Soho House Berlin Das geheime Wohnzimmer
Soho House, der neue exklusive Club in Berlin, zieht Künstler aus aller Welt an, Sinnsuchende und Partymacher. Wer hier die Nächte verbringt, erlebt eine liebeshungrige Stadt und ihre narzisstischen Störungen.
© Soho House Berlin

Im Berliner Soho House wird nicht jedermann Zutritt gestattet. Es gilt die Devise: Members only
Was wohl Kommissar Schmidt macht? Till Harter sitzt ganz oben im Soho House an der Bar, eine herrliche Sommernacht, die Sterne funkeln, der Pool leuchtet, und er erzählt vom Disko-Schmidt, wie sie ihn nannten, dem Polizisten, der all die Jahre gegen das illegale Partyleben in Berlin gekämpft hatte. Harter gehört seit fast zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Leuten im Berliner Nachtleben, und er nennt eine Reihe seiner ehemaligen Clubs, das erste 103 in der Friedrichstraße zum Beispiel oder das tolle alte Postamt am Monbijoupark: Clubs, die alle irgendwann dichtgemacht wurden, weil plötzlich Kommissar Schmidt mit seinen Polizisten vor der Tür stand. Keine Lizenz mehr. Razzia, Ende. Harter lacht. »Irgendwie war der Schmidt in Ordnung. Der war nicht richtig böse. Der musste das tun, klar. Ich glaube, tief drinnen hatte er eine gewisse Grundsympathie für uns.«
Mann, der Disko-Schmidt. Das waren Zeiten. Irgendwie tut es gut, dass Till Harter gerade hier im Soho House von der Vergangenheit erzählt, von den ersten Jahren nach der Wende in Ostberlin, als jeder irgendwelche Häuser und Fabriken besetzte, zum Leben und zum Feiern. Man hängte einen Zettel in irgendein Hinterhoffenster, mit einer dürren Botschaft, wo und wann die nächste Fete steigt. Es gab Partys, die nur montags stattfanden oder nur dienstags oder nur mittwochs. Es gab ja noch kein Handy, sagt Harter, noch kein Internet, und wenige Telefonanschlüsse. Aber die Partys waren voll und schnell legendär. Harter sagt, er habe damals begriffen, wie wertvoll eine Information sein könne, die richtig eingesetzt werde. Der eine bekommt sie, der andere nicht. Der, der sie bekommt, soll sie weitergeben, aber bloß nicht an jeden. Menschen, die dazugehören, und Menschen, die nicht dazugehören: In diesem Zwischenraum entstehen Geschichten, Gerüchte, Mythen. Harter führt mehrere sehr erfolgreiche Läden in Berlin, längst legal natürlich. Er habe noch nie klassische Werbung dafür gemacht. »Wenn du einen coolen Laden haben willst, funktioniert es anders.«
Nämlich wie das Soho House, der exklusive Club, über den seit der Eröffnung am 30. April in Berlin viel geredet und spekuliert wird: Wer gerade wieder Mitglied geworden ist, etwa dieser nette Zahnarzt vom Gendarmenmarkt, der den Besuch in seiner Praxis als einen Teil der Wellnesskultur preist. Es wird erzählt, dass der Hauptdarsteller einer Krimiserie fast jeden Tag da ist, die Gattin des Bundespräsidenten Wulff gesichtet wurde, und dass eine der bekanntesten Filmschauspielerinnen neulich im Bikini auf der Terrasse schwimmen war. Es wird erzählt, dass unlängst der Chef einer mächtigen Uhrenfirma unbedingt den Club besuchen wollte, aber abgewiesen wurde: Leider nur für Mitglieder. Die Leute vom Soho House erzählen, dass manchmal wohlhabende Menschen das Dreifache des geforderten Mitgliedbeitrags bieten, »damit es schneller geht«. Solche Leute würden sofort auf die schwarze Liste gesetzt und bestimmt niemals Mitglied werden. Stimmt das? Gehört es zum Marketing?
Es heißt, man sehe im Soho House nicht so gern den Typus Bankier, außerdem sei noch kein einziger Politiker ein »Member«. Einzig einer wie Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit habe den nötigen Coolness-Faktor, er sei auch schon da gewesen – Soho-House-Boss Nick Jones habe ihn bereits vor zwei Jahren in London zum Kennenlernen getroffen. Vielleicht ginge noch der Minister mit dem höchsten Coolness-Faktor durch, der in anderen Berliner Bars auch schon zusammen mit seiner Frau gesehen wurde, etwa in der Bar Tausend am Bahnhof Friedrichstraße. Zwei Tische weiter soll an diesem Abend einer der größten Kokainhändler der Stadt gesessen haben. So was kann passieren im Berliner Nachtleben.
