Der Manager freut sich – der deutsche Minister errichtet keine Hürden
Links vom Minister kann Schindler seine Freude nicht verbergen. Er lächelt, rückt vor, ergreift das Wort. Spontan und fast überschwänglich lobt er den Minister, weil Google, wenn das ernst gemeint war, keine strenge Neuauflage des Bundesdatenschutzgesetzes fürchten muss.
Aber warum mag sich der Minister nur ganz am Rande um Datenschutz kümmern? Sieht er die große Welle nicht, die aus Kalifornien anrollt? Dabei haben die ersten Brecher Deutschland bereits erreicht. Die Zahl der Fälle, in denen Menschen gegen ihren Willen in Datenbanken geraten, nimmt absehbar zu.
Im Januar schrieb das Nachrichtenmagazin Spiegel über eine Software, die Gesichter erfassen und ihnen in wenigen Sekunden einen Namen sowie alle Informationen zuordnen könne, die frei im Internet zu finden sind. Das Programm heißt Goggles, entwickelt von Google, bisher ist es bloß noch nicht freigegeben. Gesichtserkennung plus persönliche Akte: Das ist nicht mehr fern.
Bei aller Kritik, die es also an Street View gibt: Technisch gesehen, ist er unter den Geo-Diensten nicht der atemberaubendste.
Neuer Aufruhr könnte bald um sogenannte geotags entstehen. Früher oder später werden sie der Schlüssel zu fast jeder Wohnung sein. Nüchtern betrachtet, sind g eotags kleine Informationsschnipsel, die an vielen digitalen Fotos und Videos hängen. Das geschieht, weil heutzutage in Kameras und Handys oft ein GPS-Chip eingebaut ist. Dieser Chip liefert zu jeder Aufnahme einen Längen- und einen Breitengrad und war eigentlich dazu gedacht, dem Fotografen das Sortieren seiner Bilder zu erleichtern. Aber inzwischen tauchen solche Fotos zu Tausenden in Kleinanzeigenmärkten im Internet auf und millionenfach in Onlinefotoalben und Videoportalen wie YouTube. Das Dumme ist: Jeder kann mit einem kleinen Zusatzprogramm genau feststellen, an welchem Ort solche Aufnahmen entstanden sind.
So werden Menschen geortet, deren einziger Fehler es war, dass in ihrer Wohnung ein Familienfest stattfand – und ein Onkel oder ein Freund ein paar Erinnerungsbilder machen wollte, die er wiederum ins Internet stellt. Es erwischt die Menschen inzwischen dort, wo sie es als Letztes vermuten: auf ihrem Sofa, am Herd, in ihrem Bett.
Am Anfang steht dabei kein böser Wille, sondern Stolz. Der Stolz, eine geniale Idee zu haben – und Pioniergeist. So war es bei den Start-ups, den jungen Firmen namens myRete, Pelago – und Heypic.
Andrew Seigner hat eine schwarze, schmal geschnittene Jacke. Draußen hat es schwer geschüttet, und er hat noch Tropfen auf den Schultern, als er in das Blue Bottle Café tritt. Es gilt unter den Kaffee-Verrückten von San Francisco als eines der besten. Seigner ist ein sehr schmaler Mann, blass, mit schnellen Händen. Seinen Partner Robert Manson hat er auch mitgebracht, aber die Rollen sind klar verteilt. Andrew redet, Robert schweigt und programmiert.
Sie sind die Gründer von Heypic, und was sie erzählen, klingt unglaublich. Sie können mit ihrer Software den Datenstrom des Kurznachrichtendienstes Twitter durchsuchen. Das ist erlaubt. Später platzieren die beiden die dort gefundenen Bilder anhand des geotags auf einer Landkarte. Seigner grinst breit, als er sagt, wie viel es die beiden kostet, diesen Dienst zu betreiben: »Rund 20 Dollar im Monat.« Um zu beweisen, dass er keinen Blödsinn redet, erklärt er, wie es zu den geringen Kosten kommt. »Wir fassen die Fotos nicht an, sondern legen einfach einen kleinen Link zu dem Foto in der Twitter-Datenbank.« Der geotag sorgt dann dafür, dass sich der Stadtplan von San Francisco mit Bildern füllt.
Sie hätten nur etwa drei Wochen gebraucht, um die erste Version zu entwickeln, sagt Seigner. In ihrer Freizeit hätten sie dran gesessen, weil sie tagsüber Angestellte einer old school- Firma seien, die Musiksoftware für Auto-Hi-Fi-Anlagen entwickelt. Und sie haben erste Erfolge. Einer der Gründer von Twitter fände sie klasse, die New York Times habe sie erwähnt, und einige Tausend Nutzer hätte Heypic auch schon. »Wir haben einige einflussreiche Leute, die uns gut finden.« Die jüngste Twitter-Entwicklerkonferenz sei ebenfalls toll gewesen, erzählt Seigner noch. »Da trifft man jemanden, steckt Minuten später in einem Taxi, und der Taxifahrer redet so, als ob er alles über Twitter wüsste. Das ist San Francisco. Und deshalb sind wir hier«, schwärmt Andrew Seigner.
