Naturkatastrophen Spenden allein reicht nichtSeite 2/2
Diese Aufzählung mag bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen. Tatsächlich aber ist gerade dieses Wissen Voraussetzung für Handlungsspielräume, für verbesserte Prävention, Analyse und Frühwarnsysteme. Diese wiederum erlauben internationalen Hilfsorganisationen und Geberländern, aber auch den Regierungen, Institutionen und Zivilgesellschaften der betroffenen Länder selbst, schneller und gezielter zu reagieren.
Das internationale humanitäre System stellt sich dieser Herausforderung zunehmend. Die Kombination von Naturkatastrophen, Konflikten sowie chronischer Armut und Vulnerabilität hat im vergangenen Jahrzehnt zu einer dramatischen Zunahme internationaler humanitärer Hilfsleistungen geführt. In 2002 betrug das Gesamtvolumen der jährlich vom UN-Büro für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten veröffentlichten Humanitären Hilfsappelle 2,7 Milliarden US Dollar. In 2009 waren es schon 10 Milliarden. Mehr und mehr Hilfsorganisationen werden gegründet und müssen strategisch und operationell koordiniert werden, häufig in schwierigstem politischen Terrain und unter größten Gefahren. Dieses System ist kompliziert und will finanziert werden. Es wird weiter wachsen und wachsen müssen, da die Zahl der Notleidenden weiter zunehmen wird angesichts der genannten globalen Herausforderungen. Prognosen sprechen von einer globalen Gesellschaft, in der auf Dauer ein Drittel der Menschheit notleidend ist. Das wären beim heutigen Stand der Weltbevölkerung über zwei Milliarden Menschen. Diese Prognose Wirklichkeit werden zu lassen wäre ein nicht zu akzeptierender moralischer Preis. Und strategisch extrem kurzsichtig.
- Datum 23.08.2010 - 08:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
- Kommentare 18
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...werden erst durch schlechte Politik geschaffen. Darüber ein Hilfswerk (=Reparaturdienst) setzen zu wollen, das zwangsläufig wieder ein politisches Konstrukt wäre, ist irgendwie ... kühn.
...zum Teil in den öffentlichen Sektor gehört, weil er ein öffentliches Gut zumindest in der Anfangsphase nach der Katastrophe ist. Da die Länder oft überfordert sind, ist es ein internationales öffentliches Gut mit internationaler Sicherheit, Klimaschutz, Pandemiebekämpfung usw. Die Erfahrung und Entwicklungen auf dem Gebiet der relativen politischen Macht zeigen, dass diese Felder um knappe Ressourcen nationaler Haushalte konkurrieren und dass die heutige Systematik diese Güter herzustellen an dieser Konkurrenz oft scheitert.
Die Lösungen sind bekannt aber stehen den Interessen zu vieler Mitglieder der UNO bisher entgegen.
Erstmal, weil ich sowieso der letzte bin, der sich das leisten kann und außerdem, weil man sich über all das keine Gedanken macht(vieleicht auch will). Aber das habe ich ja schon längst im Zusammenhang mit den Milliardären in Amerika gesagt, die sinnloss ihr ganzes Vermögen spenden ohne sich mal mit Sinn und Verstand über die eigentlichen Ursachen Gedanken zu machen. Aber schön, dass das endlich mal thematisiert wird.
lesenswerte Recherche von Linda Polman :
http://aspekte.zdf.de/ZDF...
"Es gibt mindestens 37.000 internationale Hilfsorganisationen, die darum wetteifern, das Geld auszugeben"
(Anm.: weltweit 120 Milliarden Dollar pro Jahr, die nicht unerheblich Krieg führenden Parteien, korrupten Regierungsbonzen und Warlords zugute kommen)
... der sich an den immer wiederkehrenden Spendenmarathons beteiligt.
"Die Mitleidsindustrie: Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen" dürfte einige Fragen vor allem auch an die Hilfsorganisationen aufwerfen. Deren Beantwortung müssen wir als Spendennationen einfordern und mit ihnen Konsequenzen. Es geht nicht an, dass wir Täter finanzieren und die eigentlich Hilfsbedürfigten vielfach nichts von den Geldern sehen.