Soho House, Filiale Berlin, Torstraße 1, Ecke Alexanderplatz. Der englische Club samt Restaurant, Hotel und Fitnesscenter hat seine Zentrale in London, und wer dort Mitglied werden will, muss manchmal Jahre warten. Eine Dependance in New York ist ebenso erfolgreich, das Soho House in Los Angeles wurde dieses Jahr eröffnet. Jetzt also Berlin. Allein die Tatsache, dass die internationalen Profis des Nachtlebens die problembeladene deutsche Hauptstadt Städten wie Paris, Madrid oder Barcelona vorgezogen haben, ganz zu schweigen von Hamburg oder München, gibt all den Berlin-Deutern neuen Mut, die nach allzu vielen Enttäuschungen der letzten Jahre verstummt sind. Nun kann das Spiel der Auguren in eine neue Runde gehen. Wo steht Berlin? Wie ist es, wie wird es?

Nick Jones gründete das erste Soho House in London
Dieses Deuten lässt sich besonders gut auf der Terrasse im achten Stock des Soho House beginnen. Man hat einen wunderbaren Blick, den Fernsehturm direkt vor der Nase, die Straße Unter den Linden, weiter hinten Reichstag, Brandenburger Tor und die grünen Lichter des Potsdamer Platzes. Selbst die Häuserfluchten der Plattenbaustadtteile Marzahn und Lichtenberg haben von hier oben aus einen gewissen Charme, dann, wenn die Lichter die Nacht regieren. Der Himmel über Berlin ist derart weit, dass an drei verschiedenen Abenden bei völlig verschiedenen Leuten dasselbe Gespräch zu hören war. Frage: Wer nun das Duell zwischen Berlin West und Berlin Ost gewonnen hat? Antwort: Natürlich der Osten. Herz und Gesicht Berlins seien genau das, was man hier von der Terrasse aus sehe. Kurfürstendamm? West-Berlin? Nicht mehr viel übrig geblieben davon, außer dem alten Playboy Rolf Eden, der krisengeschüttelten Paris Bar und ein paar korrupten, vergessenen Politikern. Einmal stand ein Geschäftsmann aus Beirut bei dem Gespräch dabei, und einer versuchte ihm zu erklären, um was es ging. Es funktionierte nicht. Zu kompliziert. Zu langweilig.
Telefonat mit Nick Jones, dem Gründer und Boss vom Soho House. Er ist gerade in New York, ein paar Tage zuvor war er in Los Angeles und davor in Miami, wo bald ebenfalls ein neues Soho House eröffnet wird. Er fängt sofort an zu schwärmen, von der perfekten Immobilie in Berlin, am perfekten Ort. Das Haus an der Torstraße hat Geschichte, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war es ein Kaufhaus, bevor der jüdische Besitzer von den Nazis enteignet wurde. Dann machte Baldur von Schirach, der Leiter der Hitlerjugend, das Haus zur Zentrale seiner Organisation. Nach dem Krieg zog die SED ein, die Einheitspartei der DDR, das Politbüro tagte hier jahrelang, bis es in den neu gebauten Palast der Republik wechselte. Man kann sagen, das Soho House geht eher plakativ mit dieser Geschichte um: Das alte Politbüro wird gerade rekonstruiert, und wenn es fertig ist, werden Veranstaltungen und Partys dort stattfinden.
- Datum 26.08.2010 - 16:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Wie wäre es, wenn ZEIT Online nur noch für jene Damen und Herren in jenen exclusiven Clubs schreiben würde ? Warum
nimmt ZEIT Online an, es würde die außen gelassene junge
Bildungsschicht der Deutschen noch interessieren, was sich in dieser, sich von jeder gesunden Demokratie entfernten
" Elite " noch abspielt ? Seit wann begreift sich ein Bild-
ungsmedium wie die ZEIT / bzw. ZEIT Online als Medium für die Zaungäste ? Bunte Bunte, goldiges Blättchen, Weibchen
im Spiegel und und und. Das hat doch alles nichts mehr mit Ihren Lesern zu tun. Das ist doch alles Mumpitz. Bringen Sie
sich auf Vordermann und werden Sie endlich exclusive. Wenig ist mehr in diesen Zeiten.
Diese Clubs sind Mumpitz, konstruiert, nicht gewachsen, nicht echt. Zumal in Berlin. Tatsächlich 'bedeutende' Menschen treffen Sie dort und an vergleichbaren Orten eher nicht. In der Regel sind diese freundlich und normal. Auf die Etage darunter trifft das leider nicht zu: Für diese oftmals unangenehmen Menschen, die "vereinigte Zweitkassigkeit", wenn man will, sind Statussymbole, diese Vereine und ähnlich fremdreferentiell-geborgtes gemacht. Wobei: Ihr Kommentar wirkt etwas unzufrieden, fremdreferentiell, vielleicht ist dieser Club doch etwas für Sie.
Der Club ist mir wurscht. ZEIT Online wird mit dieser
Berichterstattung vom Zaun uninteressant und billig.
Der Club ist mir wurscht. ZEIT Online wird mit dieser
Berichterstattung vom Zaun uninteressant und billig.
Aha die Dekadenz ist noch nicht tot... wird sie vermutlich leider nie sein.
Was mir eher Sorgen bereiten würde ist dass jene Menschen oft in "kontrollierenden Positionen" sind - Chefs etc.
Des weiteren - was bring uns normalen Menschen eine solche Information? - Nun nicht viel denke ich...