Wovon sie träumen? Dass sie mit ihrem Programm einen heißen Trend erwischt haben. So viel ist sicher. Das haben sie.
- Datum 20.08.2010 - 13:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
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all die im artikel genannten dienste sind nichts wirklich neues. um die ganzen mobilen anwendungen dienste entsteht ein hype weil sich smartphones gerade durchsetzten und die vielzahl der benutzer sehr sorglos mit ihren daten umgehen. dies hat erstens relativ wenig mit der zwangsweisen erfassung von haeusserfronten bei google street view zu tun, da google street view weder persoenliche daten noch persoenbezogene daten speichert. zweitens gibt es im internet keine zwangsweise erfassung (die ip einmal ausgeschlossen), denn die natur des internets bedingt dass der user weiss was er tut. und somit hat er fast vollkommene kontrolle ueber die daten die er im netz zur verfuegung stellt. noch habe ich den eindruck das zuwenigen menschen die technologie dahinter verstehen oder gar verstehen wollen.
Folgendes Zitat in dem Artikel ist beispielsweise absoluter Unsinn. Es ist die Rede von den Zusatzinformationen, die heute schon bei jedem geknipsten Bild gespeichert werden: Uhrzeit und evtl. GPS-Daten. Der Autor schreibt:
"So werden Menschen geortet, deren einziger Fehler es war, dass in ihrer Wohnung ein Familienfest stattfand – und ein Onkel oder ein Freund ein paar Erinnerungsbilder machen wollte, die er wiederum ins Internet stellt. Es erwischt die Menschen inzwischen dort, wo sie es als Letztes vermuten: auf ihrem Sofa, am Herd, in ihrem Bett."
Aha, jemand knipst also jemand anderen im Bett und dann wird das Bild ins Internet gestellt und jeder kann es sehen.
Es gibt heute schon ausreichend Gesetze, dass sich jemand gegen so etwas wehren kann. Es ist schlicht und einfach verboten, ein solches Bild in's Internet zu stellen. Wer es gegen den Willen des Betroffenen tut, macht sich strafbar.
Es ist gut, dass wir heute einen Innenminister haben, der
sich in der hysterischen Diskussion (noch) nicht unter Druck setzen lässt.
....die durch geo-Dienste oder geo-Tags geschehen werden. Sie sind sicherlich ungeheuer gefährlich. Aber ein Beispiel solcher Gefahr ist mir in keinem Artikel plausibel beschrieben worden.
....die durch geo-Dienste oder geo-Tags geschehen werden. Sie sind sicherlich ungeheuer gefährlich. Aber ein Beispiel solcher Gefahr ist mir in keinem Artikel plausibel beschrieben worden.
entfernt. Bitte seien Sie konstruktiv. Danke. Die Redaktion/km
Bemühen Sie sich um sachliche Kommentare. Die Redaktion / mh
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Dienste wie Heypic oder Street View sind tolle Spielereien, aber auf lange Sicht werden solche Dienste sich nicht in der aktuellen Form halten. Augmented Reality ist "the next big thing".
Warum 5 Jahre alte Fotos der Stadtumgebung anschauen, wenn man alle Informationen auch im Live-Bild eingeblendet haben kann - inklusive Navigation, Werbung, Twitterposts mit Geotag, Facebooks Places, Qype ...
DAS ist der wahre Blick in den Vorgarten - nur muss man dazu eben wirklich vor dem Garten stehen ;)
Habe neuen Street View Dienst entdeckt. Gehe raus und schaue mir die Häuser live an. Total real! Wahnsinn! Und sogar in 3D!
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Geodaten werden von Firmen bereits seit über 10 Jahren verwertet. Für die Optimierung von Servicemitarbeitern im Außendienst konnten schon früh mit Hilfe von Motorola und Telco-Firmen (GPS) entsprechende Daten kombiniert werden. An der Technik hat sich nichts geändert. Die Algorythmen für die Verarbeitung und Auswertung solcher Daten sind nicht neu.
Neu dagegen ist der breit gestreute Gebrauch von Smartphones, die zunehmende Nutzung des Internet über Handy oder Sticks. Hierdurch fallen neue Kombinationen von Daten an, die natürlich den Informationshunger für Marketing- und Konsumentenanalysen wecken. Die Diskussion um Streetview lenkt aber hier nur ab von den tatsächlichen Chancen und Gefahren, die durch die aktuelle Nutzung mobiler Endgeräte für Kommunikation via UTMS und Co. entstehen. Streetview gehört überhaupt nicht in diese Kategorie.
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