Der Morgen beginnt mit einem angekündigten Staatsbankrott. Es ist Mitte Juni, in Deutschland ist es zu kalt für die Jahreszeit, der Nachrichtensprecher sagt, nach Griechenland stehe nun auch Spanien vor der Pleite. Friedrich Tiggemann, zweifacher Handwerksmeister im Ruhestand, Hobbyökonom und ehemals Besitzer von 31 Kilogramm Gold, packt sein Kostüm in den Opel Corsa und fährt los. Es verspricht ein guter Tag zu werden.

Auf einem Parkplatz in der Altstadt öffnet Tiggemann den Kofferraum. Hattingen an der Ruhr, eine kleine Stadt zwischen Essen und Wuppertal. Tiggemann sagt, er sei hier so bekannt wie Coca-Cola. Früher war er auch genauso beliebt, ein angesehener Unternehmer, ausgezeichnet mit der silbernen Ehrennadel der Industrie- und Handelskammer für außergewöhnliche Verdienste um die Wirtschaft. Heute, sagt Tiggemann, hielten ihn die Leute für verrückt, aber das werde sich jetzt ändern. Griechenland. Spanien. Euro-Krise. Die Dinge laufen jetzt so, wie er es immer gesagt hat.

Die ganze Welt wurde vom großen Crash überrascht. Friedrich Tiggemann nicht. Er hat auf ihn gewartet, seit Langem schon.

73 Jahre ist er alt, seine Haare sind so weiß wie sein Hemd, aber seine Stimme ist kräftig und sein Rücken noch immer gerade. Er holt die Perücke aus dem Auto, setzt sie auf den Kopf, gewellt ist sie, mit kurzem Zopf im Nacken. Er bindet den mit Rüschen verzierten Kragen um, schlüpft in die Weste, zieht den langen grauen Gehrock an. Kein Karnevalsfetzen aus dem Kaufhaus ist das, sondern fester, gut sitzender Stoff. Beim Schauspielhaus Bochum hat sich Tiggemann nach einem Kostümverleih erkundigt, der Qualitätsware führt. Er sagt, ein Organisationstalent, das sei er schon immer gewesen.

Wie ein gealterter Schauspieler sieht er aus, auf dem Weg zu seiner letzten großen Rolle. Eine Komödie könnte es sein, die nun beginnt, wenn die Sache nicht so ernst wäre, wenn das Stück nicht vom tiefen Fall eines Mannes handelte und von seinem Versuch, wieder nach oben zu klettern, ein paar Meter wenigstens. Um gutes Geld wird es gehen, und um schlechtes, und um die wachsende Furcht vieler Deutscher vor einer weltweiten Katastrophe. Den ersten Auftritt hat der Graf von Monte Christo.

Tiggemann hat das auf den Rücken seines Gehrocks geschrieben, waschmaschinenfest mit blauer und roter Farbe: Graf von Monte Christo II. Der erste Graf, der französische, ein Romanheld, war einer, der nie aufgab. Alle waren gegen ihn, er aber hat gekämpft. Tiggemann sagt, das mache er jetzt auch: kämpfen.

Er greift sich einen Packen gelber Flugblätter und läuft los, vorbei an den Hattinger Fachwerkhäusern, in Richtung Fußgängerzone. Ein paar Straßen weiter wurde er geboren. Nie ist er weggezogen aus der Stadt, die er jetzt aufrütteln will. Auf seinen Flugblättern ist ein Bild der sinkenden Titanic . Daneben stehen Wörter wie Schulden, Staatsbankrott, Zeitenwende. 

Es gibt ziemlich viel auf der Welt, wofür man kämpfen kann. Friedrich Tiggemann kämpft für das Geld. Nicht für sein eigenes. Das ist weg. Für das Geld als solches setzt er sich ein. Tiggemann will es schützen. So wie andere Leute die Wale verteidigen oder die Menschenrechte.

Wale werden gejagt. Menschen werden gefoltert. Wer oder was aber bedroht das Geld?

Die Pixel, sagt Tiggemann, die Bildpunkte. Dazu sei das Geld verkommen, zu einer Zahl auf einem Monitor. Ein Mausklick, und das Geld überspringt Meere und Kontinente, verwandelt sich in Aktien und Bonds, in Put-Optionen und Constant-Maturity-Swaps. Wenn es zurückkommt, hat es sich vermehrt, falls es gut läuft. Läuft es schlecht, verwandelt es sich weiter, in Schulden, immer mehr Schulden, und dann reißt es Banken und Staaten in den Abgrund. Die einzige Rettung: Das Geld braucht eine neue Gestalt. Seine alte. Es muss sich zurückverwandeln. Das Geld muss wieder aus Gold sein.

Sagt Friedrich Tiggemann aus Hattingen an der Ruhr, Graf von Monte Christo II. Und gibt zu, dass dies dem Unkundigen kompliziert erscheinen mag. Heute Abend aber, da wird er es erklären.

