Popsänger 99 Fragen an Enrique Iglesias

Mehr braucht kein Mensch

Enrique Iglesias 35, ist einer der erfolgreichsten spanischen Popsänger. Zusammen mit Künstlern wie Ricky Martin trat er in den Neunzigern die Latin-Pop-Welle los, die mehrere Jahre anhielt. Er ist Sohn des Schlagerstars Julio Iglesias und seit 2000 mit der russischen Tennisspielein Anna Kournikova liiert. Iglesias sang den offiziellen EM-Song "Can You Hear Me". Sein aktuelles Album heißt "Euphoria" und wurde im Juli veröffentlicht

Enrique Iglesias 35, ist einer der erfolgreichsten spanischen Popsänger. Zusammen mit Künstlern wie Ricky Martin trat er in den Neunzigern die Latin-Pop-Welle los, die mehrere Jahre anhielt. Er ist Sohn des Schlagerstars Julio Iglesias und seit 2000 mit der russischen Tennisspielein Anna Kournikova liiert. Iglesias sang den offiziellen EM-Song "Can You Hear Me". Sein aktuelles Album heißt "Euphoria" und wurde im Juli veröffentlicht

London, eine Suite des für seinen dezenten Luxus bekannten Hotels The Langham. Da sitzt sein Manager, ein Turnschuh-Typ, in die geblümten Polster hineingelegt, Computer auf den Knien, Handyknopf im Ohr, und tippt. 40 Minuten Interview mit dem Latin-Pop-Superstar Enrique Iglesias (in Spanien geboren, seit seinem achten Lebensjahr in Miami). Er ist der Star der kleinen Mädchen, schwulen Männer mit bürgerlichem Lebensstil, Hausfrauen, Sekretärinnen: in etwa so. Er gehört zu der Sorte total berühmter Superstars, von der kein Mensch ganz genau sagen kann, für was sie eigentlich berühmt ist.

Seine Musik ist ein Querschnitt aus allem, was ganz okay klingt und sich gut verkauft (Hip-Hop-Beats, Flamenco-Gitarren, sexuell leicht anzüglicher Schubidu-Gesang). Er ist der Sohn des Königs aller Schnulzensänger, Julio Iglesias, er führt eine Beziehung mit dem russischen Tennis-Pin-up Anna Kournikova, die schon erstaunlich lange hält (seit acht Jahren).

Die letzte Fußballeuropameisterschaft hat er mit dem Song »Can You Hear Me« eröffnet, gerade ist sein neues Studioalbum, sein fünftes, erschienen. Reicht doch. Es gibt mit ihm absolut nichts Sinnvolles zu besprechen außer den üblichen Frauenzeitschriften-Themen (Frauen, schöne Frauen, sexy Frauen, Körperpflege) – doch, halt: Mit Enrique muss man natürlich auch über seinen Vater Julio sprechen und sein Los, zu einem Leben als Sohn eines berühmten Vaters verdammt zu sein – da sollte der Interviewer ruhig ein wenig Psychologie betreiben, das könnte lustig werden. Der Typ, der da gerade das Hotelzimmer betritt und nach einigermaßen nichts aussieht – Baseballkappe, Fleecejacke, Jeans, Dreitagebart –, ist er dann auch gleich: Enrique. Er hält eine Schüssel in der Hand, in der ein Hühnerfleisch-Sandwich auf einer Portion Pommes liegt, er setzt sich, kaut, die Schüssel in seinem Schoß: Entschuldigung, er sei heute vor lauter Interviews noch nicht zum Essen gekommen. Er guckt, kauend, mit seinen schönen Augen. Der Superstar Enrique Iglesias hat schlechte Haut und Ringe unter den Augen: angenehm. Der Manager hatte vor dem Interview durchgegeben, dass wenigstens die ersten Fragen von der Musik und vom neuen Album »Euphoria« handeln sollten.

