Diskussion Hat die Liebe noch eine Chance?
Nein, sagen die Realisten. Doch, sagen die Romantiker. Ein Sommer-Gespräch über Treue, Sex und Seitensprung in der modernen Optionsgesellschaft.
Die Liebe funktioniert nicht mehr. Das ist das große Lamento der jungen Generation in Filmen, Büchern und Theaterstücken. Der zur Zeit mit Preisen überhäufte deutsche Schauspieler Lars Eidinger hat mit seinem Auftritt in einer Anti-Romanze die Herzen des Publikums erobert. Im Erfolgsfilm des vergangenen Sommers »Alle anderen« spielte er unter der Regie von Maren Ade die männliche Hauptrolle. Soeben wurde der Publizist Sven Hillenkamp für sein Buch »Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit« (Klett-Cotta Verlag, 22,90 €) mit dem Brentano-Preis ausgezeichnet. In dem Langessay berichtet er von der Unmöglichkeit des Glücks bei grenzenlosen Wahlmöglichkeiten. Die Theaterstücke der Autorin Laura de Weck tragen verheißungsvolle Titel wie »Lieblingsmenschen« (Diogenes Verlag, 9,90 Euro), doch ihre Verliebten verfehlen sich auf Schritt und Tritt. Wir trafen die drei Künstler, um zu erfahren, ob ihre persönliche Bilanz der Liebe auch so traurig ausfällt.
DIE ZEIT: Liebe Experten für die Liebe, wann waren Sie das letzte Mal verliebt?
Laura de Weck: Ganz einfach: heute! (Alle überrascht)
Lars Eidinger: Als du mich gesehen hast?
de Weck: Verliebtsein ist für mich kein Zustand, der eine Minute, eine Stunde oder einen Tag dauert, dieses Gefühl kann lange Zeit anhalten.
ZEIT: Und wir dachten immer, das Verliebtsein ist etwas Kurzlebiges! Eine Euphorie, die sich allmählich verflüchtigt.
de Weck: Na ja, diese komplette Liebesblindheit, wo man alles andere vergisst, also richtig liebeskrank und alltagsuntauglich wird, ist tatsächlich begrenzt. Aber Verliebtsein dauert, wenn man Glück hat, jahrelang.
ZEIT: Das ist aber eine überraschend positive Auskunft. Wir haben Sie drei eigentlich deshalb zum Gespräch eingeladen, weil Sie alle die Unmöglichkeit der Liebe beklagen.
Eidinger: Ich war zum letzten Mal vor elf Jahren verliebt – als ich meine Frau kennenlernte.
ZEIT: Und wie hat sich das Gefühl verändert?
Eidinger: Also, meine Frau hat sich vor Kurzem so gefreut, als ich ihr in einem Gespräch mit Freunden sagte, dass ich mich nie wieder in eine andere Frau verliebt habe, seit wir zusammen sind. Das ist für sie das größte Kompliment, das ein Mann einer Frau machen kann. Und es ist nicht mal gelogen! Ihr selber ging es anders, was aber auch okay ist.
ZEIT: Stört Sie das wirklich nicht?
Eidinger: Doch. Aber ich kann ihr daraus keinen Vorwurf machen, wir haben ja nur bedingt Einfluss auf unsere Gefühle. Ich hüte mich zu sagen: Du darfst dich nicht in jemand anders verlieben.
de Weck: Sich verlieben klingt so aktiv. Es muss doch einen Begriff geben, der das Passive ausdrückt: dass man dauerhaft Liebe empfindet, ohne dauernd an die Liebe denken zu müssen. Ich finde »verliebt sein« passender als »sich verlieben«.
Sven Hillenkamp: Für mich wäre Liebe kein Zustand, der einfach dauert. Eher ein Meer mit Ebbe und Flut. Das Gefühl ist plötzlich da, dann geht es weg, dann kommt es wieder zurück.
- Datum 27.08.2010 - 16:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Ich würde mir noch mehr solcher Gesprächsrunden in der Zeit wünschen, danke.
Soll die angnehme Sommerzeit als Metapher für hohles Geschwätz und ignoranten Small-Talk herhalten?
Auch nicht im Ansatz bemerke ich jedem der Gesprächsteilnehmer eine ernsthafte Beschäftigung mit den kulturellen Errungenschaften in Philosophie, Literatur und der Bildenden Kunst, welche Liebe zum Gegenstand haben.
Gruselig, welches Bild diese Tratschrunde abgibt! Ich spreche erst weiter. wenn mir jemand zu verstehen gibt, dass er verstanden hat, was z.B. Me-ti über die Liebe sagt ...
entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Beiträgen zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/km
ich mag eiginger und seine beiden Aussagen:
"Monogamie ist nicht lebbar."
"Ist doch super, dass ich im Internet alle Frauen weltweit abchecken kann, um dann zu dem Ergebnis zu kommen: Meine Frau ist die beste!"
Leider verstehen das die von Disney und GZSZ verknorpsten Frauen genau so wenig wie die von Pornos zerfressenen Kerle.
"Versprichst du mir, dass du mich ewig liebst?"
Wie maßlos egomanisch.
Der groteske Ewigkeitskitsch eines Florentino Ariza und seiner geradezu pathologischen Fixierung auf eine "gekrönte Göttin" erscheint heute eher als der Therapie bedürftig.
Erlösung und Glück am Partner festzumachen, hat doch nur zum Ziel die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden nicht selbst übernehmen zu müssen.
In einer übertherapierten Gesellschaft sollte das eigentlich klar sein.
Doch heute statt bloßer Beschimpfung ein paar substantielle Bröckchen:
Liebe ist eine Kreation eines menschlichen Subjekts, eines Individuum. Der Mensch eröffnet sich durch die Idee der Liebe eine fundamentale Möglichkeit, sein Leben menschenwürdig zu gestalten und zu vollenden. Zugleich setzt er sich damit eine unendliche Aufgabe. Daher kann die Liebe aus sich selbst heraus weder eine zeitliche Limitation noch gesellschaftliche oder biologistische oder rassistische Einschränkungen kennen.
Liebe birgt immer die Gefahr des Tragischen.
Nächstens mehr...
... wie wir es wenden und drehen... der Schmetterling kann über den Schnee nicht urteilen!
... wie wir es wenden und drehen... der Schmetterling kann über den Schnee nicht urteilen!
... wie wir es wenden und drehen... der Schmetterling kann über den Schnee nicht urteilen!
Tia, so ist das mit der Liebe: Werden die eigenen Erwartungen nicht erfüllt, reagiert man enttäuscht und verärgert.
Hey, shygerman! Hier unterhalten sich drei Leutchen um die 30 über ihre Vorstellungen und Erfahrungen von Liebe. Die stecken mittendrin in der Praxis. Und dafür haben sie, finde ich, ganz vernünftige Ansichten. Wenn das Ihren (eventuell lebensfernen) Erwartungen nicht entspricht, müssen Sie doch nicht gleich rumschimpfen. Aber offenbar lieben Sie Ihre "Zeit", und das ist doch auch was!
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