Tiggemann wird dann einen großen Auftritt haben. Er hat einen Raum gemietet in einem Kulturzentrum in Essen, hat eine PowerPoint-Präsentation auf dem Laptop vorbereitet. Jetzt will er noch ein bisschen Werbung machen. Deshalb die Verkleidung: damit die Leute ihn sehen, damit sie aufmerksam werden, die Zettel anschauen, auf denen er seinen Vortrag ankündigt, Geld, Gold und die Wahrheit, heute Abend, 18 bis 21 Uhr.

Griechenland. Spanien. Die Euro-Krise. Die Bude werde voll, sagt Tiggemann.

Ein Paar schlendert an ihm vorbei. Die Frau sagt halblaut zu ihrem Mann: »Der Tiggemann soll ja jetzt im Wald wohnen.« 

Tiggemann betritt ein Geschäft. Das Schaufenster ist voller Flaschen. Weißwein, Rotwein, teurer Whisky. Tiggemann will nichts kaufen, er will etwas verkaufen: sich selbst und seinen Vortrag. Der Mann im Laden rückt gerade einen Bordeaux zurecht.

»Ach, Herr Tiggemann.«

»Wollte nur mal guten Tag sagen.«

Tiggemann hatte früher selbst einen Laden, ein Blumengeschäft, dazu eine Baumschule. Mit 24 Jahren bestand er die Meisterprüfung zum Floristen, kurz darauf die Meisterprüfung zum Gärtner. Zwei Meistertitel in einem Jahr, das hat bis heute kein anderer in der Gegend geschafft.

Tiggemann machte sich selbstständig, pflanzte Hecken und Sträucher, dekorierte Gräber und Hochzeitsautos, und irgendwann fragte er sich, was ihm blieb von all der Arbeit.

Geld, natürlich, ziemlich viel sogar. Tiggemann verstand sein Geschäft, die Leute kauften. Der Unterschied zwischen ihm und einem gewöhnlichen Gärtner war, dass er sich folgende Frage stellte: War er wirklich wohlhabend, oder besaß er nur einen Stapel Papier?

Tiggemann vergrub sein Gold unter Bäumen

Tiggemann las das Tagebuch seines Onkels. Weimarer Republik, Frühsommer 1923: Ein Brötchen kostete auf einmal 350 Mark. Im Spätsommer waren es 20.000 Mark. Im Herbst zehn Millionen. Die Regierung hatte Schulden damals, ungeheure Schulden. Um ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen, ließ sie die Notenpressen rotieren. Sie machte sich nicht einmal mehr die Mühe, die Rückseiten der Scheine zu bedrucken. Am Ende gab es so viel Geld, dass es so wenig wert war wie die trockenen Blätter in Tiggemanns Baumschule. 

Was, wenn das wieder passierte, fragte sich der junge Gärtner Friedrich Tiggemann? Auch die Bundesrepublik Deutschland machte ständig neue Schulden. Das meiste Geld war nicht einmal mehr aus Papier. Nur noch eine Zahl auf einem Konto. Tiggemann wurde misstrauisch.

An einem Tag im Herbst 1966 kaufte er zum ersten Mal das, was künftig sein Leben bestimmen sollte. Das, was keine Maschine der Welt nachdrucken kann. Gold.

Tiggemann sagt, nach dem Krieg habe seine Mutter jeden Sommer Obst eingeweckt. Gold sei wie ein Weckglas mit Birnen. Es ist immer da. Die Birnen verschwinden nicht. Bis man sie braucht, irgendwann.

Eine Krügerrand-Goldmünze für 200 Mark war der Anfang. Eine Feinunze Gold, 31,1 Gramm. Tiggemann vergrub sie in seiner Baumschule unter der Erde, so wie alle Münzen und Barren, die später hinzukamen. Gold verrottet ja nicht. Gold übersteht Brände und Überschwemmungen. Gold besaßen die Menschen schon vor Tausenden Jahren, bevor es Banken, Bundesregierungen und Gemeinschaftswährungen gab.

»Tja, das mit dem Euro kann einem wirklich Angst machen.«

Der Weinhändler hält Tiggemanns Flugblatt in der Hand. Tiggemann hat ihm von seinem Vortrag erzählt und davon, dass Griechenland und Spanien nur der Anfang seien. Der große Bankrott sei unvermeidlich. Der Euro werde zusammenbrechen, der Dollar auch. Bald werde die Bevölkerung ihr Brot für Gold kaufen müssen.

Der Weinhändler runzelt die Stirn. Was soll er halten von diesen Sätzen? Worte eines Spinners. Oder doch nicht? Man kennt ja die Fakten, fast täglich stehen sie in der Zeitung. Jede Sekunde wachsen die Schulden des deutschen Staates um 3500 Euro, inzwischen sind die 1,7 Billionen überschritten. 1.700.000.000.000 Euro. Wer soll das zurückzahlen? Was bleibt da noch, außer der Staatspleite? 

