Ein bisschen Transparenz tut gar nicht weh: Inklusive Zulagen 352.000 Euro, so viel verdient die WDR-Chefin Monika Piel. Das darf jetzt endlich auch ihr Chef, der Gebührenzahler, wissen.

Piel war gezwungen, ihr Gehalt offenzulegen, weil es das neue Landesrundfunkgesetz so will. Nach einigem Zagen und Zaudern folgten unter anderem Kollegin Dagmar Reim vom RBB in Berlin (220.000 Euro) und SWR-Intendant Peter Boudgoust (273.000 Euro). Die Herren vom Bayerischen und Hessischen Rundfunk sowie vom ZDF machen ihr Gehalt weiter zur Geheimsache oder lassen wissen, es sei nicht höher als das von Frau Piel.

Aber was sagen die Zahlen?

Zunächst mal: Die Spitzenkräfte bei den Öffentlich-Rechtlichen werden ordentlich bezahlt. Mehr nicht. Das Salär der WDR-Chefin ist zwar höher als das der Bundeskanzlerin, wie sogleich einige Kommentatoren triumphierten. Doch dieser bemühte Maßstab ist in Wirklichkeit keiner – da das Gehalt für den Posten des Regierungschefs in Deutschland einfach zu niedrig ist, wie kaum jemand bezweifeln dürfte. Im Vergleich mit den Chefs der privaten Sender erscheint das Gehalt von Piel und Co hingegen geradezu maßvoll. ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling hat im März des vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen und kam am Ende auf ein Jahresgehalt von fast 1,9 Millionen Euro. Natürlich ist man bei ARD und Co weicher gebettet, natürlich bekommt man eine stattliche Rente, und natürlich ist das Risiko, den Job zu verlieren, gering.

Dennoch: Den Anstalten lässt sich an vielen Stellen Verschwendung vorwerfen, aber nicht bei der Bezahlung ihrer Intendanten. Es wäre in ihrem eigenen Interesse gewesen, die Verhältnisse früher transparent zu machen – da man sie in diesem Punkt mal loben kann.

Das gesagt, sollte sich der Fokus von der Gehälterdebatte wieder auf die Kernprobleme richten, die nach wie vor bestehen. Die Wachstumssucht, die sich in einer immer größeren Zahl von Sendern ausdrückt, ist ungebrochen. Prasserei für minderwertiges Programm bleibt alltäglich. Ein zunehmendes Legitimationsproblem, vor allem bei den jungen Zuschauern, ist unübersehbar.

Bedrohlich bleibt auch die Nähe zur und Abhängigkeit von der Politik. Seit Roland Kochs erfolgreichem Vorstoß aus dem vergangenen Jahr, den ZDF-Chefredakteur abzusetzen, hat es jeder schwarz auf weiß: Die Politiker besetzen nicht nur die Aufsichtsgremien der Sender, sie scheuen sich auch nicht, diese Macht hemmungslos zu nutzen.

Solange dieses Problem nicht gelöst ist, bleibt etwas anderes noch viel wichtiger als das Einkommen der Intendanten und Chefredakteure: ihr Rückgrat. Das brauchen sie, um im parteipolitischen Proporz nicht immer wieder einzuknicken.