Wölfe »Hurra, der Wolf ist tot!«

Man hasst ihn – oder man liebt ihn. Warum der Wolf die Schweiz in verfeindete Lager spaltet.

Da lag es, das Böse. Im saftigen Gras der Walliser Alp Scex, 2000 Meter über Meer. Die Augen und das Maul mit den kräftigen Reißzähnen halb offen, das Fell rund um das Einschussloch hinter dem linken Vorderbein rot verfärbt. Ein Wolf. Mehrere Schafe und zwei Rinder soll er im Juli gerissen haben. Das Böse ging um im Wallis, und das Böse musste weg.

Am 3. August 2010 ordnete Staatsrat Jacques Melly den Abschuss im Gebiet Montana-Varneralp an. Acht Tage später meldete der Kanton: »Am frühen Morgen des 11. August wurde auf der Alp Scex ein männlicher Wolf erlegt.« Die Nachricht war kaum erschienen, da kochten in den Onlinekommentaren schon die Emotionen über: »Hurra, der Wolf ist tot!« – »Gratuliere dem Schützen! Die linken und grünen Wolfsfreunde sollen für den Schaden dieser Viecher aufkommen.« Und: »Keine Ferien im Wallis machen, keine Produkte aus dem Wallis kaufen!« – »Gegen außen geben sie sich als Heidiland, in Wirklichkeit sind es die schlimmsten Tierquäler der Schweiz.«

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Für Roberto Schmidt, Gemeindepräsident von Leuk und CVP-Nationalrat, ist jeder Wolf einer zu viel. Drei Motionen hat er im Nationalrat eingereicht, um diesen Raubtieren den Garaus zu machen. Eine zur Änderung der Jagdverordnung, eine zur Abklärung, auf welchen Alpen der Herdenschutz nicht möglich sei, und eine zur Rückstufung des Wolfsschutzes in der Berner Konvention, dem »Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume« von 1979, das die Schweiz unterschrieben hat.

»Der Wolf ist kein gefährdetes Tier mehr«, sagt Schmidt. »Deshalb soll er nicht mehr unter ›streng geschützt‹ aufgelistet sein.« Er zieht Bilder aus einer Mappe. Sie zeigen Schafe mit abgerissenen Hinterkeulen und aufgeschlitzten Kehlen. »Sehen Sie, wie qualvoll diese Tiere sterben mussten?«, ruft er. »Artenschutz darf nicht wichtiger sein als Tierschutz.« Dann nimmt er Leserbriefe hervor, die den Wolf zur Hölle wünschen und ihm, Schmidt, zu seinen feurigen Artikeln im Walliser Boten und zu seiner Aussage »Heute die Rinder, morgen die Kinder!« im Schweizer Fernsehen gratulieren. »Wenn das so weitergeht, wird das Wandern im Wallis bald gefährlich sein.«

Es ist Mittag, die Sonne brennt heiß vom Himmel, der Interregio verlässt Leuk in Richtung Unterwallis. Dort, zur Rechten, oberhalb von Siders, liegen die beiden Alpen, auf denen das Böse zugeschlagen hatte. Wo Tage später sechs Wildhüter mit der Flinte lauerten, während gleichzeitig Naturschützer Gleichgesinnte dazu aufriefen, Wanderungen zu unternehmen, um den Wolf aus dem Abschussgebiet zu vertreiben. Jetzt, nachdem er erlegt ist, spekuliert man, dass ein anderer Wolf, ein Weibchen, noch immer umherstreife. Es könnte Junge haben oder demnächst werfen.

Anruf von Ralph Manz, Geschäftsführer WWF Oberwallis. Die Stimmung im Kanton sei dermaßen aufgeheizt, dass er sich überlege, das geplante Interview abzusagen. Schließlich sei vor Jahren ein WWF-Mitarbeiter verprügelt worden. Er hält inne. »Aber eigentlich ist es genau jetzt wichtig, sachlich und fundiert zu informieren«, sagt er dann. »Kommen Sie um 17 Uhr in mein Büro nach Brig.«

Doch zuerst geht die Reise nach St. Maurice, ins Collège de l’Abbaye. Der Biologielehrer des klösterlichen Gymnasiums hatte den Kanton einst gebeten, ein präpariertes Wolfsexemplar aus der Region in die naturhistorische Sammlung aufnehmen zu dürfen. Der Gefürchtete, erlegt vor einem Jahr, am 20. August 2009, liegt in einer stattlichen Vitrine. Zierlich ist er, den schmalen Kopf mit den gelben Augen auf seine Betrachter gerichtet, seine Pfoten kräftig, das grau-braune Fell über dem Rücken dunkel und um den Hals weiß.