Vielleicht verhält es sich mit Tiggemann wie mit den ersten Klimawarnern. Auf die wollte auch keiner hören, und jetzt schmilzt das Grönlandeis.

Der Weinhändler legt das Flugblatt auf den Tresen. Er sieht aus, als habe er eine Sorge mehr. Tiggemann verabschiedet sich. Er sieht aus, als habe er eine Sorge weniger.

Die Fußgängerzone ist voll. Die Leute gehen einkaufen, sie sitzen in den Cafés. Ein paar junge Mädchen kichern an der Ecke, Colaflasche in der Hand, Strohhalm im Mund.

Man kann das für ein Indiz halten. Alles halb so schlimm, der Finanzcrash, die Bankenpleiten, die Euro-Krise. Den Menschen im Land geht es gut. Das Leben geht weiter, trotz Staatsschulden.

Eine Täuschung, sagt Tiggemann. Ein letztes Aufbäumen. Es klingt, als wolle er die so lange herbeigesehnte Krise nicht gehen lassen.

Ein kleiner Mann mit stattlichem Bauch kommt auf ihn zu. Er scheint sich zu freuen.

»Mensch, Fritz, lange nicht gesehen!« 

»Tach, Helmut.«

»Ich sach dir, Fritz, ich hab oft an dich gedacht. Wir haben ja immer geglaubt, der Fritz ist verrückt geworden, aber jetzt, mit dieser Finanzkrise und dem Euro. Die Banken, die Wall Street, die machen uns doch kaputt. Du hast recht gehabt.« Tiggemanns Gesichtszüge entspannen sich. Er lächelt. Er gibt dem Mann ein Flugblatt.

»Na, kommst du? Heute Abend, in Essen?«

»Klar, Fritz, bin dabei.«

Tiggemann grüßt nach links und nach rechts, winkt alten Bekannten, verteilt Zettel. Er kommt an einer Bankfiliale vorbei. Er sagt, er habe dieser Bank einmal Blumengestecke geliefert für eine Infoveranstaltung für Privatanleger. Es war der 21. September 1999, Tiggemann weiß das genau, er hat den Werbezettel noch zu Hause liegen, der Abend stand unter dem Motto »Wir beteiligen Sie an den Kursraketen des Neuen Marktes«.

 Seit er seinen Schatz verlor, kämpft er um seine Ehre

Als Tiggemann seine Sträuße lieferte, sagte er dem Mann von der Bank, das werde nicht funktionieren mit diesen ganzen Internet- und Softwarefirmen, das sei nur eine Blase, scheinbarer Reichtum, erzeugt von unechtem Computergeld. Der Mann antwortete: »Herr Tiggemann, Sie verstehen etwas von Blumen, wir verstehen etwas von Geld.«

Ein paar Monate später krachte die Börse. Da hatte Tiggemann schon sein erstes Buch herausgebracht. Das Gold lag ja nicht nur in der Erde unter seinen Bäumen, es war auch als Gedanke in seinem Kopf. Tiggemann flocht tagsüber Blumen zu Sträußen, wie die Kunden sie verlangten, weiß-blaue für Fans des FC Schalke, schwarz-gelbe für Anhänger von Borussia Dortmund. Abends las er Bücher berühmter Wirtschaftswissenschaftler. Er besuchte ökonomische Seminare. Schließlich fing er selbst an zu schreiben. 

Das Buch nannte er: Zinsknechtschaft – Gefahr für Freiheit und Demokratie. Einen Verlag fand er nicht, also ließ er es auf eigene Kosten drucken. 1000 Stück. 29.000 Mark. Viel Geld damals, aber Tiggemann verdiente genug. Wobei er es nie behielt, das Geld. Immer kaufte er Gold, selten als Barren, meistens in Münzform: den kanadischen Maple Leaf, den chinesischen Panda, den österreichischen Philharmoniker, das Schweizer Vreneli.

Irgendwo auf der Welt hatte jemand dieses Gold aus dem Boden geholt. Es war geschmolzen und zu Münzen gepresst worden. Dann vergrub Tiggemann es wieder in der Erde.

Bald hatte er hundert Feinunzen Gold beisammen, bald zweihundert, bald dreihundert. Tausend Unzen, das war Tiggemanns Ziel. Sein Lebenswunsch. 31,1 Kilogramm Gold.

Im Herbst 1991 hatte er es erreicht. Der Goldpreis lag bei 350 Dollar pro Unze. Tiggemanns Schatz war fast 600.000 Mark wert.

Ein Vermögen, einerseits. Seine beiden erwachsenen Söhne aber sagten: Papa, du bist verrückt. Seine Freunde erklärten: Friedrich, du spinnst. Leg das Geld doch vernünftig an, lass dich beraten. Gold bringt keine Zinsen.

