Großbritannien Der grüne Prinz
Britanniens Thronfolger will ländliches Leben retten, macht aber gemeinsame Sache mit Lebensmittelkapitalisten.
© Bruce Adams/Getty Images

Der britische Thronfolger besucht ein Militärkrankenhaus in Birmingham
Als Prinz Charles den Saal betritt, hält er Einzug wie ein König. Zu beiden Seiten des Ganges stehen die Menschen auf, wenden sich ihm zu und begrüßen ihn mit einer begeisterten Ovation. Es sind die Kapitäne der Lebensmittelindustrie, die sich zum Weltgipfel des Consumer Goods Forum in der Londoner Queen Elizabeth II. Hall eingefunden haben, unter ihnen die Chefs von Coca-Cola und Wal-Mart, Unilever und Tesco, Migros, Nestlé und Carrefour.
Ist der Beifall echt? Die Gegenwart einer Königlichen Hoheit verfehlt ihre Wirkung offenbar auch auf die mächtigsten Magnaten nicht. Aber was macht der mittlerweile 62-jährige grüne Prinz auf dem Welttreffen hartgesottener Lebensmittelkapitalisten?
Er ist gekommen, um ihnen die Leviten zu lesen. Er lächelt in einer schwer auf den Punkt zu bringenden Mischung aus Selbstironie und Schüchternheit. Ist die gespielt oder echt? Schwer zu sagen.
- Prinz Charles
Prinz Charles (61), das älteste Kind der damaligen Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth von York und des Prinzen Philip von Griechenland und Dänemark, studierte in Cambridge Archäologie, Anthropologie und Geschichte. Danach war er Soldat in der Royal Air Force und bei der Marine. 1981 heiratete der Prinz Lady Diana Spencer. Das Paar hatte zwei Söhne, Prinz William und Prinz Henry. Die Ehe wurde 1996 geschieden. 2005 heiratete Charles Camilla Parker Bowles.
- Organisationen
Während der langen Wartezeit auf den Thron gründete Charles etliche Organisationen, die sich urbaner Regeneration, der Arbeitsplatzbeschaffung benachteiligter Jugendlicher und der Erhaltung ländlicher Strukturen widmen. Sie alle verbinden sozial-ökologisches Bewusstsein mit tiefem Konservativismus. Letzterer kommt auch in seinem Architekturverständnis zum Ausdruck. Im Juni gelangte ein Brief an die Öffentlichkeit, mit dem Charles ein modernes Großprojekt in London zu Fall brachte. Er machte sich stattdessen für den Plan eines Neoklassizisten stark.
- Briefe
Die Briefe, mit denen der Thronfolger in- und ausländische Politiker bombardiert, sind legendär. Gegner der Monarchie führen sie als Beweis dafür an, dass Charles die etablierten Beschränkungen seiner Stellung nicht respektiere. Im letzten Jahrzehnt versuchte sich der Prinz auch als grüner Unternehmer.
- Konzerne
Im Herbst 2009 rettete eine Supermarktkette sein Unternehmen vor der Pleite. Der zukünftige König setzt sich seither in den Chefetagen großer Konzerne für umweltbewusstes Wirtschaften ein.
Eine Vorrednerin zieht all die richtigen Register. »Wie man wächst und gleichzeitig Gutes tut«, lautet das Thema ihrer Präsentation. Sie spricht von der ethischen Dimension der Lebensmittelproduktion, von »Werten für Werte« und verwendet noch etliche andere Slogans, die dem Zeitgeist entsprechen. Der britische Supermarktriese Tesco ist ihr zufolge eine führende Kraft im Kampf gegen den Klimawandel, der britisch-niederländische Konzern Unilever habe sich auf nachhaltige Fischerei und Palmölproduktion umgestellt, Coca-Cola fördere Erzeuger in der Dritten Welt.
Dann stellt Mark Price, Vorstandvorsitzender der Supermarktkette Waitrose, den Hauptredner vor. Price ist ein guter Freund des Prinzen. Charles nennt ihn im Scherz gerne den »feisten Krämer«.
