Jonathan Safran Foer»Donnerstags kein Fleisch«

Jonathan Safran Foers Bestseller "Tiere essen" wurde in Amerika heftig diskutiert. Reicht es, weniger Fleisch zu konsumieren? Ein Gespräch über ein moralisches Dilemma

DIE ZEIT: Oft ist zu lesen, dass die Geburt Ihres ersten Sohnes Sie veranlasst hat, über das Fleischessen nachzudenken. Ging es um gesunde Ernährung? Oder um mehr: Sie schreiben, Ihr Sohn habe Sie mit einer Art moralischer Scham konfrontiert...

Jonathan Safran Foer: Ja, die Frage der Gesundheit hat mich natürlich interessiert, ich wollte wissen, ob man ein Kind gefahrlos vegetarisch aufziehen kann. Das war rasch geklärt: Die vegetarische Lebensweise ist mindestens genauso gesund wie eine mit Fleischverzehr. Viel nachhaltiger beschäftigt hat mich ein anderer Aspekt von Elternschaft, nämlich was man seinen Kindern erzählt. Kinder stellen ihren Eltern viele Fragen. Wo kommt der Regen her, woher der Donner? Und Essen ist da keine Ausnahme, es steht ja im Mittelpunkt vieler gemeinsamer Handlungen. Nun finde ich nicht, dass Eltern ihren Kindern gegenüber absolut ehrlich sein müssen, Ziel ist ja vor allem, eine Umgebung zu schaffen, in der das Kind sicher aufwachsen und ein sensibler und guter Mensch werden kann. Aber bei der Fleischfrage habe ich mich unwohl gefühlt. Seit Jahren war ich immer mal Vegetarier gewesen, dann wieder nicht, ich bin da mehr so meinem Instinkt gefolgt. Als die Frage auftauchte, welche Geschichten ich meinem Kind übers Essen erzählen würde, wollte ich mich endlich richtig informieren. Das hat dann viel Zeit gebraucht.

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ZEIT: Werden wirklich Fragen übers Essen gestellt? Meistens ist das Fleisch auf dem Teller doch selbstverständlich – und wird auch gar nicht unbedingt mit lebenden Tieren in Verbindung gebracht.

Foer: Warum gilt uns der Hund als etwas anderes als das Schwein? Immerhin spricht einiges dafür, dass das Schwein geistig und von der Empfindungsfähigkeit her mindestens so komplex ist wie der Hund, vermutlich komplexer. Wir ziehen die Grenzen so, wie es uns bequem erscheint. Für mich begannen die Fragen bei unserem ersten Hund – und beim Eisbären Knut. Wir verbrachten jenen Sommer in Berlin, und die Berliner waren ganz verrückt nach Knut. Diese Begeisterung stand in sonderbarem Kontrast zu dem Verhältnis, das die meisten der Zoobesucher zu anderen Tieren hatten. Die Wurst, die sie im Zoo aßen, stammte aus Massentierhaltung, so wie 99 Prozent unseres Fleisches. Auf der anderen Seite des Zoograbens war also dieses entzückende Eisbärenbaby – doch kleine Ferkel sind genauso entzückend. Wenn diese Tiere, aus denen die Würste gemacht werden, genauso nah gewesen wären, hätten die Leute Anteil genommen. Wenn man sie abstrakt fragt, ob Fleischessen in Ordnung ist, sagen die meisten Ja. Wenn man ihnen aber einen Maststall vor die Nase gesetzt hätte und sie gesehen hätten, wie die Tiere darin leben müssen, wären die allermeisten entsetzt gewesen.

Jonathan Safran Foer

Der amerikanische Autor, geboren 1977, veröffentlichte im vergangenen Jahr in Amerika einen Bestseller, der in deutscher Übersetzung am 19. August erscheint: »Tiere essen«. Mehrere Jahre lang recherchierte Foer in Mastställen und landwirtschaftlichen Betrieben. Vor allem aufgrund der Qualen, denen die Tiere bei Aufzucht und Schlachtung ausgesetzt sind, plädiert Foer eindringlich für: weniger Tiere essen. Und Schluss mit dem industriellen Töten. Das aktuelle Beispiel aus Deutschland würde ihn entsetzen: der geplante Hühnerschlachthof in Wietze bei Celle. 2,6 Millionen Tiere wöchentlich, 27.000 stündlich, sollen hier demnächst geschlachtet werden. Am vergangenen Dienstag wurde das von Tierrechtlern besetzte Baugelände geräumt.

