Bahnhofs-Streit Eine Stadt steht kopf

Mahnwachen, Telefonketten, Parolen: Im Streit um den Stuttgarter Hauptbahnhof geht es nicht mehr um die Sache.

Den Bauzaun, hinter dem der Abrissbagger inzwischen seine kleinen Kreise zieht, haben sie mit Zetteln und Plakaten in eine Art Klagewand verwandelt: »Ba(h)nanenrepublik« steht da oder »Wir sind im Widerstand, aber wir gehen nicht in den Untergrund«. Erregte Streitgespräche zu jeder Tageszeit. Seit Juli achtet eine Mahnwache rund um die Uhr auf Bewegungen des Gegners und organisiert Widerstand per Telefonkette. Und als Warnung für die Landtagswahl im kommenden Frühjahr: »Wer den Bahnhof quält, wird abgewählt.«

Die vielbeschworene »Mitte« der Gesellschaft zeigt sich widerborstig, viele darunter sind wirtschaftsnah und haben immer CDU gewählt, viele Ältere, Seriöse. Sie kommen zum Protest-Streichquartett an den Bauzaun, aber sie haben keine Lust auf Rangeleien mit der Polizei. Sie sind gebildet und hervorragend informiert, über den Landeshaushalt ebenso wie über wasserführende Gesteinsschichten. Das macht ihren Widerstand neuartig und wirkungsmächtig. Der Protest ist bürgerlich. Und er zeigt sich verdammt zäh.

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Die Stadt und die Landespolitik halten dagegen: Der Tiefbahnhof ist das entscheidende Zukunftsprojekt der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Die verbesserte Erreichbarkeit erhöht die Attraktivität des Standortes. Mehr Menschen und mehr Güter werden auf die Schiene gelenkt. Hinterm Bahnhof entsteht dann ein ganz neues, grünes Stadtviertel, das die alte Trennung der Stadt durch die Gleisanlagen beseitigen wird. Für das von Hügeln eingekesselte Stuttgart ist diese Fläche die einzige Chance, noch zu wachsen.

Beide Seiten konnten in den letzten Jahren ihre Standpunkte festigen und durch Gutachten zementieren. Das Resultat: Heute glaubt keiner mehr dem anderen, nichts, keine Zahl, keine Prognose. Eine sachliche Auseinandersetzung mit Argumenten über das zentrale verkehrspolitische Vorhaben Baden-Württembergs ist unmöglich geworden. Und das liegt auch an der Salamitaktik, mit der Stadt und Land die Bürger über die Kosten informieren: 2003 wurde Stuttgart 21 noch mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt, die Neubaustrecke mit 1,5 Milliarden. Heute liegt man offiziell bei 4,1 plus 2,9 Milliarden. Kaum jemand glaubt, dass diese Summen am Ende ausreichen werden.

Eine Chronik

1988: Der Stuttgarter Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl präsentiert seine Idee für einen Durchgangsbahnhof und die Neubaustrecke nach Ulm.

1994: Stuttgart 21 wird aus der Taufe gehoben. Beteiligt sind Erwin Teufel, damals baden-württembergischer Ministerpräsident, Bahnchef Heinz Dürr, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann und Oberbürgermeister Manfred Rommel, allesamt Schwaben. Kritiker sprechen von der »Maultaschen-Connection«. Die Finanzierung sei durch den Verkauf von Immobilien auf dem frei werdenden Gleisfeld weitgehend gedeckt, heißt es.

1997: Der Entwurf des Architekten Christoph Ingenhoven (Foto) für den neuen Bahnhof setzt sich durch

1999: Bahnchef Johannes Ludewig verhängt einen Planungsstopp, den sein Nachfolger Hartmut Mehdorn später aufhebt.

2001: Stuttgart zahlt der Bahn einen dreistelligen Millionenbetrag für das Gleisgelände, verspricht 17.000 neue Arbeitsplätze und 11.000 Wohnungen.

2005: Der Bau des Tiefbahnhofs wird genehmigt. Klagen dagegen scheitern vor Gericht.

2007: Gegner sammeln 67.000 Unterschriften. Die Stadt lehnt ihr Bürgerbegehren ab.

