Bundesregierung Ist das nicht irre?

Guido Westerwelle und Horst Seehofer setzen der Regierung immer wieder zu. Sie können nicht anders.

Horste Seehofer (l.) und Guido Westerwelle

Horste Seehofer (l.) und Guido Westerwelle

Spitzenpolitiker werden oft ungerecht beurteilt. Sie sollen extreme Leistungen bringen, 80 Stunden die Woche, unter hohem Druck, in aller Öffentlichkeit – ohne selber extrem sein zu dürfen.

Das war vor ein paar Jahrzehnten noch anders. Franz Josef Strauß etwa oder Willy Brandt waren außergewöhnliche, exzentrische Menschen und durften es sein. Solche Toleranz für das Extreme ist heute verloren gegangen. Normal sollen die Politiker neuerdings sein, so wie wir, nur viel besser. Derlei Urteile geraten dann leicht bigott und spießig. Darum soll hier nicht die Rede sein von Horst Seehofers Modelleisenbahn oder seinem öffentlichen Privatleben, auch nicht von Guido Westerwelles mitreisenden Freunden oder seinen Tod in Venedig- Fotos.

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Dennoch geht es um die beunruhigende psychische Verfassung der beiden Männer, um die Auswirkungen ihres irrationalen Verhaltens auf die Regierung. Und um die Frage, ob Besserung möglich ist.

Kaum jemand bestreitet, dass die schwarz-gelbe Koalition miserabel funktioniert: Die Ergebnisse ihres Regierens sind mäßig, die Prozesse, die jeweils dorthin führen, zumeist grauenvoll, die Wähler wenden sich ab. Dabei lassen sich die anstehenden Probleme durchaus auf rationale Weise lösen. Ob nun die Reduzierung der Bundeswehr, das Sparpaket, die AKW-Laufzeiten, bei all dem könnte man einen Kompromiss finden.

Ein echtes Gespräch mit Westerwelle scheint kaum mehr möglich zu sein

Nur, das hätte man auch schon in den vergangenen zehn Monaten so halten können. Dass das nicht gelang, liegt zunächst mal an den beiden Parteichefs.

Guido Westerwelle befindet sich seit einiger Zeit in einem bedenklichen Zustand. Wann immer man ihn trifft, wirkt er überspannt; selbst wenn er Seriosität zeigen will, übertreibt er. Sein Verhältnis zu vielen Medien ist weitgehend ruiniert, zu Beginn des Jahres hat er der ganzen Medienschar den Kampf angesagt: »Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!« Kein regierender Politiker verhält sich in so vielen Interviews derart aggressiv wie er, ein echtes Gespräch scheint kaum mehr möglich zu sein. Das jedoch gilt nicht nur für jene, die er offenbar als seine Feinde ansieht, auch mit Parteifreunden, mit denen er eng zusammenarbeiten müsste, kommuniziert er kaum.

Mindestens einmal in seiner kurzen Regierungszeit hat er die populistische Karte gezogen (»spätrömische Dekadenz«). Auch von seiner Fixierung auf Steuersenkungen vermag er sich bis heute nicht zu verabschieden. Erst hat er damit die ganze Regierung in eine Schieflage gebracht, dann hat er nach der Wahlniederlage in NRW für kurze Zeit davon abgelassen, nur um beim ersten Anzeichen eines Aufschwungs erneut damit zu kommen.

Sicher trägt Westerwelle nicht allein die Verantwortung für all die Zerrüttungen, die Wiederholungszwänge, gewiss haben die Medien auch ihn oft schlecht behandelt. Doch stellt sich längst nicht mehr die Frage, wer Schuld an all dem ist, sondern: Kommt er da noch raus, kann er in diesem Zustand jemals gut regieren? Zumal er sich im Dauerclinch befindet mit einem seiner beiden Koalitionspartner, mit Horst Seehofer.