Unsere Autorin Hilal Sezgin traf Jonathan Safran Foer in Tel Aviv, wo er die Sommermonate verbringt.

ZEIT: Funktioniert das wirklich so einfach: dass man den Menschen nur den Horror zeigen muss? Auf deutschen Straßen sieht man oft Tiertransporter. Man sieht Schweine, die ihre Rüssel an die Lüftungsschlitze drücken. Die meisten Leute finden das entsetzlich! Aber dann beißen sie doch wieder in die nächste Wurst.

Foer: Es geht nicht nur darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Wir müssen die Art ändern, wie wir darüber reden. Bisher haben wir so darüber geredet, dass es nur eine Alternative zu geben schien: Man darf kein Fleisch mehr essen. Aber es gibt eine Menge Menschen, die sich nicht vorstellen können, Vegetarier zu werden. Und ich verstehe das. Zum Beispiel weiß ich, dass es unendlich viele hungrige Kinder auf der Welt gibt, denen man mit Spenden helfen könnte; trotzdem kaufe ich weiter überflüssige Konsumgüter, statt zu spenden. Das ist zwar scheinheilig – aber scheinheilig zu sein ist eben auch menschlich. Die Frage ist: Können wir es besser machen als bisher? Wenn alle Amerikaner nur jeweils eine Fleischmahlzeit pro Woche auslassen würden, würde das der Umwelt die Abgase von 5 Millionen Lastwagen ersparen, und ungefähr 200 Millionen Tiere weniger würden misshandelt und geschlachtet. Man muss den Menschen ermöglichen, zu sagen: Ich finde es eine Tragödie, was mit diesen Tieren geschieht. Darum esse ich donnerstags kein Fleisch.

ZEIT: Aber wir reden hier übers Töten. Möglicherweise über Mord. Kann man sagen: Jeweils donnerstags morde ich nicht? Es geht um Leben und Tod.

Foer: Ja, aber im Sudan oder im Kongo geht es auch um Leben und Tod. Trotzdem kündigen die allerwenigsten ihren Job und fliegen hin, um zu helfen. Das wäre auch unrealistisch. Beim Fleischessen geht es auch nicht hauptsächlich um Leben und Tod, sondern um Quälen oder Nichtquälen. Ob wir es grundsätzlich in Ordnung finden, Fleisch zu essen, ist eine beinah hypothetische Frage angesichts der Tatsache, dass 99 Prozent unseres Fleisches aus Massentierhaltung stammen, in der die Tiere auf eine Weise dahinvegetieren, die viele von uns verwerflich finden. Wenn Sie mich also fragen, ob ich das Töten von Tieren falsch oder richtig finde, wüsste ich nicht mal genau, was antworten. Was ich aber genau weiß, ist, dass es falsch ist, was wir derzeit machen. Dass es für die Umwelt schlimm ist und für die Tiere. Dazu braucht man kein Experte zu sein, kein Tierarzt oder Philosoph oder Theologe. Man zeige einem Bürger einen dieser modernen Ställe, und er erkennt sofort: So können wir nicht weitermachen.

ZEIT: Die Menschen, die dort arbeiten, scheinen das aber nicht so zu sehen.

Foer: Da stellt sich eine Art Desensibilisierung ein, und natürlich gibt es auch ökonomische Notwendigkeiten. Trotzdem: Die stärkste Unterstützung beim Schreiben meines Buches fand ich bei den Landwirten. Die Landwirte selbst hassen dieses System. Ich habe fast keinen getroffen, der es nicht am liebsten wieder auf dieselbe Art machen würde wie sein Großvater oder gar nicht. Ich habe kaum Menschen getroffen, die von der Massentierhaltung überzeugt waren.

Leserkommentare
    • Timo K
    • 16.08.2010 um 10:41 Uhr

    Bis zur 3. Seite fand ich das Interview echt gelungen, dachte mir, toll das mal einer Zwischentöne findet und auch mit einem gesenkten Fleischkonsum ich eine Chance habe in den Atheistenhimmel zu kommen.
    Dann dachte ich mir, guckst mal wie viele Kunden McD. so hat.
    Es sind 12 Millionen am Tag in Europa. Mal einfach davon ausgehend, dass jeder von denen einen Burger isst, erscheint mir die 200 Dollar Folgekostenrechnung sowas von übertrieben, dass es all das Gemäßigte, was mich am Anfang des Intervies so anzog, komplett zu nichte macht.
    Europa hätte demnach im Jahr 876.000.000.000$ alleine an MC Donnaldskosten. Dagegen mutet der Gewinn in Europa von 2,5 Milliarden ja geradezu lächerlich an.