2009: Bei der Gemeinderatswahl lösen die Grünen, die gegen Stuttgart 21 sind, die CDU als stärkste Fraktion ab.

Februar 2010: Offizieller Baustart

25. August 2010: Bagger beginnen unter Polizeischutz, den Nordflügel des alten Bahnhofes abzureißen. Zwei Tage später demonstrieren 30.000 Menschen gegen Stuttgart 21.

Bahnchef Grube hatte verkündet, für den Tiefbahnhof sei bei 4,5 Milliarden Schluss, wenn es mehr werde, würde nicht gebaut. Dann ließ er nachrechnen und kam auf 4,9. Er ließ dann noch einmal nachrechnen und verkündete: Mit 4,1 Milliarden und dünneren Tunnelwänden könne man es schaffen. Glaubwürdig? Mit 900 Millionen wird das Land eine Neubaustrecke bezuschussen, die komplett in den Aufgabenbereich der Bahn fällt. Unklar ist, ob das der Landesverfassung entspricht. Unklar ist auch, ob ein reiches Bundesland im Sinne des bundesdeutschen Föderalismus sich auf diese Weise Infrastrukturprojekte besorgen darf. Das Saarland beispielsweise kann so etwas nicht.

Als die Gemüter noch weniger erhitzt waren, hätte eine offene und vernünftige Auseinandersetzung stattfinden können, damals wäre vielleicht noch eine Mehrheit für das Projekt zu gewinnen gewesen. 2007 verweigerte aber CDU-Oberbürgermeister Schuster ein Bürgerbegehren, welches er für den Fall versprochen hatte, dass die Kosten für die Stadt höher würden als berechnet. Die Kosten stiegen. Die Berufung auf juristische Formalia, um ihr Begehren abzulehnen, werteten Gegner als Arroganz der Macht. Seither ist die Auseinandersetzung um Stuttgart 21 eine Sache tiefer Gefühle, man kann auch sagen: unlösbar. Selbst die Befürworter geben kleinlaut zu, dass die meisten Stuttgarter inzwischen gegen das Vorhaben sind.

In der Stadt gibt es keinen von politischer Statur, der noch einmal für das Projekt Stimmung machte oder seinen Kopf dafür hinhielte. Es wäre die Aufgabe des OB, aber Schuster taucht ab und fällt der allgemeinen Nichtachtung anheim. Ministerpräsident Mappus forciert das Vorhaben, aber er ist klug genug, seinen Namen nicht allzu fest damit zu verknüpfen. CDU und SPD sagen, das Vorhaben sei doch juristisch wasserdicht und von sämtlichen zuständigen demokratischen Gremien beschlossen worden! Das ist richtig. Die Grünen sind trotzdem dagegen und werden damit nun endgültig zur Volkspartei. Im Gemeinderat sind sie seit Juni 2009 stärkste Fraktion. Sie verfügen sogar über ein Gegenkonzept: Der erneuerte Stuttgarter Kopfbahnhof soll das Zentrum eines regionalen Zugverkehrs nach Schweizer Modell werden, mit kluger Taktung der Züge und passenden Anschlüssen, nicht auf Geschwindigkeit konzentriert wie die Planung der Bahn jetzt.

Leser-Kommentare
  1. Die Ausage, der alte Bahnhof sei nicht schön, ist aus der Sicht vpn Leuten aus der Region nur ein weiterer Beweis für die arrogante Ignoranz norddeutscher Journaille. Aber unabängig davon, was man von Architekturdenkmälern hält - kann mir der Autor des Artikels auch nur eine deutsche Stadt nennen, in der es hingenommen würde, daß ein zentrales großes Parkgelände mit fast dreihundert alten Bäumen komplett abgeholzt wird? Das würde auch in Berlin oder Hamburg zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen und zum wohlverdienten blanken Haß gegen die Parteien, die sich für die einzigen demokratischen halten, weil sie so ein Monopol rechtfertigen können, das sie in Wirklichkeit längst verloren haben.

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    • joG
    • 22.08.2010 um 9:53 Uhr

    ....Das würde Stuttgart schon ein wenig ändern. Würde man da Parkplätze hinmachen?

