Die 18-Jährigen Die HeranwachsendenSeite 2/2

Nach Hegemann kam eine andere 18-Jährige, auch sie kam aus dem Nichts, auch dieses Mädchen wollten sofort alle gernhaben, und sie machte es allen, die sie gernhaben wollten, auch leicht: Lena Meyer-Landrut war 18 Jahre alt, als sie am 2. Februar dieses Jahres auf der Bühne der Fernsehshow Unser Star für Oslo stand. Stefan Raab suchte jemanden, den man zum Eurovision Song Contest schicken konnte. Lena Meyer-Landrut war die letzte Kandidatin der ersten Show, sie ging auf die Bühne und sang ein Lied, das keiner kannte, und obwohl noch neun Shows folgten, stand sie damals als Gewinnerin quasi schon fest . Der Rocksänger Marius Müller-Westernhagen, ein Mann von 61 Jahren, sagte zu ihr: »Die Menschen werden dich lieben.« Es war eine Prophezeiung, die Menschen, die sich das ansahen, verliebten sich tatsächlich in dieses Mädchen, auf das die Hegemann-Beschreibung auch passt: »ein bisschen schräg, aber irgendwie cool«.

Meyer-Landrut ist eine Projektionsfläche für die Älteren, die sich ausmalen, wie die Jugend im besten Fall sein sollte: ein Mädchen aus bürgerlichem Haus, eine Abiturientin, die die Regeln der Boulevardmedien konsequent missachtete. Die einen Musikgeschmack hatte, der nichts mit stumpfen Beats zu tun hatte. Die anders war, aber nicht zu sehr. Die ihre Aufgabe erfüllte, aber nicht wie eine Streberin wirkte. So etwas macht Hoffnung. Und nimmt Ängste.

Denn das sind die anderen 18-Jährigen in Deutschland, die, die keine Bücher schreiben und nicht den Eurovision Song Contest gewinnen: Komasäufer, Drogenschlucker – arbeitslos und gewaltbereit. Einer der Angeklagten im Fall Dominik Brunner ist 18 Jahre alt , und unabhängig vom Urteil komplettiert er das andere Bild der 18-Jährigen: verroht, brutal, ohne Werte, ohne Moral.

Es scheint ein extremes Alter zu sein, 18-Jährige stehen entweder im Licht oder im Schatten. »Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist der Abgrund. Wir sind die Generation ohne Glück, ohne Heimat und ohne Abschied. Unsere Sonne ist schmal, unsere Liebe grausam, und unsere Jugend ist ohne Jugend.« Das ist kein Blog-Eintrag. Das wurde auch nicht an eine Klotür gekritzelt. Das steht auch nicht in Helene Hegemanns Buch. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hat es geschrieben. 1945. Da war er 24 Jahre alt. In einem Buch einer 18-Jährigen, Tochter eines Bekannten, sind diese Sätze unterstrichen, am Rand ein Ausrufezeichen, eine Seite weiter ein gemaltes lachendes Gesicht.

Wie haben Sie Ihren 18. Geburtstag erlebt? Was hat sich an diesem Tag in Ihrem Leben geändert? Schreiben Sie Ihre Erinnerungen hier im Kommentarbereich auf!

 
Leser-Kommentare
  1. Die Fotoesthetik des dazu passenden Artikles im aktuellen Zeit Magazin erinnert mich SEHR an eine Bilderstrecke von Ben Barker in der Mai Ausgabe des Amerikanischen Magazins Esquire. War das beabsichtigt?

    • TDU
    • 19.08.2010 um 17:56 Uhr

    Gymnasium in der Endphase, als erster Jahrgang schon vorher mit der Erlaubnis zum Fernbleiben im Wege des Selber Entschuldigen Könnens also vermutlich auch an diesem Tag.

    Um mich rum Marx und Engels, Mädchen, Deep Puple und Hendrix. Ganz normal schwermütig, gedankenvoll und im Grunde unbekümmert werde ich den wohl gefeiert haben.

  2. 4. Hmm...

    Also bei mir hat sich zwischen dem Alter 16 und 20 (und Ende Oktober 21) nichts verändert...

    Und auch davor eigentlich nichts... aber OK, ich bin nun einmal als "Nerd" einzustufen...

    Wenn ich mich recht entsinne war ich am meinem 18. Geburtstag zu Hause - ein langweiliger Tag wie jeder andere.

    • DrD
    • 19.08.2010 um 18:16 Uhr

    Mit 18 hat man in einem westlichen Land alles. Die Qual der Wahl, die Freiheit... Sie sollen es einfach geniessen.

  3. denn man merkt schnell, dass sich nix ändert. Ich hab schon zwei Jahre gearbeitet und mein eigenes Geld verdient, hab getrunken und geraucht und mich nicht dafür versteckt.

    Im Nachhinein war meine schönste Zeit von 21-25 da man eine ordentliche Portion Reife hat, sich mit der Welt als Erwachsener auseinanderzusetzen und die Dinge anders, tiefer zu erleben als jemals zuvor im Leben.

    mit 18 gehts nur um Spaß und den vergisst man auch wieder schnell. mit Anfang 20 hast du Spaß und trägst Verantwortung...man erlebt es intensiver, wenn man Schranken hat

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