    Was haben denn importierte Früchte so an Folgekosten?

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    Dass von weither importierte Früchte keine besonders gute Klimabilanz haben, versteht sich von selbst. Insbesondere dann, wenn sie eingeflogen werden. Jetzt aber vollständig darauf zu verzichten, wäre auch nicht richtig, denn dies hätte negative soziale Folgen für die Exportländer. Aber gerade der Anbau von Futtermitteln etwa von Soja in Brasilien zeitigt ebenfalls eklatante Konsequenzen für die einheimische Bevölkerung. Und pflanzliche Lebensmittel haben in der Regel stets eine besser Klimabilanz!

    unstreitig ist doch, daß Massentierhaltung und Fleischkonsum ein vielfaches an Folgekosten verursachen, z. B. durch die Abholzung des südamerikanischen Regenwaldes für die Viehzucht und den Anbau von Futtermitteln; durch die Produktion von Treibhausgasen bei der Tierhaltung; durch die weltweiten Transporte von Fleisch, Futtermitteln und Vieh; durch die medizinischen Folgekosten von hohem Cholesterin und Übergewicht.
    Auch der Fischmäc hat unkalkulierte Nebenkosten, entstehend durch die Überfischung und die durch den Fischfang verursachte Umweltzerstörung.

    Auf welche Summe Sie die Folgekosten schließlich schätzen hängt dann davon ab, welchen Wert Sie dem Regenwald und einem Intakten maritimen Ökosystem beimessen. Ich denke, daß sie bisher erheblich unterbewertet sind.

    Dass von weither importierte Früchte keine besonders gute Klimabilanz haben, versteht sich von selbst. Insbesondere dann, wenn sie eingeflogen werden. Jetzt aber vollständig darauf zu verzichten, wäre auch nicht richtig, denn dies hätte negative soziale Folgen für die Exportländer. Aber gerade der Anbau von Futtermitteln etwa von Soja in Brasilien zeitigt ebenfalls eklatante Konsequenzen für die einheimische Bevölkerung. Und pflanzliche Lebensmittel haben in der Regel stets eine besser Klimabilanz!

    unstreitig ist doch, daß Massentierhaltung und Fleischkonsum ein vielfaches an Folgekosten verursachen, z. B. durch die Abholzung des südamerikanischen Regenwaldes für die Viehzucht und den Anbau von Futtermitteln; durch die Produktion von Treibhausgasen bei der Tierhaltung; durch die weltweiten Transporte von Fleisch, Futtermitteln und Vieh; durch die medizinischen Folgekosten von hohem Cholesterin und Übergewicht.
    Auch der Fischmäc hat unkalkulierte Nebenkosten, entstehend durch die Überfischung und die durch den Fischfang verursachte Umweltzerstörung.

    Auf welche Summe Sie die Folgekosten schließlich schätzen hängt dann davon ab, welchen Wert Sie dem Regenwald und einem Intakten maritimen Ökosystem beimessen. Ich denke, daß sie bisher erheblich unterbewertet sind.

  1. Erstaunlich ausgewogenes und undogmatisches Interview - das wird überzeugten Fleischessern so wenig gefallen wie überzeugten Veganern.

    Auch wenn man über einzelne Zahlen sicher diskutieren kann - hat er in der Tendenz natürlich völlig Recht. Ein Stück Fleisch auf dem Teller "kostet" eben viel mehr, als viele Menschen das wahrhaben wollen - sowohl moralisch, als auch ökologisch und ökonomisch.

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    @ Taurino: nicht unbedingt. Ich lebe selbst vegan, wenn auch nicht immer hundertprozentig konsequent. Aber ich teile Foers Standpunkt absolut. Es geht nicht um ethische Reinheit, sondern darum, gewisse Dinge zu hinterfragen und einen Anfang zu machen. Und deshalb fände ich es schon toll, wenn fleischessende Mitbürger/innen öfters mal einen fleischfreien Tag einlegten. Bitte lassen Sie sich nicht von einer Handvoll radikaler und kompromissloser Veganer blenden!

