Die 18-Jährigen Die Heranwachsenden
Mit 18 darf man fast alles – nur nicht so sein, wie man ist. Aber wie sind 18-Jährige denn?
© Miguel Villagran/Getty Images

Lena Meyer-Landrut weckte Hoffnungen, dass die 18-Jährigen doch ganz interessant sind
Endlich kann man ins Solarium gehen, zum Beispiel.
Man vergisst ja oft, wie groß das Leben über Nacht werden kann, wie viele Möglichkeiten plötzlich da sind, wenn man 18 wird, genauer: wenn man das 18. Lebensjahr vollendet hat. Wer 18 ist, kann Schnaps kaufen, und er kann in der Öffentlichkeit rauchen, und wenn er will, kann er in ein Spielkasino gehen und alles auf Rot setzen. Er kann einen Waffenschein machen und so lange ausgehen, wie er will. Er kann den Bundestag wählen, heiraten, Verträge unterschreiben. Juristisch gilt ein 18-Jähriger als erwachsen, strafrechtlich bleibt er bis zu seinem 21. Geburtstag ein Heranwachsender – und das ist vielleicht die bürokratischste und gleichzeitig die poetischste Beschreibung des Lebensabschnitts, in den ein 18-Jähriger eintritt.
Ein Heranwachsender. Das klingt ein wenig nach »heranführen«, nach einem vorsichtigen Rantasten an etwas, das in den Jahren der Pubertät, als man alles wollte und nichts durfte, eher ein Sehnsuchtsort war als ein Alter: das Erwachsensein.
Man vergisst das ja manchmal. Man vergisst es deshalb, weil 18-Jährige andere Sehnsüchte befriedigen müssen – nicht ihre eigenen, sondern unsere. Die Zahl 18 ist ein Symbol, die 18-Jährigen selbst sind Symbole, sie stehen für vieles, selten aber stehen sie für sich.
Anfang des Jahres beherrschte Helene Hegemann weite Teile des deutschen Feuilletons. Sie war 17 und hatte einen Roman geschrieben, er hieß Axolotl Roadkill, und vor allem ältere Männer mochten das Buch und die Vorstellung, dass ein 17-jähriges Mädchen es geschrieben hatte , denn das Buch war krass, an vielen Stellen drastisch. Eine 18Jährige Praktikantin unserer Redaktion bekam das Buch von ihrem Vater geschenkt, sie fing an zu lesen, hörte schnell wieder auf und sagte zu ihrem Vater: »Weißt du eigentlich, was du mir da gegeben hast?«
Viele haben es ein wenig übertrieben, als sie wochenlang über Hegemann, ihr Buch, die Plagiatsvorwürfe und ihren Vater (den Theatermacher Carl Hegemann) diskutierten. Und vielleicht hat es auch Helene Hegemann übertrieben, als sie aus ihrem 18. Geburtstag einen Medienevent in einem Berliner Club machte. Hegemann bekam Drohungen von Menschen, die sie und das Buch abscheulich fanden. Das ZEITmagazin brachte in jenen Tagen ein Porträt, Jana Simon schrieb darin : »Helene ist ein Mädchen, dem Erwachsene gerne gefallen wollen. In ihrer Nähe fühlen sie sich hip. Ein Teenager, der klüger ist als die meisten Dreißigjährigen – ein bisschen schräg, aber irgendwie cool.«
Ein Teenager. Das ist man auch, wenn man 18 Jahre alt wird, man ist auch mit 19 noch ein Teenager – das klingt anders als »volljährig« und als »erwachsen«, es klingt nach heimlich rauchen im Park und knutschen in einer Disco. Es klingt nach Liebeskummer und Größenwahn, nach Weltschmerz und Verstandenwerdenwollen, und vielleicht ist 18 deshalb auch das zerrissenste Alter, in dem man sein kann.