Ich bin vernünftig, antwortete Tiggemann. Er wollte keinen Berater. Er hatte einen Spaten. Das einzige Wertpapier, dem er traute, war ein Lageplan seiner Baumschule, in den er mit Stecknadeln winzige Löcher stach. Jedes Loch ein Versteck, jeder Pikser eine kleine Goldgrube. Bevor Tiggemann einen neuen Mercedes kaufte, ging er los und schaufelte etwas Gold aus dem Boden.

Und Zinsen? Vergesst eure Zinsen, sagte Tiggemann. Das Scheingeld will bald keiner mehr haben, der Goldpreis wird steigen. Bald wird mein Schatz doppelt so viel wert sein wie heute. 

Man muss sich den Friedrich Tiggemann von damals als einen zufriedenen Menschen vorstellen.

Der Reichtum währte 13 Jahre lang. Im Jahr 2004, der Goldpreis lag bei 400 Dollar, verlor Friedrich Tiggemann seinen Schatz. Auch sein Haus mit unterirdischem Schwimmbad, seinen Garten, sein ganzes Leben, wie er es bis dahin kannte. Seitdem, sagt er, kämpfe er um seine Ehre.

Tiggemann hat sein Kostüm ausgezogen, ein paar Stunden bleiben noch, bevor er seinen Vortrag halten wird. Er fährt zu einem kleinen Laden in einem Hattinger Wohngebiet. Am Schaufenster steht etwas von Computertechnik. Tiggemann sagt, der Laden sei sozusagen sein Büro. Von hier aus beobachtet er den Lauf der Dinge, hier verfolgt er, wann alles auseinanderfliegt.

Ein dicker junger Mann mit Brille steht hinter dem Tresen. Er hat einen kleinen Schraubenzieher in der Hand und fummelt an einem rosaroten Gameboy herum. Auf einem Stuhl wartet ein Mädchen mit rosarotem T-Shirt und rosaroter Brille.

Der Mann kommt mit dem Gameboy nicht recht voran. Tiggemann holt ein Notizbuch aus seiner Umhängetasche. Er findet eine Nummer, tippt sie in sein Handy. Dann ruft er laut: »Guten Tag, Herr Spannbauer, ein paar Grüße durch die Leitung vom Friedrich Tiggemann.«

Gerhard Spannbauer ist Unternehmer und Autor des Buches Finanzcrash. Die umfassende Krisenvorsorge. Er ist ein Verbündeter. Längst gibt es in Deutschland Hunderte von Publizisten, Wissenschaftlern, Vermögensfachleuten, die den finanziellen Untergang herannahen sehen. Auf den Bestsellerlisten stehen Bücher wie Die Inflationsfalle oder Der Staatsbankrott kommt!. So wie manche Umweltschützer der siebziger Jahre eine Welt ohne Bäume beschrieben, so machen sich die Geldschützer Gedanken über ein Leben nach dem Crash.

Spannbauer betreibt einen Onlineshop. Man kann dort Geräte zur Trinkwasseraufbereitung kaufen und säckeweise Getreide, als Notvorsorge. Heute werde in den Geschäften ja nichts mehr gelagert, alles werde täglich geliefert, schreibt Spannbauer in seinem Buch. Wenn morgen der Euro zusammenbreche, seien übermorgen die Regale leer. Spannbauer bietet auch eine Armbrust an, zum Schutz gegen Plünderer. 

Friedrich Tiggemann hat einen Plan. Er will nicht nur kleine Vorträge halten, er will große Seminare geben, mit Zuhörern, die fünfzig oder hundert Euro Eintritt zahlen. Er hat Kontakt aufgenommen zu Pro Aurum, dem größten deutschen Edelmetallhändler. Das goldene Pro-Aurum-Gebäude im Osten von München sieht aus wie ein riesiger Barren. Man kann dort Gold kaufen, Silber, Platin.

Bei Pro Aurum hat man Tiggemann gesagt, so ein Seminar sei durchaus möglich, aber Tiggemann könne nicht allein auftreten, er müsse weitere Redner mitbringen, renommierte Leute.

»Herr Spannbauer, ich möchte Sie als Referenten gewinnen«, ruft Tiggemann ins Telefon. Er erzählt von seinem Vorhaben, spricht von fünfzig, vielleicht sechzig Besuchern.

»Herr Spannbauer, der Euro steht auf der Kippe, wir müssen jetzt an die Leute ran!«

Die Goldjünger sehen die Euro-Krise mit Genugtuung

Als Tiggemann auflegt, sagt er, Spannbauer wolle es sich überlegen.

Der junge Mann hat den Gameboy repariert, er gibt ihn dem Mädchen zurück, dann dreht er den Monitor auf dem Tresen so, dass Tiggemann ihn sehen kann. Er weiß, was jetzt kommt.

»Die Goldseiten bitte«, sagt Tiggemann. 