In dieser Woche veröffentlichte der Spiegel ein Porträt des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs. Darin erscheint er als wankelmütiger Willkürherrscher, als einer, der gern mit Menschen spielt, unberechenbar und verantwortungslos. Man mag dieses Urteil zu hart finden, aber das Porträt ist offenkundig gut recherchiert. Zigfach ist belegt, dass Horst Seehofer mit seinen häufig wechselnden Positionen die Politik der Bundesregierung, ja sogar die seiner eigenen CSU-Landesgruppe, immer wieder chaotisiert. Seehofer ist mit seinem Stil zu lange gut durchgekommen, als dass er sich leicht vom politischen Gaukeln abbringen ließe. So, wie er bislang agiert, lässt sich mit ihm jedenfalls kein Staat machen.

Aber was tut die Dritte im Bunde, die Kanzlerin, Ausgeburt der Vernunft, die Sachlichkeit in Person? Angela Merkel hat in ihrer Karriere gute Erfahrungen damit gemacht, mit Geduld und Disziplin überschießende Emotionen und Charaktere zu beruhigen, sie sich austoben zu lassen oder sie zu beseitigen. Nur bei Guido Westerwelle und Horst Seehofer hat diese Methode zuletzt überhaupt nicht funktioniert. Merkels sanfte Vernunftpädagogik hat die beiden eher noch ermutigt, sich alles zu erlauben. Damit drohen sie nun, die Koalition und ihre Kanzlerin ins Verderben zu ziehen, weshalb Merkel jüngst beschlossen hat, andere Saiten aufzuziehen. Sie lässt durchsickern, sie wolle künftig mehr führen.

Man wird sehen, ob sie das wahr macht. Doch selbst wenn, dürfte das allein nicht genügen. Weil es nicht nur in ihrer Macht liegt, die beiden Männer an ihrer Seite zu bewegen, die etwas anderes offenkundig viel stärker treibt.

Aber was? Hier soll nicht psychologisiert werden, dafür kennt man Politiker zu wenig. Beim Versuch, das merkwürdige Verhalten der beiden zu erklären, sollen darum nicht ihre Lebensläufe zurate gezogen werden, sondern ihre jeweilige Partei. CSU und FDP leiden an schweren politischen Neurosen. Sie verdrängen einen Teil der Realität, weil sie traumatisiert sind. Die FDP leidet an einer Gut-Böse-Spaltung, die CSU an einem Größenkomplex.

Mittlerweile existiert eine liberale Partei, die von immer mehr Menschen als sympathischer, seriöser und sogar als bürgerlicher empfunden wird als die FDP – die Grünen. Noch vor einigen Jahren konnte sich die FDP damit beruhigen, dass die Grünen gar keine Bürgerlichen seien, sondern nur radikale, linke Spinner. Nun wirken genau diese Spinner mitunter wie des Bürgertums bessere Hälfte. Soll man ihnen nacheifern mit Marktwirtschaft und Mitleid?

Oder will man lieber etwas böser werden: In Deutschland existiert ein bisher ungenutztes politisches Kapital für wutorientierte, populistische Politik, die sich vor allem gegen muslimische Zuwanderer richtet. In vielen Nachbarländern haben entsprechende Parteien schon erheblichen Zuwachs, sie gewinnen an Macht. Die Verführung für die FDP besteht darin, dass rechter Populismus heutzutage nicht mehr reaktionär und dumpf sein muss, sondern durchaus im Gewande der Liberalität daherkommen kann. In den Niederlanden oder in der Schweiz kann man das modellhaft schon sehen. Dort werden Araber und Türken von den Populisten nicht etwa abgelehnt, weil sie rassisch minderwertig wären, sondern weil sie als Religion getarnten Ideologien anhängen, die sich gegen die Emanzipation der Frau und der Schwulen richten.

Zu dieser Art von Politik passt eine gewisse Aggressivität gegen die Faulen in der Unterschicht sowie gegen den Staat, der angeblich von Weicheiern durchsetzt sei.

Seehofer soll den alten Größenwahn der CSU pflegen. Das überfordert ihn

Die FDP bewegt sich zwischen der Verführung zum Bösen und der Bedrängung durch die (angeblich) Guten – reden tut sie über beides nicht. Westerwelle übertönt mit seiner ostentativen Grünen-Verachtung immer noch jeden ernsthaften Versuch, sich der Kränkung und der Herausforderung durch diese Partei zu stellen, während die Verführung zum Populismus geleugnet wird, obwohl man ihr in den letzten Jahren öfter erlegen ist (Jürgen W. Möllemann gegen die Juden, Westerwelle gegen die Dekadenten, Andreas Pinkwart gegen die Griechen).

