Edelsteinfieber in Afrika Bling! Bling!

Die Neureichen der Welt gieren nach Diamanten. Das hat verheerende Folgen für Afrika

In der Gold- und Diamantenabteilung der Zentralbank von Sierra Leone werden Rohdiamanten geprüft. Der Bürgerkrieg, der das Land in den Neunziger Jahren beherrschte, wurde durch den Verkauf von "Blutdiamanten" finanziert

In der Gold- und Diamantenabteilung der Zentralbank von Sierra Leone werden Rohdiamanten geprüft. Der Bürgerkrieg, der das Land in den Neunziger Jahren beherrschte, wurde durch den Verkauf von "Blutdiamanten" finanziert

Zurück nach Marange? »Nein, nie wieder!«, sagt Farai Chikumira. »Ich bin froh, dass ich noch lebe.« Der junge Mann hat das Diamantenfieber überlebt. Es brach im Juni 2006 in Marange in Simbabwe ( siehe Karte ) aus, als die Bewohner eines Dorfes die ersten Glitzersteine fanden. Innerhalb kürzester Zeit strömten 15.000 arme Leute und Glücksritter in die Region. Chikumira war einer von ihnen. Ausgerüstet mit Schaufel, Pickel und einem Sieb, zog er ins neue El Dorado. Er wollte schnell reich werden – und beinahe wäre ihm der Traum zum Verhängnis geworden.

Farai Chikumira ist nicht sein richtiger Name, der 26-Jährige verschweigt ihn aus Furcht vor den Spitzeln des Regimes. Beim Treffen in einem Imbissladen in der Provinzstadt Gweru inspiziert er immer wieder misstrauisch die Nebentische, während er von den mörderischen Rivalitäten zwischen den Schürfern, von kriminellen Syndikaten und vom Terror der Sicherheitskräfte erzählt. »Am schlimmsten waren die Hunde, die sie auf uns hetzten.«

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Sein Bericht klingt wie eine abenteuerliche Story von Jack London über den Goldrausch am Klondike River in Alaska. Aber diese Geschichte spielt im Osten Simbabwes, und es geht um Diamanten, um verdammt viele Diamanten. Kundschafter der israelischen Bergbauberatungsfirma Tacy Ltd. schätzen, dass aus der Erde von Marange künftig ein Viertel der weltweiten Diamantenproduktion geholt werden könnte. Der Manager eines Minenkonsortiums – auch er will anonym bleiben – spricht von drei Milliarden Karat.

Infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ist zwar die Nachfrage nach Luxusgütern vorübergehend eingebrochen, doch die Diamantenindustrie hat sich längst erholt und legt wieder kräftig zu. Zu den derzeit besten Kunden gehören die Neureichen der aufsteigenden Wirtschaftsmächte Indien und China, die russische Oberschicht sowie die Eliten Afrikas.

Eigentlich gibt es eine verbindliche Abmachung im Diamantenhandel, keine Geschäfte mit sogenannten Konfliktdiamanten zu treiben, also mit Edelsteinen, die von Rebellen und Verbrecherkartellen aus Kriegsgebieten exportiert werden. »Kimberley-Abkommen« heißt diese Selbstverpflichtung der Branche, 75 Staaten haben sie unterzeichnet, und die meisten Unternehmen halten sich offenbar daran. Seit 2003 wird angeblich nur noch mit Rohware gehandelt, die als »konfliktfrei« zertifiziert wurde; der Anteil der Blutdiamanten soll zwischenzeitlich auf ein Prozent gesunken sein. Dennoch erreicht eine unbekannte Zahl von Funkelsteinen die Endabnehmer nach wie vor auf dunklen Wegen. Häufig stammen sie aus gewaltgeplagten Ländern wie Angola oder Sierra Leone.

