Regenflut Pakistan helfen?
Ja. Sonst springen die Falschen ein. Und dann wird das von der Flut gebeutelte Land noch gefährlicher.
© BANARAS KHAN/AFP/Getty Images

Regenflut: Donnerstag im Ort Sanawa in der Provinz Punjab, der Kornkammer Pakistans
Mitgefühl macht keine Unterschiede: Ein Mensch in Not ist ein Mensch in Not. Ganz gleich, ob seine Haut weiß, braun oder gelb ist; egal, ob er Christ, Animist oder Muslim ist. Gleichgültig, ob ein Tsunami, ein Beben oder eine Flutwelle ihn getroffen hat. Außer wenn er das Pech hat, im »gefährlichsten Land der Welt« zu leben – in Pakistan. Drei Wochen nach Beginn der größten Flutkatastrophe in der Geschichte des Landes, die 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht hat, sind 3,5 Millionen Kinder nach UN-Angaben von Seuchen bedroht. Das sind gut fünfzehnmal so viele Betroffene wie in Haiti. Doch das Spendenaufkommen bewegt sich paradoxerweise bisher bei etwa einem Fünfzehntel dessen, was spontan für die Erdbebenopfer in der Karibik lockergemacht wurde.
Die Gründe für diese Herzensträgheit liegen auf der Hand: Pakistan ist ein vom Zerfall bedrohter, korrupter Staat mit Atomwaffen, der Terror exportiert und die Taliban stützt. Wenn unsere Soldaten in Afghanistan angegriffen werden, führen die Spuren oft ins Nachbarland, wo Dschihadisten Rückzugsräume haben. Als in Deutschland Anschläge nur knapp vereitelt wurden, stellte sich heraus, dass einige der Terroristen ihre Ausbildung in pakistanischen Trainingslagern genossen hatten. Die Regierung von Präsident Zardari hat über weite Teile des Landes keine Kontrolle. Wo sie noch das Sagen hat, landet ein Großteil der öffentlichen Mittel in den Taschen feudaler Clans.
© ZEIT ONLINE
Und so einem Land sollen wir helfen? Das denken offenbar viele. Die sonst spendenfreudigen deutschen Bürger schließen erst einmal die Hand fest ums Portemonnaie. Die Bundesregierung versucht voranzugehen und hat immerhin 15 Millionen Euro Soforthilfe bewilligt – das sind fünf Millionen mehr als für Haiti. In Zeiten allgemeinen Sparens ist das ein Zeichen. Ist es groß genug, damit die Bürger folgen?
Andere haben schneller verstanden, dass das Humanitäre hier eminent politisch ist. Die militanten Islamisten gehen gezielt in die Lücken unseres Mitgefühls. Sie reichen den Gestrandeten die Hand und sichern ihr Überleben im Namen muslimischer Solidarität – mit dem Ziel, neue Rekruten für ihren Heiligen Krieg zu werben. Im Fastenmonat Ramadan ist die Überlebensportion Reis eine besonders starke Botschaft. Eine pakistanische Studie zeigt, dass die 20 ärmsten Distrikte mit der schlechtesten Ernährungslage auch die 20 militantesten sind.

Diese Satellitenbilder zeigen die Überflutungen im Süden Pakistans. Klicken Sie auf das Bild für eine größere Ansicht
Die Saudis geben jetzt schon mehr als doppelt so viel Hilfe wie alle Europäer zusammen. Wollen wir ihnen Pakistan noch einmal überlassen, nachdem sie dort jahrzehntelang die radikalen Koranschulen gefördert haben? Die kommenden Wochen und Monate – wenn nicht Jahre – des Wiederaufbaus werden zum Wettbewerb um die Zukunft des Frontstaates im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.
Die Katastrophe bietet Gelegenheit, die gescheiterte Politik aufzugeben
»Frontstaat Pakistan«: Diese Formel steht allerdings für eine westliche Politik, deren Scheitern angesichts der Flutkatastrophe offenbar geworden ist. Den Staat, der da auf offener Bühne versagt, haben wir nämlich mitgeschaffen. Der Westen hat Pakistans Militär und Sicherheitsapparat gepäppelt – erst im Krieg gegen die Russen, dann im »Kampf gegen den Terror«. Die Taliban wurden im Auftrag Amerikas vom pakistanischen Geheimdienst aufgebaut, um gegen die Russen in Afghanistan zu kämpfen. Dann aber – nach 9/11 – sollte Pakistan auf einmal die Taliban bekämpfen. Wieder schwammen Geheimdienst und Armee im Westgeld – fast 20 Milliarden über die letzten 15 Jahre.