1Haben Sie in den letzten Monaten einen Gitarrenakkord dazugelernt?
Ich kann jetzt drei Akkorde auf der Gitarre spielen. Ich setze auf die klassischen spanischen Akkorde, ich setze auf Moll.

2Kann Ihre Stimme etwas, was sie auf den letzten Alben noch nicht konnte?
Ich kann meine Stimme nun gleichmäßig über ganz unterschiedliche Rhythmen hinwegfließen lassen. Das ist mir auf früheren Alben noch nicht so gut gelungen.

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Er spricht mit vollem Mund, entschuldigt sich erneut, dass er den Mund voll hat. Höflicher Superstar Enrique Iglesias.

3Jemals einen Song in Ihrem Privatflugzeug geschrieben?
Das ist vorgekommen, ja.

4Wahres Gerücht, dass Sie Ihre Songs gern im Jacuzzi, eingerahmt von flackerndem Kerzenlicht, schreiben?
Das ist ein vollkommener Blödsinn. Wer hat Ihnen diesen Quatsch erzählt?

5Sind alle Enrique-Iglesias-Songs Sommersongs?
Mit der Idee, dass alle meine Songs Sommersongs sind, kann ich etwas anfangen, ja.

6Einverstanden, dass ein Enrique-Iglesias-Song sich in Los Angeles vollkommen anders anhört als, sagen wir, in Berlin oder irgendeiner trostlosen Plattenbau-Metropole in China?
Aber das gilt doch für alle Songs, nicht nur für meine. Die Qualität eines Songs verändert sich mit den Umständen, unter denen du den Song hörst, der Frage, wo du bist, wie du die Nacht zuvor geschlafen hast, wie es in deinem Zimmer riecht, ob du einen Hund oder eine schöne Frau in deiner Nähe hast.

7Ihre Definition von Latin Pop?
Das ist der Einfluss Südamerikas auf die moderne Popmusik. Keine Ahnung. Es ist warm, und Sie möchten tanzen.

8Wenn Elvis der Großvater des Rock ist, wer ist dann der Großvater des Latin Pop?
Einer der ganz großen Latin-Musiker, aber sicherlich noch kein Großvater dieser Gattung, ist Juan Luis Guerra. Ich habe auf meinem neuen Album mit ihm zusammengearbeitet.

9Wenn Sie sich für einen Song im Werk Ihres Vater entscheiden möchten, welcher wäre es?
Das wären eine Menge Songs.
Sie sollen sich jetzt bitte für einen entscheiden.
Dann nehme ich gleich seinen ersten Song, La Vida Sigue Igual. Er hat ihn selbst geschrieben. Und er ist in diesem Song noch ganz er selbst.

Er hat, spätestens jetzt, verstanden, dass das hier ein bisschen komisch wird: anders als die anderen Gespräche, die er heute noch gibt. Es kostet ihn keine besondere Anstrengung. Aber es nervt ihn, es stört den Medienprofi, den Kontrollfreak, den international agierenden Pop-Unternehmer, dass er noch nicht abschätzen kann, worauf die Sache hier hinausläuft. Blick zum Manager auf dem Blumensofa: Der guckt in den Computer. Enrique hat beide Hände in der Pommes-Schüssel. Die Stirn des Popstars wirft Falten.

10Welches Kompliment Ihres Vaters, Ihre Musik betreffend, werden Sie nie vergessen?

Ich habe mit meinem Vater nie über meine Musik gesprochen. Das mag schwer zu glauben sein, aber es ist mein Ernst. Ich habe überhaupt nur ein einziges Mal mit meinem Vater über Musik gesprochen. Das war am Morgen meines 18. Geburtstags.

11Wann zuletzt mit Ihrem Vater an einer Bar gesessen und zwei, drei große Gläser Whisky zusammen ausgetrunken?
Machen Söhne das mit ihren Vätern? Bei uns ist das jedenfalls noch nie vorgekommen. Lassen Sie es mich so beantworten: Ich habe nie mit meinem Vater zusammengesessen und hatte auch nur einen Tropfen Alkohol in meinem Körper.