Von Italien oder Frankreich her eingewandert, ein Laufraubtier, das Spitzengeschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern erreicht, seine Beute bei idealem Wind auf 270 Meter riechen und auf seinen nächtlichen Streifzügen 60 Kilometer weit laufen kann. Ein gutes Dutzend Schafe soll dieser Wolf von Mitte Mai bis Mitte Juni 2009 in der Nähe der Dörfer des Val d’Illiez gerissen haben. Einen Tag nach dem Alpaufzug soll er sechs weitere genommen, wieder und wieder Schafe angefallen haben, den ganzen Juli lang. Bis er erlegt war.

Reißt ein Wolf in einem Monat 25 oder in vier Monaten 35 Schafe, darf er abgeschossen werden. Diese Bestimmungen hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam mit den Kantonen, diversen Umweltverbänden, Schafhaltern und Jägern im »Konzept Wolf« ausgearbeitet.

Der Mann, der Bescheid weiß über die Wolfspolitik, ist Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt. Seit dem jüngsten Abschuss hat er keine Ruhe mehr. »Auflegen, und schon klingelt’s wieder«, sagt er am Telefon. »Der Wolf hält uns in Atem.« Schnidrig, selber Walliser und Jäger, begrüßt die Rückkehr von Canis lupus. Doch er ist sich bewusst, dass er in seinem Amt zwischen den Fronten steht.

Er ist nicht nur der Mann, der Zahlen und Fakten kennt, der weiß, dass in den letzten zwei Jahren in der Schweiz 12 Wölfe lebten, deren DNA ermittelt werden konnte (4 davon im Wallis), dass man mit 15 bis 20 lebenden Wölfen rechnet. Er weiß, dass seit ihrer Einwanderung aus Italien Mitte der neunziger Jahre 12 Wölfe zum Abschuss freigegeben und 7 davon geschossen wurden. Und dass ein Bauer, dessen Nutztiere vom Wolf gerissen werden, zu 80 Prozent vom Bund, zu 20 vom Kanton entschädigt wird.

Schmidrig ist auch der Mann, der vonseiten des Bundes die Rechtmäßigkeit eines Abschusses prüft. Lässt er das Töten zu, zieht er den Zorn der Naturschützer auf sich, stellt er sich dagegen, jenen der Bauern und Schafhalter. »Der eben erlegte Wolf wurde zum Abschuss freigegeben, weil es zurzeit keinen wirksamen Schutz für Rinder gibt und man weiteren Schaden verhindern wollte.« Die Schäden an Schafen aber seien viel geringer als in den Vorjahren. »Das erfreuliche Ergebnis des vermehrten Einsatzes von Herdenschutzhunden und Hirten.«

Da liegt er, der damals Gejagte, in seiner Vitrine in St. Maurice. Die Autopsie hatte ergeben, dass dieser Wolf ein erwachsener, 32 Kilogramm schwerer Rüde ist, der einen verheilten Bruch am rechten Vorderbein aufweist. Zu Nachkommen hatte er es in seinem Leben vermutlich nicht gebracht, Vorfahren hatte er viele. Sie wurden gehasst, gejagt, getötet. In Mythen und Märchen verschlangen sie Kinder, brachten Hunger und Krankheiten, wurden zu Werwölfen.

Der wichtigste Grund für die Ausrottung aber war der Konflikt mit der Nutztierhaltung. Ende des 19. Jahrhunderts gab es aufgrund der unkontrollierten Jagd und der massiven Entwaldung kaum noch Wild. Das Fehlen dieser Beutetiere zwang den Wolf, sich von Haustieren zu ernähren. So kam es, dass in vielen Regionen jedermann das Recht und oft auch die Pflicht hatte, Wölfe zu erlegen. Während sie ausgerottet wurden, erhöhte sich die Zahl ihrer Verwandten (der Haushunde) hierzulande auf eine halbe Million.