Und da ist es nicht möglich, die halbe Milliarde aufzutreiben, die die UN heute zur Hunger- und Seuchenbekämpfung brauchen? Den leidenden Pakistanern muss das obszön erscheinen: Wenn wir für euch in den Krieg ziehen, fließen die Milliarden. Doch wenn wir ertrinken, werdet ihr plötzlich klamm. Pakistan hat 30.000 Menschen und sieben Prozent des Offizierskorps im Antiterrorkampf verloren. Raza Ahmed, Journalist und Entwicklungshelfer aus Lahore, schreibt in seinem Blog: »Es ist kein Anspruchsdenken, wenn wir internationale Hilfe verlangen. Viele Jahrzehnte haben wir euer großes Spiel gespielt und eure Drecksarbeit gemacht.«
Die Flutkatastrophe ist eine Gelegenheit, diese gescheiterte Politik aufzugeben. Wohl wahr: Die Wassermassen sind ohne unser Zutun über das Land gekommen. Doch Pakistans politisches Desaster, das die Flut jetzt nach oben spült, ist ohne die Jahrzehnte nicht zu verstehen, in denen das Land für uns Mittel zum Zweck war. Pakistan braucht einen neuen Deal mit der Welt. Denn: Ein Land ist keine Waffe. Und ein Mensch in Not ist ein Mensch in Not.
- Der Spendenappell
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Zahlreiche Hilfsorganisationen rufen zu Spenden für die Opfer der Flut in Pakistan auf. Wer Geld geben möchte, kann seine Spende mit dem Stichwort "Pakistan" oder "Fluthilfe Pakistan" versehen. Dann ist die Spende zweckgebunden, darf also nur in Pakistan oder, im zweiten Fall, für die Flutopfer verwendet werden. Hilfsorganisationen bevorzugen jedoch häufig zweckungebundene Spenden, um die Gelder flexibler einsetzen zu können.
Hier können Sie spenden:
Aktion Deutschland hilft: Spendenkonto 102030; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500;
Kennwort: Flut Pakistan. Online-Spenden nimmt das Bündnis mehrerer Hilfsorganisationen hier entgegen.Ärzte ohne Grenzen: Spendenkonto 97097; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500. Online-Spenden nimmt die Organisation hier entgegen.
Caritas international Freiburg: Spendenkonto 202; Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe; BLZ 66020500; Online-Spenden hier
Deutsches Rotes Kreuz: Spendenkonto 414141; Bank für Sozialwirtschaft; BLZ 37020500; Online-Spenden hier
Deutsche Welthungerhilfe e.V.: Kontonummer 1115; Sparkasse Köln-Bonn; BLZ 37050198; Online-Spenden hier
Diakonie Katastrophenhilfe: Kontonummer 502707; Postbank Stuttgart; BLZ 60010070; Online-Spenden hier.
Kindernothilfe: Kontonummer 454540; KD-Bank eG; BLZ 35060190
medico international: Kontonummer 1800; Frankfurter Sparkasse; BLZ 50050201; Online-Spenden hier
Misereor: Kontonummer 101010; Pax-Bank Aachen; BLZ 37060193; Online-Spenden hier
Oxfam: Spendenkonto 131313; Bank für Sozialwirtschaft Köln; BLZ 37020500; Online-Spenden hier
Unicef: Kontonummer 300.000; Bank für Sozialwirtschaft Köln; BLZ 37020500
Save the Children: Spendenkonto 929; Bank für Sozialwirtschaft Berlin; BLZ 10020500; Online-Spenden hier
Shelter Now Germany: Konto 25 23 058; Norddeutsche Landesbank Hannover; BLZ 250 500 00
UNO-Flüchtlingshilfe: Konto 2000 8850; Sparkasse Köln-Bonn; BLZ 37050198
Das World Food Programme der Vereinten Nationen erbittet Spenden per Online-Formular hier.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 19.08.2010 - 16:15 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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wenn man was über -
mein Kontostand dato - 273,26 € - kein Urlaub gemacht -keine Anschaffungen - keine Werkstattrechnung -
nur 20 tg. Leben in Deutschland - Essen Miete Strom gas
Krankenkasse Tanken .... nix H4 -
verh. 2 Kinder Arbeiter im ö.D. seit über 20 Jahren
und noch ist der Monat nicht rum
dass ein Mensch, der so knapp bei Kasse ist, wie Sie zu Spenden verpflichtet ist. Es sind hier vermögendere Leute angesprochen. Ich finde es dennoch verständlich, dass sich etliche, die spenden könnten, im speziellen Fall zurückhalten. Selbst der beherzte Spendenaufruf kann nicht darlegen, dass gespendetes Geld nicht in falsche Hände geriete. Angesichts dessen sollte diesesmal der deutsche Staat beherzt helfen und kompensieren, was an privaten Spenden fehlt. Die Fachleute der zuständigen Bundesbehörden können vermutlich noch am ehesten gewährleisten, dass es zu einer vernünftigen Verwendung der Gelder und zu sinnvollen Hilfsmaßnahmen kommt.
dass ein Mensch, der so knapp bei Kasse ist, wie Sie zu Spenden verpflichtet ist. Es sind hier vermögendere Leute angesprochen. Ich finde es dennoch verständlich, dass sich etliche, die spenden könnten, im speziellen Fall zurückhalten. Selbst der beherzte Spendenaufruf kann nicht darlegen, dass gespendetes Geld nicht in falsche Hände geriete. Angesichts dessen sollte diesesmal der deutsche Staat beherzt helfen und kompensieren, was an privaten Spenden fehlt. Die Fachleute der zuständigen Bundesbehörden können vermutlich noch am ehesten gewährleisten, dass es zu einer vernünftigen Verwendung der Gelder und zu sinnvollen Hilfsmaßnahmen kommt.