12Ganz andere Frage: Wann haben Sie Ihren Vater zuletzt gesehen?
Vor zwei Jahren. Beim Tod meines Großvaters.

13War es für Sie eine wichtige Entscheidung, anders als Ihr Vater nicht spanisch, sondern englisch zu singen?
Auf meinem neuem Album befinden sich englisch- und spanischsprachige Songs. Das war eine bewusste Entscheidung – und ein ganz natürlicher Vorgang. Die Songs, die ich schreibe, stellen sich in einem frühen Stadium als englisch- oder spanischsprachige Songs heraus.

14Richtig, dass Sie niemals im weißen Jackett auf die Bühne treten würden, weil Ihr Vater seine Weltkarriere barfuß und im weißen Jackett beschritten hat?
Nein. Das würde ich durchaus tun. Das habe ich auch schon getan.

15Stimmt das irre Gerücht, dass Sie mittlerweile doppelt so viele Platten wie der Hitparaden-Millionär Julio Iglesias verkauft haben?
Ich weiß nicht, wie viele Platten mein Vater verkauft hat: Sind es mehr als Elvis? Mehr als die Beatles?

Pause. Orientierung. Die Fragen über den Vater hat er wie eine Eins genommen, locker, freundlich, äußerst konzentriert, aufmerksam und effizient, also ohne auch nur ein Gramm mehr Gefühl oder Information herauszulassen, als unbedingt nötig ist (auf Vater Julio werden wir, weil es zu schön ist, später noch zurückkommen). Der Fairness halber kündigt der Interviewer an, dass es nun in das Reich der grauenhaft seichten Fragen geht. Ihm ist das gleich. Er ist gerade fertig mit essen. Er beteuert, auch wenn das keineswegs stimmen muss, dass er sich absolut großartig fühlt.

16Ihre Größe in Zentimeter?
190.

17Ihre Schuhgröße?
11.

18 Der Name Ihres Eau de Cologne?
Azzaro.

19Der Name Ihrer Nachtcreme?
Hängt davon ab, was im Hotel gerade so herumliegt.

20Nass rasieren oder trocken rasieren?
Trocken.

21Deodorant oder kein Deodorant?
Deodorant. Ich putze mir auch die Zähne, falls Sie das noch wissen wollen.

22Wie lautet die Firma Ihrer Unterhosen?
Hugo Boss.

23Welche Sportart bildet Ihrer Erfahrung nach den schönsten männlichen Körper?
Schwimmen. Gut für die Muskeln, gut für die Knochen.

24Wie heißt der Beauty-Spezialist, dem Sie persönlich am meisten vertrauen?
Ich gehe zum Hautarzt. Ich gehe nicht zum Kosmetiker.

25Waren Sie jemals eine ganze Woche lang in Ihrem Leben nicht dunkelbraun gebrannt im Gesicht?
O ja. Vor zwei Wochen war ich ein paar Tage auf einem Boot in Miami. Davor war ich blass wie ein New Yorker im Februar.

26Stimmen Sie zu, dass Männer insgesamt – seitdem okay aussehende Kleidung so preiswert geworden ist und der Durchschnittsmann in Europa und Amerika vor dem Zubettgehen eine Gesichtscreme aufträgt – heute wesentlich besser aussehen als noch vor zehn Jahren?
Dem kann ich nicht zustimmen. Ich muss auch sagen: Diese Frage verstehe ich nicht. Was soll mit dem Aussehen von Männern passiert sein?

27Ihre Baseball-Kappen-Firma?
Adidas.

28Können Sie mir heute, mit dem Abstand von zehn Jahren, die Wollmützen erklären, die Sie in Ihren Popvideos in den Jahren 1999 und 2000 getragen haben?
Richtig, da habe ich Mützen getragen. Aber ich erinnere mich nicht genau, was das für Mützen waren. Mützen halt.

