Die beliebteste Quizsendung der Achtziger lebte von einem schaurig-schönen Moment. Das Fernsehstudio verdunkelte sich. Lichtblitze zuckten. Der Moderator raunte: "Ri-si-ko". Beim Großen Preis saßen die Kandidaten in großen, kugelförmigen Cockpits, der ruhige Wim Thoelke moderierte, eine Assistentin reichte ihm Fragen. Es war beschaulich. Bis die Lichtblitze zuckten.

Dann konnten die Kandidaten viel gewinnen – oder alles verlieren. Innerhalb von Sekunden mussten sie entscheiden, wie viel Geld sie setzen, wie viel von ihrem Ersparten sie riskieren wollten. Und wenn einer laut darüber nachdachte, womöglich alles zu setzen, dann raunte Wim Thoelke: "Wollen Sie wirklich so viel riskieren?"

Die wenigsten wollten das. Die Deutschen sind ein ziemlich risikoscheues Volk.

Man hat das auch in der Finanzkrise wieder gesehen. Für die meisten gab es in den vergangenen drei Jahren doch nur eine Erklärung, warum die Welt so tief in die Krise rutschte: Weil so viele zu viel riskiert hatten. Nur weil die Banken ein so enormes finanzielles Risiko eingingen – weil sie zockten –, entstand die große Spekulationsblase. Zu viel Risiko führte uns in die Finanzkrise, in die Wirtschaftskrise, in die Schuldenkrise.

Wie verhindern wir, dass so etwas noch einmal passiert?

So einleuchtend das klingt, so falsch könnte es sein. Denn womöglich ist es genau andersrum: Die Krise kam, weil so viele zu wenig riskierten. Und das gilt für Banker und Politiker genauso wie für Journalisten.

Es ist wichtig, sich das noch einmal zu vergegenwärtigen, gerade jetzt, da dieses Land mit Schwung aus der Krise kommt. Die Wirtschaft wächst wieder, aber die Kosten der Rettung werden uns noch Jahrzehnte belasten. Wie also verhindern wir, dass so etwas noch mal passiert? Die Kanzlerin sagt, wir müssten "neu denken" und "neu wirtschaften". Eine "nachhaltigere Politik" fordert sie. Niemand wird Angela Merkel da widersprechen. Bloß: Haben wir nicht auch schon im letzten Boom geglaubt, diesmal entwickle sich alles ganz nachhaltig? Wie also verringern wir das Risiko des nächsten Crashs? Wie könnten wir alle dafür mehr riskieren?

Was wir erlebten, war ja nichts anderes als ein Massenphänomen. Für die Masse der Finanzexperten war es viel risikoloser, mit allen anderen mitzuspekulieren, als sich gegen die Masse zu stellen – solange der amerikanische Immobilienboom anhielt. Wer zu früh gegen den Markt wettete, verlor viel Geld. Denn der Markt boomte ja weiter.