Nachdem jetzt Politik des schlechten Gewissens gescheitert ist, in der versucht wurde die Menschen dadurch zum Spenden zu bewegen, dass man sagt wie "wenig" wir doch spenden.
Folgt nun die Masche mit der Angst, dass doch die Islamisten doch dort die Macht erlangen werden und wir deshalb ernste Konsequenzen zu fürchten haben.
Ob das mehr bringen wird sei dahingestellt.
Haben die doch längst und Hilfe und Spenden aus dem Westen dürften auch unter deren "Regie" und Bedingungen verteilt werden.
Daß auch Spenden und Hilfen aus dem nichtislamischen Westen stammen, dürfte den Bedürftigen verschwiegen werden.
Haben die doch längst und Hilfe und Spenden aus dem Westen dürften auch unter deren "Regie" und Bedingungen verteilt werden.
Daß auch Spenden und Hilfen aus dem nichtislamischen Westen stammen, dürfte den Bedürftigen verschwiegen werden.
Haben die doch längst und Hilfe und Spenden aus dem Westen dürften auch unter deren "Regie" und Bedingungen verteilt werden.
Daß auch Spenden und Hilfen aus dem nichtislamischen Westen stammen, dürfte den Bedürftigen verschwiegen werden.
Es kommen schon wieder erste Morddrohungen:
http://www.freedombulwark...
für Ihren klugen Artikel. Starke Nerven wünsche ich Ihnen für die noch kommenden Kommentare.
und ich krebse jeden Monat am Existenzminimum herum. Aber 25 Euros habe ich abgezwackt für die Welthungerhilfe Pakistan. Ist mir egal, ob sich da ein Taliban den Bauch vollschlägt. Das ist doch so, als ob einer im Krieg die Kapitulationsfahne hochhält. Da muss man doch helfen, wenn man diese Bilder sieht. Ich vertraue der Welthungerhilfe und mir ist natürlich klar, dass dies nur ein sich sofort verflüchtender Tropfen in der Hitze Pakistans ist. Aber es gibt keinen anderen Weg.
dass ein Mensch, der so knapp bei Kasse ist, wie Sie zu Spenden verpflichtet ist. Es sind hier vermögendere Leute angesprochen. Ich finde es dennoch verständlich, dass sich etliche, die spenden könnten, im speziellen Fall zurückhalten. Selbst der beherzte Spendenaufruf kann nicht darlegen, dass gespendetes Geld nicht in falsche Hände geriete. Angesichts dessen sollte diesesmal der deutsche Staat beherzt helfen und kompensieren, was an privaten Spenden fehlt. Die Fachleute der zuständigen Bundesbehörden können vermutlich noch am ehesten gewährleisten, dass es zu einer vernünftigen Verwendung der Gelder und zu sinnvollen Hilfsmaßnahmen kommt.
...den Regierungen haben Interessen, kein Mitleid.
Zitat:
"Die Flutkatastrophe ist eine Gelegenheit, diese gescheiterte Politik aufzugeben. Wohl wahr: Die Wassermassen sind ohne unser Zutun über das Land gekommen. Doch Pakistans politisches Desaster, das die Flut jetzt nach oben spült, ist ohne die Jahrzehnte nicht zu verstehen, in denen das Land für uns Mittel zum Zweck war. Pakistan braucht einen neuen Deal mit der Welt. Denn: Ein Land ist keine Waffe. Und ein Mensch in Not ist ein Mensch in Not."
Herr Lau widerspricht sich im eigenen Satz: Das Land war (für unsere Politiker) Mittel zum Zweck, und damit es diese weiter bleibt, soll jetzt das private Mitgefühl der Menschen Mittel zum Zweck werden.
Nur alles Trommeln scheint vergeblich, all die sanfte Erpressung quer durch alle Medien.
Wir (also die Steuerzahler des Westens) mussten schon zähneknirschend die Militärhilfe an Pakistan bezahlen, rausgeworfenes, kontraproduktives Geld, das ja nicht der König aus seiner Privatschatulle bezahlt hat, sondern das die Politiker aus unseren Steuergeldern geschöpft haben.
(Ja, das meiste haben die Amerikaner bezahlt, aber die reichen die Kosten des Imperiums letztlich auch an uns durch)
Es gilt was ich hier schrieb:
http://www.zeit.de/2010/3...
Jeder, der die Hilfe der anderen diskreditiert, diskreditiert sich selbst.
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