Er lächelt. Vielleicht auch deshalb, weil er glaubt, sich in diesem Gespräch nun auszukennen: Da kommt, so seine Einschätzung, nun nicht mehr viel. Wir gehen – alter Trick der subtilen Gesprächsführung – von den seichten zu den ultraseichten Fragen über. Das Tempo wird angezogen: etwa 20 Schwachsinnsfragen pro Minute. Er sitzt vornübergebeugt, die Hände gefaltet, den Schirm seiner Baseballkappe über den Augen, dauerlächelnd. Das kann man auch genießen, mit einem Sexsymbol so explizit über Sex zu reden. Let’s go.

29Die Namen Ihrer zwei besten Freunde?
Andres und Gonzo.

30Wie müssen wir uns eine wirklich wilde Nacht mit Andres, Gonzo und Enrique vorstellen?
Wir gehen auf ein Boot. Wir trinken Wodka. Wir fahren nackt Wasserski bei Nacht. Der Typ, der das Boot lenkt, würde übrigens nie etwas trinken, das ist mir ganz wichtig, da kenne ich keinen Spaß.

31Blond oder braun?
Keine Vorlieben.

32Blau oder braun?
Keine Vorlieben.

33Was wollen alle Frauen?
Sie wollen ihren Prince Charming.

34Was wollen alle Groupies?
Sie wollen fünf Minuten deiner Zeit.

35Bett oder Sofa?
Sofa.

36Strand oder Swimmingpool?
Strand.

37Segeljacht oder Privatjet?
Das Flugzeug.

38Scarlett oder Penélope?
Beide sind sehr sexy. Auf ganz unterschiedliche Art.

39Wer ist die schönste spanische Frau?
Die kennen Sie nicht.

40Kennen Sie eine schöne deutsche Frau?
Natürlich. Eine Karen. Wunderschön. Aus Baden-Baden.

41Ihr ewiges James-Bond-Girl?
Die aus For Your Eyes Only (In Tödlicher Mission).

42Ihr Lieblings-Unterwäschemodell?
Da nehme ich die Holländerin – die, die alle gerade sexy finden. Ich habe den Namen gerade vergessen.

43Einverstanden, dass Leonardo DiCaprio wirklich großes Talent im Brutal-sexy-Freundinnen-Finden hat?
Bar Rafaeli, natürlich! Sie ist unglaublich.

44Können Sie zugeben, dass Sie mittlerweile lieber das dritte Bier bestellen, als mit der aufregenden Frau, die neben Ihnen an der Bar steht und deren Vornamen Sie nicht kennen, nach Hause zu gehen?
Kommt ein bisschen auf die Frau an, nicht wahr? Aber richtig: Ich trinke lieber den dritten Wodka, als mit der Frau nach Hause zu gehen, deren Vornamen ich nicht kenne. Also: Ich trinke Wodka, kein Bier. Ich bin kein großer Biertrinker.

45Wie sagen Sie »I love you«?
So: I love you.

46Haben Sie eine nette Art gefunden, Nein zu einer attraktiven Frau zu sagen?
Du lächelst.

47Korrekte Beobachtung, dass die fünfzigjährigen Frauen die neuen Zwanzigjährigen sind?
Ich hörte, dass die Vierzigjährigen die neuen Zwanzigjährigen sind.

48Verstehen Sie, wovon Frauen reden, wenn Sie sich einen humorvollen Mann im Bett wünschen?
Gegenfrage: Wollen Frauen einen humorvollen Mann im Bett haben?

49Fühlen Sie sich als Liebhaber manchmal unter Druck gesetzt, weil Sie der Sohn von Julio, des Königs aller Liebhaber, sind?
Ich verspüre keinerlei Druck.

50Hat Ihnen Ihr Vater, die Frauen betreffend, jemals einen Ratschlag gegeben?
Nein.

51Hat Ihnen Ihr Vater, der ja wie kein anderer Vater die Frauen kennt, die russischen Frauen besonders ans Herz gelegt?
Nein.

