Flut in Pakistan Ein Land ertrinkt
Die Retter der ersten Stunde waren militante Islamisten. Wer gewinnt nun in Pakistan den hochpolitischen Wettstreit ums Helfen?
Gaur Rehman lebte bis vor Kurzem im Untergrund, hatte sich ganz dem Kampf gegen die Ungläubigen verschrieben, gegen den Westen und auch die pakistanische Armee. Dann kam die Flut und – so muss man es wohl sagen – spülte ihn nach oben. An die Spitze einer Hilfsorganisation. Gaur Rehman ist seit zwei Wochen ein gefeierter Retter in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten Pakistans, dort, wo die Flut bislang am schlimmsten gewütet hat.
Seine Kommandozentrale liegt in einem Vorort der Millionenstadt Peschawar, der Hauptstadt der Provinz. Hinter einer alten Autowerkstatt befindet sich eine verrostete Eisentür, über die mit vier Nägeln ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift »Al-Sufa-Stiftung« angebracht ist. In einem großen Raum tippen 30 Leute an Computern, jonglieren mit Mobiltelefonen, koordinieren Rettungseinsätze. »Dschihad bedeutet, bis in den Tod zu rennen«, lautet eine der Parolen für den Heiligen Krieg, die an den Wänden hängen. An einem Schreibtisch sitzt Gaur Rehman, ein kleiner stämmiger Mann mit tiefschwarzem Vollbart, glänzend weißer Kurta und einer breiten Armbanduhr. Sterben ist momentan nicht sein Thema. »Die Regierung gibt nur Erklärungen im Fernsehen ab«, sagt er, »aber ihre Helfer sind nicht vor Ort. Unsere Leute sind vor Ort.« Seit den ersten Tagen der Flut koordiniert Rehman 700 Freiwillige der Al-Sufa-Stiftung. Al-Sufa, sagen pakistanische Anti-Terror-Experten, sei nur der neue Deckname für Rehmans alte Kampfgruppe, die unlängst von der pakistanischen Regierung auf ausländischen Druck hin verboten wurde. Al-Sufa, sagt Rehman, sei Ausdruck der Brüderlichkeit. »Für uns Muslime ist die Flut eine Prüfung vor Gott. Wenn wir uns gegenseitig helfen, werden wir sie bestehen.« Er erzählt von den Heldentaten seiner Leute, von Rettungsaktionen mit selbst gezimmerten Flößen, von Nothilfe in abgelegenen Dörfern, die durch das Wasser tage- und wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten waren und es zum Teil bis heute sind. Von Frauen und Kindern, die seine Männer in höchster Not auf Schultern durch die Fluten trugen.
Plötzlich reden Islamisten wie Sprecher der Vereinten Nationen
Pakistan ist ein islamischer Staat mit einer zutiefst religiösen Gesellschaft. Dass auch die einheimischen Hilfsorganisationen religiös motiviert sind, muss niemanden wundern. Aber es sind nicht der Rote Halbmond oder moderate NGOs, die seit Wochen in Khyber Pakhtunkhwa die Hilfseinsätze dominieren. Es sind die Radikalen. Und um einen Eindruck von ihrer Präsenz zu bekommen, muss man nur östlich von Peschawar die dicht besiedelten Distrikte Nowschera und Charsadda besuchen. Gebiete mit Hunderttausenden von Flutopfern, die alles verloren haben: Haus, Vieh und Ernte. Zu ihnen zählt Ankar Gulhabib. Der ehemalige Bauarbeiter verdiente früher sein Geld in Dubai, genug, um sich in seinem Heimatdorf Muslemabad in Nowschera ein Haus zu bauen. Nun führt er auf einen mit Notzelten übersäten Hügel und zeigt nach unten. Wasser, Wasser, Wasser. Irgendwo in den Fluten liegt sein Dorf. Vor zwei Wochen saß er mit seiner Familie und Tausenden anderen Bewohnern auf dem Dorfhügel fest, eingeschlossen von den Fluten. Nach mehreren Tagen und Nächten kamen Freiwillige der Falah-e-Insaniyat in Holzbooten und brachten Essen und Trinkwasser. Falah-e-Insaniyat ist der politische Arm der Terrorgruppe Laskar-e-Taiba, die für die Anschläge in Mumbai im November 2008 verantwortlich gemacht wird. »Von der Regierung haben wir bis heute nichts bekommen«, sagt Gulhabib. Auch nicht von internationalen Hilfsorganisationen. Er hat sich jetzt den Helfern der Falah-e-Insaniyat angeschlossen. Deren Vizepräsident sitzt ein paar Meter weiter unter einem Zeltdach. Mian Adil ist gekommen, um sich vor Ort einen Eindruck von den Hilfsleistungen seiner Gruppe zu verschaffen und redet wie ein Sprecher der Vereinten Nationen. »Wir brauchen mehr Essen, mehr Zelte und mehr Medikamente für die Kinder. Viele haben jetzt Hautausschläge vom Flutwasser.«