Was sollen die Liberalen machen? Böser werden oder lieber? Solange Westerwelle an der Spitze steht, kann die FDP sich eine ehrliche Antwort sparen und alles auf ihn schieben.

Es ist nicht leicht, eine Partei mit Vernunft zu führen, die so viel Verdrängtes mit sich herumschleppt. So ist es auch bei der CSU, die sich nicht eingestehen mag, dass das über Jahrzehnte so erfolgreiche Spiel vorbei ist: durch Zoff und Machtdemonstrationen im Bund die bayerische Alleinherrschaft zu sichern und aus der bayerischen Alleinherrschaft den Zoff und die Machtdemonstrationen im Bund zu legitimieren. Diese Phase ist vorüber, Bayern ist im größer gewordenen Deutschland kleiner geworden, die Normalisierung der Christsozialen ist in vollem Gange.

Doch weil die CSU das nicht wahrhaben will, hat sie sich einen Mann an die Spitze gewählt, der das alte Größenwahnspiel für sie noch einmal erfolgreich betreiben soll. Das überfordert Horst Seehofer und bringt seine schlechtesten Eigenschaften hervor.

Unbalancierte Persönlichkeiten an der Spitze von traumatisierten Parteien – wenn diese Analyse stimmt, dann genügt es nicht, dass Angela Merkel mehr Führung zeigt und den Irrationalitäten ihrer beiden Koalitionspartner Seehofer und Westerwelle Grenzen setzt. Dann müssen sich auch die beteiligten Parteien aus ihren Zwängen befreien. Und ihre Vorsitzenden genauso.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • wegw
    • 22.08.2010 um 11:46 Uhr

    Wenn absolute Egoisten sich treffen, kann es keine Übereinstimmung geben.

    Vor allem: Wenn man nur an die Partei, seine Stellung und eigene Ehre denkt, dann ist der Tod im Topf.

    Die wirkliche Lage der Bevölkerung kennen die meisten Politiker nicht oder wollen sie auch nicht zur Kenntnis nehmen.

    Hauptsache: SIE SELBST KÖNNEN GUT LEBEN!

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    bloß an´s Theater gegangen, wieviel Frust und Ärger und wieviel Steuergeld wäre uns Bürgern erspart geblieben!

    bloß an´s Theater gegangen, wieviel Frust und Ärger und wieviel Steuergeld wäre uns Bürgern erspart geblieben!

    • Junius
    • 22.08.2010 um 12:31 Uhr

    Zunächst stimme ich wegw zu. Es sind Egoisten!

    Wer sagt, dass die Wähler Politiker ohne Ecken und Kanten wollen?
    Etwa die Wähler oder der PR-Berater der zwecks Umsatz den
    Politiker in seiner Selbsverliebt irgendwelchen Blödsinn
    auftischt?
    Oder sind es viel mehr die Parteigenossen, die gerne "bequeme" Partei"freunde" haben, die möglichst nicht zu intelligent sind, damit keiner an ihren Stühlen sägt.

    Diese Aggressionen sind die normalen Aggression von Egoisten, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Was dabei kaputt geht - ob Mensch, Land, Tier, Natur, Tugenden - ist denen doch völlig egal.
    Eigentlich sollte man Politiker die ein solches Verhalten an den Tag legen sofort aus dem Amt jagen, denn sie wurden wohl kaum gewählt, um ihre Machtgelüste ungestraft ausleben zu können. Zudem sind als Vorbilder und Vermittler von Wissen und Erfahrung völlig unbrauchbar.

    Und warum so etwas auf die gesamte Partei abfärbt, kann man sich denken. Die Skrupellosen spielen das Spiel mit und der Rest ist entweder froh, wenn er sich da raushalten kann oder wendet sich genervt ab, da er in einem solchen Klima nichts bewirken kann oder gar zugrunde geht.