Der Mann tippt: www.goldseiten.de. Es öffnet sich eine Internetseite mit wenigen Bildern und viel Text. Die Themen sind dieselben wie auf den Wirtschaftsseiten der großen Zeitungen. Nur die Meinungen sind gegensätzlich: Die Leitartikler der Zeitungen sehen den sinkenden Euro-Kurs und die steigenden Staatsschulden mit Sorge, die Kommentatoren der Goldseiten mit Genugtuung.

Jetzt, in diesem Sommer, ist die Zufriedenheit besonders groß. Der Euro ist in den vergangenen Monaten um zwanzig Prozent gefallen, von einem Ende der Währungsunion ist die Rede, der Goldpreis ist gewaltig gestiegen, die Feinunze kostet um die 1200 Dollar. Der höchste Wert aller Zeiten, Tiggemann hat es kommen sehen. Nie zuvor war die Nachfrage nach Gold so groß. Bei Edelmetallhändlern wie Pro Aurum stehen die Leute stundenlang Schlange für eine Münze, die Goldseiten werden jeden Monat mehrere Millionen Mal angeklickt.

Friedrich Tiggemann ist nicht mehr alleine.

Tiggemann zieht einen Rollkoffer über die Straße. Er läuft durch Essen, in zehn Minuten soll sein Vortrag beginnen. Der Koffer ist schwer, voll mit Büchern, vor allem seinen eigenen. Tiggemann hat noch ein zweites Buch geschrieben, vor zwei Jahren, Geldmäuse und Crash-Katze – Eine sehr ernste Warnung heißt es. Diesmal hat er einen Verlag gefunden, einen etwas speziellen, in dem sonst Werke über Ufos und Hellseher erscheinen.

Er hofft, nach dem Vortrag ein paar Bücher zu verkaufen. Zwar kriegt er nur Papiergeld dafür, aber er kann sich schlecht in Gold bezahlen lassen.

Tiggemann erreicht das Kulturzentrum. Der Vortragssaal liegt im ersten Stock. Er zerrt den Koffer die Treppe hoch, zieht ihn über die letzten Stufen, sein Atem geht schneller. Tiggemann schaut auf die Uhr, ein paar Minuten ist er zu spät, er betritt den Raum. Dunkle Wände, gedämpftes Licht, eine Leinwand, keine Fenster, nichts, was von seinen Worten ablenken kann. Ideal für einen, der von der Wahrheit erzählen will, da ist nur ein Problem.

Es ist niemand da. 

Tiggemann steht alleine in dem Saal. Er blickt sich um. Schaut noch mal auf die Uhr. Da kommt keiner mehr.

Friedrich Tiggemann sieht jetzt nicht aus wie der Graf von Monte Christo. Er sieht aus wie ein Schauspieler, dessen letzte große Vorstellung ausgefallen ist. Er murmelt: »Werbung hab ich doch genug gemacht.«

Ein junger Mann in Jeans und T-Shirt taucht auf. Er arbeitet hier, organisiert Ausstellungen und Lesungen. Er sagt, er habe das Flugblatt gesehen, das lese sich ja ganz interessant. Tiggemann öffnet seinen Koffer, schenkt ihm sein Buch. Sie reden ein wenig. Tiggemann fragt noch, wie er den Leiter des Kulturzentrums erreichen könne. Er will versuchen, das Geld für die Raummiete zurückzubekommen.

In der Abenddämmerung fährt er nach Hause, in seinem alten Corsa, nach Hattingen und weiter, hinaus aus der kleinen Stadt. Ein paar Kilometer Landstraße, dann führt ein Feldweg den Hang hinauf. Links und rechts wachsen Büsche, in enger Reihe, bis sie auf einmal Platz machen für ein Stück Wiese. Ein Wohnwagen steht da, ein Tisch davor, ein paar Stühle. Tiggemann sagt, hier könne man sehen, wie ein Waldmensch lebt.

Er sperrt die Tür auf, senkt den Kopf, geht hinein in das, was jetzt sein Zuhause ist. Eine Kaffeemaschine, ein schmales Bett mit geblümter Decke, ein Tisch mit Eckbank, einst gedacht für fröhliche Camperrunden, zum Feiern und Skatspielen. Tiggemann sitzt hier oft, aber er spielt nicht Skat, er sitzt an seinem Laptop und schreibt Gedanken auf, die ihm der Computerhändler am nächsten Tag ausdrucken wird. Um ihn herum stehen Ordner, liegen Mappen, türmen sich Papierstapel. Von außen sieht es aus wie ein Wohnwagen, innen ist es ein Aktenwagen mit Bett.

Manchmal sind es Briefe, die er schreibt. An die Geschäftsführer der Bank, von der er sagt, sie habe ihm seinen Goldschatz genommen. Seine ganze Wut fasst er in Verse: »Ich bins, Euer lieber Zins. Begleite Euch Tag und Nacht, damit Ihr um den Schlaf gebracht.«

Es war das Computergeld, das ihn ruinierte. Tiggemann kaufte nicht nur Gold. Er kaufte auch Immobilien. Noch so ein Wohlstand zum Anfassen. Dafür nahm er Kredite auf, Geld, das auf seinem Konto erschien, das aber auch die Bank verbuchte: als Forderungen gegen den Gärtner Friedrich Tiggemann. 

