Medien Sündenbock Ballack

Wie die Medien ihn mit Eifersucht verfolgen. Ein Abpfiff.

Wenn Missgunst hässlich macht, dann sind die Redaktionen dieses Landes von Figuren wie Else Kling bevölkert. Wir müssen uns den deutschen Redakteur nicht als Sunnyboy, sondern als Vettel aus der Lindenstraße vorstellen – eifersüchtig das Glück anderer verfolgend. Nur so ist die Eintracht der Journalisten beim Abschuss von Michael Ballack zu verstehen.

Viel zu lange ging es ihm gut: Tore, Fans, Frauen, Geld und auch noch Sexappeal. Jetzt zahlen die Neider es ihm heim. Seit Tagen überbieten sich Deutschlands Moralapostel von Bild, Welt, FAZ, SZ und Bunte in der Exegese seines sündigen Privatlebens. Der Fußballer habe gegen das zehnte Gebot verstoßen und ein Techtelmechtel mit der Freundin eines Kollegen gehabt. Teufel auch! Manche Leser werden zwar sagen: Na und? Mit wem sollen Fußballer sonst techtelmechteln? Und wer ist überhaupt dieser Dekalog? Ein griechischer Amateurligaspieler? Doch die Stimmung in der Presse kippt allmählich ins Hysterische: Steinigt ihn!

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Die westlichen Weltmeister der Toleranz sind ja nur zu schlagen durch ihre eigene Bigotterie. Weil Ballacks Mitspieler Christian Lell jammerte: »Michael hat einen Anteil daran, dass es mir sehr schlecht ging«, glauben sie gleich an eine Affäre. Wenn Beweise fehlen, umso besser. Dann machen sie die Überschrift: »Vorwürfe gegen Ballack immer mysteriöser!« (Bild.)

Der Neid ist übrigens deshalb eine Todsünde, weil er das Hässliche schlechthin, also die Gewalt in die Welt bringt. Siehe Bibel. Neid auf den Erfolg anderer führt zum Krieg aller gegen alle, und die Gesellschaft lässt sich nur befrieden, indem sie einen Sündenbock opfert. Das ist Ballack. Was ihm vorgeworfen wird, das widerfährt ihm – bösartiges Begehren. Dagegen und nicht gegen etwas so Läppisches wie eine Affäre richtet sich das zehnte Gebot: »Du sollst nicht begehren Deines nächsten Weib…« Der Fall Ballack wird am Ende zeigen, wie moralisch verkommen die Fußballnation wirklich ist. Ob wir im Herzen nette Fans sind oder missgünstig wie Else Kling.

 
Leser-Kommentare
    • am19
    • 19.08.2010 um 8:19 Uhr
  1. ...möglich das in kürze eine geistgeschriebene autobiographie von herrn ballack erscheint und das ganze gehacke ein werbefeldzug ist? balla, balla, ballack. in seiner eben erschienenen autobiographie rechnet der wackere deutsche spielführer ab. kritiker sehen...

  2. Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich. Die Redaktion/cs

  3. Ihrem Kommentar entnehme ich, dass Sie es nicht als verwerflich ansehen, wenn sogenannte Journalisten irgendwelche vorhandenen (?) oder aus der Luft gegriffenen Gerüchte nutzen, um das Bild eines Menschen in der Öffentlichkeit in den Dreck zu ziehen.
    Es ist doch unerheblich, ob Michael Ballack mit dem Druck umgehen kann, oder nicht. Glauben Sie ernsthaft, dass sich an der Kampagne irgendetwas geändert hätte?
    Und was Ihr Gomez damit zu tun hat, entzieht sich mir dann doch vollends. Ich kann mich an kein einziges überzeugendes Spiel vom Ihrer Meinung nach eines der größten europäischen Sturmtalente in der Nationalelf erinnern. Ihn mit Michael Ballack gleichzusetzen zeugt von keinem allzugeroßen Fußballsachverstand. Aber: „ I mark your words – we will see“, wahrscheinlich aber eher nicht!

    Antwort auf "übertriebene Ansicht"
    • Jenss
    • 19.08.2010 um 9:40 Uhr

    Der Fall Ballack, zeigt nicht so sehr wie moralisch verkommen die Presse ist sondern wie verkommen die Menschen sind. Schließlich wird dieser Müll ja von Millionen gekauft.