    Ich glaube, dass dem Wähler Ehrlichkeit, Kompetenz und Zuverlässigkeit wichtiger sind. Wäre schön, wenn eines Tages das Wort "Politiker" DAFÜR stünde, statt solche Werte auszuschließen.

    • wegw
    • 22.08.2010 um 12:33 Uhr

    2. Timotheus 3

    2 For men shall be lovers of their own selves, covetous, boasters, proud, blasphemers, disobedient to parents, unthankful, unholy,

    2 Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos,

    3 Without natural affection, trucebreakers, false accusers, incontinent, fierce, despisers of those that are good,

    3 lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unenthaltsam, zuchtlos, dem Guten feind,

    4 Traitors, heady, highminded, lovers of pleasures more than lovers of God;

    4 treulos, leichtsinnig, aufgeblasen, das Vergnügen mehr liebend als Gott;

    5 Having a form of godliness, but denying the power thereof: from such turn away.

    5 dabei haben sie den Schein von Gottseligkeit, deren Kraft aber verleugnen sie. Solche meide!

    Bitte legen Sie Ihre Ansichten nicht auschließlich in Form von Zitaten dar, sondern geben Sie mithilfe von Argumenten die Möglichkeit einer Diskussion. Die Redaktion/cs

  1. Tja, und das wirklich Fatale ist: Auch die Regierung leidet an Neurosen. Es darf hier nur grad mal an den Evangelischen Kirchentag erinnert werden, an dem Merkel die Bürger mit der interessanten Verkündung überrascht hat, dass die Deutschen über ihre Verhältnisse gelebt hätten und deshalb in Zukunft gespart werden müsse.

    Tja, bekanntlich hatte Merkel das deutsche Volksvermögen in den Monaten zuvor mit vollen Händen an die Banker, an Griechenland und die EU verschenkt.

    Bekanntlich ist das Volk der Souverän. Und der hat scheints auch eine Neurose. Noch schlimmer: er leidet an Paralyse. Denn nur so lässt sich erklären, dass Merkel zusammen mit ihrem Schmiergeld-Finanzminister Schäuble noch immer in Berlin sitzt. Immerhin: Die Umfragewerte für CDU und FDP könnten ein erstes Zeichen dafür sein, dass die Paralyse weicht.

    • ngw16
    • 22.08.2010 um 12:51 Uhr

    >>Spitzenpolitiker werden oft ungerecht beurteilt. Sie sollen extreme Leistungen bringen, 80 Stunden die Woche, unter hohem Druck, in aller Öffentlichkeit – ohne selber extrem sein zu dürfen.

    Schon schlimm, wenn man seine ganzen Nebentätigkeiten da vernachlässigen muss.
    Wie viele Extraposten hat Herr Westerwelle denn?

    Nebenjob ist da doch wohl Politiker, dafür sehr gut bezahlt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kargus
    • 22.08.2010 um 17:01 Uhr

    ngw16 hat recht: vielleicht ist fuer die herrschenden Politiker auch deswegen alles so kompliziert geworden, weil sie mehr als eine Loyalität berücksichtigen müssen. Früher musste ein SPD-Promi vielleicht noch bedenken, was die Gewerkschaften von ihm halten und ein CDU-Profi prüfen, ob die Kirche ausreichend berücksichtigt wird. Heute ist das anders. WW seinesgleichen müssen sich vor jeder Äußerung noch überlegen, was seine Geldgeber dazu sagen, ob die Firmen, in denen er im Aufsichtsrat oder Vorstend sitzt betroffen sind, was Freund und Bruder zu melden haben und seine ganzen Lobbyfreundchen, die ihm und seiner Partei das karge Abendessen und die nächste Wahl finanzieren. Speziell WW sollte sich endlich auf sein eigentliches Amt konzentrieren, Psychose hin oder her. Vor allem: bitte kein Mitleid, wems nicht passt, kann ja gehen. Und irgendwann wird auch Frau Merkel merken, daß ein eine Truppe aus Klientel- und Regional-egoisten noch lange kein team sind. Und mal ehrlich: das hätte sie vor der Wahl auch schon wissen können.

