Nur noch mit blanker Gewalt können die kalten Fälle geklärt werden
Nur noch mit blanker Gewalt können die kalten Fälle geklärt werden
Bewiesen ist dieses Szenario indessen keineswegs. Allerdings ist es die letzte denkbare Erklärung für die cold cases der Genomprofiler. Angesichts der verschlungenen Wege, auf denen das Erbgut die Körperfunktionen regelt, bleibt den Fachleuten als letzter Ausweg nur noch Forschung mit der Brechstange. Und dafür sind Megaprojekte notwendig, wie sie bereits in der Krebsforschung vorangetrieben werden: Die Entschlüsselung des kompletten Erbguts Hunderter Patienten soll bei jedem Volksleiden nun den Strauß entscheidender Gendefekte enttarnen.
Erzwingen wollen die Forscher den Erfolg nun mit gewaltigen Dekodierungsprojekten. Dabei, so das Kalkül, müssen die Hochrisikogene zwangsläufig auffallen. Besonders vielversprechend erscheint die Strategie bei Familien, in denen die Anfälligkeit für komplexe Leiden durch die Generationen vererbt wird. Erste Erbgutentzifferungen bei Autisten oder Schizophrenen bestätigen diese Vermutung bereits.
Vor wenigen Wochen, bei einer Fachkonferenz am Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg, gab der britische Genomforscher Mark McCarthy den Kollegen daher schon mal die neue Order aus. Das Problem der verschollenen Erblichkeit könne nur die Massendekodierung der Erbanlagen vieler Patienten lösen, rief er in den Saal: »Das ist die Eleganz roher Gewalt!«
- Datum 13.08.2010 - 11:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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Gene deckeln sicher das Potential des Menschen. Aber für die Entfaltung des Potential und möglicher gesundheitlicher Risiken ist immer noch die Umwelt verantwortlich.
Gene steuern ja nicht direkt Eigenschaften des Individuums sondern nur sehr grundlegende Prozesse in den Zellen. Phänomene wie die Körpergröße oder eine Anfälligkeit für eine Krankheit ergeben sich aus dem Zusammenspiel all dieser Prozesse.
Die Ursache für eine Krankheit kann sich damit praktisch über das ganze Genom verteilen und überhaupt nicht an einzelnen Genen festzumachen sein. Damit vererbt sich das Risiko dennoch, da dabei das gesamte Genom Ähnlichkeiten aufweist, Übereinstimmungen zwischen zwei Individuen bei einem oder einer Gruppe von Genen sagen aber dennoch fast gar nichts aus.
Je direkter sich eine Krankheit im Genom niederschlägt, desto leichter dürfte dieser Nachteil ja auch durch die Evolution beseitigt werden.
Im Extremfall würde das bedeuten, dass eine genetische Diagnose praktisch unmöglich ist. Versuchen sollte man es natürlich dennoch. Das Ergebnis der Forschung ist auch bei einem Scheitern interessant und wichtig, da sie unsere Vorstellung der Genetik verbessert. Da es um Krankheiten geht, zerstört ein Scheitern natürlich Heilungshoffnungen, was das weniger befriedigend macht, als ein Scheitern einer anderen Theorie.
Die verzweifelte Suche nach dem Determinismus zeigt vielleicht um so mehr, dass man sein Leben ändern kann...und damit auch die Risiken für Krankheiten...die Psyche spielt eben auch eine Rolle...und psychsiche Leiden können ebenso irgendwann ins körperliche abrutschen...
Hmm ... wenn die neue Hypothese stimmen wuerde, dann liesse sich diese mit vielen unterschiedlichen "Schizophrenie-Genen" testen: signifikante Ueberrepraesentierung eines oder meherer GO-Terme in der Menge der "Schizophrenie-Gene" verglichen mit dem Gesamtgenom.
Ich gehe aber davon aus dass nicht genuegend "Schizophrenie-Gene" bekannt sind um eine aussagekraeftige Statistik zu erzeugen.