Ihr Einvernehmen geht auf einen fehlgeschlagenen Versuch des Prinzen zurück, sich als ökologischer Unternehmer zu versuchen. 1992 hatte er eine Firma namens »Duchy Originals« gegründet. Duchy, das Herzogtum von Cornwall, ist das private Stammeigentum des jeweiligen Thronfolgers und schließt enorme Ländereien ein. Das neu gegründete Unternehmen vertrieb Butterkekse und Hafergebäck aus eigenem Biogetreide, ökologisch produzierte Schweinswürste und Schinken, Suppen und Soßen sowie alternative Hautsäuberungsartikel, Parfüms und Kräuterheilmittel.
Alle waren mit dem erlauchten Siegel des Prinzen versehen. Sämtliche Profite des Unternehmens gingen an von Charles geförderte wohltätige Organisationen. Und zunächst lief alles nach Plan.
Der Umsatz stieg auf fünf Millionen Euro im Jahr. Doch dann geriet die Firma ins Kreuzfeuer der Kritik. Der prominente Professor für Alternativmedizin, Edzard Ernst, taufte die teuren Tinkturen von Duchy Originals in Dodgy Originals um – in »Original-Quacksalberei«. Die Aufsichtbehörde für Medikamente und Gesundheitsprodukte untersagte in der Werbung aufgestellte Behauptungen über die segensreichen Wirkungen der Elixiere.
- Datum 23.08.2010 - 07:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Wie sollte er auch nicht? Denn die Reichen sind wie Magnete die die Reichen wieder anziehen - und wer viel Geld hat hat sie wohl mit Tränen anderer verdient.
Ich kann das als Unternehmer nicht nachvollziehen, warum hier eine weitverbreitete, aber intellektuell nicht zu begründende Skepsis gegenüber Konzernen gepflegt wird.
In fast allen Bereichen, die man für das ethische Wirtschaften heranziehen kann "Arbeitsplatzsicherheit", "Umweltschutz", "Bezahlung", "Weiterbildung", "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" usw. sind Konzerne führend.
Ich kann meinen Mitarbeitern keine Weiterbildung anbieten, ich kann es mir auch nicht leisten, dass jemand länger krank wird. Ich bezahle meine Mitarbeiter ordentlich, aber ich kann nicht mit Konzernen mithalten.
Was die Zahlungsmoral, die Zuverlässigkeit und die Ausgewogenheit von Angeboten angeht habe ich die Zusammenarbeit mit größeren Unternehmen immer bevorzugt.
Hier werden namhafte Unternehmen einfach zu Lebensmittelkapitalisten abgestempelt. Warum? Ist da jemand im 20. Jahrhundert stehen geblieben? Wieso widerspricht das jetzt den Zielen des Prinzen?
In fast allen Bereichen, die man für das ethische Wirtschaften heranziehen kann "Arbeitsplatzsicherheit", "Umweltschutz", "Bezahlung", "Weiterbildung", "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" usw. sind Konzerne führend.
Man könnte auch ergänzen, dass in all diesen Bereichen Konzerne auchfür das Gegenteil stehen. Man denke nur an die Ausbeutung, die randstad und co. praktizieren, an die "betriebsbedingten Kündigungen" die Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut stürzen.
All diese Errungenschaften, die sie hier den Konzernen bescheinigen, sind Errungenschaften, die gegen sie erkämpft werden mussten. Kündigungsschutz, Gewerkschaftsrecht, Arbeitszeitkürzungen (die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich gemacht haben) mussten alle gewerkschaftlich erkämpft und gesetzlich durchgesetzt werden, da sie dem Ziel dieser Konzerne - möglichst großer Profit - im Wege stehen.
Was passiert, wenn diese Regelungen nicht vorhanden sind kann man wunderbar im globalen Süden beobachten. Coca-Cola - ein "namhaftes Unternehmen" hat in Kolumbien Gewerkschafter umbringen lassen, genauso wie Daimler-Benz in Argentinien. Nestlé hat in der Elfenbeinküste um den Verkauf von Milchpulver anzukurbeln Muttermilch als Gefahr für Kinder diskreditiert und dadurch das Zubereiten von Milch mit verseuchtem Wasser ausgelöst, was den Tod hunderter Kinder zur Folge hatte.
Ich kann Ihnen nur empfehlen das "Schwarzbuch Markenfirmen" zu lesen, vielleicht macht das die Skepsis gegenüber Unternehmen nachvollziehbar
In fast allen Bereichen, die man für das ethische Wirtschaften heranziehen kann "Arbeitsplatzsicherheit", "Umweltschutz", "Bezahlung", "Weiterbildung", "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" usw. sind Konzerne führend.