52Welche besondere Qualität zeichnet russische Frauen Ihrer Erfahrung nach aus?
Ich glaube nicht, dass russische oder tschechische oder südamerikanische Frauen über einen besonderen Charakter verfügen. Ich glaube überhaupt, dass es Quatsch ist, Frauen einem nationalen Charakter zuzuordnen – ich jedenfalls denke so nicht über Frauen. Es ist meine feste Überzeugung, dass man über Frauen nur als Individuen reden kann. Jede Frau, auch jede russische Frau, ist anders.

53Richtiger Eindruck, dass Sie manchmal ein bisschen erschöpft davon sind, immer der sexy Enrique Iglesias sein zu müssen?
Sexappeal ist das Gegenteil von Anspannung, von Verkrampfung. Du darfst nicht zu viel wollen. Es passiert entweder ganz natürlich, oder es passiert nicht.

54Welche Sexseite im Internet empfehlen Sie?
Keine Ahnung. Solange du erwachsen bist, ist Sex im Internet okay.

55Ihre Lieblings-Anna-Kournikova-Site im Internet?
Die offizielle natürlich. Kournikova.com.

56Wo ist Ihre Freundin jetzt gerade?
Bei uns zu Hause. In Miami.

57Einverstanden, dass die Beziehung, die Sie seit nun acht Jahren zu der russischen Tennisspielerin Anna Kournikova unterhalten, auf eine schwer fassbare Art etwas Moderneres, Avancierteres, im besten Sinne Zeitgemäßeres ist als einfach eine Beziehung?
Moment. Eine Beziehung ist eine Beziehung. Sie basiert auf Vertrauen, Verständnis, Mitgefühl. Fertig. Aus.

58Ihr Geheimnis einer langen Beziehung?
Privatsphäre.
Er lacht. Er lacht jetzt richtig laut. Das ist ein schöner Anblick, den Geschäftsmann und Kontrollfreak Enrique von Herzen lachen zu sehen. Da schaut sogar der Manager auf dem Blumensofa einmal kurz hoch. Dass er, der Latino-Popstar Nummer Eins, es hinbekommt, gegen alle Wahrscheinlichkeit noch ein Privatleben zu haben, das ist sein Sieg.

59Und noch ein irres, wieder absolut schwachsinniges, weil frei vom Himmel herunter erfundenes Gerücht, wie folgt: Können Sie bestätigen, dass Heidi Klum Ihr Angebot abgelehnt hat, die Rolle Ihrer Freundin zu übernehmen, die Ihnen für Partys und PR-Auftritte zur Verfügung steht?
Das ist absoluter Blödsinn. Ich habe Heidi Klum nie getroffen. Übrigens, auch sie ist eine sehr schöne, eine äußerst attraktive deutsche Frau. Ein absoluter Hammer.

Er muss jetzt noch einmal richtig lachen. Der Interviewer lacht mit. Fröhliches Gelächter bei Star und Interviewer: Ja, Mensch, wir verstehen uns! Es tut ihm offensichtlich gut, einmal nicht über seine Musik zu sprechen, über die es ja wahrscheinlich auch für ihn nicht ganz einfach ist, etwas zu sagen. Wir müssen nun aufpassen, dass es nicht zu albern wird. Wir brauchen: Gefühl, Tiefgang, irgendeinen Sinn. Tiefsinn mit Enrique Iglesias: Wie, um Himmels willen, soll das gehen?

60Wie geht’s Ihrem guten Freund Mickey Rourke?
Das letzte Mal habe ich ihn vor den Oscars in einer Bar in Los Angeles gesehen. Er war, wie er immer ist: sehr großzügig, großherzig, humorvoll, unterhaltsam.

61Wie geht’s Ihrer lieben Freundin Sarah Connor?
Längere Zeit nicht mit ihr geredet, aber sie ist wunderbar. Wie Sie wissen, habe ich sie in Los Angeles beim Dreh eines Musikvideos kennengelernt.

