Diktaturverbrechen Sie wollen die Wahrheit nicht wissen
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Marcela und Felipe sehen sich als Spielball der Politik

Die Identität der Noble-Kinder ist keine Privatangelegenheit, ein politischer Machtkampf ist entbrannt. Niemand kann regieren, wenn Clarín nicht hinter ihm steht, heißt es in Argentinien. Die Regierung Kirchner versucht derzeit, das Gegenteil zu beweisen. Cristina Fernández de Kirchner peitschte ein neues Mediengesetz durch die Instanzen, das Medienmonopole wie die Clarín- Gruppe zerschlagen soll. Das bisherige Gesetz stammte aus Diktaturzeiten. Es gebe eine »Verschwörung« zwischen Clarín und der Opposition, sagte Néstor Kirchner der Zeitung La Nación. Ziel sei es, »die Regierung vor Jahresende zu stürzen«. Tatsächlich versammelten sich in der vergangenen Woche wichtige Vertreter der Opposition in der Wohnung von Clarín- Geschäftsführer Héctor Magnetto.

Marcela und Felipe sehen sich als Spielball der Politik. Sie schalteten eine Anzeige: »Unsere Mutter ist die Direktorin von Clarín, einer Zeitung, die einer heftigen Kampagne staatlicher Angriffe ausgesetzt ist [...]. Vor 34 Jahren hat unsere Mutter uns gewählt. Und heute wählen wir sie jeden Tag zu unserer Mutter.«

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Die Vergangenheit wird die Argentinier in diesem Jahr weiter beschäftigen. Die Verfahren gegen Ex-Diktator Videla und andere Diktaturverbrecher laufen. Gegen weitere 1400 Personen wird ermittelt. Die Richterin könnte entscheiden, dass Marcela und Felipe eine Blutprobe abgeben müssen. Und Estela de Carlotto könnte den Friedensnobelpreis erhalten. »Darüber würden wir Großmütter uns natürlich freuen«, sagt Carlotto bescheiden. »Aber der schönste Preis ist, einen lange gesuchten Enkel in die Arme zu schließen.«

 
Leser-Kommentare
  1. Ein erstaunlicher Bericht, mit einer Anzahl von Umständen die das Zeug für mehr als nur einen Spielfim haben. Im gleichen Sinnzusammenhang (Kindesentführung) stehen zum Beispiel auch Klagen vor intenationalen Gerichtshöfen gegen den uruguayischen Staat an. Das die argentinische Medienlanschaft das Niveau der Gehirnwäsche auf neue Umlaufbahnen katapultiert, sollte niemandem neu sein. Meine Vemutung scheint sich jedoch zu bestättigt, das dies auch "familienintern"-"klassenintern" (mir fehlen die Worte) funtioniert. Oder gar nur deshalb ?
    Es bleibt die Frage ob die wirklichen Betroffenen (Kinder und leibliche Angehörige) nicht einem medialen Schutz unterstellt werden sollten, bis sie sich überhaupt erst mal an ihre schöne neue Welt gewöhnt haben.
    Ein ganz anderes Problem ergibt sich im Falle Uruguays. Denn dort wurde ein offensichtlich grundgesetzwidrige und durch internationale Abkommen volkerrechtswiedrige Generalamnestie soeben zum zweiten mal per Volksentscheid bestättigt. Und dieses mal kann man in keinem Falle von Einschränkungen jeglicher Art oder einer Manipulation des Wählers sprechen. Eine schwierige Herausforderung für eine Demokratie mit Volksentscheid, wenn sie denn ihr Volk ernst nehmen will.

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.08.2010 Nr. 33
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  • Schlagworte Argentinien | Adoption | Buenos Aires
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