Aber vermutlich ist es am Ende doch die Hauptsache, dass die NGOs ihre Stellen und Budgets erhalten...
... der sich an den immer wiederkehrenden Spendenmarathons beteiligt.
"Die Mitleidsindustrie: Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen" dürfte einige Fragen vor allem auch an die Hilfsorganisationen aufwerfen. Deren Beantwortung müssen wir als Spendennationen einfordern und mit ihnen Konsequenzen. Es geht nicht an, dass wir Täter finanzieren und die eigentlich Hilfsbedürfigten vielfach nichts von den Geldern sehen.
Aber vermutlich ist es am Ende doch die Hauptsache, dass die NGOs ihre Stellen und Budgets erhalten...
Ich werde für Pakistan nicht Spenden, bei einem Verdienst von 900€, brauche ich jeden Cent für meine Familie. Pakistan ist eine Atommacht, und hat für ihr Volk nichts übrig? Wo sind all die Millionen von Steuergeldern in den letzten Jahrzenten hingegangen?
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf beleidigende Bemerkungen. Die Redaktion/cs
vielleicht hätten Sie nicht nur die glücklichen Gesichter auf den Bildern studieren sollen, sondern auch die Bildunterschrift, die erklärt,
WAS das glückliche Lächeln auf die Gesichter dieser Menschen
"zauberte"
!!! ???
vielleicht hätten Sie nicht nur die glücklichen Gesichter auf den Bildern studieren sollen, sondern auch die Bildunterschrift, die erklärt,
WAS das glückliche Lächeln auf die Gesichter dieser Menschen
"zauberte"
!!! ???
...humanitäre Hilfe gehen nur noch in weltweiter Vernetzung. Statt Megamilliarden für weltweite Rüstung auszugeben sollte man sich weltweit rüsten im Kampf gegen das Elend. Die Logistik ist vorhanden um in wenigen Stunden ganze Kompanien rund um den Globus zu verschicken. Ob die aus Soldaten oder Helfern bestehen spielt für die Logistik keine Rolle.
Leider kratzt der Artikel nur etwas an der Oberfläche.
Tatsächlich haben die Fehlentwicklungen auf unserem Globus eine Dimension erreicht, die sich mit Spenden nicht mehr übertünchen, geschweige denn lösen lassen.
Ich spende nicht, da an meiner Spende letztendlich auch die Spekulanten an den Warenterminbörsen verdienen.
Aber ich kann auch eine gewisse Trotzreaktion nicht leugnen, trotz dieses ungeheuren medialen Trommelfeuers, das Portemonnaie zuzulassen.
Fehlende Transparenz schadet dem Ansehen der Entwicklungshilfe und der Nothilfe. Seit mehreren Jahren erkennen Geldgeber selber den Mangel an Transparenz in der Entwicklungshilfe und Nothilfe an. Fehlende Transparenz fördert Korruption, untergräbt das Vertrauen der Spender, erschwert die Koordination der Geldgeber, verhindert die Rechenschaftslegung vor Ort und macht eine öffentliche Debatte beispielsweise über Präventivmaßnahmen von Naturkatastrophen unmöglich. In der International Aid Transparency Initiative (IATI) haben das BMZ und andere staatliche Geldgeber schon 2008 mehr Transparenz versprochen. Deutschland hat dieses Versprechen bisher nicht eingelöst. Andere Geldgeber wie das britische und die schwedische Entwicklungshilfeministerium haben 2010 eine Transparenzgarantie abgegeben, die Weltbank und die FAO haben ihre Datenbanken veröffentlicht, die Weltbank hat ihre gesamten Projekte in Afrika und Latein Amerika mit Geocodes versehen lassen, um zumindest die geographische Lage von Projekten auf Landkarten zu veröffentlichen (mapping for results) und Koordination zu erleichtern. Auf deutscher Seite, in staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, ist hingegen noch hoher Handlungsbedarf.
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