Über dem Empfangsschalter der Dienststelle Jagd, Fischerei und Wildtiere in Sion ragen Steinbockhörner empor. Peter Scheibler, Chef der Dienststelle, bittet in sein Büro, setzt sich an den Holztisch. »Wir haben im Wallis nicht den Platz, um konfliktfrei mit dem Wolf zusammenzuleben«, sagt er. Ein Wildschweinkopf lugt aus der Wand; auf einem Gestell liegt der Schädel eines Wolfs.

Scheibler ist für den Vollzug bewilligter Abschüsse verantwortlich. Er bestimmt, welche Wildhüter losziehen. Die Namen der sechs, die er am 7. August 2010 auf die Jagd schickte, hält er geheim. Als der tödliche Schuss fiel, eilte er an den Ort des Geschehens, ließ sich über den Verlauf der Jagd informieren, den toten Wolf zur Beweissicherung fotografieren und hieß den zuständigen Wildhüter, den Kadaver zur Autopsie ins Tierspital Bern zu bringen. »Noch nie war das Interesse so groß wie bei diesem Fall«, sagt Scheibler. Unzählige Anrufe von Journalisten, erboste Mails von Wolfsbefürwortern. »Das sind Leute aus dem städtischen Raum, die sich schwertun, Gegebenheiten und Handlungen im Wallis zu akzeptieren.« Gewisse Medien hätten mit einseitiger, wolfsfreundlicher Berichterstattung dazu beigetragen. »Das ist die gezielte und böswillige Demolierung eines Kantons, seiner Bevölkerung und seiner Behörden.«

Der Interregio in Richtung Oberwallis passiert eben die Sprachgrenze, als sich CVP-Nationalrat Roberto Schmidt per SMS meldet. Der Wolfsgegner zitiert aus einem anonymen Brief: »Leider ist es höchste Zeit, solche Querdenker zu liquidieren. Passen Sie auf sich auf, damit Ihnen nichts passiert.« Eine knappe halbe Stunde später trifft der Zug in Brig ein.

Seit neun Jahren ist der ausgebildete Förster und patentierte Jäger Ralph Manz Geschäftsführer des WWF Oberwallis. Er sagt: »Der Wolf wird instrumentalisiert, um den Stadt-Land-Konflikt auszutragen.« Die Menschen auf dem Land wollten sich von den Städtern nicht bestimmen lassen. Für jene aus der Stadt wiederum sei der Wolf der Inbegriff von wilder Natur.

Doch weder die Verteufelung noch die Romantisierung dieses Raubtieres bringe etwas. »Der Wolf ist zurückgekommen«, sagt Manz. »Jetzt ist es an uns, dafür zu sorgen, dass das Zusammenleben mit ihm konfliktarm verläuft.« Nicht der Einsatz von Flinten sei gefragt, vielmehr endlich der ausreichende Herdenschutz mit Hunden, Eseln und Hirten.

Die aktuelle Entwicklung gibt Manz zu denken. Er ist von der politischen Dimension der gerissenen Rinder und des getöteten Wolfs überzeugt. Motionen wie jene von Roberto Schmidt bekämen dadurch Auftrieb. »Das könnte zu Erosion im Naturschutz führen.« Die Behauptung, der Wolf habe keinen Platz, sei haltlos. Dieses Raubtier sei anpassungsfähig, das habe man in Italien, Frankreich und Deutschland gesehen.

»Grundsätzlich greift ein gesunder Wolf keine Menschen an«, sagt Jean-Marc Weber von KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz). »Gefährlich wird es erst, wenn der Wolf seine Angst vor dem Menschen verliert – wenn wir beginnen, ihn zu füttern.« Dennoch: Bei Angriffen handle es sich in der Regel um tollwütige oder in die Enge getriebene Tiere. In Europa sei in den letzten Jahren kein einziger Fall bekannt geworden, bei dem ein gesunder Wolf spontan einen Menschen angegriffen hätte.