    • joG
    • 22.08.2010 um 9:53 Uhr

    ....Das würde Stuttgart schon ein wenig ändern. Würde man da Parkplätze hinmachen?

  2. Natürlich geht es um die Sache. Denn das Bauvorhaben steht wie kaum ein anderes für einen irrlichternden Fortschrittsglauben, nach dem modern nur das ist, was neu ist. Dabei würde sich Fortschritt heute darin manifestieren, bestimmte Dinge NICHT zu tun. Statt Milliarden (und wir wissen, dass auch die letzten Schätzungen noch zu niedrig sind, denn die Kosten für solche Bauvorhaben laufen seltsamerweise immer aus dem Ruder) für ein Prestigeobjekt zu verpulvern, aus welchem ausschließlich die lokale Polit-Camarilla und handverlesene Zulieferer profitieren, sollte Stuttgart das Geld in grünen Nahverkehr investieren. DAS wäre ein richtiger Schritt in die Zukunft.

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    • joG
    • 22.08.2010 um 10:01 Uhr

    ....und ich traue mir kein Urteil abschließen zu. Einerseits wird es, wenn der Bau nicht stattfindet, bedeuten, dass auf mittlere Frist der Fernbahnhof vor die Stadt verlagert wird oder Stuttgart von der Hauptstrecke gestrichen wird. Dann ist für jede Fahrt für den Stuttgarter oder Besucher eine zusätzlich halbe Stunde oder so in jede Richtung anzusetzen. Das hört sich nicht so schlimm an, dürfte aber für die Wirtschaft der Innenstadt tödlich sein und Hunderte von Millionen alleine an Immobilienwerten kosten. Um den Fernbahnhof herum sähe das anders aus. Es sei denn man macht es so wie in Kassel.

    • joG
    • 22.08.2010 um 10:01 Uhr

    ....und ich traue mir kein Urteil abschließen zu. Einerseits wird es, wenn der Bau nicht stattfindet, bedeuten, dass auf mittlere Frist der Fernbahnhof vor die Stadt verlagert wird oder Stuttgart von der Hauptstrecke gestrichen wird. Dann ist für jede Fahrt für den Stuttgarter oder Besucher eine zusätzlich halbe Stunde oder so in jede Richtung anzusetzen. Das hört sich nicht so schlimm an, dürfte aber für die Wirtschaft der Innenstadt tödlich sein und Hunderte von Millionen alleine an Immobilienwerten kosten. Um den Fernbahnhof herum sähe das anders aus. Es sei denn man macht es so wie in Kassel.

  3. Na klar modernisieren- aber das gute Alte erhalten.
    Das Volk auf der Straße ist nicht gegen die Modernisierung. Es spürt die Politiker haben sich von der Baulobby biegen lassen und Volkeswille bringt kein schnelles Geld.
    Auf dem beginnenden Bau billige Arbeiter (über 80%) die aus den gesetzlichen Rahmen fallen - Mafia Italien?

  4. Woher kommt sie nur?

    Womöglich hat sie ihre Ursache in der Tatsache, dass das Volk nichts zu sagen hat?

  5. Das sog. "Schweizer Modell" ist keine Lösung, denn auch wenn speziell die Norddeutschen in seliges Grinsen verfallen wenn sie nur "Schweiz" hören hat das schweizer Bahnnetz viele eklatante Schwächen. Man hat sich in der Tat Neubaustrecken, gar Hochgeschwindigkeitsstrecken, gespart und als billigere Lösung erst einmal aus der Substanz das Maximum herausgeholt. Entsprechend gut ist auch die Preis/Leistung, es handelt sich um seit Generationen abgeschriebene Strecken die lediglich moderate Unterhaltskosten brauchen, während in der BRD zB in ganz Ostdeutschland praktisch das gesamte Netz neu aufgebaut werden musste, was ebenso auf den Schultern der Bahn lastet wie die ganzen Neubaustrecken.