    @ Taurino: nicht unbedingt. Ich lebe selbst vegan, wenn auch nicht immer hundertprozentig konsequent. Aber ich teile Foers Standpunkt absolut. Es geht nicht um ethische Reinheit, sondern darum, gewisse Dinge zu hinterfragen und einen Anfang zu machen. Und deshalb fände ich es schon toll, wenn fleischessende Mitbürger/innen öfters mal einen fleischfreien Tag einlegten. Bitte lassen Sie sich nicht von einer Handvoll radikaler und kompromissloser Veganer blenden!

  2. "Nein, das stimmt leider nicht. Wäre schön, aber wirklich gesünder ist es nicht, dazu ist der Mensch schon zu sehr auf Fleischverzehr eingestellt."

    Steile These! Ich wusste gar nicht, dass das in diesem Jahrtausend noch ernsthaft behauptet wird - also außer vielleicht von Vertretern der fleischerzeugenden Industrie.
    Über Veganismus könnte man in diesem Zusammenhang zweifellos diskutieren ... aber über Vegetarismus?

    Da haben Sie doch bestimmt Quellen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "sehr nett ausgedrückt"
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    Steile These, stimmt!
    Ich hab über diese Thema schon mit Freunden gesprochen, die Veganer und Vegetarier sind, und mit welchen die waren und aufgehört haben. Kein Selbstversuch meinerseits.
    Manche Menschen vertragen den Umstieg nicht so gut, aber das ist wohl nur ein kleiner Prozentsatz, auch wenn ich auf diesen gestoßen bin.

    Ich hab mal im Internet gesucht und das hier war der erste Link:

    http://www.gesundheit.de/...

    einfach oben einfügen.
    Da ist eine Studie, in der die Vegetarier besser abschneiden, obwohl später nicht erklärt wird, wieso sie BIOLOGISCH gesehen besser abschneiden.

    Hier mal ein paar Punkte:
    Vegetarier sein ist für viele Menschen auch ein Bild für sehr gesundes leben:
    Bio-Produkte,
    KEIN Rauchen,
    KEINE Drogen,
    KAUM Alkohol,
    eine Art Straight-Edge Bewegung.
    Viel Sport und gesund leben, und das finde ich super.

    Ein gesunder Lebensstil kann auch bei Fleischessern so sein, aber bei Vegetariern ist es viel ausgeprägter.

    • TDU
    • 16.08.2010 um 12:08 Uhr

    In diesem Jahrtausend. Sie greifen aber hoch.

    Dennoch, die Fleischindustrie hat vermutlich unseren Verdauungsapparat auch mitkonstruiert und verändert. Zu Ihren grössten Leistungen gehört sicher die Herbeiführung von Klimawandel, der den Eskimos den Anbau von Gemüse unmöglich machte.

    Und die deutsche Gesellschaft für Ernährung ist vermutlich auch gekauft.

    Und vom Morden: Der Untergang der indianischen Kultur war zweifellos das Ende einer mörderischen Kultur.

    Dann gucken Sie sich mal das Gebiss eines Australopithecus ein bisschen genauer an. Der hat, nur schlappe 5 Mio. Jahre vor unserer Zeit, mit Sicherheit nicht nur Champignons gesammelt...

    Steile These, stimmt!
    Ich hab über diese Thema schon mit Freunden gesprochen, die Veganer und Vegetarier sind, und mit welchen die waren und aufgehört haben. Kein Selbstversuch meinerseits.
    Manche Menschen vertragen den Umstieg nicht so gut, aber das ist wohl nur ein kleiner Prozentsatz, auch wenn ich auf diesen gestoßen bin.

    Ich hab mal im Internet gesucht und das hier war der erste Link:

    http://www.gesundheit.de/...

    einfach oben einfügen.
    Da ist eine Studie, in der die Vegetarier besser abschneiden, obwohl später nicht erklärt wird, wieso sie BIOLOGISCH gesehen besser abschneiden.

    Hier mal ein paar Punkte:
    Vegetarier sein ist für viele Menschen auch ein Bild für sehr gesundes leben:
    Bio-Produkte,
    KEIN Rauchen,
    KEINE Drogen,
    KAUM Alkohol,
    eine Art Straight-Edge Bewegung.
    Viel Sport und gesund leben, und das finde ich super.

    Ein gesunder Lebensstil kann auch bei Fleischessern so sein, aber bei Vegetariern ist es viel ausgeprägter.

