Google Die neue Welt ist nacktSeite 3/3
Warum Leute wie McNealy das Ende der Privatsphäre propagieren, liegt auf der Hand. Sie leben von den Daten, die wir ihnen überlassen. Und sie leben umso besser, je mehr Daten sie bekommen. Aber das ist es nicht allein. Wenn nicht alles täuscht, steht hinter der Forderung nach immer größerer Offenheit wenigstens bei einigen Vordenkern des Silicon Valley so etwas wie eine Vision. Man könnte sie als digitalen Puritanismus bezeichnen.
So erklärte Google-Chef Eric Schmidt Ende vergangenen Jahres in einem Fernsehinterview, wer etwas tun wolle, von dem andere nichts erfahren sollten, möge es besser gleich bleiben lassen. Ausgerechnet ein Kommentator des stets wirtschaftsfreundlichen Wall Street Journal schrieb daraufhin, Schmidts Ratschlag lasse sich nur als Warnung von Google verstehen: »Achtung, wir werden jetzt anfangen, Sie zu überwachen.« Aber das stimmt nicht. Man kann Schmidts Bemerkung auch als Ermahnung lesen, künftig ein regelkonformes Leben zu führen.
Niemand vertritt diesen moralischen Rigorismus so entschieden wie Mark Zuckerberg, der Erfinder von Facebook. Er will die Welt offener machen – und ehrlicher. Durch das Internet. »Die Zeiten, in denen man seinen Kollegen bei der Arbeit eine Persönlichkeit präsentieren konnte und seinen Freunden eine ganz andere, diese Zeiten werden ziemlich bald vorbei sein.« Zuckerberg hält das für eine erfreuliche Perspektive: »Zwei oder mehr Identitäten zu haben beweist einen Mangel an Integrität.«
Zuckerberg, schreibt sein Biograph David Kirkpatrick, »glaubt daran, dass es die Gesellschaft besser macht, wenn wir alle offen zeigen, wer wir sind, und uns allen unseren Freunden auf dieselbe Weise präsentieren«. Es wäre das Ende des Ambivalenten, des Schillernden, des Wechsels zwischen diesem und jenem Image.
Bei Facebook heißt dieses Konzept radical transparency – radikale Transparenz. In einer »offenen und transparenten« Welt, glaubt Zuckerberg, müssten die Menschen zu den Konsequenzen ihres Handelns stehen und würden sich daher verantwortungsvoller verhalten – und toleranter. Weil sie sich daran gewöhnen würden, dass jeder irgendwann mal etwas Falsches oder Lächerliches mache. »Die Menschen zu dieser Offenheit zu bewegen – das ist eine große Herausforderung«, sagt Zuckerberg, »aber ich glaube, wir schaffen das. Es kostet nur Zeit.«
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- Datum 18.08.2010 - 10:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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Interessant, wie man direkt hier auf Zeit online sehen kann, wie zerrissen die Meinung über Street View ist. Zuerst wird ein Artikel veröffentlicht (http://www.zeit.de/digita...) der als Fazit hat: Leute ihr regt euch doch viel zu viel über den Dienst auf. Eigentlich ist er ganz toll und jetzt hier einer, der dann wieder eigentlich nur negatives zu berichten weiß...
... wird es interessant.
Interessant wäre eine Studie, wie die Medien reagieren wenn man von Ihnen fordert auf das abbilden von Fassaden zu verzichten.
Wer am Marktplatz wohnt, kann seine Kommune zwingen darauf zu verzichten Bilder vom Marktplatz zu veröffentlichen.
Die Diskussion über Datenschutz, Google, und Privatsphäre ist zu führen, mit Streetview wurde jedoch das falsche Thema gewählt. Aus Angst senden die Bürger nun Ihre Adressdaten direkt an Google, diese müssen nun auf Druck der Datenschutzbeauftragten sogar explizit Bilder von Häuser mit persönliche Adressen verknüpfen.
Angst ist wieder einmal ein schlechter Ratgeber gewesen, und hat das genaue Gegenteil erreicht.
Wir wissen vielleicht bereits zu viel. Mit verpixelung und Nebel lässt sich der scheinbare Schutz der Unwissenheit nicht wiederherstellen. Das Küken kann nicht zurück in die Eierschale.
Die Sicherheit muss durch Zivilcourage, Solidarität, Zusammenhalt, Bürgerengagement ergänzt werden.
Wo bleiben die Unternehmen die in Ihrem Leitbild freiwillig auf Web 2.0 Recherchen durch die Personalabteilung verzichten.
Schulen die Web 2.0 Netikette lehren.
Studien die falsche Profile online erstellen und deren Missbrauch dokumentieren ...
Man kann sein Leben verbrauchen das Falsche zu bekämpfen, man kann es aber auch nutzen das Bessere zu fördern.
Google Widersprüche bei Street View ist aus meiner Sicht der falsche Weg.
Ihre Vergleiche hinken
Ihre Behauptungen sind hanebüchen unsachlich
Ihre Zusammenhänge sind aus der Luft gegriffen
Sie sind kein Aufklärer, Sie sind ein Brandstifter.
sich über Street View aufzuregen.