Man könnte auch ergänzen, dass in all diesen Bereichen Konzerne auchfür das Gegenteil stehen. Man denke nur an die Ausbeutung, die randstad und co. praktizieren, an die "betriebsbedingten Kündigungen" die Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut stürzen.
All diese Errungenschaften, die sie hier den Konzernen bescheinigen, sind Errungenschaften, die gegen sie erkämpft werden mussten. Kündigungsschutz, Gewerkschaftsrecht, Arbeitszeitkürzungen (die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich gemacht haben) mussten alle gewerkschaftlich erkämpft und gesetzlich durchgesetzt werden, da sie dem Ziel dieser Konzerne - möglichst großer Profit - im Wege stehen.
Was passiert, wenn diese Regelungen nicht vorhanden sind kann man wunderbar im globalen Süden beobachten. Coca-Cola - ein "namhaftes Unternehmen" hat in Kolumbien Gewerkschafter umbringen lassen, genauso wie Daimler-Benz in Argentinien. Nestlé hat in der Elfenbeinküste um den Verkauf von Milchpulver anzukurbeln Muttermilch als Gefahr für Kinder diskreditiert und dadurch das Zubereiten von Milch mit verseuchtem Wasser ausgelöst, was den Tod hunderter Kinder zur Folge hatte.
Ich kann Ihnen nur empfehlen das "Schwarzbuch Markenfirmen" zu lesen, vielleicht macht das die Skepsis gegenüber Unternehmen nachvollziehbar
Es ist schon bedenklich wie einfache Begriffe, ohne deren Bedeutung zur Kenntnis zu nehmen, als Schimpfworte verwendet werden. Dies zeugt von einem ideologischen Starrsinn des Journalisten. Selbstverstaendlich ist jedermann im Agrarwesen ein Lebensmittelkapitalist, da Lebensmittel gewinnbringend verkauft und gehandelt werden. Von irgendetwas muss der Landwirt/die Landwirtin ja leben. Ich kann auch frank12-13 nur recht geben, dass die Paranoia gegenueber Konzernen ein wenig ausser Kontrolle geraten ist. Natuerlich findet man in diesen Unternehmen keine Heiligen, genauso aber tut man dies nicht in mittelstaendischen Unternehmen.
Im Artikel wird suggeriert, Mark Price sei der Inhaber von Waitrose. Tatsache aber ist, dass Waitrose den Angestellten gehört und relativ hohe ethische Anforderungen an die Lieferanten stellt. Waitrose nimmt daher auf dem britischen Markt eine Sonderrolle ein.
Allerdings wäre diese Information nicht der Grundtendenz des Artikels dienlich gewesen.
In fast allen Bereichen, die man für das ethische Wirtschaften heranziehen kann "Arbeitsplatzsicherheit", "Umweltschutz", "Bezahlung", "Weiterbildung", "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" usw. sind Konzerne führend.
Man könnte auch ergänzen, dass in all diesen Bereichen Konzerne auchfür das Gegenteil stehen. Man denke nur an die Ausbeutung, die randstad und co. praktizieren, an die "betriebsbedingten Kündigungen" die Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut stürzen.
All diese Errungenschaften, die sie hier den Konzernen bescheinigen, sind Errungenschaften, die gegen sie erkämpft werden mussten. Kündigungsschutz, Gewerkschaftsrecht, Arbeitszeitkürzungen (die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich gemacht haben) mussten alle gewerkschaftlich erkämpft und gesetzlich durchgesetzt werden, da sie dem Ziel dieser Konzerne - möglichst großer Profit - im Wege stehen.
Was passiert, wenn diese Regelungen nicht vorhanden sind kann man wunderbar im globalen Süden beobachten. Coca-Cola - ein "namhaftes Unternehmen" hat in Kolumbien Gewerkschafter umbringen lassen, genauso wie Daimler-Benz in Argentinien. Nestlé hat in der Elfenbeinküste um den Verkauf von Milchpulver anzukurbeln Muttermilch als Gefahr für Kinder diskreditiert und dadurch das Zubereiten von Milch mit verseuchtem Wasser ausgelöst, was den Tod hunderter Kinder zur Folge hatte.