    Wurde früher ausschließlich bei Prominenten und Politikern das Private ins Öffentliche gezogen, so geschieht dies heute auch mit Otto Normalbürger. Dies wird von der Masse nicht kritisiert sondern offensichtlich sogar gewünscht. Zumindest legt der Erfolg und die hohe Einschaltquote von BigBrother dies nahe. Bei DSDS schauen Millionen begeistert zu wie ein Erwachsener mit asozialem Verhalten Minderjährige schikaniert. Im Dschungelcamp treibt der Ekelfaktor die Einschaltquote in die Höhe. etc.

    Bei der Loveparade sterben dutzende Menschen und die Party geht weiter. Diese Gesellschaft hat keine Doppelmoral, diese Gesellschaft hat gar keine Moral mehr.

    P.S. Sehr "schön" war auch der Bericht in einer Lokalzeitung des Ruhrgebietes in dem die Behauptung aufgestellt wurde der OB von Duisburg könne nicht zurücktreten, er müsse auch an seine Pensionsansprüche denken. Das gab erstaunlich wenig Widerspruch gegen dieses "Argument". Bei Pensionsansprüchen hört die Moral also auf.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich verwahre mich gegen Ihre Verallgemeinerungen. Weder lasse ich mich zu "den verkommenen Menschen" zählen, da ich bis heute von der ganzen Angelegenheit gar nichts wußte, noch wünsche ich, das Privatleben von "Normalbürgern" zu kennen. Und ich denke schon, daß ich für mich eine "Moral" (großes Wort) in Anspruch nehmen kann. Also, beleidigen Sie bitte jemanden anderes und fassen Sie sich an Ihre eigene Nase!

    ich verwahre mich gegen Ihre Verallgemeinerungen. Weder lasse ich mich zu "den verkommenen Menschen" zählen, da ich bis heute von der ganzen Angelegenheit gar nichts wußte, noch wünsche ich, das Privatleben von "Normalbürgern" zu kennen. Und ich denke schon, daß ich für mich eine "Moral" (großes Wort) in Anspruch nehmen kann. Also, beleidigen Sie bitte jemanden anderes und fassen Sie sich an Ihre eigene Nase!

  4. Um es mal grundlegend zu sagen: Ich bin kein Ballack-Fan, der Mann gefällt mir nicht, kann aber nicht genau sagen, warum das so ist, vielleicht ist es diese eingebaute ÜBERFLIEGEREI, die bei seinem Namen so mitschwingen muss (und auf deren Schwingen auch die Verfasserin des Artikels zu schweben scheint).

    Tore: Es ist schließlich die Aufgabe Tore zu schießen für einen Fussballspieler, aber waren es so viele?

    Fans: Ich war nicht dabei

    Frauen: Welche, wann, wie oft? Übrigens wird hier gerade verherrlicht, was in der SUPERZEITUNG ausgeschlachtet wird!

    Geld: Ich verbeuge mich mit und werfe mich in den Staub vor Ehrfurcht!

    Sexappeal: Kommt das von Sexisch? Hoffentlich sind die Geschmäcker verschieden..

    Es gibt zwei Varianten, die Medienschreiber bevorzugen: Einmal Leute als wandelde Götter in den Himmel zu schreiben und losgischerweise dann die nächste: Sie von dort wieder in den Schmutz zu tauchen, je intensiver, desto besser. In beiden Fällen hält man sich in Superlativen auf und ist sich einer Aufmerksamkeit gewiss. Reinknallen, was das Zeug hält, Emotionen lockern, den Stammtisch anheizen. Ich glaube nicht, dass es viel mit Neid zu tun hat (mit der Unterstellung Neiddebatte können Sie alles billig abwürgen). Das Volk will Brot und Spiele und Cäsar, der Medienzar, hebt den Daumen - oder senkt ihn. In diesem Fall werden halt die Löwen losgelassen..

    Der oder die nächste bitte! Wie wärs mit LENA?

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  • Quelle DIE ZEIT, 19.08.2010 Nr. 34
  • Kommentare 37
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  • Schlagworte Michael Ballack | Medien | FAZ | Christian Lell
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