    Das stößt inzwischen aber an Grenzen, die Strecken werden an der Auslastungsgrenze bzw. eigentlich schon darüber gefahren und es werden zukünftig umso teurere zahlreiche Neubauvorhaben landesweit fällig, weil man sich notwendige Neubaustrecken über lange Zeit flächendeckend gespart hat. Das kann kein Konzept für Stuttgart sein, ein solide wachsender Ballungsraum der auch in Zukunft viele Verkehre haben wird - und am besten soll der Anteil der Güter auf der Schiene ja gar nochs teigen - braucht schlicht neue Strecken und eine Überarbeitung des "Flaschenhalses" eines Sackbahnhofes. OB das sog. "Stuttgart 21" der beste Weg ist, mag streitbar sein. Aber nicht DASS was passieren muss und dass es teuer wird. Das ist meiner Anschauung nach ein Eindruck der aber von Gegnern geschürt wird.

    • w.h.k.
    • 21.08.2010 um 17:52 Uhr

    Wenn sie weise wären, würden sie eine Volksabstimmung abhalten und das Projekt bei entsprechender Mehrheit gesichtswahrend beerdigen. Aber Weisheit und Politik passen leider selten zusammen.

    Vielleicht mag ja jemand den "Stuttgarter Appell" unterschreiben: http://stuttgarterappell.de/

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    "Wenn sie weise wären, würden sie eine Volksabstimmung abhalten und das Projekt bei entsprechender Mehrheit gesichtswahrend beerdigen."

    es wurden schon mehr als eine Milliarde Euro verplant!

    Ausserdem, welchen Politiker interessiert denn das Volk?

    "Wenn sie weise wären, würden sie eine Volksabstimmung abhalten und das Projekt bei entsprechender Mehrheit gesichtswahrend beerdigen."

    es wurden schon mehr als eine Milliarde Euro verplant!

    Ausserdem, welchen Politiker interessiert denn das Volk?

  6. "...Deswegen droht Ministerpräsident Mappus inzwischen offen mit einer Großen Koalition. Politik, so die CDU, könne man nur mit 'Staatstragenden' machen."

    Genau genommen ein direkter Aufruf, gar nicht mehr wählen zu gehen.

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    ...denn zur großen Koalition müßte er doch in der Zwischenzeit die Grünen nehmen - da müssen Sie wahrscheinlich so lachen wie ich. Und wenn der Mappus nicht aufpasst gibts im März eine ganz andere große Koalition - aus Roten und Grünen.

    ...denn zur großen Koalition müßte er doch in der Zwischenzeit die Grünen nehmen - da müssen Sie wahrscheinlich so lachen wie ich. Und wenn der Mappus nicht aufpasst gibts im März eine ganz andere große Koalition - aus Roten und Grünen.

  7. Ich war gestern dort um mir selbst ein Bild zu machen. Tatsache ist: es sind fast nur die üblichen Verdächtigen da.

    Ich dachte, nachdem ich es mehrmals gelesen habe, dass der Protest "bürgerlich" sei. Das war er aber eben nicht. [...]

    Der Rest wurde entfernt. Bitte unterlassen Sie diffamierende Äußerungen. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.

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    Wer kann sich denn bitte es leisten, wirklich etwas zu tun. Ich als Student kann auch kaum etwas tun, wenn ich verpflichtende Stunden habe, verpflichtende Arbeit, nebenbei mich selbst versorgen muss usw, ergo das was ein normaler Arbeitnehmer wohl auch tun muss...

    Kein Wunder das es kein "bürgerlicher" Protest ist, wenn ein Großteil der Leute währenddessen in dem Wirtschaftslaufrädchen um die Wette rennt...bzw. rennen muss damit sie ihre Arbeit nicht verlieren!

    Ich bin der Überzeugung,daß es angebracht wäre Sie
    nochmals auf die Schule zu schicken.

    Auf die Schule des Lebens, in die Schule der Demokratie.

    Man darf durchaus mit mit einer Sachlage nicht einverstanden
    sein.

    Jedoch ist Ihr Kommentar geistig zu wenig relevant.

    Milieu,Nörgler,Naturschützer,Hartz4 Empfänger, Studenten,
    Lehrer,Gewerkschaften?