Diese Satellitenbilder zeigen die Überflutungen im Süden Pakistans. Klicken Sie auf das Bild für eine größere Ansicht
Pakistan ist arm, die Infrastruktur in vielen Teilen des Landes kaum vorhanden. All das weiß man, und doch bleibt das staatliche Versagen, diese Katastrophe nach der Katastrophe, schwer begreiflich. Nowschera und Charsadda sind keine abgeschiedenen Gegenden wie etwa das höher gelegene, noch vor zwei Jahren von den Taliban umkämpfte Swat-Tal, wo die Flut begann. Nowschera und Charsadda kann man in eineinhalb Stunden auf einer sechsspurigen Autobahn von der Hauptstadt Islamabad aus erreichen. Wie aber konnte es sein, dass hier Zigtausende Menschen tagelang in Todesangst auf Hügeln und Hausdächern hockten und niemand außer islamistischen Gruppen half?
Islamabad, drei Wochen nach Beginn der Flut, ein Viertel des Landes steht inzwischen unter Wasser, die Ernte ist weitgehend vernichtet, 20 Millionen Menschen sind betroffen. Im Palast des Premierministers hat auch Achmed Kamal, Co-Leiter der nationalen Katastrophenschutzbehörde NDMA, sein Büro. Seit 1997 zeichnet Kamal für die jeweils zehnjährigen Flutschutzpläne des Landes verantwortlich. Vor ihm liegt eine Karte, auf der die Flussdeiche des ganzen Landes eingezeichnet sind. Kamal kennt jeden Flusslauf, seit 13 Jahren überwacht er jeden Deichbau und jede Deichreparatur im Land. »Wir waren auf diese Flut nicht vorbereitet«, sagt der Wasserbau-Ingenieur. Was auch heißt: Der Staat ist nicht vorbereitet auf das, was noch kommt. »Wahrscheinlich«, sagt Kamal, »haben wir erst 60 Prozent der Flut hinter uns. Es ist nicht vorbei.« Kamal befürchtet Brüche im Mittellauf des Indus. Er rechnet mit weiteren Regenfällen in Kaschmir, die auch die bisher verschonten östlichen Landesteile bedrohen könnten.
Kamal tut, was Technokraten in solchen Situationen tun: Er flüchtet sich in Zahlen. Bis zu 2832 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hätten die Flüsse in Khyber Pakhtunkhwa in den letzten Jahrzehnten geführt. Die Dämme der NDMA wären deshalb auf Fluten bis zu 4956 Kubikmeter ausgelegt gewesen. Doch jetzt hätte man beim Höchststand der Flut 11.328 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Etwas Vergleichbares hätte Pakistan in den 63 Jahren seines Bestehens eben noch nie erlebt.
Das stimmt, aber in den Notlagern von Khyber Pakhtunkhwa würde man Kamal für solche Worte in der Luft zerreißen. Die Wut der Leute auf die Regierung entlädt sich mittlerweile in kleinen, hilflosen Protestaktionen. Wut auf Asif Ali Sardari, den Präsidenten, der mit großer Entourage weiter durch Europas Hauptstädte tourte, als sein Land langsam versank. Wut auf Premierminister Yusuf Raza Ghilani, der erst nach sieben Tagen im Fernsehen die Katastrophe einräumte.
- Datum 18.08.2010 - 14:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische Bemerkungen. Die Redaktion/cs
Wie sollte es auch anders sein, da genau diese Islamisten schon vor der Flut die Vorortarbeit von Entwicklungshelfern mit Entführungen und Mord überzogen.
Wer mag schon in einen zivilen Wettbewerb mit militanten Islamisten treten, läuft er/sie doch Gefahr, bei Erfolg zumindest vertrieben zu werden; aber erst, nachdem die Hilfsgüter für Stabilität gesorgt haben.
