Siebeck Jetzt mal langsam!

Wolfram Siebeck bedauert, dass die Slow-Food-Bewegung hierzulande nicht mehr Anhänger hat.

Slow Food heißt: Am Tisch braucht alles seine Zeit. Der politische Kampf dafür leider auch

Slow Food heißt: Am Tisch braucht alles seine Zeit. Der politische Kampf dafür leider auch

Es ist ja nicht so, als würden wir, die deutschen Konsumenten, apathisch die Invasion der verfälschten Lebensmittel über uns ergehen lassen. Da dokumentiert einerseits die Biobewegung unseren Widerwillen gegen den allgegenwärtigen Kunstfraß, sodann macht das Marktangebot deutlich, dass wir uns für jedes Produkt interessieren, das nicht vom Makel der Massenkonfektion gekennzeichnet ist.

Mit Slow Food, einer der Nachhaltigkeit gewidmeten Non-Profit-Organisation, die 1986 entstand, existiert sogar so etwas wie eine Volksbewegung gegen das unselige Fast Food der amerikanischen Industrie. Die Nahrungsschützer des Vereins engagieren sich nicht nur politisch, sie treffen sich auch, um gut zu essen. Es ist eine italienische Gründung, was nicht erstaunt, da die italienische Küche ihre Beliebtheit seit je ihren Naturprodukten und der Einzelanfertigung verdankt. In Italien hat Slow Food sogar schon eine Universität gegründet.

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Siebeck
Alle Restaurantkritiken und Kolumnen von Wolfram Siebeck im Überblick

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Und in Deutschland? Gibt es zwar inzwischen zahlreiche Ortsgruppen, aber wirklich bekannt ist Slow Food noch nicht. Das ist verwunderlich, denn die Prinzipien der Reinheit von Lebensmitteln sind doch eigentlich genau das, was anspruchsvolle Esser bei uns umtreibt. Vielleicht stößt das Symbol der Bewegung, eine Schnecke, bei Deutschen auf Ablehnung. Vielleicht mögen die Deutschen das gute Essen zwar, aber nicht die Langsamkeit.

So bleibt die Sorge, dass sich in Deutschland vorgefertigte Industrieprodukte schneller ausbreiten als die Abneigung gegen sie.

Die deutsche Regierung hat gerade etwas getan, wofür man sich schämen sollte. Sie hat via Brüssel ein EU-Gesetz verhindert, das dem Konsumenten eine leichte Übersicht über die Industrieprodukte in den Supermärkten garantiert hätte. Es handelte sich um die Ampel-Kennzeichnung verpackter Ware durch grüne, gelbe und rote Punkte, je nach Grad des Zucker-, Salz- und Kunstfettgehalts.

Die deutsche Regierung war von Anfang an gegen diese Ampel, da sie mehr auf die Lobbyisten hörte als auf die Wünsche der Verbraucher. Als die Ampel zum ersten Mal vorgeschlagen wurde, argumentierte und opponierte besonders Horst Seehofer, der damals noch Minister für Ernährung war, in Brüssel ganz nach den Wünschen der Industrielobby. Seinen Bemühungen, Pfuscher und Fälscher nicht zu stören, kann man eine gewisse Nachhaltigkeit nicht absprechen.

Also müssen wir weiterhin die in winziger Schrift gedruckten Inhaltsangaben auf den Packungen entziffern, damit wir wissen, wie viel Prozent Gutes und wie viel Gramm Unbekömmliches unser Essen enthält. Anstatt auf einen Blick zu erkennen, ob der Inhalt rot (unbekömmlich), gelb (mittelprächtig) oder grün (einwandfrei) ist.

Ende Oktober findet übrigens in Turin der Salone del Gusto 2010 von Slow Food statt. Diese Marktausstellung wird selbstverständlich vom italienischen Staat unterstützt.

Slow Food hat in etwa 70 deutschen Städten lokale Gruppen. Alles über die Mitgliedschaft unter slowfood.de

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Butter

    Lieber Herr Siebeck,

    Ihre geliebte französische Rohmilchbutter, um nur ein Beispiel herauszugreifen, hätte durch diesen Unsinn einen fetten roten Punkt bekommen, Industriefett namens Halbfettmagarine einen grünen Punkt.
    Diese Ampelidee war eine schwachsinnige Idee.

  2. in die Hand. Sie können die "bösen Sachen" geben "gute Chemie" ersetzen. Greenwashing heißt das.

    Und was haben regional erzeugte Ware und regionale Spezialitäten mit einer Ampel zu tun?

  3. Die Kommentare belegen die traurige Realität von Slowfood in Deutschland. Das politische Agieren (und die Ampel hat natürlich einen Sinn auch wenn sie nichts mit regionaler oder saisonaler Esskultur zu tun hat) wird Foodwatch zugewiesen, während Slowfood vielfach als bisweilen bornierter Genießerclub wahrgenommen wird, dessen Sommerfeste selbst in Kreuzberg noch den Charakter exklusiver Tafelrunden haben.

    Die Wurzeln von Slowfood in Italien sind freilich sehr viel politischer und so sind denn viele, die Slowfood nahestehen auch Mitglieder bei Foodwatch und unterstützen deren Kampagnen. Vielen Dank an Wolfram Siebeck, der diesen Bogen ebenfalls spannt und damit zeigt, dass Genusskultur auch politisch unbequem sein kann.