    Bürgerinnen und Bürger in dieser Art und Weise denunzieren
    zu wollen,zeigt eine, nach meiner persönlichen Meinung,
    wenig qualifizierten Einstellung zu diesem Sachverhalt.

    So wie ich,haben auch Sie noch viel zu lernen.

    "Kurz: Die Grundgesamtheit derer, die sich mehr schlecht als recht an der Produktivität dieser Gesellschaft beteiligen." wer beteiligt sich denn ihrer meinung nach ausreichend an der produktivität der gesellschaft?

    • w.h.k.
    • 21.08.2010 um 21:03 Uhr

    "Das ist das klassische Aktivisten-Milieu - ein paar alte Nörgler, das klassische Betriebsrats- und Gewerkschaftsmilieu, ein paar Naturschützer, ein paar Pädagogen, ein paar Studenten und ein paar Hartz 4 Empfänger."
    Das klingt so als ob vielleicht 200 Querulanten dagewesen sind. Laut Zeitungsberichten waren es aber etwa 30.000 Teilnehmer.
    Warum eigentlich sind Betriebsräte, Gewerkschafter, Naturschützer, Pädagogen, Studenten oder H4-Empfänger nicht bürgerlich? Ist das Attribut "bürgerlich" einer bestimmten Einkommensklasse vorbehalten?

    Aus dem Kasten:
    "2007: Gegner sammeln 67.000 Unterschriften. Die Stadt lehnt ihr Bürgerbegehren ab.
    2009: Bei der Gemeinderatswahl lösen die Grünen, die gegen Stuttgart 21 sind, die CDU als stärkste Fraktion ab."
    Offensichtlich handelt es sich bei dem Widerstand eben nicht nur um die "üblichen Verdächtigen".

    ...aber da denken Sie falsch: Denn ich demonstriere mit. Und ich bin berufstätiger, selbständiger Akademiker. Mein Geld wird in Stuttgart mit verpulvert und das lasse ich nicht zu! Ab gestern jeden Freitag und ab Mittwoch jeden Mittwoch wozu ich mir Zeit aus den Rippen schneiden muss.

    "Ich dachte, nachdem ich es mehrmals gelesen habe, dass der Protest "bürgerlich" sei. Das war er aber eben nicht.
    Das ist das klassische Aktivisten-Milieu - ein paar alte Nörgler, das klassische Betriebsrats- und Gewerkschaftsmilieu, ein paar Naturschützer, ein paar Pädagogen, ein paar Studenten und ein paar Hartz 4 Empfänger."

    Da tun Sie mir aber Leid! Keine Zigarre rauchenden Anzugträger, die sich an Bauzäune ketten, und Straßenblockaden mit Benz und BMW vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof? Aus der Traum vom kritischen Leistungsträgertum!

    Ich wohne in Stuttgart und betreibe einen Gastronomiebetrieb am Killesberg einer der besten Wohngegenden Stuttgarts und in der Nähe der Universität. Mein Bekanntenkreis umfasst 90% Akademiker, darunter viele Juristen, Ärzte und Architekten. Mein Kind geht auf eine Privatschule. Ich habe also täglich mit mindestens 100 verschiedenen Stuttgarter(innen) zu tun, die alle (bis auf die Studenten) üpig Steuern zahlen und dem gehobenen Bürgertum der Stadt zu zurechnen sind. 80% davon sind gegen Stuttgart 21, die Hälfte davon war schon auf den Demos oder geht sogar regelmässig dorthin. Viele waren überzeugte CDU Wähler und orientieren sich jetzt neu. Wenn das nicht Bürgerlich ist, was Dann?

    Wer kann sich denn bitte es leisten, wirklich etwas zu tun. Ich als Student kann auch kaum etwas tun, wenn ich verpflichtende Stunden habe, verpflichtende Arbeit, nebenbei mich selbst versorgen muss usw, ergo das was ein normaler Arbeitnehmer wohl auch tun muss...

    Kein Wunder das es kein "bürgerlicher" Protest ist, wenn ein Großteil der Leute währenddessen in dem Wirtschaftslaufrädchen um die Wette rennt...bzw. rennen muss damit sie ihre Arbeit nicht verlieren!

