Sachbuch von John Darwin Was nach Tamerlan kam
Ein gewichtiges Buch: Der britische Historiker John Darwin schreibt die Globalgeschichte der großen Reiche, in der Europa nur eine Weltprovinz unter vielen ist.
© Hulton Archive/Getty Images

Um 1850: eine Zeichnung eines japanischen Samuraikriegers
Der alte Kontinent Europa liegt heute zwischen Wünschen, Ängsten und Wirklichkeit. Seit etwa zehn Jahren macht in der Geschichtswissenschaft das Wort von der "Provinzialisierung Europas" die Runde. Oft wird es so verstanden, als sollte der Kontinent gegenüber den aufstrebenden Regionen Amerikas und Asiens an den Rand gedrängt werden. Dipesh Chakrabarty, der Historiker von der Universität Chicago, der das Stichwort von Europa als Provinz gegeben hat, wollte aber nur darauf hinweisen, dass in einer globalisierten Welt auch die Geschichte Europas als eine unter zahlreichen Historien von Provinzen zu behandeln sei.
Der in Oxford lehrende Historiker John Darwin fühlt sich nun in seinem Werk Der imperiale Traum ganz dieser Aufgabe verpflichtet. Er wendet sich gegen die These einer kontinuierlich zunehmenden Dominanz Europas seit dem Beginn des Expansionszeitalters im 16. Jahrhundert. Damit relativiert er die oft etwas selbstverliebte Einschätzung des "Westens" als geschichtlicher Avantgarde-Region. Von dem Verdikt, die europäische Überlegenheit begründet und als unvermeidlich beschrieben zu haben, nimmt John Darwin weder Adam Smith noch Karl Marx oder Max Weber aus. Auch die postkolonial inspirierten Darstellungen der Gegenwart neigten dazu, die Rolle Europas zu überzeichnen. Selbst die Rede von der "Moderne" und den "modernisierenden" Effekten basiere letztlich auf eurozentrischen Wunschvorstellungen.
Der da so unerschrocken gegen die heiligen Kühe der europäischen Selbstgewissheit anreitet, ist sich als Experte für die Geschichte des Commonwealth der Achsverschiebungen globalen Ausmaßes, von denen der Inder Chakrabarty sprach, nur allzu bewusst. Schließlich verfügten die Briten noch vor zwei Generationen über das geografisch ausgedehnteste Kolonialreich der bisherigen Weltgeschichte.
Als dessen Erbe zeigen sie nicht nur eine beneidenswerte Sicherheit im Umgang mit der globalen Geschichte, sondern auch ein besonderes Gespür für Anzeichen des decline einer Weltmacht. Seit dem Erscheinen von Edward Gibbons Verfall und Untergang des römischen Imperiums Ende des 18. Jahrhunderts ist die britische Geschichtsschreibung von solchen Fragestellungen fasziniert.
Das englische Original von John Darwins neuem Werk, The Rise and Fall of Global Empires, machte diese Referenz vor drei Jahren sehr viel deutlicher. Der Obertitel After Tamerlane verwies dagegen auf den Ausgangspunkt des Buches im frühen 15. Jahrhundert. Der zentralasiatische Eroberer Timur oder Tamerlan hat Darwin zufolge als bislang letzter Herrscher den "imperialen Traum" eines Attila oder Dschingis Khan verfolgt, ein eurasiatisches Großreich zu einen. Die Geschichte der folgenden Jahrhunderte sei dagegen von drei konkurrierenden Zentren her gesteuert worden: von Europa, der islamischen Welt und von Ostasien aus.
Darwins Perspektive ist ganz auf dieses eurasiatische Kernland geeicht. Bei seinem Gang durch die Jahrhunderte nimmt er herausfordernde Neubewertungen vor. So relativiert er die Bedeutung der Entdeckung Amerikas durch die Spanier und Portugiesen. In den 300 Jahren nach Kolumbus habe sich an der globalstrategischen Rolle des nach Westen erweiterten Europa nur wenig geändert. Selbst die Amerikanische oder die Französische Revolution tauchen bei ihm eher als Krisenerscheinungen denn als weltpolitische Wendemarken auf.