Der war unbesorgt. Er hatte ja das Gold, dessen Preis bestimmt steigen würde. Gold ist stärker als Pixelgeld, sagte er sich. Auch die Immobilien würden an Wert gewinnen.

Aber sie gewannen nicht, oder nicht genug. Am Ende wollte die Bank ihr Geld zurück, und Tiggemann konnte nicht zahlen. Er war überschuldet, pleite.

Weil die Bank ihn fertigmachen wollte. Sagt Tiggemann.

 Tiggemann ging Pleite - trotz des Goldes

Weil er sich zu sicher wähnte, im Vertrauen auf seinen Schatz. Weil er zu sehr über das Gold und seine Kraft nachdachte, teure Seminare besuchte, einen bundesweiten Diskussionszirkel gründete, herumreiste und sich zu wenig um seine Firma kümmerte. Sagen Leute, die ihn gut kennen.

Am Ende trennte sich Friedrich Tiggemann von dem, was ihm am teuersten war. Seinem Gold, den 31 Kilo. Er grub sie aus und verkaufte sie. Es reichte trotzdem nicht. Dem Markt war das Gold weniger wert als ihm, der Goldpreis war zu niedrig, noch, er näherte sich gerade erst der 500-Dollar-Marke. Tiggemann musste Insolvenz anmelden. Sein Haus wurde versteigert, Tiggemann zog in den Wohnwagen.

Ein paar Jahre später, und sein Gold hätte ihn gerettet. Hätte Tiggemann bis zur Pleite von Lehman Brothers, bis zu den Staatsfinanzkrisen und dem Sprung des Goldpreises auf über tausend Dollar durchgehalten, hätte er vermutlich alle Verbindlichkeiten begleichen können. Sein Schatz wäre wertvoll genug gewesen, der große Crash hätte den kleinen verhindert. Er kam zu spät.

Friedrich Tiggemann lebt jetzt von 250 Euro Rente im Monat. Den Anspruch hat er in seinen ersten Berufsjahren erworben, damals, als er noch Angestellter war. Das Sozialamt gibt dem Mann, der einst 31 Kilo Gold besaß, 110 Euro dazu, damit er den Hartz-IV-Satz erreicht. 

Man kann sagen, er kam zur falschen Zeit auf die Welt. Ins 19. Jahrhundert hätte Tiggemann gut gepasst. Damals galt der sogenannte Goldstandard, die Zentralbanken tauschten jeden Geldschein jederzeit zu einem festen Kurs in Edelmetall um. Das Papier war Gold wert.

Das Problem dabei: Regierungen und Banken konnten nur so viel Geld in Umlauf bringen, wie sie Gold besaßen. Bald war ihnen das zu wenig. Sie mussten Unternehmen finanzieren, manchmal Panzer kaufen. 1971 lösten die USA unter dem Kostendruck des Vietnamkrieges als letztes Land die Goldbindung ihrer Währung. Seitdem bestimmt nicht mehr das Gold darüber, wie viel Geld es auf der Welt gibt, sondern der Mensch. Die meisten Wirtschaftsexperten halten das für eine gute Sache: Man könne sich nicht darauf verlassen, dass irgendwelche Bergleute immer genauso viel Gold aus den Steinen hauen, wie die Wirtschaft braucht. Die Experten glauben, die Zentralbankpräsidenten und Regierungschefs hätten aus den Erfahrungen der Weimarer Republik gelernt. Sie werden nicht massenhaft Geld drucken, um die Staatsschulden zu bezahlen. Sie werden der Versuchung widerstehen.

Tiggemann und die Geldschützer glauben das nicht. Das ist der Unterschied.

Wochen später. Tiggemann hat keine weiteren Referenten gefunden für das Seminar. Pro Aurum hat abgesagt. Spanien ist immer noch nicht pleite. Der Euro hat sich erholt, die Zeitungen schreiben schon vom Ende der Krise. Es sieht nicht gut aus für Friedrich Tiggemann. Je stärker der Euro, desto schwächer muss er sich fühlen.

Tiggemann arbeitet jetzt viel in dem kleinen Waldstück, auf dem der Wohnwagen steht, er nennt es sein Biotop. Er reißt Brennnesseln aus, legt Wege an, spürt die Sonne auf dem nackten Rücken. Hin und wieder isst er Radieschen aus dem eigenen Beet.

Schön hat er es auf seiner kleinen Wiese. Der Dauercamper Friedrich Tiggemann könnte auf einem Stühlchen sitzen, in den Himmel blinzeln, abends grillen. Tiggemann grillt nicht. Er schreibt, denkt nach, schiebt das Geld im Kopf hin und her. Er sagt, ihm sei nur eines geblieben: den Leuten das Gold zu erklären. Das sei sein Vermächtnis.