Oder glaubt irgendwer tatsächlich, die militanten Islamisten lassen sich ihre jetzigen Möglichkeiten durch westliche Spenden kaputt machen?!
Da Pakistan dringend sauberes Wasser benötigt, helfe ich hierdurch indirekt: www.sodis.ch
Als die Katastrophe begann, hörte man auf allen Kanälen nicht:
"Bitte helft und spendet, es gibt Millionen Betroffene!",
sondern:
"Die Taliban versuchen von der Katastrophe zu profitieren!"
Demgemäß gering war die Spendenbereitschaft bei uns.
Daraufhin zeterten alle Kanäle moralisch bekümmert über mangelnde Spendenbereitschaft (oh böse Menschheit!)
(Randbemerkung: Es ist fast wie mit den "Kopftuchmädchen" - erst garniert man jeden Artikel über irgendwelche Einwanderungsfragen mit Kopftuchphotos, dann beklagt man dass die Öffentlichkeit sich hauptsächlich für die Kopftuchfrage statt für sinnvolleres interessiert.)
Es ist doch völlig egal, ob die Taliban oder die Amis oder der Geheimdienst oder korrupte Lokalpolitiker helfen -
Solange geholfen wird!
Über Politik können wir uns hinterher noch unterhalten.
Pakistan wird jedenfalls viele Jahre brauchen, bis es sich von dieser Katastrophe erholt hat.
...an Ihrer Argumentation:
Wenn militante Islamisten (es schaffen zu) helfen und die derzeitige pakistanische Regierung nicht...
...welchen kalten Schluss könnte das zulassen ?
Vielleicht das die militanten Islamisten die Bevölkerung besser vertreten ?
Die pakistanischen Elite starrt weiterhin nach Indien, dieweil ihnen ihr Land unter den Füssen weggespült wird (vielleicht weil sie den Wohlstand des Landes dafür verschwendet haben, sich gegen Indien zu rüsten (inklusive Atomwaffen) und überall in der Region Ärger zu schüren, damit sie gegen Indien den Rücken frei haben)
Wer Indien und Pakistan aussöhnt (es ist nicht unmöglich, siehe Frankreich und Deutschland) DER HAT WAHRHAFT den Friedensnobelpreis verdient (Obama wollte ihn nicht und genützt hat er ihm auch nichts).
...an Ihrer Argumentation:
Wenn militante Islamisten (es schaffen zu) helfen und die derzeitige pakistanische Regierung nicht...
...welchen kalten Schluss könnte das zulassen ?
Vielleicht das die militanten Islamisten die Bevölkerung besser vertreten ?
Die pakistanischen Elite starrt weiterhin nach Indien, dieweil ihnen ihr Land unter den Füssen weggespült wird (vielleicht weil sie den Wohlstand des Landes dafür verschwendet haben, sich gegen Indien zu rüsten (inklusive Atomwaffen) und überall in der Region Ärger zu schüren, damit sie gegen Indien den Rücken frei haben)
Wer Indien und Pakistan aussöhnt (es ist nicht unmöglich, siehe Frankreich und Deutschland) DER HAT WAHRHAFT den Friedensnobelpreis verdient (Obama wollte ihn nicht und genützt hat er ihm auch nichts).
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf zynische und islamfeindliche Kommentare. Die Redaktion/cs
Das einzige Mittel gegen die Fundamentalisten ist die Aufklärung, d.h. die kritische Auseinandersetzung mit der Religion. Alle anderen Konzepte, wie z.B. die Lieferung von Hilfsgütern oder der Bau von Schulen, sind diesbezüglich in der Vergangenheit kläglich gescheitert.
sondern um Hilfe für Menschen in Not.
Die brauchen:
Medizinische Hilfe
Nahrung und Trinkwasser
Ein Dach überm Kopf
Wenn sie damit versorgt sind, kann man sich um anderes, z.B. Politik, kümmern.
Nichts weiter.
Und man muss auch nicht jeden Quatsch nachbeten, der von den Medien verbreitet wird.
sondern um Hilfe für Menschen in Not.
Die brauchen:
Medizinische Hilfe
Nahrung und Trinkwasser
Ein Dach überm Kopf
Wenn sie damit versorgt sind, kann man sich um anderes, z.B. Politik, kümmern.
Nichts weiter.
Und man muss auch nicht jeden Quatsch nachbeten, der von den Medien verbreitet wird.
setzt voraus das man selbst genug hat -
bei wem in Deutschland ist das noch der Fall ?
