bevölkerung (erfolgreich) dazu aufgerufen ihr Privatgold dem Staat zu überlassen. Wir sind uns wohl alle einig darüber, das Südkorea keine Bananenrepublik ist. Das amerikanische Finanzsystem stand in Folge der Russenpleite in den 90ern auch schon vor dem Zusammenbruch, weil ein einziger Hedgefond das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten nicht beherrscht hat.
Die Frage lautet eigentlich nur: Wann bricht das ganze System zusammen. Der Zins ist logisch und berechtigt - aber in der Tat eine Geisel der Menschheit.
Alternativen? Kenne ich auch keine. Rohstoff basierte Währungen könnten eine Lösung sein. In den deindustrialisierenden G7 ist der Ursprung der Produkte heute aber nicht mehr der Boden, sondern die kreative Dienstleistung oder auch das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten (Wall-Street, City). Wie will man hier eine intelligente Anbindung an die Rohstoffe vollziehen.
PS: Die vier großen Kritiker des Euro wurden über ein Jahrzehnt verlacht. In der heißen Phase der Euro-Krise waren sie plötzlich gern gesehene Gäste in den Medien.
PPS: Mal sehen, wie die Geschichte die Menschen bewertet die zu eigenen Lebzeiten ausgelacht werden.
Der Zusammenbruch wird noch kommen, kann nur keiner Seriös vorhersagen. Kommentator 5 - lepkeb hat Recht.
http://www.zeit.de/wirtsc...
...mit der richtigen Ausbildung wäre aus ihm vielleicht ein großer Ökonom geworden.
Solche Leute gibt es viele:
Sie machen sich Gedanken über die Welt und haben doch einige Grundlagen nicht verstanden. Was dann dabei rauskommt sind skurille Theorien über die sich Leute lustig machen.
Ich glaube, wenn ich nicht eine universitäre Ausbildung genossen hätte, wäre ich auch so geendet.
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