Tage später prophezeit ein Bericht im Fernsehen, in zehn Jahren würden in der Schweiz 200 Wölfe leben. Die Wortgefechte im Internet setzen wieder ein. »Mehr Jäger!«, rufen die einen. »Mehr Hirten!«, die anderen. »Eignet sich auch Rattengift gegen Wölfe?« – »Machen Sie doch einen Selbstversuch!« – »Wer in den Wald geht, muss eine Waffe haben!« – »Angsthase!« – »Wartet nur, bis das erste Kind gefressen wird!« – »Kinder gehören nicht alleine in den Wald!«

 
Leser-Kommentare
  1. Die Wolfsgegner argumentieren oft damit, dass die Städter den Wolf wollen. Ich lebe auf dem Land, liebe die Natur, respektiere alle Bewohner der Natur und fahre täglich durch ein Gebiet wo leider schon ein Wolf geschossen wurde und der Luchs lebt. Ich habe keine Angst dort wandern zu gehen, denn der Wolf scheut, mit recht, den Kontakt zur Bestie Mensch!
    In meinem Garten habe ich täglich Besuch von Raubtieren, wie dem Marder und dem Fuchs. In meinem Garten leben auch Tiere, die von den Raubtieren gerissen werden würden, hätte ich ihnen nicht Gehege gebaut, wo sie sicher sind. Es liegt in der Verantwortung des Halters für die Sicherheit seiner Tiere zu schauen, was ja auch nicht gratis ist. Gute Tierhaltung kostet nun mal. Schafhalter bekommen Subventionen vom Bund, ich habe keine.
    Ich finde es immer so krank, wenn Jäger die Köpfe oder die ausgestopften Körper der erlegten Tiere bei sich aufhängen oder aufstellen! Ich bin kein Freund der Jägerei!
    Ich werde das Wallis nicht mehr betreten und auch keine Walliser Spezialitäten mehr kaufen, obwohl sie sehr gut sind, bis es eine Lösung im Sinne des Wolfes gibt! Ich würde mich von Herzen freuen, wenn mir in der freien Natur ein Wolf oder ein Luchs zu Gesicht käme. Ich würde ein Foto für mich machen, es aber niemandem sagen, damit ja keiner auf die Idee kommt, dieses Tier könnte man auch abknallen.
    Es wird Zeit, dass es ein Miteinander mit unseren Mitgeschöpfen gibt und wir ihnen Respekt entgegenbringen!

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    • Atan
    • 23.08.2010 um 8:49 Uhr

    besteht zwischen denen, die direkt vom Land leben, und denen die, die dies nur indirekt tun. Im vorliegenden Fall scheint es doch eine ziemlich strenge Regelung zu geben, bevor ein Wolfsabschuss genehmigt wird, dazu ist dieser Abschuss nicht bestandsbedrohend. Also im Prinzip die gleiche Regelung, die praktisch überall angewandt wird, wenn Wildtiere vereinzelt schwere Schäden anrichten.
    So eine Regelung erfüllt eine wichtige Funktion als "Ventil" im Interessenausgleich der verschiedenen "Naturnutzer". Gibt es solche Regelungen nicht, reagieren die Geschädigten frustriert und schreiten zur Selbsthilfe via Rattengift o.ä., und Wildbiologen bemerken nur noch einen unerklärlichen Rückgang des Bestandes.

    • Atan
    • 23.08.2010 um 8:49 Uhr

    besteht zwischen denen, die direkt vom Land leben, und denen die, die dies nur indirekt tun. Im vorliegenden Fall scheint es doch eine ziemlich strenge Regelung zu geben, bevor ein Wolfsabschuss genehmigt wird, dazu ist dieser Abschuss nicht bestandsbedrohend. Also im Prinzip die gleiche Regelung, die praktisch überall angewandt wird, wenn Wildtiere vereinzelt schwere Schäden anrichten.
    So eine Regelung erfüllt eine wichtige Funktion als "Ventil" im Interessenausgleich der verschiedenen "Naturnutzer". Gibt es solche Regelungen nicht, reagieren die Geschädigten frustriert und schreiten zur Selbsthilfe via Rattengift o.ä., und Wildbiologen bemerken nur noch einen unerklärlichen Rückgang des Bestandes.

    • Hickey
    • 23.08.2010 um 7:14 Uhr

    Die Schweizer sind schon Angsthasen...fast alle Tiere haben vor dem Menschen erstmal Angst und suchen das weite wenn sie ihn wittern.

    Selbst Schlangen, Krokodile oder Tiger die im Djungel leben verpissen sich sofort, wenn ein Mensch in die Nähe kommt.

