Intimchirurgie Schmaler GratSeite 3/3

Chirurgin Deutinger schätzt dennoch, ein beträchtlicher Teil der Schamlippenkorrekturen in Österreich erfolge aus ästhetischen Motiven. Nur 23 Prozent der Frauen gaben ausschließlich funktionelle Gründe für ihre Operation im Intimbereich an, schreibt der Münchner Schönheitschirurg Stefan Gress, mit weit mehr als tausend genitalchirurgischen Eingriffen einer der gefragtesten Fachmänner unter der Gürtellinie, in einer Studie. »Oft bestand eine erhebliche psychische Belastung durch eine subjektiv als unästhetisch empfundene äußere Genitalregion«, erläutert Gress. In einer Umfrage aus den USA nannten sogar 87 Prozent der Patientinnen ästhetische Bedenken ausschlaggebend. Die Zunahme an Operationen der weiblichen Genitalien sei allein durch eine medizinische Indikation nicht zu erklären, meint Deutinger.

Die meisten Chirurgen begegnen dem Trend mit achselzuckendem Pragmatismus. »Wenn der eine Chirurg abwinkt, geht die Patientin eben zum nächsten«, sagt Psychosomatikerin Stirn.

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Milani stellt für ihre Gemeinschaftspraxis klar, es gebe keine Operation, wenn sie den Wunsch der Patientin nicht nachvollziehen könne. Bis zu 20Prozent der Anfragen lehne man ab. Viele Frauen hätten aber einen großen Leidensdruck und würden sich nicht einmal mehr vor ihrem Partner entblößen wollen. Diesen Frauen, ist Milani überzeugt, falle nach einer Operation »wirklich eine extreme Last von den Schultern« – und nicht nur ein Stück Schamlippe aus dem Schoß.

Trotz aller Schmerzen in den Tagen danach würde Susanne P. die Schamlippenkorrektur jederzeit noch einmal durchführen. »Es ist jetzt weniger Haut da unten, und ich fühle mich wohler und gepflegter«, erzählt die Unternehmerin. Früher hätte sie mehrmals täglich sorgenvoll den Blick auf ihren Schritt gesenkt. Nun trete sie noch selbstbewusster auf.

Es scheint, als hätten Patientinnen und Ärzte insgeheim dasselbe Bestreben: besser abzuschneiden.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein sehr sehenswerter Film über das Thema:

    http://www.youtube.com/wa...

    Im Porno sind die Mädels operiert, im Playboy retuschiert ... klar, dass die Schamlippen einer natürlichen Frau dagegen "unnatürlich" scheinen!
    Wie weit sind wir gekommen, dass wir uns (berechtigt!) über Kindesmissbrauch aufregen - aber die Vulva einer 12 Jährigen idealisieren?!
    Wie befreit sind Frauen in ihrer Sexualität, die sich noch immer ihrer "Scham" schämen?!
    Wann werden Frauen die Kraft in ihrem Schoß entdecken und stolz auf ihren Körper sein?
    [...]

    Link entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke. Die Redaktion/sc

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  • Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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