Sein Handy klingelt. Ein schwäbischer Unternehmer ist am Apparat. Er stellt sich vor als Edelmetallhändler aus Eislingen bei Göppingen, zwischen Stuttgart und Ulm. First United heißt seine Firma, nicht so groß wie Pro Aurum, aber egal. Der Mann ist zufällig auf Tiggemanns Internetseite gestoßen. Tiggemann hatte sie vor einer Weile von einer Bekannten entwerfen lassen. 

Sie reden über Münzen und Barren wie Weinkenner über Rebsorten. Im Englischen gibt es ein Wort für Leute wie sie: Goldbugs. Der Name geht zurück auf eine Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe. Irgendwer kam irgendwann auf die Idee, die Edelmetallinvestoren so zu nennen. Goldkäfer.

Der Unternehmer ist angetan von Tiggemann. Später wird er sagen, Tiggemann sei so authentisch, so leidenschaftlich. Er lädt ihn ein, einen Vortrag für seine Kunden zu halten. In zwei Wochen, in Eislingen. Wenn Tiggemann bei den Leuten gut ankomme, sei vieles möglich. Er plane da zum Beispiel ein Seminar in Prag. 150 Teilnehmer, mindestens, tschechische Finanzfachleute, alles Profis. Da könne Tiggemann auftreten. Gold sei sehr gefragt in Osteuropa.

Tiggemann läuft durch die Fußgängerzone von Eislingens Nachbarstadt Göppingen. Es ist so weit. In wenigen Stunden wird er seinen Vortrag halten. Er geht auf einen Laden zu, in dessen Schaufenster ein paar Dutzend Gläser voller Sand stehen. Auf jedem Glas pappt ein Aufkleber. »Sahara«, »Malediven«, »Acapulco«, »Bahamas«. Darüber hängen Angebote für Fernreisen.

Tiggemann geht hinein, er sieht sich um. Links steht ein geschwungener, aufgeräumter Schreibtisch mit Computer und Grünpflanze, dahinter sitzt der Mitarbeiter des Reisebüros und blättert in einem Katalog. Der Besucherstuhl ist leer.

Rechts warten fünf Leute vor einem kleinen Plastiktisch. Auf dem Tisch stehen eine elektronische Waage und ein großer Taschenrechner. Daneben liegen ein Hammer und mehrere Zangen, mit denen man Gold aus ausgefallenen Zähnen brechen kann.

Die Frau am Plastiktisch kauft Altgold. Sie ist Untermieterin des Reisebüros und hat Anzeigen in der Zeitung geschaltet. Tiggemann will sehen, was sich dahinter verbirgt.

Ein kleiner, breitschultriger Mann in abgeschnittenen Jeans ist an der Reihe. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und einen schwarzen Pferdeschwanz, in der Hand hält er eine Goldkette mit Anhänger. Die Frau am Tisch lässt die Kette durch die Finger gleiten, sie legt sie auf die Waage, tippt Zahlen in den Taschenrechner. 

»35 Euro?«

Der Mann nickt. »Das Ding lag nur noch rum.«

 In vielen Städten sind Altgoldkäufer unterwegs

Es liegt viel Gold herum in Deutschland. Nicht im Wald wie einst bei Tiggemann, sondern in Schubladen und Schachteln, als Ringe, Uhren, Armbänder. Der hohe Goldpreis lockt jene an, die dringend Papiergeld brauchen, und lässt die Erinnerung an alte Großtanten verblassen. In fast jeder Stadt sind Altgoldkäufer unterwegs, in vielen Zeitungen inserieren sie.

Tiggemann sieht zu, wie die Kette in einem Kästchen verschwindet. Er sieht aus, als denke er an die Weckgläser, als müsse er zuschauen, wie der Mann sein Eingemachtes an die Schweine verfüttert. Sein Gold gibt er her für Papier. Tiggemann sagt, es müsse sich noch viel ändern in Deutschland.

»Geld, Gold und die Wahrheit« hat jemand auf eine Tafel geschrieben, den Titel des Vortrags. Tiggemann steht in einem Besprechungszimmer im Gewerbegebiet von Eislingen. Es sind die Räume von First United. Überall liegt Gold herum, auf Tischen, Kommoden, Fensterbrettern. Man muss es anfassen, um zu merken, dass die Münzen und Barren nur Feuerzeuge, Flaschenöffner oder Schokoladenstücke sind. Die Schokolade schmilzt gerade. Es ist Abend, aber die Luft ist noch immer sommerwarm. Die Fenster sind mit Rollläden verdunkelt. Die Farbe der Rollläden ist gold.