Nach Hegemann kam eine andere 18-Jährige, auch sie kam aus dem Nichts, auch dieses Mädchen wollten sofort alle gernhaben, und sie machte es allen, die sie gernhaben wollten, auch leicht: Lena Meyer-Landrut war 18 Jahre alt, als sie am 2. Februar dieses Jahres auf der Bühne der Fernsehshow Unser Star für Oslo stand. Stefan Raab suchte jemanden, den man zum Eurovision Song Contest schicken konnte. Lena Meyer-Landrut war die letzte Kandidatin der ersten Show, sie ging auf die Bühne und sang ein Lied, das keiner kannte, und obwohl noch neun Shows folgten, stand sie damals als Gewinnerin quasi schon fest . Der Rocksänger Marius Müller-Westernhagen, ein Mann von 61 Jahren, sagte zu ihr: »Die Menschen werden dich lieben.« Es war eine Prophezeiung, die Menschen, die sich das ansahen, verliebten sich tatsächlich in dieses Mädchen, auf das die Hegemann-Beschreibung auch passt: »ein bisschen schräg, aber irgendwie cool«.
Meyer-Landrut ist eine Projektionsfläche für die Älteren, die sich ausmalen, wie die Jugend im besten Fall sein sollte: ein Mädchen aus bürgerlichem Haus, eine Abiturientin, die die Regeln der Boulevardmedien konsequent missachtete. Die einen Musikgeschmack hatte, der nichts mit stumpfen Beats zu tun hatte. Die anders war, aber nicht zu sehr. Die ihre Aufgabe erfüllte, aber nicht wie eine Streberin wirkte. So etwas macht Hoffnung. Und nimmt Ängste.
Denn das sind die anderen 18-Jährigen in Deutschland, die, die keine Bücher schreiben und nicht den Eurovision Song Contest gewinnen: Komasäufer, Drogenschlucker – arbeitslos und gewaltbereit. Einer der Angeklagten im Fall Dominik Brunner ist 18 Jahre alt , und unabhängig vom Urteil komplettiert er das andere Bild der 18-Jährigen: verroht, brutal, ohne Werte, ohne Moral.
Es scheint ein extremes Alter zu sein, 18-Jährige stehen entweder im Licht oder im Schatten. »Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund. Wir sind die Generation ohne Glück, ohne Heimat und ohne Abschied. Unsere Sonne ist schmal, unsere Liebe grausam, und unsere Jugend ist ohne Jugend.« Das ist kein Blog-Eintrag. Das wurde auch nicht an eine Klotür gekritzelt. Das steht auch nicht in Helene Hegemanns Buch. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hat es geschrieben. 1945. Da war er 24 Jahre alt. In einem Buch einer 18-Jährigen, Tochter eines Bekannten, sind diese Sätze unterstrichen, am Rand ein Ausrufezeichen, eine Seite weiter ein gemaltes lachendes Gesicht.
Wie haben Sie Ihren 18. Geburtstag erlebt? Was hat sich an diesem Tag in Ihrem Leben geändert? Schreiben Sie Ihre Erinnerungen hier im Kommentarbereich auf!
- Datum 19.08.2010 - 15:38 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 19.08.2010 Nr. 34
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Die Fotoesthetik des dazu passenden Artikles im aktuellen Zeit Magazin erinnert mich SEHR an eine Bilderstrecke von Ben Barker in der Mai Ausgabe des Amerikanischen Magazins Esquire. War das beabsichtigt?
Ich kannmich sehr wohl an meinen 18. Geburtstag erinnern, obwohl es mehr als 50 Jahre her ist. Es war davor nicht anders als danach. Es war meine Lehrzeit, um 5:00 Uhr aufstehen, denn um 6:00 Uhr mussten wir an der Werkbank stehen. Um 14:00 Uhr nach Hause, eine kurze Zeit des verschnaufens, dann wartete wieder Arbeit im väterlichen Betrieb, oder das Training - 2-3mal die Woche. Nur Samsta ab 15:00 Uhr bis Sonntagabend war frei, dann begann wieder das Wochenrennen.
Was die allgemeinen "Freiheiten" betraf, hatte ich sie ab meinem 16. Geburtstag, da sagte mir mein Vater, dass ich ab jetzt für mein Tun verantwortlich bin, auch wenn er juristisch für Fehltaten von mir gerade stehen muss.