Weiteres Vorgehen: sehr viele Familien mit gehaeuftem Auftreten der Schizophrenie nach entsprechenden Genen screenen und dann oberes durchfueheren.
In Darstellungen zur Wissenschaft oder Wissenschaftsgeschichte sieht es häufig so aus, als ob es von Entdeckung zu Entdeckung gegangen wäre oder gehe. In Wahrheit geht es vielfach eher von Fehlschlag zu Fehlschlag, und erst wenn alle falschen Möglichkeiten ausgeschlossen sind, stösst man auf die Wahrheit.
Natürlich ist es bedauerlich, das man hier keine schnelleren Ergebnisse hat, die den Menschen jetzt schon helfen können. Aber mich begeistert es auch, dass die Natur offensichtlich so kompliziert ist, dass sie sich nicht so einfach entschlüsseln lässt, dass es noch ungelöste Rätsel gibt, die uns herausfordern, und dass Raum bleibt, über die Schöpfung zu staunen und sie zu bewundern.
Mich erstaunt der grundlegend angstvoll-hetzerische Tenor über Vererbung (... Veranlagung für viele Volkskrankheiten wird ...). Was wollen wir denn? - Das Erbgut (Genom, Gen, DNA) muß sich in Lichtgeschwindigkeit anpassen, wenn das Leben in den nächsten Generationen auf der Erde weitergehen soll, also auch für den Menschen. Das Erbgut ist niemals der Schlüssel des Lebens, sondern nur das Ergebnis des Schließens. Lassen wir Menschen also davon ab, schließen zu wollen; das führt unweigerlich zum Untergang, da Anpassung an veränderte Umweltbedingungen nicht erwünscht ist. - Wenn also erkennbar bestimmte Krankheiten für den Menschen zunehmen, sollte ganz fix nach den Ursachen geforscht werden, um sie - wenn von Menschenhand getan (z. B. Klonfleisch) - abzustellen. Alles andere dient der fixen Idee manches Menschen, Schöpfer zu sein: Schöpfer des Universums - der Universen - einschließlich des Menschen selbst. Narzißmus wäre gar nichts dagegen. -
Das Photo zu Ihrem Artikel spricht Bände; sehe ich es richtig, daß es beim Menschen nur männliches Erbe gibt? .... ?
in Ihren Artikel wird Schizophrenie als eines der Volksleiden, ein Hirnleiden, dargestellt, für das man doch nur eine genetische Ursache finden müsste, um es ein für alle mal loszuwerden. Dazu einige Anmerkungen:
1. Schizophrenie ist nicht "eine Erkrankung". Vielmehr handelt es sich um eine Gruppe von "Erkrankungen" wie schon vom Erstbeschreiber Eugen Bleuler bemerkt wurde, daher ist wohl kaum anzunehmen, dass es sich um eine genetisch homogene Entität handeln könnte.
2.Schizophrenie ist keine Erkrankung im medizinischen Sinn! Das würde ein zugehöriges organisches Substrat und einen bekannten Pathomechanismus voraussetzen. Es gibt zur Entstehung der Schizophrenie Hypothesen und Modelle, wie Dopaminhypothese und Vulnerabilitäts-Stress-Modell, welche aber nicht bewiesen sind.
Schizophrenie wird als endogene Psychose gesehen, d.h.: erscheint als ob sie eine organische Ursache hätte. Diese wurde aber bis dato nicht gefunden!!!
Es gibt wissenschaftliche Daten die für genetische Einflüsse sprechen, diese sind aber sehr weit davon entfernt als Ursache gesehen zu werden( max. Konkordanz bei eineiigen Zwilligen deutlich < 50%).
Ich möchte mich gegen den Automatismus mit dem Schizophrenie als organische Krankheit dargestellt wird verwehren.
Es handelt sich um eine psychische Störung, einen primär psychischen Ablauf der eventuell durch organische Faktoren beeinflusst wird.
Kein Wunder, dass kein Gen gefunden wurde...
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