Tiggemann hat seinen Scheitel nachgezogen, die Krawatte gebunden, seinen Laptop aufgebaut. Er sieht zu, wie die Gäste hereinkommen, gepflegte ältere Herrschaften, Kunden des Edelmetallhändlers. Dreißig Leute sind es, viel mehr wollten kommen, aber mehr passen nicht in den Raum. Unternehmer sind unter ihnen, leitende Angestellte, Pensionäre. Wohlhabende Bürger, die sich Gedanken um ihr Geld machen.

Unterhält man sich mit ihnen, bekommt man Geschichten erzählt von Lehman-Zertifikaten und staatlicher Verschwendungssucht. Vom Gefühl, betrogen zu werden, ist die Rede und davon, dass heutzutage niemand mehr verstehe, was die Banken mit dem Geld ihrer Kunden anstellten. 

Also überlegen sie jetzt, Gold zu kaufen. So wie sie vor Jahren deutsche Technologiewerte erwarben oder amerikanische Immobilienfonds. Der Unterschied ist: Wer Aktien und Anleihen kauft, gibt sein Geld anderen Menschen, Unternehmen, Staaten, damit die es vermehren. Er nimmt teil am großen Spiel der Finanzmärkte, er glaubt an die Kraft des Wirtschaftswachstums und den Sieg des Profits über die Pleite.

Wer Gold kauft, hat diesen Glauben verloren. Die dreißig Männer und Frauen im stickigen Besprechungszimmer von First United, die Tausenden, die in diesen Wochen bei den Edelmetallhändlern nach Gold fragen, haben alle eines gemeinsam: Sie spielen nicht mehr mit. Sie behalten ihr Geld für sich und verwandeln es in Münzen und Barren. Gold ist Metall gewordener Systemverdruss, die Kapitalismuskritik einer schweigenden Minderheit. Anders als die lärmenden Demonstranten auf den Wirtschaftsgipfeln und Weltbanktagungen wollen die Goldkäfer nicht die Welt retten, sondern sich selbst, ihren Wohlstand.

Der Chef von First United geht im Besprechungsraum nach vorn, um Tiggemann anzukündigen. Er ist Mitte fünfzig, ein Finanzspezialist, der früher bei einer Versicherung gearbeitet hat. Er sagt, inzwischen gehörten bekannte Popstars zu seinen Kunden, eine mächtige deutsche Unternehmerfamilie. Alle wollten sie jetzt Gold.

Der Mann ruft so laut, als wollte er mit seiner Stimme eine Konzerthalle füllen: »Ich begrüße ein absolutes Urgestein!« Er geht zurück zu seinem Stuhl, und Tiggemann steht jetzt allein da vorn.

Er räuspert sich, bedankt sich, dass er hier sein darf. Er sagt, er habe so viel Kritik ertragen müssen in seinem Leben, immer hätten alle nur gesagt: Schau, da kommt der Gärtner. Dann gleitet er langsam ins Thema hinein. Er spricht frei, ohne Notizen, ohne auch nur einmal »äh« zu sagen.

Er sagt: »Die Politiker und Banker behaupten, es gehe wieder aufwärts, aber aufwärts geht es nur auf dem Rumpf der Titanic, die gerade im Meer versinkt.« Es ist, als wären die Sätze schon seit Langem in seinem Kopf. Jetzt können sie heraus.

Tiggemann drückt eine Taste an seinem Laptop, auf der Leinwand erscheint ein Bild. Man sieht den Eiffelturm, unter dem Turm steht ein goldener Würfel. Klein sieht er aus, im Vergleich zu dem mächtigen Eisenbau. Dieser Würfel käme heraus, würde man alles Gold der Welt einschmelzen, sagt Tiggemann. Zwanzig Meter Kantenlänge, mehr nicht. »Gold wird auf alle Zeiten wertvoll bleiben«, sagt er. »Weil es so wenig davon gibt.« 

Nach einer Stunde steht der Chef von First United auf und unterbricht Tiggemann. Kurze Pause, fünfzehn Minuten. Den Zuhörern böte sich jetzt die Gelegenheit zu gehen. Kurz die Beine vertreten und nicht wiederkommen, ganz einfach.

Sie kommen alle wieder, zwängen sich in der verbrauchten Luft auf ihre Stühle, schwitzen ihre Hemden durch und hören Tiggemann eine weitere Stunde zu. Als er schließlich sagt, dass dies nun das Ende seiner Ausführungen sei, da fangen sie an zu klatschen, ein langer, kräftiger Applaus. Gleich wird ein älterer Herr sich zu Wort melden und sagen: »Herr Tiggemann, Sie haben uns die Augen geöffnet.« Tiggemann wird Hände schütteln, Bücher signieren, die Leute werden ihm Komplimente machen.

Vorher aber, noch während seine Zuhörer klatschen, zieht Friedrich Tiggemann eine kleine Kamera aus der Tasche. Er hält sie ans Auge, er drückt den Auslöser, es blitzt, und dann hat er sich ein Bild gemacht, das ihm keiner nehmen kann. Von dreißig Menschen, die jetzt an die Kraft des Goldes glauben.