Auch wenn ich den Autor nicht Brandstifter nennen würde, so muss man ihm in dieser Angelegenheit doch eine gehörige Portion Weltfremdheit unterstellen.
Deutlicher wäre dies geworden, wenn er konsequent genug auch Postkarten, Bildbände, Fernsehen, Filme und alle anderen Abbildungen wovon auch immer verteufeln würde. Und dort wird noch nicht einmal irgendetwas anonymisiert.
Die Masse der hysterischen Protestler, so auch der Autor des Artikels, begreifen eben nicht, dass es eben nicht um eine Überwachung, sondern um Momentaufnahmen, ähnlich wie bei oben genannten Postkarten u.ä. geht. Das kann doch nicht so schwer zu begreifen sein.
Ausserhalb Deutschlands gibt es auch kaum Theater darum.
ich finde W. sonst nicht besonders überzeugend, aber hier hat er mal Recht. Deine Gleichsetzung von Google Streetview mit Postkarten und Bildbänden finde ich unzutreffend und fast schon weltfremd.
Google Streetview ist eine Maschine, die dem mächtigsten Konzern gehört. Das ist neu, und hier braucht es ja wohl einen Diskurs.
Zumal die Streetview Maschine z.B. schnell mal mit der Mail-Maschine verknüpft werden kann.
Wer schon einmal eine Datenbank von innen gesehen hat, und weiß, was man alles damit machen kann, versteht auch den Diskussionsbedarf.
ich finde W. sonst nicht besonders überzeugend, aber hier hat er mal Recht. Deine Gleichsetzung von Google Streetview mit Postkarten und Bildbänden finde ich unzutreffend und fast schon weltfremd.
Google Streetview ist eine Maschine, die dem mächtigsten Konzern gehört. Das ist neu, und hier braucht es ja wohl einen Diskurs.
Zumal die Streetview Maschine z.B. schnell mal mit der Mail-Maschine verknüpft werden kann.
Wer schon einmal eine Datenbank von innen gesehen hat, und weiß, was man alles damit machen kann, versteht auch den Diskussionsbedarf.
Gerade dies ist es nicht!
Der Autor übersieht bei seinen Gedankenspielen ein wichtiges Faktum: den freien Willen der Internet Nutzer.
Eine totale Transparenz und der damit verbundene Verlust des Datenschutzes ist doch nur dann möglich, wenn der jeweilige Nutzer diese Daten und Informationen freiwillig preisgibt. Der einzelne Bürger hat es daher selbst unmittelbar in der Hand, ob ein solches Szenario eintritt.
Mag sein, dass die Machenschaften von Google im einzelnen äußerst fragwürdig sind. Der Bürger kann jedoch mit einem restriktiven Umgang mit seinen Daten eine solche Entwicklung aufhalten.
Wenn Herr Zuckerberg Berührungsängste mit schillernden und ambivalenten Persönlichkeiten hat, wäre der Besuch eines Therapeuten angebrachter, als der gesamten Menschheit auf die Nerven zu gehen...
Zwei oder mehr Identitäten zu haben, ist in meinen Augen ein Grundrecht, und in Zeiten von Google und Facebook umso mehr eine Notwendigkeit.
Radikale Transparenz mag in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst durchaus sinnvolle Einsatzbereiche haben, darüber ließe sich diskutieren.
Eine digital-soziale Transparenz, wie Mark Zuckerberg sie für den Privatbereich plant, würde die Gemeinschaft über das Individuum stellen und es in ein enges soziales Korsett speren, ständig unter Zwang, die von vom Netz vorgegebenen sozialen Normen einzuhalten. Schöne neue Welt.
Die Befürworter von Google Street View bemerken korrekterweise, dass das ja nur eine Momentaufnahme ist. Wenn man allerdings berücksichtigt, dass Google zugleich (wie inzwischen zugegeben worden ist) auch das Surfverhalten über Drahtlosnetzwerke aufzeichnet, dann bekommt das Ganze doch einen Zeitfaktor. Diese Daten können dann mit konkreten Personen laut Melderegister verknüpft werden. Und diese Daten können laufend und ohne auffällige Fahrzeuge aufgezeichnet werden. Und diese Daten sind natürlich für viele hochinteressant: Personalabteilungen, Werbeunternehmen, Steuerbehörden, Polizei, Versicherungen, Arzneimittelhersteller und viele mehr.
Google hat sich inzwischen offiziell von diesen Praktiken distanziert. Aber schau - trau - wem: Wer's nicht auf Anhieb glaubt, schaue einmal in das Kleingedruckte der Google Analytics, das auf zahllosen Webseiten das Nutzungsverhalten der User dokumentiert. Google selbst garantiert, dass es die Daten nicht verknüpft. Aber Google ist berechtigt zur Weitergabe der Daten, und was andere (auch Tochterfirmen) damit tun, ist dezidiert deren Sache. Und die User stimmem dem auch durch konkludente Handlung selbst zu, wenn sie auf solchen Seiten surfen. Nur - wer weiß das schon? Und wie viele Google Analytic Benützer weisen ihre Surfer gleich beim Einstieg darauf hin?
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