Liebeskolumne Muss er alte Aktfotos abhängen?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie belastend sind Dokumente aus der letzten Beziehung?

Darf die neue Freundin Fotos von der Ex aus der Wohnung des Liebhabers verbannen?

Darf die neue Freundin Fotos von der Ex aus der Wohnung des Liebhabers verbannen?

Die Frage: Marion und Carsten haben sich am Arbeitsplatz ineinander verliebt. Sie ist Onlineredakteurin, er Bildredakteur und Fotograf. Bisher trafen sie sich immer in Marions Wohnung, die in der Nähe der Redaktion liegt. Schließlich besucht sie ihn in seinem kleinen Haus. Carsten hat den Keller zu Atelier und Dunkelkammer ausgebaut und entwickelt dort seine mithilfe einer Plattenkamera gefertigten Porträts. Marion verbringt einige Stunden als sein Modell und fühlt sich geschmeichelt. Irgendwann landen sie in Carstens Schlafzimmer.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Am nächsten Morgen erblickt Marion über dem Bett eine Aktfotografie. Es ist Carstens frühere Freundin. Marion ist mit einem Schlag hellwach: »Du hättest das Bild abhängen müssen!« Carsten entgegnet: »Das ist doch Kunst! Habe ich etwa die Bilder in deiner Wohnung kritisiert?«

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es scheint, dass Männer frühere Geliebte eher als kostbare Zutat des eigenen Selbstwertgefühls erleben, während Frauen in deren angedeuteter Verehrung nur mangelnde Distanz sehen und sich wünschen, die Einzige zu sein. Es wäre feinfühliger gewesen, wenn Carsten das Bild abgehängt, Marion von dieser Aktion erzählt und sie ausdrücklich gefragt hätte, ob sie dieses Bild so distanziert betrachten kann, wie das ein Kunstwerk erfordert. Freilich kann er auch nicht wissen, dass Marion in dem für ihn längst zur Dekoration gewordenen Bild seine nicht vollzogene Ablösung sieht, die ihre Liebe stört.

Ob das Bild wieder aufgehängt wird oder in der Schublade bleibt: Marion und Carsten erleichtern sich ihre Zukunft, wenn sie zu der Einsicht finden, dass die Gegenwart der Liebe wichtiger ist als das Gedenken.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. der springende Punkt ist wohl, dass das Bild ausgerechnet ueberm Bett (!) haengt.

  2. würde ich sagen. Wenn einer seine Vergangenheit nicht gleich in die Müllkippe wirft, wird er das auch nicht mit der Neuen tun.

    ladytrue

  3. Die Überschrift der Artikel ist immer eine "Muss/Darf er/sie...?"-Fragestellung, auf die eigentlich nur Ja oder Nein als Antwort passt.

    Der Artikel selbst gibt dann aber nie eine Antwort auf diese Frage, sondern beleuchtet immer bloss die Gefühlswelt der Beteiligten.

  4. Hier bin ich tatsächlich nicht auf seiner, sondern auf ihrer Seite (und das passiert mir selten): das Bild muss weg. Ihr Verlangen, dass dieses Bild hier verschwindet, ist seelisch "tiefer" angesiedelt als sein Wunsch, dass es hängenbleibt.

    Wenn er das Bild nicht abhängt, wird er vermutlich andere tiefe Bedürfnisse von ihr auch nicht respektieren. Dass er nicht von selbst darauf gekommen ist, lässt vermuten, dass er ein unglaublich toller Hecht ist - so attraktiv, dass er es gewohnt ist, sich in Beziehungen durchzusetzen.

  5. Wegen Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/km

  6. sie hat ein bild ihres ex an der wand, käm es zu der gleichen reaktion ? meine friedenserklärung wär, jeder kriegt ein edding in die hand und das bild wird kreativ entschärft - ist ja schließlich nur ein foto, davon gibts sicher noch eine paar abzüge..
    hätt ich kein problem mit

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    Tja, die Frage, "Wie wäre es denn umgedreht?", hilft hier m.E. nicht weiter, weil es sich hier um durchaus geschlechtsspezifische Empfindlichkeiten handelt.

    (Im übrigen würde ich keine langfristige Beziehung mit einer Frau eingehen, die aus ihrer Wohnung Bilder ihres überaus attraktiven und unglaublich erfolgreichen Ex nicht entfernen will. Und auch nicht die ihres nicht attraktiven und Loser-Ex, wenn ich es mir genau überlege. Die Bilder ihres verstorbenen Mannes würde ich tolerieren, solange sie nicht überhand nehmen. Soweit meine Empfindlichkeiten.)

    Tja, die Frage, "Wie wäre es denn umgedreht?", hilft hier m.E. nicht weiter, weil es sich hier um durchaus geschlechtsspezifische Empfindlichkeiten handelt.

    (Im übrigen würde ich keine langfristige Beziehung mit einer Frau eingehen, die aus ihrer Wohnung Bilder ihres überaus attraktiven und unglaublich erfolgreichen Ex nicht entfernen will. Und auch nicht die ihres nicht attraktiven und Loser-Ex, wenn ich es mir genau überlege. Die Bilder ihres verstorbenen Mannes würde ich tolerieren, solange sie nicht überhand nehmen. Soweit meine Empfindlichkeiten.)

  7. Tja, die Frage, "Wie wäre es denn umgedreht?", hilft hier m.E. nicht weiter, weil es sich hier um durchaus geschlechtsspezifische Empfindlichkeiten handelt.

    (Im übrigen würde ich keine langfristige Beziehung mit einer Frau eingehen, die aus ihrer Wohnung Bilder ihres überaus attraktiven und unglaublich erfolgreichen Ex nicht entfernen will. Und auch nicht die ihres nicht attraktiven und Loser-Ex, wenn ich es mir genau überlege. Die Bilder ihres verstorbenen Mannes würde ich tolerieren, solange sie nicht überhand nehmen. Soweit meine Empfindlichkeiten.)

  8. Wer sieht schon gerne Bilder von dem/der ex des Partners in der WOhnung und dann auch noch über dem Bett?? Ich finde die Frage schon reichlich dämlich, sorry.

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