Da hat sich jemand einfach sehr gut überlegt, wie man reichen Schnöseln und Menschen mit Minderwertigkeitskomplex und dicker Brieftasche gut ausnehmen kann. 900 Euro soll man also zahlen, um in einem Haus abhängen zu dürfen, wo es nen Fitness Club, Kino und eine Bar gibt. Also eine Mall (Einkaufszentrum) für die Elite, aber bitte nicht mit Krawatte kommen, man soll ja "Cool" aussehen (Das eigene Aussehen ist bei den Leuten die da hingehen wahrscheinlich auch das wichtigste im Leben). Und Berlin kann sich freuen, jetzt kann man sich mal wieder so richtig wichtig und "international" fühlen, trotz einem Ausländerteilanteil von gerade mal 13%, wovon ein drittel aus der Türkei kommen und nur geduldet, bzw. mit Hartz4 abgespeist werden. Naja eines stimmt wenigstens, es wimmelt dort überall nur so vor Künstler, bestimmt 25% aller Berliner sind Künstler, ob sie nun Kunststudenten sind, oder stylische Bohemians, oder einfach nur um 10 Uhr morgens mit nem Bier in der S-Bahn sitzen. Alle sind sie Künstler, oder halten sich zumindest für welche. Aber wieso auch nicht, wenn jemand wie der Damien Hirst Milliarden damit verdient, indem er Haie in Formaldehyd einlegt oder Leute beim Scheissen filmt. Aber ganz ehrlich, wie exklusiv wird dieser Club wirklich sein? wenn sogar die Zeit für einen 5-Seitigen Artikel angagiert wird. Jetzt wird nämlich jeder Yuppie Mitglied sein wollen. Bald haben sie 1 Million mitglieder und jeder zahlt 900 im Jahr. Gutes Geschäft oder ;-)
"Und Berlin kann sich freuen, jetzt kann man sich mal wieder so richtig wichtig und "international" fühlen"
Bitte glauben Sie nicht dass sich Berlin wegen einer Soho-Klitsche wichtig und international fühlt. Internationalität Berlins drückt sich durch andere Kriterien aus. Ich kann es, in Ermangelung der Mitgliedsliste, nicht beweisen.
Aber vermutlich wird sich dort die übliche Truppe von zugezogenen Wichtigtuern tummeln.
Und genau diese Leute gehen den "eingeborenen" Berlinern am A**** vorbei.
Aber gewaltig.
Es freut sich also nicht Berlin und die Bevölkerung, sondern ein verschwindend kleiner Anteil von vermutlich Komplexbeladenen.
Nicht immer gleich auf Berlin eindreschen, evtl. auch mal ein wenig mehr differenzieren.
"Und Berlin kann sich freuen, jetzt kann man sich mal wieder so richtig wichtig und "international" fühlen"
Bitte glauben Sie nicht dass sich Berlin wegen einer Soho-Klitsche wichtig und international fühlt. Internationalität Berlins drückt sich durch andere Kriterien aus. Ich kann es, in Ermangelung der Mitgliedsliste, nicht beweisen.
Aber vermutlich wird sich dort die übliche Truppe von zugezogenen Wichtigtuern tummeln.
Und genau diese Leute gehen den "eingeborenen" Berlinern am A**** vorbei.
Aber gewaltig.
Es freut sich also nicht Berlin und die Bevölkerung, sondern ein verschwindend kleiner Anteil von vermutlich Komplexbeladenen.
Nicht immer gleich auf Berlin eindreschen, evtl. auch mal ein wenig mehr differenzieren.
Der Club ist mir wurscht. ZEIT Online wird mit dieser
Berichterstattung vom Zaun uninteressant und billig.
Wenn es hinter dem Zaun wenigstens was zu sehen gäbe... Ist aber nix, ausser austauschbare Berlinleere. Künstlerisch ist bestenfalls deren Neuverkleidung, -verklärung. Beeindruckend tatsächlich, wie man aus so viel kravattenbefreitem Nichts so viel Text machen kann.
"Das Soho House ist das Beste, was Berlin seit dem Potsdamer Platz passiert ist." - Die unzähligen Ketten-Kneipen für jeden Geschmack in und rund um den Potsdamer Platz? An die Elektronik-Werbeetagen? An die Manager Grand Hotels? An die 6-spurige Fahrbahn? An das Hochhaus einer bekannten Deutschen Bahn-AG? An die Aktien-Gesellschaften, die inzwischen ihre Anteile abgestossen haben und ausgezogen sind? Der Potsdamer Platz erinnert mit zunehmendem Alter, aber eigentlich schon ziemlich schnell, immer mehr and das Kudamm-Karree.
das haus ist für mich architekturtechnisch eine katastrophe! da würde ich noch nicht mal freiwillig übernachten, so ein hässliches haus ist für mich kein luxushotel sondern schaut aus wie eine arbeitsagentur!! warum hat man nicht etwas represäntatives, weltstadt-mäßiges gebaut, eine art wolkenkratzer, sowie halt in singapore und dutzenden anderen beeutenden hauptstädten. echt traurig für berlin.
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