    Ich bin der Überzeugung,daß es angebracht wäre Sie
    nochmals auf die Schule zu schicken.

    Auf die Schule des Lebens, in die Schule der Demokratie.

    Man darf durchaus mit mit einer Sachlage nicht einverstanden
    sein.

    Jedoch ist Ihr Kommentar geistig zu wenig relevant.

    Milieu,Nörgler,Naturschützer,Hartz4 Empfänger, Studenten,
    Lehrer,Gewerkschaften?

    Bürgerinnen und Bürger in dieser Art und Weise denunzieren
    zu wollen,zeigt eine, nach meiner persönlichen Meinung,
    wenig qualifizierten Einstellung zu diesem Sachverhalt.

    So wie ich,haben auch Sie noch viel zu lernen.

    "Kurz: Die Grundgesamtheit derer, die sich mehr schlecht als recht an der Produktivität dieser Gesellschaft beteiligen." wer beteiligt sich denn ihrer meinung nach ausreichend an der produktivität der gesellschaft?

    • w.h.k.
    • 21.08.2010 um 21:03 Uhr

    "Das ist das klassische Aktivisten-Milieu - ein paar alte Nörgler, das klassische Betriebsrats- und Gewerkschaftsmilieu, ein paar Naturschützer, ein paar Pädagogen, ein paar Studenten und ein paar Hartz 4 Empfänger."
    Das klingt so als ob vielleicht 200 Querulanten dagewesen sind. Laut Zeitungsberichten waren es aber etwa 30.000 Teilnehmer.
    Warum eigentlich sind Betriebsräte, Gewerkschafter, Naturschützer, Pädagogen, Studenten oder H4-Empfänger nicht bürgerlich? Ist das Attribut "bürgerlich" einer bestimmten Einkommensklasse vorbehalten?

    Aus dem Kasten:
    "2007: Gegner sammeln 67.000 Unterschriften. Die Stadt lehnt ihr Bürgerbegehren ab.
    2009: Bei der Gemeinderatswahl lösen die Grünen, die gegen Stuttgart 21 sind, die CDU als stärkste Fraktion ab."
    Offensichtlich handelt es sich bei dem Widerstand eben nicht nur um die "üblichen Verdächtigen".

    ...aber da denken Sie falsch: Denn ich demonstriere mit. Und ich bin berufstätiger, selbständiger Akademiker. Mein Geld wird in Stuttgart mit verpulvert und das lasse ich nicht zu! Ab gestern jeden Freitag und ab Mittwoch jeden Mittwoch wozu ich mir Zeit aus den Rippen schneiden muss.

    "Ich dachte, nachdem ich es mehrmals gelesen habe, dass der Protest "bürgerlich" sei. Das war er aber eben nicht.
    Das ist das klassische Aktivisten-Milieu - ein paar alte Nörgler, das klassische Betriebsrats- und Gewerkschaftsmilieu, ein paar Naturschützer, ein paar Pädagogen, ein paar Studenten und ein paar Hartz 4 Empfänger."

    Da tun Sie mir aber Leid! Keine Zigarre rauchenden Anzugträger, die sich an Bauzäune ketten, und Straßenblockaden mit Benz und BMW vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof? Aus der Traum vom kritischen Leistungsträgertum!

    Ich wohne in Stuttgart und betreibe einen Gastronomiebetrieb am Killesberg einer der besten Wohngegenden Stuttgarts und in der Nähe der Universität. Mein Bekanntenkreis umfasst 90% Akademiker, darunter viele Juristen, Ärzte und Architekten. Mein Kind geht auf eine Privatschule. Ich habe also täglich mit mindestens 100 verschiedenen Stuttgarter(innen) zu tun, die alle (bis auf die Studenten) üpig Steuern zahlen und dem gehobenen Bürgertum der Stadt zu zurechnen sind. 80% davon sind gegen Stuttgart 21, die Hälfte davon war schon auf den Demos oder geht sogar regelmässig dorthin. Viele waren überzeugte CDU Wähler und orientieren sich jetzt neu. Wenn das nicht Bürgerlich ist, was Dann?

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