62Hängt es Ihnen zum Hals raus, dass Sie immer wieder erklären müssen, dass Sie von den zwei berühmtesten Latin-Pop-Sängern des Planeten nicht der sind, der gerade sein Coming-out hatte?
Diese Verwechslung hat meines Wissens nie stattgefunden.

63Freuen Sie sich über das Coming-out Ihres Kollegen Ricky Martin?
Ich bin glücklich darüber, ich bin erleichtert. Sein Coming-out war ein mutiger Schritt, ich gratuliere ihm dazu. Ricky steht unter ständiger Beobachtung. Einen so wichtigen Teil seiner Persönlichkeit nicht offen zeigen zu können, muss eine furchtbare Last gewesen sein. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Wäre ich schwul, ich würde es öffentlich machen, je früher, desto besser.

64Als Schwulenikone, die Sie natürlich auch sind: Haben Sie eine Botschaft an Ihre homosexuellen Fans?
Ich habe viele homosexuelle Freunde. Aber, nein, ich habe keine besondere Botschaft an Homosexuelle – wohl aber eine Botschaft an all diejenigen, die Homosexuelle nicht akzeptieren: Bewegt euch, hört auf, so intolerant zu sein! Ich habe eine Botschaft an die vielen Eltern, die ihre Kinder nicht akzeptieren, weil sie schwul sind – sie lautet: Eltern, die ihre Kinder ablehnen, weil sie anders sind, ganz gleich, auf welche Art anders, sind keine guten Eltern.

65Wie lautet Ihre Botschaft an die Sekretärinnen dieser Welt, die kreischen, wenn sie Ihre Musik hören?
Oh, ich liebe Sekretärinnen. Zwei Fantasien haben mich mein Leben lang beflügelt: Sekretärinnen und Lehrerinnen. Ich hatte eine umwerfende Literaturlehrerin, sie hat mich immer durchfallen lassen. Die engen Kostüme, die Brillen … die intellektuelle Aura, die diese Frauen umgibt, ist brutal sexy. Meine Botschaft an alle Lehrerinnen und Sekretärinnen der Welt lautet: Danke, dass es euch gibt.

Er freut sich. Natürlich, er freut sich darüber, dass er dieses Gespräch beherrscht und seine Antworten zusehends mehr Drive, Charme und Persönlichkeit bekommen. Enrique Iglesias, was für ein netter, gerader, offener und sympathischer Mensch. Er redet keinen Quatsch. Und wenn es darauf ankommt, ist er sogar ein guter, ein politisch korrekter Mensch (die Rechte von Schwulen und Sekretärinnen betreffend). Wir wollen nun erleben, dass er einmal von sich selbst überrascht ist. Wir wollen ihm – gegen alle Wahrscheinlichkeit – einmal wirklich nahekommen.

Zeit für ein Spielchen, den Self-Rating-Test. Sie schätzen Ihr Talent zwischen zehn Punkten, grandiose Begabung, und null Punkten, keinerlei Begabung, ein.
Okay.

66Unterwäsche-Modell.
Null. Ich hätte keine Chance, eine Unterwäschekampagne mit Würde zu überstehen, glauben Sie mir. Ich sähe wie ein Vollidiot aus.

67Don Juan.
Drei Punkte.

68Frank Sinatra.
Fünf.

69Fußballspieler.

Sieben.

70Stierkämpfer.
Da wäre ich eine Pussy. Drei. Zwei.

71Flamenco-Gitarrist.
Acht.

72Sohn.
Mein Talent als Sohn? Da gebe ich mir eine Zehn. Ich bin ein guter Sohn.