    • TDU
    • 16.08.2010 um 12:08 Uhr

    In diesem Jahrtausend. Sie greifen aber hoch.

    Dennoch, die Fleischindustrie hat vermutlich unseren Verdauungsapparat auch mitkonstruiert und verändert. Zu Ihren grössten Leistungen gehört sicher die Herbeiführung von Klimawandel, der den Eskimos den Anbau von Gemüse unmöglich machte.

    Und die deutsche Gesellschaft für Ernährung ist vermutlich auch gekauft.

    Und vom Morden: Der Untergang der indianischen Kultur war zweifellos das Ende einer mörderischen Kultur.

    Dann gucken Sie sich mal das Gebiss eines Australopithecus ein bisschen genauer an. Der hat, nur schlappe 5 Mio. Jahre vor unserer Zeit, mit Sicherheit nicht nur Champignons gesammelt...

  3. Sondern um Maß halten!!
    Ich bin Bajuware. Die Preußen sagen unserer Küche absolut fälschlicherweise nach "deftig" und "schwer" zu sein, den stereotypen Schweinebraten mit Kruste vor Augen. Die traditionelle Alltagsküche in Bayern war aber dominiert von Mehlspeisen! Schlicht weil die Leute für Fleisch kein Geld hatten! Auch der "Sonntagsbraten" war nur beim Bürgertum ein wöchentlicher Gast. Und da man so selten Fleisch aß, hat man sich natürlich dann auch der Völlerei hingegeben. Unproblematisch, für die Figur wie auch für die Tiere. Nur der heutige Fleischkonsum hat damit rein gar nichts mehr zu tun, die schiere Menge ist das Problem.

    Nicht Fleisch per se, und da verbitte ich mir auch jedwede Missionierung durch vegane Oberlehrer. Ich esse so selten Fleisch, ich kann mir ehrlich nicht mehr an die letzte Fleischmahlzeit erinnern. Monate her, Monate. Aber wenn dann suche ich mir feinstes Schnitzel - und zwar nach bayrischer Art, das heißt nicht einfach nur ein fettiges Stück Fleisch panieren und in Fett ausbacken wie das die Preußen denken. Das richte ich mit viel Liebe und Beilagen her, lade mir ein paar Freunde ein und dann genießen wir das was ich mit viel Mühe gekocht habe. Bei Essen geht es für Deutsche viel zu oft um "richtig" oder "falsch", "gesund" oder "ungesund"...manche Speisen werden als "Sünde" bezeichnet. Das ist schon bezeichnend, eine quasireligiöse Angelegenheit. Das ist doch das Problem. Maß, Mitte und Genuss sind vollkommen auf der Strecke geblieben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    *Hehehe* Die Begrifflichkeit klaue ich mir jetzt!

    @ Landburli: wie bereits geschrieben, bin ich selbst Veganer, aber viel zu liberal, um sie missionieren zu wollen. Sicherlich gibt es sehr radikale Veganer, die sogar behaupten, Vegetarier seien Mörder. Faktisch mag das stimmen, ist aber mehr als kontraproduktiv. Ich für meinen Teil freue mich über jeden Vegetarier oder Teilzeit-Vegetarier, der öfters die Fleischmahlzeit weglässt. Aber leider ist das nicht die Realität. Leider kommen nach wie vor sechs oder gar sieben Mal die Wochen Fleisch- oder Fischprodukte in allen Variationen auf den Tisch. Was eindeutig zuviel ist. Eine Rückkehr zum Maßhalten früherer Zeiten ist in der Tat angezeigt. Schon allein deshalb, weil ohne Massentierhaltung niemals so große Mengen Fleisch produziert werden könnten, wie heutzutage konsumiert werden.

    • Dispot
    • 18.08.2010 um 10:58 Uhr

    Darf ich als Bayer in Berlin lebend auch was dazu sagen? Oder bin ich jetzt als "Saupreiss", obendrein noch als vegetarischer, unglaubwürdig?

    Sie haben anscheinend den Artikel nicht komplett gelesen. Es geht im Artikel nicht um Bayern und Lebensart, sondern darum, Tiere anständig zu behandeln. Deshalb können Sie auch vor Monaten das letzte Mal Fleisch gegessen haben, das macht Sie nicht besser, wenn Sie Ware aus Massenproduktion gekauft haben. Da hilft auch Ihre "liebevolle Zubereitung" nichts mehr.

