RundfunkDiesmal maßvoll

An ARD und ZDF kann man viel kritisieren – nicht aber die Gehälter. von 

Die Lindenstraßen-Schauspieler Bill Mockridge (links) und Marie Luise Marian (rechts) mit der WDR-Intendantin Monika Piel

Die Lindenstraßen-Schauspieler Bill Mockridge (links) und Marie Luise Marian (rechts) mit der WDR-Intendantin Monika Piel   |  © Ralf Jürgens/Getty Images

Ein bisschen Transparenz tut gar nicht weh: Inklusive Zulagen 352.000 Euro, so viel verdient die WDR-Chefin Monika Piel. Das darf jetzt endlich auch ihr Chef, der Gebührenzahler, wissen.

Piel war gezwungen, ihr Gehalt offenzulegen, weil es das neue Landesrundfunkgesetz so will. Nach einigem Zagen und Zaudern folgten unter anderem Kollegin Dagmar Reim vom RBB in Berlin (220.000 Euro) und SWR-Intendant Peter Boudgoust (273.000 Euro). Die Herren vom Bayerischen und Hessischen Rundfunk sowie vom ZDF machen ihr Gehalt weiter zur Geheimsache oder lassen wissen, es sei nicht höher als das von Frau Piel.

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Aber was sagen die Zahlen?

Zunächst mal: Die Spitzenkräfte bei den Öffentlich-Rechtlichen werden ordentlich bezahlt. Mehr nicht. Das Salär der WDR-Chefin ist zwar höher als das der Bundeskanzlerin, wie sogleich einige Kommentatoren triumphierten. Doch dieser bemühte Maßstab ist in Wirklichkeit keiner – da das Gehalt für den Posten des Regierungschefs in Deutschland einfach zu niedrig ist, wie kaum jemand bezweifeln dürfte. Im Vergleich mit den Chefs der privaten Sender erscheint das Gehalt von Piel und Co hingegen geradezu maßvoll. ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling hat im März des vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen und kam am Ende auf ein Jahresgehalt von fast 1,9 Millionen Euro. Natürlich ist man bei ARD und Co weicher gebettet, natürlich bekommt man eine stattliche Rente, und natürlich ist das Risiko, den Job zu verlieren, gering.

Dennoch: Den Anstalten lässt sich an vielen Stellen Verschwendung vorwerfen, aber nicht bei der Bezahlung ihrer Intendanten. Es wäre in ihrem eigenen Interesse gewesen, die Verhältnisse früher transparent zu machen – da man sie in diesem Punkt mal loben kann.

Das gesagt, sollte sich der Fokus von der Gehälterdebatte wieder auf die Kernprobleme richten, die nach wie vor bestehen. Die Wachstumssucht, die sich in einer immer größeren Zahl von Sendern ausdrückt, ist ungebrochen. Prasserei für minderwertiges Programm bleibt alltäglich. Ein zunehmendes Legitimationsproblem, vor allem bei den jungen Zuschauern, ist unübersehbar.

Bedrohlich bleibt auch die Nähe zur und Abhängigkeit von der Politik. Seit Roland Kochs erfolgreichem Vorstoß aus dem vergangenen Jahr, den ZDF-Chefredakteur abzusetzen, hat es jeder schwarz auf weiß: Die Politiker besetzen nicht nur die Aufsichtsgremien der Sender, sie scheuen sich auch nicht, diese Macht hemmungslos zu nutzen.

Solange dieses Problem nicht gelöst ist, bleibt etwas anderes noch viel wichtiger als das Einkommen der Intendanten und Chefredakteure: ihr Rückgrat. Das brauchen sie, um im parteipolitischen Proporz nicht immer wieder einzuknicken.

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Leserkommentare
  1. Einspruch - doch: Die Gehälter der Intendantinnen und Intendanten sind zu hoch. Und zwar deshalb, weil die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag nicht erfüllen, sondern ihr Programm immer mehr verblöden lassen.
    Treffend nachzulesen in der ZEIT:
    http://www.zeit.de/2010/3...

  2. Einspruch - doch: Die Gehälter der Intendantinnen und Intendanten sind zu hoch. Und zwar deshalb, weil die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag nicht erfüllen, sondern ihr Programm immer mehr verblöden lassen.
    Treffend nachzulesen in der ZEIT:
    http://www.zeit.de/2010/3...

  3. Als bekennender "Ossi", der mit ARD, ZDF, Bayerisches Fernsehen (jetzt Bayern 3), dem RIAS 2, den BRF 1-3 und Radio RTL Luxemburg (über Kurzwelle) im Osten aufgewachsen ist und noch vor der sogenannten "Wende" die Progies von Sat 1 und RTL empfangen konnte kann ich nur sagen:

    Was uns heute von den privaten Sendern zu 89,9% geboten wird, das ist "trisomaner Schwachsinn" in Reinstkultur oder eben Fernsehen für unterbelichtete H-IV-Empfänger.

    An die Redaktion:
    Bevor Sie mir wieder einige Passagen streichen, dann sehen Sie sich bitte doch gleich selbst diesen "Schwachsinn" an, der tagsüber über die Mattscheibe flimmert - ehe dieser o. g. Personenkreis abends besoffen vor der Glotze einschläft.