73Sie sind nicht rauschgiftsüchtig und kein Alkoholiker, Sie blicken auf eine Weltkarriere zurück, Sie haben eine prima Freundin, tragen Baseballkappen, stehen mit beiden Füßen auf dem Boden. Manchmal überrascht darüber, dass Sie Ihren Vater seelisch überlebt haben?
Ach, wissen Sie …

Er denkt nach. Wahrscheinlich hätte jeder Mensch sich an dieser Stelle einen Moment zum Nachdenken genommen, also auch der ultrasympathische Herr Iglesias. Wir werden härtere Seiten aufziehen müssen, ihn ärgern und erschrecken müssen, um doch noch ein Stück Wahrheit aus ihm herauszukitzeln: mal hören.

Niemand ist perfekt. Ich versuche, mich so gut es geht zu schlagen – als Sohn, als Kumpel, als Sänger, als Typ, der gar nicht so sehr anders ist als ihr Typen da draußen. Manchmal denke ich: Meine Erziehung hat einfach gut hingehauen. Auch wenn meine Eltern selten zu Hause waren, sie waren schlau genug, mir eine Kinderfrau, also eine zuverlässige Kraft, an die Seite zu stellen, die auf mich aufgepasst hat.

74Ihre Mittel gegen Einsamkeit?
Songs schreiben.

75Sind Sie jetzt gerade todtraurig?
Überhaupt nicht.

76Sind Sie brutal gelangweilt?
Nein. Null.

77Geht Ihnen das Sonnenlicht auf die Nerven?
Nie.

78Überfällt Sie manchmal die Lust, einem wildfremden Menschen voll ins Gesicht zu hauen?
Du lieber Himmel, nein! Haben Sie diese Träume? Da kann ich Ihnen nicht folgen. Ich bin ein friedfertiger Mensch.

79Wie geht’s Ihrer wunderbaren Kinderfrau Mrs. Elvira Olvarez?
Ich habe sie zu mir geholt, jetzt lebt sie bei mir in meinem Haus in Miami. Sie war immer streng. Mittlerweile ist sie 70 Jahre alt, sie kümmert sich um meine Hunde.

Er liegt tief hinten im Sessel. Lächelnd. Die Hände gefaltet. So haben wir uns diesen Enrique Iglesias vorzustellen: als einen, der mit seinen Hunden spielt, einen, der seine Kinderfrau auf ihre alten Tage zu sich nach Hause holt. Der Manager hält eine Hand hoch: noch fünf Minuten.

80Ihr Lieblingsspiel auf dem iPhone?
Ich spiele nicht auf dem iPhone.

81Ist es einfach, auf einer Bühne vor 100.000 Menschen ein glücklicher Mensch zu sein?
Das ist das Einfachste. Ich kann auf der Bühne so gut entspannen wie an keinem anderen Ort. Der Mensch auf der Bühne ist der glücklichste Mensch der Welt.

82Was ist der Sinn des Lebens?

Entsetzlich, entsetzlich! Diese Frage hätte ebenso gut Norbert Körzdörfer, der Promi-Interviewer der »Bild«-Zeitung, stellen können, aber wir wissen uns nicht anders zu helfen, wir wollen jetzt auf die letzten Meter unbedingt noch irgendeinen Sinn!

Alles läuft auf dein persönliches Glück hinaus. Ich denke, Glück, das ist, wenn du Verantwortung für dich und ein Stück Verantwortung für die Welt übernimmst.

83Eine große Frage, die ich mir immer gestellt habe: Welche sinnvolle Tätigkeit soll der Mensch am Rand eines sonnenüberfluteten Swimmingpools verrichten?
Da sage ich: mit seinen Hunden spielen.  

84Was sagt der Psychiater?
Ich war nie bei einem. Vielleicht sollte ich aber mal einen aufsuchen. Eine Therapie hat noch niemandem geschadet.

85Wie heißt Ihr Einschlafmittel?
Ich nehme Ambiant. Es macht – angeblich – nicht körperlich abhängig.

86Welches Hotel hat die besten Matratzen auf der Welt?
Das Ritz in Paris.

87Lesen Sie immer noch »Mickey Maus« zum Einschlafen?
Nein.

