Stimmt's? Gegen die Wand

"Ist eine Frontalkollision schlimmer als der Aufprall auf eine Wand?", fragt Thomas Liepold aus Altdorf

Crashtest: Ein Frontalzusammenstoß mit einem anderen Wagen ist nicht unbedingt schlimmer als ein Aufprall auf eine Wand

Crashtest: Ein Frontalzusammenstoß mit einem anderen Wagen ist nicht unbedingt schlimmer als ein Aufprall auf eine Wand

Es geht um zwei Szenarien: Erstens, ein Auto prallt zum Beispiel mit 50 Kilometern pro Stunde auf eine stehende Wand. Zweitens, es stößt frontal mit einem gleich schnellen Wagen gleicher Bauart zusammen. In welchem Fall sind die Auswirkungen schlimmer?

Viele Menschen meinen, der zweite Fall sei schlimmer, weil die »relative Geschwindigkeit« der kollidierenden Objekte doppelt so hoch ist. Aber dem liegt ein Denkfehler zugrunde.

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Richtig ist, dass die kinetische Energie der beiden Autos zusammen doppelt so groß ist wie die eines einzelnen Wagens. Diese Energie wird in verformtes Blech umgesetzt. Bei der Frontalkollision wird doppelt so viel Blech gefaltet, für das einzelne Auto bleibt die Energiebilanz gleich.

Wie schlimm die Sache für den Fahrer ist, hängt ab von der negativen Beschleunigung, die er beim Zusammenstoß erfährt. Da die Mauer sich praktisch nicht bewegt, ist der »Bremsweg« genau die Strecke, um die sich das Fahrzeug beim Zusammenstoß verkürzt. Je länger diese Knautschzone ist, umso glimpflicher verläuft der Unfall. Einen Frontalzusammenstoß gleicher Massen kann man sich so vorstellen, dass sich beide Autos an der Stelle des Kontakts auffalten – so, als würde an dieser Stelle eine Wand stehen.

All das gilt natürlich nur für gleich schwere und gleich schnelle Autos. Stößt man mit einer größeren oder schnelleren Masse zusammen, etwa einem Lkw, dann sind die Folgen beim Frontalzusammenstoß erheblich schlimmer.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Man nehme die linke Hand und drücke sie mit der Handinnenseite gegen die Handinnenseite der rechten Hand. Wenn beide Hände gleich stark drücken, bewegt sich nichts.
    Kräftegleichgewicht.

    Wenn man nun mit der gleichen Kraft gegen eine Wand drückt, und sich nichts bewegt, mit welcher Kraft "drückt die Wand dann zurück"?

    Ich denke, daß es hier nur um die Frage der Kraftvektoren geht und nicht um die Verformungsarbeit...

    ...bei Chrashtests werden, meines Wissens, sowieso Wände genommen, an denen ein Material befestigt ist, daß ein Auto entsprechend simulieren soll.

  2. Bei den vorigen Überlegungen ging es wohl nur um physikalische Überlegungen rund um den Impuls, der übertragen wird und in Kräfte auf die Insassen gewandelt wird.

    Mal distanziert betrachtet:
    Fällt dabei denn niemanden auf, dass bei Frontalkollision zweier Fahrzeige im schlimmsten Fall beide Besatzungen betroffen sind?
    Ist für mich deutlich schlimmer, wenn ein Überholer oder Geisterfahrer eine entgegenkommende Familie erwischt als wenn er sich nur selbst vor den Baum setzt.
    Es war ja die Frage, was "schlimmer" ist.

    • W4YN3
    • 24.08.2010 um 12:33 Uhr

    Mal ehrlich, wer bewertet die Kommentare und macht die Empfehlungen? Da wird von potentieller Energie geredet, die etwas völlig anderes ist als die Kinetische!

    Zur Sache: Die Wand kann zerstört werden beim Aufprall, dadurch können Vor-/ Nachteile für den Fahrer entstehen. Beim Frontalaufprall besteht das Risiko, dass lose Gegenstände aus dem einen Auto zum Zeitpunkt des Aufpralls durch die Windschutzscheibe durchschießen und den Fahrer des anderen Autos zusätzlich gefährden können.

    Ansonsten kann ich mich nur Nummer7 anschließen, der Frontalzusammenstoß ist doppelt so schlimm, weil doppelt so viele Menschen beteiligt sind.

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    • RobJir
    • 27.08.2010 um 14:27 Uhr

    Man muss immer die Gesamtenergie betrachten, da nur diese erhalten ist.
    Und die Gesamtenergie setzt sich aus potentieller und kinetischer Energie (zumindest rein theoretisch betrachtet, es koennen noch mehrere Energieformen sein) zusammen.
    Die potentielle Energie muss hier ebenfalls in die Ueberlegung mit einbezogen werden, da diese Rueckschluesse auf die Verformungsenergie gibt, eben wegen der Energieerhaltung.
    Die Verformungsenergie war ja der Anhaltspunkt fuer den "Schaden des Autos".

    • RobJir
    • 27.08.2010 um 14:27 Uhr

    Man muss immer die Gesamtenergie betrachten, da nur diese erhalten ist.
    Und die Gesamtenergie setzt sich aus potentieller und kinetischer Energie (zumindest rein theoretisch betrachtet, es koennen noch mehrere Energieformen sein) zusammen.
    Die potentielle Energie muss hier ebenfalls in die Ueberlegung mit einbezogen werden, da diese Rueckschluesse auf die Verformungsenergie gibt, eben wegen der Energieerhaltung.
    Die Verformungsenergie war ja der Anhaltspunkt fuer den "Schaden des Autos".

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