    Ich wage mir dieses Urteil an, die ich bereits auch 3x im H-IV-Bezug gelandet war - meine Programme waren aber in den letzten Jahren dennoch die öffentlich-rechtlichen FA und die Nachrichtenkanäle.
    Sicherlich liegt es auch an meiner hervorragenden Ost-Ausbildung, die ich schon im Kindesalter genießen konnte - und ich habe sie genossen - auch wenn meine Eltern keine "Genossen" waren.

    Kurz und gut:
    Was uns von den "Privaten" oft geboten wird, das ist "Schmuddelfernsehen" der übelsten Art - angefangen von "Kobra 11" bis hin zum "Dschungelcamp".

    Leider hatten sich ARD und ZDF in der Vergangenheit fast auf das gleiche Niveau ziehen lassen, aber die haben immerhin noch die Kurve gekriegt.

    Trotzdem gibt es in Sat 1 wenigstens mit den Eigenproduktionen an Unterhaltungsfilmen einen Lichtblick.

  4. Als bekennender "Ossi", der mit ARD, ZDF, Bayerisches Fernsehen (jetzt Bayern 3), dem RIAS 2, den BRF 1-3 und Radio RTL Luxemburg (über Kurzwelle) im Osten aufgewachsen ist und noch vor der sogenannten "Wende" die Progies von Sat 1 und RTL empfangen konnte kann ich nur sagen:

    Was uns heute von den privaten Sendern zu 89,9% geboten wird, das ist "trisomaner Schwachsinn" in Reinstkultur oder eben Fernsehen für unterbelichtete H-IV-Empfänger.

    An die Redaktion:
    Bevor Sie mir wieder einige Passagen streichen, dann sehen Sie sich bitte doch gleich selbst diesen "Schwachsinn" an, der tagsüber über die Mattscheibe flimmert - ehe dieser o. g. Personenkreis abends besoffen vor der Glotze einschläft.

    Ich wage mir dieses Urteil an, die ich bereits auch 3x im H-IV-Bezug gelandet war - meine Programme waren aber in den letzten Jahren dennoch die öffentlich-rechtlichen FA und die Nachrichtenkanäle.
    Sicherlich liegt es auch an meiner hervorragenden Ost-Ausbildung, die ich schon im Kindesalter genießen konnte - und ich habe sie genossen - auch wenn meine Eltern keine "Genossen" waren.

    Kurz und gut:
    Was uns von den "Privaten" oft geboten wird, das ist "Schmuddelfernsehen" der übelsten Art - angefangen von "Kobra 11" bis hin zum "Dschungelcamp".

    Leider hatten sich ARD und ZDF in der Vergangenheit fast auf das gleiche Niveau ziehen lassen, aber die haben immerhin noch die Kurve gekriegt.

    Trotzdem gibt es in Sat 1 wenigstens mit den Eigenproduktionen an Unterhaltungsfilmen einen Lichtblick.

    • koblenz
    • 21. August 2010 16:59 Uhr

    So lautet eine treffende Überschrift der Zeit zum öffentlich-rechtlichen, nicht lange her.
    Kein Intendant sollte auch nur 1 € für null Leistung, nur Verblödung, erhalten.

    Fr. Marohn hält die einen Zusammenhang zwischen Leistung und Entlohnung für komplett unnötig. Auf welchem Planeten lebt die Frau?

  5. Bitte die Pensionen , Wohnrecht etc bei der Bundeskanzlerin mit einrechnen, erst dann wird der Vergleich realistisch und siehe da, unsere Politiker sind sehr gut bezahlt.

  6. Was soll denn daran bitte maßvoll sein? Wirklich bescheiden sind doch die Zahlungen an die zahlreichen Freien, ohne die ARD und ZDF ihr Programm erst einmal einstellen könnten. In diesem Verhältnis muss man das sehen. 100.000 Euro wären vielleicht noch angemessen. Und was der Mensch von Pro7 verdient, geht mir am * vorbei.

    • Nimzo
    • 21. August 2010 18:21 Uhr

    Pro Arbeitstag 1.000 - 1.500 Euro. Wer bezahlt das noch mal??

    Samstag:

    ARD
    ===
    20:00 Tagesschau
    20:15 Melodien der Herzen (Maxi Arland am Gardasee)
    22:00 Ziehung der Lottozahlen
    22:05 Tagesthemen Nachrichtenmagazin
    22:23 Das Wetter
    22:25 Das Wort zum Sonntag
    22:30 Boxen im Ersten

    ZDF
    ===
    20:15 André Rieu - Ein Sommernachtstraum
    22:30 heute- journal Nachrichtenmagazin
    22:43 Wetter
    22:45 das aktuelle sportstudio

    Das könnte auch das Programm von 1985 sein...

    10.000 EUR/Monat würden auch reichen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die hohen Gehälter von Rundfunkintendanten... werden mit Hilfe von Zwangsgebühren finanziert, während Freischaffende im Kunst und Medienbereich, deren Arbeitsleistungen benutzt werden, gewöhnlich in prekären Verhältnissen leben müssen, die Bundesregierung gewährt ihnen keinen Tarif-, keinen Rechtsschutz, kein Grundgehalt in Höhe des Existenzminimums. Das wirkt mafiös.

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  • Schlagworte ARD | ZDF | Bundeskanzler | Chef | Einkommen | Euro
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