    Naja der heutige Mensch, kein Teil der Natur mehr, sondern ein Feind und dabei merkt er nichteinmal das er ohne die Natur nicht leben kann.

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf beleidigende Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/km

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Guido3
    • 23.08.2010 um 8:59 Uhr

    Na dann schauen Sie mal, was in Deutschland los ist. In den neuen Bundesländern wurden zuletzt auch vermehrt Wölfe gesichtet und es gibt teilweise eine absurde, schlimme Hysterie. Schauen Sie sich mal die Kommentare bei Welt Online und anderswo an.

    Viele Deutsche haben sich sehr weit von der Natur entfernt. Sie wissen wenig bis nichts über die Natur und nehmen viele Tiere nur als Bedrohung wahr. Dringlichster Wunsch: Die vermeintlichen Gefahrenquellen alle tot machen.

    Um wieder ein halbwegs normales Verhältnis zur Natur zu bekommen, kann ich jedem nur empfehlen, mal ein paar Wochen in Botswana, Sambia oder Simbabwe zu campen. Da gibt es noch wirklich unberührte Natur und zig giftige Schlangenarten, Skorpione, Krokodile, Löwen, Hyänen, Elefanten und viele potentiell höchst gefährliche Tiere mehr. Da hat man die Chance, wieder zu einem gesunden Verhältnis zur Fauna zu finden. Denn mit ein ganz klein wenig Wissen über die Tiere passiert da rein gar nichts.

    • Guido3
    • 23.08.2010 um 8:59 Uhr

    Na dann schauen Sie mal, was in Deutschland los ist. In den neuen Bundesländern wurden zuletzt auch vermehrt Wölfe gesichtet und es gibt teilweise eine absurde, schlimme Hysterie. Schauen Sie sich mal die Kommentare bei Welt Online und anderswo an.

    Viele Deutsche haben sich sehr weit von der Natur entfernt. Sie wissen wenig bis nichts über die Natur und nehmen viele Tiere nur als Bedrohung wahr. Dringlichster Wunsch: Die vermeintlichen Gefahrenquellen alle tot machen.

    Um wieder ein halbwegs normales Verhältnis zur Natur zu bekommen, kann ich jedem nur empfehlen, mal ein paar Wochen in Botswana, Sambia oder Simbabwe zu campen. Da gibt es noch wirklich unberührte Natur und zig giftige Schlangenarten, Skorpione, Krokodile, Löwen, Hyänen, Elefanten und viele potentiell höchst gefährliche Tiere mehr. Da hat man die Chance, wieder zu einem gesunden Verhältnis zur Fauna zu finden. Denn mit ein ganz klein wenig Wissen über die Tiere passiert da rein gar nichts.

  2. Sollen sie doch Hunde einstellen die die Schafe Hüten dann kommt auch kein Wolf.

    • Atan
    • 23.08.2010 um 8:49 Uhr

    besteht zwischen denen, die direkt vom Land leben, und denen die, die dies nur indirekt tun. Im vorliegenden Fall scheint es doch eine ziemlich strenge Regelung zu geben, bevor ein Wolfsabschuss genehmigt wird, dazu ist dieser Abschuss nicht bestandsbedrohend. Also im Prinzip die gleiche Regelung, die praktisch überall angewandt wird, wenn Wildtiere vereinzelt schwere Schäden anrichten.
    So eine Regelung erfüllt eine wichtige Funktion als "Ventil" im Interessenausgleich der verschiedenen "Naturnutzer". Gibt es solche Regelungen nicht, reagieren die Geschädigten frustriert und schreiten zur Selbsthilfe via Rattengift o.ä., und Wildbiologen bemerken nur noch einen unerklärlichen Rückgang des Bestandes.

    • Guido3
    • 23.08.2010 um 8:59 Uhr

    Na dann schauen Sie mal, was in Deutschland los ist. In den neuen Bundesländern wurden zuletzt auch vermehrt Wölfe gesichtet und es gibt teilweise eine absurde, schlimme Hysterie. Schauen Sie sich mal die Kommentare bei Welt Online und anderswo an.

