Genetik Wer erbt was?
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Nur noch mit blanker Gewalt können die kalten Fälle geklärt werden

Nur noch mit blanker Gewalt können die kalten Fälle geklärt werden

Bewiesen ist dieses Szenario indessen keineswegs. Allerdings ist es die letzte denkbare Erklärung für die cold cases der Genomprofiler. Angesichts der verschlungenen Wege, auf denen das Erbgut die Körperfunktionen regelt, bleibt den Fachleuten als letzter Ausweg nur noch Forschung mit der Brechstange. Und dafür sind Megaprojekte notwendig, wie sie bereits in der Krebsforschung vorangetrieben werden: Die Entschlüsselung des kompletten Erbguts Hunderter Patienten soll bei jedem Volksleiden nun den Strauß entscheidender Gendefekte enttarnen.

Erzwingen wollen die Forscher den Erfolg nun mit gewaltigen Dekodierungsprojekten. Dabei, so das Kalkül, müssen die Hochrisikogene zwangsläufig auffallen. Besonders vielversprechend erscheint die Strategie bei Familien, in denen die Anfälligkeit für komplexe Leiden durch die Generationen vererbt wird. Erste Erbgutentzifferungen bei Autisten oder Schizophrenen bestätigen diese Vermutung bereits.

Vor wenigen Wochen, bei einer Fachkonferenz am Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg, gab der britische Genomforscher Mark McCarthy den Kollegen daher schon mal die neue Order aus. Das Problem der verschollenen Erblichkeit könne nur die Massendekodierung der Erbanlagen vieler Patienten lösen, rief er in den Saal: »Das ist die Eleganz roher Gewalt!«

 
Leser-Kommentare
  1. Gene deckeln sicher das Potential des Menschen. Aber für die Entfaltung des Potential und möglicher gesundheitlicher Risiken ist immer noch die Umwelt verantwortlich.

  2. Die verzweifelte Suche nach dem Determinismus zeigt vielleicht um so mehr, dass man sein Leben ändern kann...und damit auch die Risiken für Krankheiten...die Psyche spielt eben auch eine Rolle...und psychsiche Leiden können ebenso irgendwann ins körperliche abrutschen...

  3. Hmm ... wenn die neue Hypothese stimmen wuerde, dann liesse sich diese mit vielen unterschiedlichen "Schizophrenie-Genen" testen: signifikante Ueberrepraesentierung eines oder meherer GO-Terme in der Menge der "Schizophrenie-Gene" verglichen mit dem Gesamtgenom.

    Ich gehe aber davon aus dass nicht genuegend "Schizophrenie-Gene" bekannt sind um eine aussagekraeftige Statistik zu erzeugen.

    Weiteres Vorgehen: sehr viele Familien mit gehaeuftem Auftreten der Schizophrenie nach entsprechenden Genen screenen und dann oberes durchfueheren.

  4. In Darstellungen zur Wissenschaft oder Wissenschaftsgeschichte sieht es häufig so aus, als ob es von Entdeckung zu Entdeckung gegangen wäre oder gehe. In Wahrheit geht es vielfach eher von Fehlschlag zu Fehlschlag, und erst wenn alle falschen Möglichkeiten ausgeschlossen sind, stösst man auf die Wahrheit.

    Natürlich ist es bedauerlich, das man hier keine schnelleren Ergebnisse hat, die den Menschen jetzt schon helfen können. Aber mich begeistert es auch, dass die Natur offensichtlich so kompliziert ist, dass sie sich nicht so einfach entschlüsseln lässt, dass es noch ungelöste Rätsel gibt, die uns herausfordern, und dass Raum bleibt, über die Schöpfung zu staunen und sie zu bewundern.

  5. Mich erstaunt der grundlegend angstvoll-hetzerische Tenor über Vererbung (... Veranlagung für viele Volkskrankheiten wird ...). Was wollen wir denn? - Das Erbgut (Genom, Gen, DNA) muß sich in Lichtgeschwindigkeit anpassen, wenn das Leben in den nächsten Generationen auf der Erde weitergehen soll, also auch für den Menschen. Das Erbgut ist niemals der Schlüssel des Lebens, sondern nur das Ergebnis des Schließens. Lassen wir Menschen also davon ab, schließen zu wollen; das führt unweigerlich zum Untergang, da Anpassung an veränderte Umweltbedingungen nicht erwünscht ist. - Wenn also erkennbar bestimmte Krankheiten für den Menschen zunehmen, sollte ganz fix nach den Ursachen geforscht werden, um sie - wenn von Menschenhand getan (z. B. Klonfleisch) - abzustellen. Alles andere dient der fixen Idee manches Menschen, Schöpfer zu sein: Schöpfer des Universums - der Universen - einschließlich des Menschen selbst. Narzißmus wäre gar nichts dagegen. -

  6. Das Photo zu Ihrem Artikel spricht Bände; sehe ich es richtig, daß es beim Menschen nur männliches Erbe gibt? .... ?

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