Oder aus neuen, schwer kontrollierbaren Regionen wie Marange in Simbabwe. Farai Chikumiras Schilderungen der brutalen Verteilungsschlacht auf dem rund 68.500 Hektar großen Areal unterfüttern die Anklagen von Menschenrechtsorganisationen wie Global Witness. Sie werfen den Sicherheitskräften Mord, Raub und Vergewaltigung vor; Militärs würden die Schürfer zwingen, für sie zu arbeiten, und sogar Kinder versklaven.

Leser-Kommentare
  1. "Gangsta-Rapper wie B.G. oder Tupac Shakur besangen den Reichtum und seine hemmungslose Zurschaustellung..."

    Sie beziehen sich hier vermutlich auf den Musiker Notorious B.I.G. der umgangsprachlich "Biggie" gennant wird. B.G. ist eine interessante lautmalerische Annäherung, aber trotzdem Falsch.

    Es stellt sich daraufhin die Frage, warum dieser Bezug ueberhaupt hergestellt werden muss? Der Reiz von Diamanten geht von den Steinen selbst aus, auch ohne die zugegebenermaßen übertriebene Zurschaustellung durch Figuren des öffentlichen Lebens. Die Kronjuwelen der Queen werden in ihrem Beitrag schließlich auch nicht behandelt.

    Berichten sie doch einfach ueber die Tragoedie der Gier, und lassen sie populistische Bezugnahmen zur Jugenkultur sein!

    Besten Dank

    Lobster

    • MrJan
    • 17.08.2010 um 11:52 Uhr

    Hier wurde wirklich schlampig recherchiert. Abgesehen von der falschen Bezeichnung von Notorious BIG, finde ich in dem Artikel folgenden Satz: "dennoch erreicht eine unbekannte Zahl von Funkelsteinen die Endabnehmer nach wie vor auf dunklen Wegen. Häufig stammen sie aus gewaltgeplagten Ländern wie Angola oder Sierra Leone."....Wenn der Autor in den letzten 3 Jahren einmal die zitierten Länder besucht hätte oder um der ZEIT Reisekosten zu sparen einfach eine halbe Stunde die Länder im Internet recherchiert hätte, wüsste er, dass genau diese beiden Länder zu den "upcoming states" gehören. Angola in wirtschaftlicher Hinsicht und Sierra Leone in politischer (die letzte Wahl 2007 wurde von der UN beobachtet und als eine der demokratischsten, fairsten und vor allem friedlichsten Wahlen von ganz Afrika bewertet). Das die Voraussetzungen in den Minen teilweise unmenschlich sind, steht hier nicht zur Debatte. Das trifft auf fast alle Herkunfländer zu (Russland, Südafrika etc). Das hier Reformbedarf besteht ist richtig. Diese Minen werden u.a. von dem einflussreichen Diamtenhändler Konsortium Rapaport deswegen auch boykottiert.

    • Afa81
    • 18.08.2010 um 11:52 Uhr

    Also, wenn sich Naomi Campbell, oder David Beckham den Fingernagel abbrechen oder ein Eisbärbaby füttern, steht das auch in den Zeitungen (Gott sei Dank nicht in allen). Dann finde ich, darf man das schon mal sagen. Gerade ein großer Teil der Hip Hop Kultur hat auch nen beschämenden Weg eingeschlagen. Künstler wie Emminem werden nicht anerkannt, weil sie nicht schwarz sind oder nie im Getto gelebt haben. Viele Musikvideos strotzen nur so vor Arroganz, wenn sich die Künstler gegenseitig toppen wollen, wer Nachts aus dem dicksten Schlitten aussteigt, mit dem weißesten Pelzmantel, die meisten leicht bekleidetsten Frauen um sich hat, eben in der Nacht die dunkelste Sonnenbrille trägt und die längsten Goldkettchen um den Hals hängen hat. Wieso? Weil es gut aussieht? Komisch das so viele Rapper dann auf einmal den gleichen Geschmack haben. Oder weil da ne andere Message rüber gebracht werden soll? Und wenn das zutrifft, ist auch eine Antwort mit der gleichen Wortwahl erlaubt, finde ich...

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