Mir hat es gutgetan, soviel Freiheit, aber auch Verantwortung zu haben. Mit meinen Kindern, zwei Mädchen, habe ich auch so gehandhabt. Sie sind heute noch dafür dankbar.
Inzwischen sind schon zwei Enkel erwachsen und bei Ihnen lief es genau so ab.
Es gab über drei Generationen keine "Brüche" um den 18. Geburtstag. Das es so ist lag aber wohl am Vorbild der Eltern und deren Vertrauen in die Kinder.
Gymnasium in der Endphase, als erster Jahrgang schon vorher mit der Erlaubnis zum Fernbleiben im Wege des Selber Entschuldigen Könnens also vermutlich auch an diesem Tag.
Um mich rum Marx und Engels, Mädchen, Deep Puple und Hendrix. Ganz normal schwermütig, gedankenvoll und im Grunde unbekümmert werde ich den wohl gefeiert haben.
Also bei mir hat sich zwischen dem Alter 16 und 20 (und Ende Oktober 21) nichts verändert...
Und auch davor eigentlich nichts... aber OK, ich bin nun einmal als "Nerd" einzustufen...
Wenn ich mich recht entsinne war ich am meinem 18. Geburtstag zu Hause - ein langweiliger Tag wie jeder andere.
Mit 18 hat man in einem westlichen Land alles. Die Qual der Wahl, die Freiheit... Sie sollen es einfach geniessen.
wurde das älter werden uninteressant bis unerwünscht... ich wollte nur noch 18 oder 19 bleiben... besser 19 weil ich in dem alter mein abi gemacht habe... anfangs dachte ich wow ich bin 18 endlich darf ich alles... bis ich feststellte, dass ich zwar alles gedurft habe aber das meiste einfach zu teuer für einen 18 jährigen war... und das was nicht zu teuer war war meistens schon vorher erlaubt... ich habe meinen 18. nicht groß gefeiert oder so... aber das moralisch flexibel werden habe ich erst später mit dem politikstudium gelernt... davor war ich noch recht idealistisch... bis ich merkte dass ich mir für idealismus nichts kaufen kann... dass gut und böse ansichtssache ist... das wäre erstmal alles was mir einfällt... ah ja und heute bin ich 24...
gruß Marc Aurel
denn man merkt schnell, dass sich nix ändert. Ich hab schon zwei Jahre gearbeitet und mein eigenes Geld verdient, hab getrunken und geraucht und mich nicht dafür versteckt.
Im Nachhinein war meine schönste Zeit von 21-25 da man eine ordentliche Portion Reife hat, sich mit der Welt als Erwachsener auseinanderzusetzen und die Dinge anders, tiefer zu erleben als jemals zuvor im Leben.
mit 18 gehts nur um Spaß und den vergisst man auch wieder schnell. mit Anfang 20 hast du Spaß und trägst Verantwortung...man erlebt es intensiver, wenn man Schranken hat
Tja ich brauche noch 1 1/2 jahre bis ich 18 bin ;)
Bis jetzt finde ich es einfach nur ätzend in einer Welt zu Leben, ohne zu wissen zu welchem Zweck man lebt. Es ergibt einfach alles keinen Sinn.... Die Menschen schreiben sich gesetze vor, Philosophen sagen uns eine Vernunft inne, sagen das es eine allgemeine universelle Moralverständnis gibt die im Menschen allein schon von natur aus sind. Alles was auf der erde passiert; Geldimperialismus und reiche Menschen die ärmere menschen auspressen wie obst auf der einen seite, politische Verfolgung und "gleichgesetzes denken" auf der anderen seite. Das Alles löst verbitterung aus. Wenn jemand ein gerechtigkeitssinn hat wie ich, wird wohl ähnlich gefühle haben. Vllt. liegts nur daran das ich jünger bin, ich weiß es nicht. Ich weiß nur das ich nichts weiß .......
Naja seit dem ich jetzt mein einjähriges Praktikum und in der Fachoberschule angefangen habe, hab ich eh keine zeit mehr zum denken. Arbeiten und schlafen. So stellt man denkende kalt ;)
dein Ziel wird dich finden....
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