"Warum dort?", fragen New Yorker und meinen das geplante islamische Zentrum am Rande von Ground Zero . "Warum so hoch?", echauffierten sich die Schweizer im Anti-Minarett-Entscheid . "Warum so riesig?", murrten die Münchner und stoppten die Groß-Moschee in Sendling. "Nicht hier", hieß es in Hamburg, wo die Polizei die Moschee als "Brutstätte des Fanatismus" versiegelte , in der Mohammed Atta und Mitverschwörer die Mordflüge ausgeheckt hatten.

Das Cordoba-Zentrum von Manhattan, 15 Stock hoch, ist inzwischen ins Weiße Haus gerückt; erst hat Obama es bejaht, jetzt schwächt er ab. Der Streit hat die klassischen Reflexe ausgelöst. Links ist dafür, Rechts dagegen. Wer gegen "Cordoba" opponiert, sei intolerant, hysterisch, ein verkappter Rassist. Wer das Zentrum bejaht, ehre die Mörder von 9/11; die Saudis sollten gefälligst Kirchen und Synagogen daheim zulassen.

Sortieren wir vorweg die törichten Argumente aus. Religions- und damit Baufreiheit sind kein Gnadenerweis, sondern ein Heiligtum westlichen Selbstverständnisses – in Amerika seit dem 17., in Europa seit dem 19. Jahrhundert, erst recht seit Stalins und Hitlers totalitären Ersatzreligionen. "Wie du mir, so ich dir", also Reziprozität, gilt im Vertrags- und Völkerrecht, nicht bei Glaubensfragen. Mit Moschee-Bauten tun wir den Saudis keinen Gefallen; wir ehren unsere beste Tradition.

Causa finita? Jetzt wird’s kompliziert. Nirgendwo geht es im Moscheen-Krieg um das "Ob", sondern nur um das "Wo" und "Wie". Das sind keine Gottes-, sondern Gesetzes- und Verhandlungsfragen. Niemand darf bauen, wo und was er will. Es gelten Traufhöhe und Ensembleschutz, Immissions- und Parkraumregeln. Ein Eros-Center neben der Schule ist genauso unwillkommen wie die Spielhölle im Reihenhaus.

Obama will nun nicht mehr beurteilen, "ob die Entscheidung weise" war. Doch "weise" ist das Schlüsselwort. Denn im Minenfeld des Multikulturalismus geht es immer um Empfindlichkeit und Empfindsamkeit. Und zum gedeihlichen Zusammenleben gehören immer zwei.

Ein altes Sprichwort rät, "im Hause des Gehenkten nicht vom Strick zu reden". Man muss nicht gleich die Keule eines deutschen Kulturzentrums in Treblinka schwingen, wie es Charles Krauthammer von der Washington Post getan hat. Aber der Vatikan hat den Karmeliterinnen den Konvent und das Riesenkreuz am Rande von Auschwitz untersagt. Ein serbischer Kirchenneubau in Srebrenica wäre nicht unbedingt ein Symbol der Versöhnung. Erinnern wir uns an die erfolgreichen Proteste gegen die Vertriebenenfunktionärin Erika Steinbach im Beirat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Orthodoxie ist nicht gleich Massenmord, und Islam nicht gleich 9/11. Aber in Srebrenica wie in New York hat eine pervertierte Minderheit im Namen ihres Gottes gemordet und Stacheln in der Erinnerung hinterlassen. Sippenhaft wäre genauso pervertiert, nicht aber der Appell an Weisheit und Empfindsamkeit. Das Recht auf den Bau von Gotteshäusern ist unantastbar, aber wo und wie, das mögen Weisheit und Rücksicht bestimmen. Es ist nicht immer richtig, was rechtens ist.