Ich kann Ihnen nur empfehlen das "Schwarzbuch Markenfirmen" zu lesen, vielleicht macht das die Skepsis gegenüber Unternehmen nachvollziehbar
In fast allen großen deutschen Industriekonzernen ist man weit über die gesetzlichen, tariflichen Regelungen hinaus großzügig zu seinen Mitarbeitern.
Es gibt in diesen Unternehmen ein paar unausgesprochene Gesetze, z.B. dass nie jemand aufgrund schlechter Leistung gekündigt wird, dass man nie jemanden das Gehalt kürzt, dass man übertariflich bezahlt usw.
Das gilt für Daimler, Siemens und viele andere...!
In der Nähe von Stuttgart heißt es bei vielen Familien schon bei der Geburt des Kindes: "Du schaffsch' mal beim Daimler", weil das Vertrauen in diesen Arbeitgeber so groß ist.
Hier posten oft Studenten oder Menschen aus den neuen Bundesländern oder Berlin, die quasi nie einen Konzern von innen gesehen haben. Tatsache ist, dass die meisten Jobs in Konzernen nahe am Beamtentum sind, mit Bezahlung der freien Wirtschaft.
Eine Ausnahme bildet lediglich der Handel.
In fast allen großen deutschen Industriekonzernen ist man weit über die gesetzlichen, tariflichen Regelungen hinaus großzügig zu seinen Mitarbeitern.
Es gibt in diesen Unternehmen ein paar unausgesprochene Gesetze, z.B. dass nie jemand aufgrund schlechter Leistung gekündigt wird, dass man nie jemanden das Gehalt kürzt, dass man übertariflich bezahlt usw.
Das gilt für Daimler, Siemens und viele andere...!
In der Nähe von Stuttgart heißt es bei vielen Familien schon bei der Geburt des Kindes: "Du schaffsch' mal beim Daimler", weil das Vertrauen in diesen Arbeitgeber so groß ist.
Hier posten oft Studenten oder Menschen aus den neuen Bundesländern oder Berlin, die quasi nie einen Konzern von innen gesehen haben. Tatsache ist, dass die meisten Jobs in Konzernen nahe am Beamtentum sind, mit Bezahlung der freien Wirtschaft.
Eine Ausnahme bildet lediglich der Handel.
In fast allen großen deutschen Industriekonzernen ist man weit über die gesetzlichen, tariflichen Regelungen hinaus großzügig zu seinen Mitarbeitern.
Es gibt in diesen Unternehmen ein paar unausgesprochene Gesetze, z.B. dass nie jemand aufgrund schlechter Leistung gekündigt wird, dass man nie jemanden das Gehalt kürzt, dass man übertariflich bezahlt usw.
Das gilt für Daimler, Siemens und viele andere...!
In der Nähe von Stuttgart heißt es bei vielen Familien schon bei der Geburt des Kindes: "Du schaffsch' mal beim Daimler", weil das Vertrauen in diesen Arbeitgeber so groß ist.
Hier posten oft Studenten oder Menschen aus den neuen Bundesländern oder Berlin, die quasi nie einen Konzern von innen gesehen haben. Tatsache ist, dass die meisten Jobs in Konzernen nahe am Beamtentum sind, mit Bezahlung der freien Wirtschaft.
Eine Ausnahme bildet lediglich der Handel.
"You might think that this would mean that Prince Charles will have to pull in his belt like the rest of us and cease his habit of having up to half a dozen boiled eggs served to him at breakfast until he finds, in the manner of Goldilocks, one which is cooked to his liking."
Quelle: http://www.independent.co...
Oder als deutsche Zusammenfassung: http://bueso.de/news/prin...
Die Royal Agriculture Society of England widmet sich wohl weniger "der Erhaltung der Zuchtlinien landwirtschaftlich kaum mehr genutzter Viehrassen, der Wiederherstellung des Verständnisses der urbanen Welt für das ländliche Leben und der Linderung ländlicher Armut". Viel mehr versucht dieser Verein seit der letzten Royal Show durch die Organisation von Ausstellungen und Messen für die Landwirtschaft und die vor- und nachgelagerte Industrie ein neues Standbein aufzubauen. Sie unterstützen also ganz aktiv die (Land-) Wirtschaft und das Zusammenkommen der verschiednenen Akteuren und ist somit durchaus ernst zu nehmen. Aber auch das hätte wohl dem ironischen Ton und der Lächerlichkeit des Artikels Abbruch getan......
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