Die globale Landkarte vor dem 19. Jahrhundert hält Darwin für sehr viel offener als gemeinhin angenommen. Die Europäer waren bestenfalls Mitspieler im globalen Wettbewerb der Imperien, die der Autor als Systeme des Einflusses und der Herrschaft definiert, "in denen sich ethnische, kulturelle oder ökologische Grenzen überschnitten oder schlicht ignoriert wurden".
- Datum 26.08.2010 - 18:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Obgleich dieser Artikel wohl eher als Werbeeinblendung zu verstehen ist, möchte ich doch in einem Aspekt näher darauf eingehen.
Es stimmt, die euro-amerikanischen Imperien sind historisch gesehen einige von vielen. Was freilich ausgeblendet wird ist, dass sie bislang die wirkmächtigsten waren. Das kann man hervorragend von der kulturellen Dominanz des euro-amerikanischen Raums ableiten.
Man darf davon ausgehen, dass mehr asiaten Cola, Whysky und Bier trinken als der Rest der Welt Reiswein trinkt. Ferner darf man davon ausgehen, dass mehr Asiaten Mozart hören als der Rest der Welt sich Musik von der Kniegeige anhört. Ebenso verhält es sich mit Produkten des täglichen Bedarfs oder der Hochtechnologie, deren Ursprung im euro-amerikanischen Raum liegen.
Auch ein weiterer Aspekt wird in dem Artikel fehlgedeutet. Auch wenn beispielsweise China jahrhundertelang und unangetastet die maßgebliche territoriale Macht war, hat es doch nie das Weltgeschehen dominiert.
Die euro-amerikanischen Imperien haben es über 500 Jahre getan.
Ob das so bleibt, stelle ich den Auguren anheim.
Genausogut kann man sagen, es benutzen mehr
Europäer arabische Zahlen, als Araber römische.
Ohne außereuropäische Erfindungen wie Kompass,
Schwarzpulver, Christentum usw. hätte sich Europa
niemals so rasant entwickelt.
Mal sind die einen vorne, mal die anderen,
und im Moment setzt Ostasien zum überholen an.
Genausogut kann man sagen, es benutzen mehr
Europäer arabische Zahlen, als Araber römische.
Ohne außereuropäische Erfindungen wie Kompass,
Schwarzpulver, Christentum usw. hätte sich Europa
niemals so rasant entwickelt.
Mal sind die einen vorne, mal die anderen,
und im Moment setzt Ostasien zum überholen an.
Genausogut kann man sagen, es benutzen mehr
Europäer arabische Zahlen, als Araber römische.
Ohne außereuropäische Erfindungen wie Kompass,
Schwarzpulver, Christentum usw. hätte sich Europa
niemals so rasant entwickelt.
Mal sind die einen vorne, mal die anderen,
und im Moment setzt Ostasien zum überholen an.
Wenn ich Europa sage ist das inklusive des Mittelmeerraums. Also auch Nordafrika und der nahe Osten, weil das historisch zusammenhängt.
Da haben Sie natürlich Recht,
aber der nahe Osten hängt auch mit dem mittleren Osten
zusammen usw.
Irgendwie geht es in Eurasien von links nacht rechts,
und von rechts nach links.
Nur die Afrikaner und die Indianer hatten das Pech
von dieser "Seidenstraße" der großen Erfindungen
abgeschnittten zu sein.
Bier ist übrigens auch keine europäische Erfindung.
Da haben Sie natürlich Recht,
aber der nahe Osten hängt auch mit dem mittleren Osten
zusammen usw.
Irgendwie geht es in Eurasien von links nacht rechts,
und von rechts nach links.
Nur die Afrikaner und die Indianer hatten das Pech
von dieser "Seidenstraße" der großen Erfindungen
abgeschnittten zu sein.
Bier ist übrigens auch keine europäische Erfindung.
Da haben Sie natürlich Recht,
aber der nahe Osten hängt auch mit dem mittleren Osten
zusammen usw.