    • tom310
    • 22.08.2010 um 22:18 Uhr

    Nebeneinkünfte von Dr. Guido Westerwelle:

    Auswärtiges Amt, Berlin,
    Bundesminister, monatlich, Stufe 3

    http://www.bundestag.de/b...

    • kargus
    • 22.08.2010 um 17:01 Uhr

    ngw16 hat recht: vielleicht ist fuer die herrschenden Politiker auch deswegen alles so kompliziert geworden, weil sie mehr als eine Loyalität berücksichtigen müssen. Früher musste ein SPD-Promi vielleicht noch bedenken, was die Gewerkschaften von ihm halten und ein CDU-Profi prüfen, ob die Kirche ausreichend berücksichtigt wird. Heute ist das anders. WW seinesgleichen müssen sich vor jeder Äußerung noch überlegen, was seine Geldgeber dazu sagen, ob die Firmen, in denen er im Aufsichtsrat oder Vorstend sitzt betroffen sind, was Freund und Bruder zu melden haben und seine ganzen Lobbyfreundchen, die ihm und seiner Partei das karge Abendessen und die nächste Wahl finanzieren. Speziell WW sollte sich endlich auf sein eigentliches Amt konzentrieren, Psychose hin oder her. Vor allem: bitte kein Mitleid, wems nicht passt, kann ja gehen. Und irgendwann wird auch Frau Merkel merken, daß ein eine Truppe aus Klientel- und Regional-egoisten noch lange kein team sind. Und mal ehrlich: das hätte sie vor der Wahl auch schon wissen können.

    • tom310
    • 22.08.2010 um 22:18 Uhr

    Nebeneinkünfte von Dr. Guido Westerwelle:

    Auswärtiges Amt, Berlin,
    Bundesminister, monatlich, Stufe 3

    http://www.bundestag.de/b...

  2. Es ist gut, dass Seehofer dazwischenfunkt, denn von allen drei Regierungsparteien, scheint die CSU noch die einzige zu sein, die parteilich ein soziales Gewissen hat. Die Querschüsse der FDP kommen dagegen von der anderen Seite und beschweren die Waagschale, welche ohnehin schon schwer durchhängt.

  3. Seehofer und Westerwelle als Problemneurose in der Politik zu sehen, das hat einen gewaltigen Fehler im Ansatz, denn es ignoriert die eine Seite, gegen die sie beständig antreten. In Wirklichkeit ist eine korrekte Beschreibung nur unter Anführung der dritten Person möglich. Und wer würde, angesichts ihrer Laufbahn in der Partei und ihres Verhaltens nach der Ernennung, daran zweifeln, dass Merkel die selbe Neurose besitzt? Die Mittel sind ein bisschen verschieden gewesen, der jetzige Unterschied im Stil allein durch die unterschiedliche Position, errungen im Kampf, begründet. Denn wenn Seehofer Hausherr in einem Bereich ist, etwa auf bayrischer Landesebene, ebenso Westerwelle als Außenminister oder kürzlich als Bundeskanzlervertreter, dann zeigen alle praktisch das selbe: Eine Art süffisante Ruhe im Genießen des Erfolgs, die von keinerlei Problemen angefochten wird.

    Das ist auch kein Wunder, da in den etablierten Parteien ebensolche Strukturen maßgeblich sind, die genau diese bedenkenlos nach Macht strebenden, in den Mitteln rücksichtslos agierende Politprofis nach oben gleiten lässt. Wer anders ist, ist nicht so erfolgreich; wer sich trotz seiner Andersartigkeit einem möglichen Erfolg annähert, wird von den Erfolgreicheren in diesem Spiel mit diesen, ihnen besonders gewohnten Werkzeugen bekämpft. Alle drei sind zwangsläufiges Ergebnis dieses Prozesses. Und in den anderen Parteien sieht es nicht anders aus.

  4. bloß an´s Theater gegangen, wieviel Frust und Ärger und wieviel Steuergeld wäre uns Bürgern erspart geblieben!

    Antwort auf "KALTE HERZEN"

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