Wir werden geschröpft bis zum "geht nicht mehr"
-Euro(pa) -Energie -Steuern - Krankenkasse -
Lohnzurückhaltung........auch Wir und unsere Kinder wollen leben -
Und Haiti iss jawohl das Beispiel schlechthin -
Millionen über Millionen Spenden und was passiert?
--- NIX ---
Spenden - nein Danke -
"Spendenbereitschaft setzt voraus das man selbst genug hat -
bei wem in Deutschland ist das noch der Fall?"
Genau, bei wem bleibt noch etwas übrig, wenn man alles abzieht incl. den Luxus, den sich hierzulande ein jeder leisten kann?
Neues Auto, neuer Fernsehr, neue Küche, Urlaub 2 oder 3 mal im Jahr usw. usf.
Ganz recht, es ist das Recht eines jeden sich das zu kaufen, was er möchte. Wer das als Freiheit empfindet, der tut mir nur leid. Verzicht ist auch Freiheit und wenn diesem Verzicht anderen geholfen wird, ist das eine wohl noch höhere und wertvollere Freiheit.
PS: Ohne internationale Hilfe und die vielen Spenden sähe Haiti heute noch genauso aus, wie direkt nach dem Beben, und die Seuchenopfer würden sich türmen.
Was haben Sie erwartet? Dass Haiti zu einem Disneyland wird?
"Spendenbereitschaft setzt voraus das man selbst genug hat -
bei wem in Deutschland ist das noch der Fall?"
Genau, bei wem bleibt noch etwas übrig, wenn man alles abzieht incl. den Luxus, den sich hierzulande ein jeder leisten kann?
Neues Auto, neuer Fernsehr, neue Küche, Urlaub 2 oder 3 mal im Jahr usw. usf.
Ganz recht, es ist das Recht eines jeden sich das zu kaufen, was er möchte. Wer das als Freiheit empfindet, der tut mir nur leid. Verzicht ist auch Freiheit und wenn diesem Verzicht anderen geholfen wird, ist das eine wohl noch höhere und wertvollere Freiheit.
PS: Ohne internationale Hilfe und die vielen Spenden sähe Haiti heute noch genauso aus, wie direkt nach dem Beben, und die Seuchenopfer würden sich türmen.
Was haben Sie erwartet? Dass Haiti zu einem Disneyland wird?
sondern um Hilfe für Menschen in Not.
Die brauchen:
Medizinische Hilfe
Nahrung und Trinkwasser
Ein Dach überm Kopf
Wenn sie damit versorgt sind, kann man sich um anderes, z.B. Politik, kümmern.
Nichts weiter.
Und man muss auch nicht jeden Quatsch nachbeten, der von den Medien verbreitet wird.
Das machen wir!
Das machen wir!
...an Ihrer Argumentation:
Wenn militante Islamisten (es schaffen zu) helfen und die derzeitige pakistanische Regierung nicht...
...welchen kalten Schluss könnte das zulassen ?
Vielleicht das die militanten Islamisten die Bevölkerung besser vertreten ?
Die pakistanischen Elite starrt weiterhin nach Indien, dieweil ihnen ihr Land unter den Füssen weggespült wird (vielleicht weil sie den Wohlstand des Landes dafür verschwendet haben, sich gegen Indien zu rüsten (inklusive Atomwaffen) und überall in der Region Ärger zu schüren, damit sie gegen Indien den Rücken frei haben)
Wer Indien und Pakistan aussöhnt (es ist nicht unmöglich, siehe Frankreich und Deutschland) DER HAT WAHRHAFT den Friedensnobelpreis verdient (Obama wollte ihn nicht und genützt hat er ihm auch nichts).
Es diskreditiert sich aber JEDE helfende Gruppe, wenn sie den notleidenden Menschen nahelegt, die Hilfen einer anderen Gruppe nicht anzunehmen.
Damit zeigt eine derartige Gruppe, das ihr die notleidenden Menschen im Grunde egal sind und sie nur helfen um ihre Interessen zu befördern. Das ist dann keine Hilfe sondern Bestechung.
Es diskreditiert sich aber JEDE helfende Gruppe, wenn sie den notleidenden Menschen nahelegt, die Hilfen einer anderen Gruppe nicht anzunehmen.
Damit zeigt eine derartige Gruppe, das ihr die notleidenden Menschen im Grunde egal sind und sie nur helfen um ihre Interessen zu befördern. Das ist dann keine Hilfe sondern Bestechung.
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