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    Gerade kleine und kleinste Hersteller, also Slowfoodler, können sich dieses Analysebrimorium gar nicht leisten.

    Meiner Meinung nach gehört die Verzehrerziehung in die Schule.
    Das hat auch schon, auch wenn etwas weit hergeholt, bei der Mülltrennung auch gut geklappt.

    So weit hergeholt, wie von Foodwatch immer behauptet, sind die Portionsangaben auf den Packungen nicht. Gut, schon für Sparesser aber nicht weltfremd.

    Im Gegensatz zu Slowfood sehe ich Foodwatch als Geldmaschine.

    Gerade kleine und kleinste Hersteller, also Slowfoodler, können sich dieses Analysebrimorium gar nicht leisten.

    Meiner Meinung nach gehört die Verzehrerziehung in die Schule.
    Das hat auch schon, auch wenn etwas weit hergeholt, bei der Mülltrennung auch gut geklappt.

    So weit hergeholt, wie von Foodwatch immer behauptet, sind die Portionsangaben auf den Packungen nicht. Gut, schon für Sparesser aber nicht weltfremd.

    Im Gegensatz zu Slowfood sehe ich Foodwatch als Geldmaschine.

  4. Gerade kleine und kleinste Hersteller, also Slowfoodler, können sich dieses Analysebrimorium gar nicht leisten.

    Meiner Meinung nach gehört die Verzehrerziehung in die Schule.
    Das hat auch schon, auch wenn etwas weit hergeholt, bei der Mülltrennung auch gut geklappt.

    So weit hergeholt, wie von Foodwatch immer behauptet, sind die Portionsangaben auf den Packungen nicht. Gut, schon für Sparesser aber nicht weltfremd.

    Im Gegensatz zu Slowfood sehe ich Foodwatch als Geldmaschine.

    Antwort auf "Slowfoodwatch"
  5. lieber Sauzahn,

    Geschmacks- und Ernährungsbildung sollte in einem angemessenen und die Selbsttätigkeit aktivierenden Umfeld passieren. Das ist die Schule in vielen Fällen nicht.

    Aber davon abgesehen: Die Ampelkennzeichnung zielt auf Standard-Vertriebswege und nicht auf die Direktvermarktung handwerklicher Lebensmittel.

    Deshalb schadet sie auch dem Slowfood-Gedanken nicht, sondern im Gegenteil: ergänzt ihn sinnvoll dort wo heute noch 99% der Lebensmittel verkauft werden und zwar mit oft irreführenden Angaben.

    Im Übrigen: Etliche Kleinproduzenten können sich auch keine Bio-Zertifizierung leisten. Biolabel sind als Orientierung dennoch sinnvoll.

  6. ...zuhause oder in der Schule. Beim gemeinsamen Kochen entwickelt sich zudem soziale Bildung durch gemeinsame Rituale, die oft verlorengegangen sind in den Familien.

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    • Charly
    • 15.08.2010 um 22:42 Uhr

    Die Ampel ist Unsinn.
    Es kommt auch mal vor, dass die Industrie Dinge ablehnt, weil die dort vorhandene Fachkompetenz Fehlentwicklungen verhindern will.
    Wie oben schon erwähnt: Ein Lebensmittel, das traditionell energiereich ist, kann nur durch viel Chemie eine gelbe oder grüne Ampel bekommen.
    Das kann doch nicht gut sein.

    Nur weil die Industrie dagegen ist, muss die Ampel noch lange nicht gut sein.
    Da wurde uns ein unverantwortliches Massenexperiment mit ungewissem Ausgang erspart.

    • Charly
    • 15.08.2010 um 22:42 Uhr

    Die Ampel ist Unsinn.
    Es kommt auch mal vor, dass die Industrie Dinge ablehnt, weil die dort vorhandene Fachkompetenz Fehlentwicklungen verhindern will.
    Wie oben schon erwähnt: Ein Lebensmittel, das traditionell energiereich ist, kann nur durch viel Chemie eine gelbe oder grüne Ampel bekommen.
    Das kann doch nicht gut sein.

    Nur weil die Industrie dagegen ist, muss die Ampel noch lange nicht gut sein.
    Da wurde uns ein unverantwortliches Massenexperiment mit ungewissem Ausgang erspart.

    • Charly
    • 15.08.2010 um 22:42 Uhr

    Die Ampel ist Unsinn.
    Es kommt auch mal vor, dass die Industrie Dinge ablehnt, weil die dort vorhandene Fachkompetenz Fehlentwicklungen verhindern will.
    Wie oben schon erwähnt: Ein Lebensmittel, das traditionell energiereich ist, kann nur durch viel Chemie eine gelbe oder grüne Ampel bekommen.
    Das kann doch nicht gut sein.

    Nur weil die Industrie dagegen ist, muss die Ampel noch lange nicht gut sein.
    Da wurde uns ein unverantwortliches Massenexperiment mit ungewissem Ausgang erspart.

    • snoek
    • 16.08.2010 um 8:42 Uhr

    Ich finde den Artikel etwas oberflächlich. Was genau ist eigentlich -Slow Food-? Es steckt sicherlich mehr dahinter als nur langsame Nahrungsaufnahme.

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    ... außer natürliche Lebensmittel selbst zuzubereiten und dann genußvoll zu verzehren?!

    ... außer natürliche Lebensmittel selbst zuzubereiten und dann genußvoll zu verzehren?!

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