    Insofern ist die Quintessenz des aus meiner Sicht sehr guten Interviews die, daß man um die Qualen der Tiere langfristig zu beenden, undogmatisch vorgehen muss. Die Forderung, wenn Fleisch oder Eier, dann nur aus biologisch-kontrollierter Haltung, sollte breiteren Widerhall in der Bevölkerung finden.
    Die Nutztiere müssen in ihrem uns dienenden Leben artgerecht gehalten werden. Und stress- und qualfrei leben und sterben können. Das ist die Minimalforderung, die man an ethischen Umgang mit Nutztieren stellen muss.

    Das hat mit landbewohnenden Bayern und urbanen Preussen nichts zu tun, eher damit, ob man ein ignoranter Egoist ist oder nicht. Selbst in südbayerischen Kleinstädten, in denen ich mich häufig aufhalte, gibt es mittlerweile Bioläden, die Biofleisch anbieten. Ja sicher, das ist teurer, JA UND? Dann gibt's halt nur einmal die Woche/Monat Fleisch, so wie es Jahrhunderte lang mit dem sprichwörtlichen "Sonntagsbraten" üblich war. Völlerei ist schliesslich eine Todsünde...

    *Hehehe* Die Begrifflichkeit klaue ich mir jetzt!

    @ Landburli: wie bereits geschrieben, bin ich selbst Veganer, aber viel zu liberal, um sie missionieren zu wollen. Sicherlich gibt es sehr radikale Veganer, die sogar behaupten, Vegetarier seien Mörder. Faktisch mag das stimmen, ist aber mehr als kontraproduktiv. Ich für meinen Teil freue mich über jeden Vegetarier oder Teilzeit-Vegetarier, der öfters die Fleischmahlzeit weglässt. Aber leider ist das nicht die Realität. Leider kommen nach wie vor sechs oder gar sieben Mal die Wochen Fleisch- oder Fischprodukte in allen Variationen auf den Tisch. Was eindeutig zuviel ist. Eine Rückkehr zum Maßhalten früherer Zeiten ist in der Tat angezeigt. Schon allein deshalb, weil ohne Massentierhaltung niemals so große Mengen Fleisch produziert werden könnten, wie heutzutage konsumiert werden.

    • Dispot
    • 18.08.2010 um 10:58 Uhr

    Darf ich als Bayer in Berlin lebend auch was dazu sagen? Oder bin ich jetzt als "Saupreiss", obendrein noch als vegetarischer, unglaubwürdig?

    Sie haben anscheinend den Artikel nicht komplett gelesen. Es geht im Artikel nicht um Bayern und Lebensart, sondern darum, Tiere anständig zu behandeln. Deshalb können Sie auch vor Monaten das letzte Mal Fleisch gegessen haben, das macht Sie nicht besser, wenn Sie Ware aus Massenproduktion gekauft haben. Da hilft auch Ihre "liebevolle Zubereitung" nichts mehr.

    Insofern ist die Quintessenz des aus meiner Sicht sehr guten Interviews die, daß man um die Qualen der Tiere langfristig zu beenden, undogmatisch vorgehen muss. Die Forderung, wenn Fleisch oder Eier, dann nur aus biologisch-kontrollierter Haltung, sollte breiteren Widerhall in der Bevölkerung finden.
    Die Nutztiere müssen in ihrem uns dienenden Leben artgerecht gehalten werden. Und stress- und qualfrei leben und sterben können. Das ist die Minimalforderung, die man an ethischen Umgang mit Nutztieren stellen muss.

    Das hat mit landbewohnenden Bayern und urbanen Preussen nichts zu tun, eher damit, ob man ein ignoranter Egoist ist oder nicht. Selbst in südbayerischen Kleinstädten, in denen ich mich häufig aufhalte, gibt es mittlerweile Bioläden, die Biofleisch anbieten. Ja sicher, das ist teurer, JA UND? Dann gibt's halt nur einmal die Woche/Monat Fleisch, so wie es Jahrhunderte lang mit dem sprichwörtlichen "Sonntagsbraten" üblich war. Völlerei ist schliesslich eine Todsünde...

    • TDU
    • 16.08.2010 um 11:36 Uhr

    Das für mich einzige Argument für den Abkehr von Fleischkonsums zum jetzigen Zeitpunkt (maassvoll sollte er sowieso sein), nämlich die Massentierhaltung ist gut in den Zusammenhang gestellt worden.

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