Irgendwie geht es in Eurasien von links nacht rechts,
und von rechts nach links.
Nur die Afrikaner und die Indianer hatten das Pech
von dieser "Seidenstraße" der großen Erfindungen
abgeschnittten zu sein.
Bier ist übrigens auch keine europäische Erfindung.
Der Punkt ist einfach, das China oder Indien niemals die hälfte der Welt Kolonialisiert hat. Und in der Summe des Kulturexports nicht gleichziehen kann.
Bis jezt jedenfalls.
China und Indien haben niemals die Hälfte der Welt
kolonisiert, aber sie sind schon die halbe Welt.
Ich habe das Gefühl sie überschätzen die Bedeutung
Europas.
Man denke nur an die zahlreichen Elektrogeräte, Zusatzteile und dergleichen. Shimanobremsen an unseren Fahrrädern, Spielzeuge unserer Kinder, unsere PCs und dergleichen stammen alle aus China. Wenn man andere Kulturexporte sehen möchte, schaue man sich nur die Tattoos an, die aus Indien importiert wurden oder der Kaffee.
Sicherlich wird der eine oder der andere jetzt sagen, aber unsere Philosophie, unsere Weltdeutung... Die Renaissance des Abendlandes hätte es nie gegeben, wenn ihr nicht die islamische Tradierung vorausgegangen wäre - eine Tatsache, der in der derzeiten Philosphiegeschichte (noch) keine Rechnung getragen wird.
China und Indien haben niemals die Hälfte der Welt
kolonisiert, aber sie sind schon die halbe Welt.
Ich habe das Gefühl sie überschätzen die Bedeutung
Europas.
Man denke nur an die zahlreichen Elektrogeräte, Zusatzteile und dergleichen. Shimanobremsen an unseren Fahrrädern, Spielzeuge unserer Kinder, unsere PCs und dergleichen stammen alle aus China. Wenn man andere Kulturexporte sehen möchte, schaue man sich nur die Tattoos an, die aus Indien importiert wurden oder der Kaffee.
Sicherlich wird der eine oder der andere jetzt sagen, aber unsere Philosophie, unsere Weltdeutung... Die Renaissance des Abendlandes hätte es nie gegeben, wenn ihr nicht die islamische Tradierung vorausgegangen wäre - eine Tatsache, der in der derzeiten Philosphiegeschichte (noch) keine Rechnung getragen wird.
China und Indien haben niemals die Hälfte der Welt
kolonisiert, aber sie sind schon die halbe Welt.
Ich habe das Gefühl sie überschätzen die Bedeutung
Europas.
Oder ordnet die Bedeutung Europas, das ja eben nicht die halbe Welt ist für die letzten drei bis vier Jahrhunderte richtig ein....Das Fleckchen Erde ist dann doch sehr einflussreich geworden, vor allem, wenn man "Sekundäreuropa" vor Augen hat...
Oder ordnet die Bedeutung Europas, das ja eben nicht die halbe Welt ist für die letzten drei bis vier Jahrhunderte richtig ein....Das Fleckchen Erde ist dann doch sehr einflussreich geworden, vor allem, wenn man "Sekundäreuropa" vor Augen hat...
und ich habe das Gefühl sie übershätzen Asien. Tja, was machen wir da.
Indien wurde zuerst von den Arabern erobert und dann von den Europäern. Bezüglich Chinas war da der Opiumkrieg. Keiner von besagten Nationen ist jemals in Europa oder die USA eingefallen, außer als Einwanderer.
Schon mal was vom Mongolischen Reich gehört ?
Sind immerhin bis nach Schlesien gekommen.
Schon mal was vom Mongolischen Reich gehört ?
Sind immerhin bis nach Schlesien gekommen.
Oder ordnet die Bedeutung Europas, das ja eben nicht die halbe Welt ist für die letzten drei bis vier Jahrhunderte richtig ein....Das Fleckchen Erde ist dann doch sehr einflussreich geworden, vor allem, wenn man "Sekundäreuropa" vor Augen hat...
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