    Viele Deutsche haben sich sehr weit von der Natur entfernt. Sie wissen wenig bis nichts über die Natur und nehmen viele Tiere nur als Bedrohung wahr. Dringlichster Wunsch: Die vermeintlichen Gefahrenquellen alle tot machen.

    Um wieder ein halbwegs normales Verhältnis zur Natur zu bekommen, kann ich jedem nur empfehlen, mal ein paar Wochen in Botswana, Sambia oder Simbabwe zu campen. Da gibt es noch wirklich unberührte Natur und zig giftige Schlangenarten, Skorpione, Krokodile, Löwen, Hyänen, Elefanten und viele potentiell höchst gefährliche Tiere mehr. Da hat man die Chance, wieder zu einem gesunden Verhältnis zur Fauna zu finden. Denn mit ein ganz klein wenig Wissen über die Tiere passiert da rein gar nichts.

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    Antwort auf "Angsthasen"
  3. Diesen Sommer habe ich das Dokumentationszentrum über Wölfe in Entracque (Piemont, Seealpen, Val Gesso) besucht, in dem die Wiederbesiedlung der Alpen durch die Wölfe sehr gut dokumentiert wird. Auch die unterschiedlichen Meinungen dazu - Naturschützer, Hirten, Jäger - kommen zur Sprache, wobei die Argumente der beiden letzen objektiv gesehen recht schwach sind. Die Region stellt z. B. den Hirten kostenlos Hunde zur Verfügung, die sich in den Abruzzen bewährt haben, aber diese werden nicht in Anspruch genommen, weil es rentabler ist, die Entschädigungen zu kassieren. Und was den Tourismus betrifft, hat wohl jedes Naturschutzgebiet mehr zu bieten als Wälder, in denen man Knallerei hört und sicher ist, kaum je ein wildes Tier zu Gesicht zu bekommen. Seit es wieder Wölfe im Piemont gibt, ist noch kein Mensch zu Schaden gekommen. Ma muss tagelang auf der Lauer liegen, um den Schatten von so einem schönen Tier zu sehen.

  4. Im Verhältnis Mensch-Wolf ist der Mensch die Bestie. Nicht der Wolf hat die Menschen gehetzt und ausgemerzt sondern der Mensch den Wolf. Dass wir glauben, wir hätten das Recht zu bestimmten, welches Tier leben darf und welches nicht sollte gründlich bedacht werden. Der Faschismus beruht darauf, dass Menschen Leben in höherwertiges und minderwertiges unterteilen und meinen, das höherwertige habe ein Recht, das minderwertige zu morden und auszurotten. Albert Schweizer hat schon darauf verwiesen, wie schmal die Grenze von dieser Einstufung zum Faschismus ist und mahnte zur "Ethik als Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben: ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will." Das sei den Wolfsfeinden gesagt, sie haben kein REcht zu bestimmen, welches Leben leben darf und welches nicht. ES braucht Intelligenz, das Nebeneinander zu organiseren, aber daran fehlt es offenbar!

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  5. ... wenn man verbreitet, dass der Wolf irgendwann Kinder reissen wird. Auch ist mir die scheinheilige Tierliebe ein Dorn im Auge, wenn die Herren Besitzer sich mehr um ihre Schafe kümmern würden, hätte es der Wolf wesentlich schwerer. Man weis ja, wie viele jedes Jahr umkommen. Spätestens, wenn die Schafe oder Rinder geschlachtet werden, hat es sich mit der Tierliebe, dann geht es nur noch ums Geld. Genau jene Subventionen und wenn nötig, der Schadensersatz, zahlt der "doofe" Städter. Das ist der Gleiche, der das Geld in den Kanton bringt und offensichtlich besser darüber orientiert ist, was der Wolf macht und was nicht. Wie schon mal angesprochen, gibt es in Ostdeutschland wieder vermehrt Wölfe, dort sind sie den Jägern ein Dorn im Auge, deshalb wird mit abenteuerlichen Geschichten Stimmung gemacht. Die Profis aber, Förster usw, die sehen das ganz anders, der Verbiss (Schaden an den Bäumen) hat abgenommen, auch kranke Rehe sieht man seltener. Nicht umsonst sagt ein altes russisches Sprichwort "wo der Wolf lebt, ist der Wald gesund". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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  • Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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  • Schlagworte Schweiz | Italien | Wallis | Frankreich | Rind | Alpen
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