Angelina Jolie bleibt Angelina Jolie. Das ist für den Zuschauer schön und für eine Schauspielerin schrecklich. Keine Rolle vermag sie in etwas anderes zu verwandeln, als Angelina Jolie in Angelina Jolie mit Waffe oder mit Hütchen. Wann immer sie mit ihren großen Augen auf der Leinwand Schlimmes erleben muss, abwechselnd im Drama und im Action-Film, möchte man sie fragen, ob sie sich von der Prügelei, der Schusswunde, dem Schock denn auch gut erholen konnte.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass man sich den Namen ihrer Figur gut einprägen kann. Aus Angelina Jolie wird in dem neuen Film des australischen Regisseurs Phillip Noyce also Evelyn Salt. Salt, ein Hinweis auf die Rüstungsbegrenzungsverträge Strategic Arms Limitation Talks – das wirkt im ersten Moment bizarr. Wenn jetzt wieder der Kalte Krieg auf der Leinwand ausbricht, so denkt man, dann können auch gleich Dinosaurierknochen ausgegraben werden. Dass man sich wieder im Konflikt der Supermächte befindet, könnte wohl daran liegen, dass Noyce schon rein aus Gewohnheit ( The Saint ) den guten alten Stoff aufbügelt. Angelina Jolie, alias Salt, ist CIA-Agentin und wird beschuldigt, eine russische Spionin zu sein. Die Auflösung behält Noyce natürlich lange Zeit für sich.

Einerseits also vergisst man in diesem Film nie, dass es Angelina Jolie ist, die gerade die Waffe zieht, ein Büroregal zur Sprengstofffalle umrüstet, die Wände hochklettert, eine ganze russische Mannschaft wegballert und zuvor nicht vergisst, ihr Hündchen bei einem Nachbarskind in Pflege zu geben. Andererseits geht diese Schauspielerin vollends im Typus der klassischen pragmatischen Action-Heldin auf, was ihr sehr entspricht. Ihre unterkühlte, immer etwas unpersönliche, gefühlssterile Art passt jedenfalls in die geschlechtslose Heldenrolle. Dass diese Rolle ursprünglich einem Mann, nämlich Tom Cruise, auf den Leib geschrieben wurde, mag da von Vorteil gewesen sein.

Wirklich erstaunlich allerdings ist, dass der Regisseur Philipp Noyce jeden Stunt, den Jolie zu absolvieren hat, mit einer Selbstverständlichkeit inszeniert, die stets das menschliche Maß behält. Ob sie von einer Motorhaube auf ein fahrendes Motorrad springt, den klassischen Sturz von der Brücke absolviert, auf einen vorbeirollenden Lastwagen hüpft oder einfach nur Wände hoch- und runterklettert – stets gibt es einen realistischen Rest. Und irgendwie erscheint dieses Agentinnensportprogramm beim Verlassen des Kino selbst der Zuschauerin möglich (mit der richtigen Ausbildung natürlich).

Salt ist also ein Film, der nicht mehr sein will, als er ist. Ein porentief sauberer Action-Thriller. Und dieses Kinogenre verlangt nun mal auch von Jolie keine Verwandlung, nicht den schauspielerischen Exzess, sondern den pragmatisch handgreiflichen Job. Den erledigt sie großartig. Man würde ihr gerne nahelegen, auch in Zukunft eher zur Waffe zu greifen.