88Können Sie versprechen, dass Sie niemals mehr als zwei Schlaftabletten pro Nacht nehmen?
Exakt zwei Tabletten sind mein Limit.

89Sicher, dass Sie kein Alkoholiker sind?
Ich bin zu hundert Prozent sicher, dass ich kein Alkoholiker bin.

Der Manager klappt seinen Computer zusammen, steht auf. Von der Mitte des Raums stellt er ein Frage auf Spanisch. Enrique antwortet auf Spanisch. Er, Latin-Popstar, steht nun ebenfalls auf. Seine große, schlanke Gestalt. Ach, ihr Baseballkappen-Typen: Wenn Profitum bedeutet, unter widrigen Umständen die Laune hochzuhalten, dann ist er, Enrique, Vollprofi. Der Manager und sein Popstar haben nun Wichtiges zu besprechen. Er gehört uns nicht mehr, er ist eigentlich schon weg. Noch zehn Fragen an Enrique Iglesias.

90Die Namen Ihrer zwei Hunde?
Lucas und Grammy.

91Sind Sie eher 30 oder 40 Jahre alt?
Ich bin 35.

92Soll Ihre wunderschöne Freundin jetzt endlich mal schwanger werden?
Ich freue mich darauf, Vater zu werden – zum richtigen Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt ist noch nicht gekommen.

93Wissen Sie, wie viele Geschwister Sie haben?
Natürlich. Es sind neun. Der Jüngste ist drei Jahre alt, er heißt Guillermo und lebt bei seiner Mutter.

94Eine Ahnung, wie viele Kinder Sie haben?
Ich habe keine Kinder.

95Als Einwohner Floridas wissen Sie das: Wird sich der Golf von Mexiko jemals von der Ölkatastrophe erholen?
Ich wohne an der Ostküste von Florida. Die hat das Öl Gott sei Dank nicht erreicht.

96Wird Spanien die Wirtschaftskrise überleben?
Ich lebe in den USA, aber ich vertraue dem spanischen Volk. Viva España.

97Kennen Sie einen guten Titel für eine Greatest-Hits-Sammlung?
Der beste Titel für eine Greatest-Hits-Sammlung lautet Greatest Hits.

98Traurig darüber, dass Sie jetzt nicht mit mir nach draußen gehen und sich zu den Leuten in die Sonne setzen können?
Stellen Sie sich vor: Ich tue das. Ich tue meistens genau das, worauf ich gerade Lust habe.

99Welchen Elvis-Song möchten Sie in diesem Leben noch einmal neu aufnehmen?
Wenn einen Elvis-Song, dann Can’t Help Falling In Love With You.

 
Leser-Kommentare
    • cufar
    • 27.08.2010 um 11:35 Uhr

    Seit wann macht sich ein Interviewer über den Interviewten lustig? Sehr unsympathisch.

    • Sikumu
    • 27.08.2010 um 14:40 Uhr

    Tolles Interview. Hätte Enrique Iglesias nicht für so schlagfertig gehalten.

    • Xzepta
    • 28.08.2010 um 10:48 Uhr

    Enrique Iglesias ist ja richtig cool!! Warum hatte der Interviewer überhaupt das Ziel, ihn mit provokanten Fragen zu demütigen und bloß zu stellen?? Welche niederen Instinkte seines vermeintlichen Publikums wollte er denn da befriedigen? Auf jeden Fall hat sich das Opfer gut und schlagfertig aus der Affäre gezogen und kam dabei noch als supersympathischer Typ mit soliden Grundeinstellungen rüber.

    • saurau
    • 17.09.2010 um 14:14 Uhr

    Oh Mann. Der Interviewer ist ja ein richtiger Sympathieträger. Iglesias muss gute Ohren haben, dass er vom derart hohen Ross herunter noch was verstanden hat. Mäßig interessante Fragen, teils sehr witzige Antworten und wieder einmal die Gewissheit, dass Selbstverständnis und Umsetzung in einer ZEITung zwei Paar Schuhe sind.

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