Raiffeisen-Konzern Der grüne Riese
Bauern helfen Bauern, aus dieser Idee entstand der Raiffeisen-Konzern. Hans Weiss blickt hinter die Fassade von Österreichs mächtigstem Konzern.

Raiffeisen-Zentralbank in Wien: Die RZB Österreich AG war im September 2009 das drittgrößte Bankeninstitut Österreichs
Wie beschreibt man Macht? Es ist eine Mischung aus Ehrfurcht und Angst, die einem begegnet, wenn man über Raiffeisen recherchiert. Man hört viele Geschichten, aber keine davon eignet sich zur Wiedergabe in einem Buch. Krake, schwarzer Moloch, grüne Mafia – das sind nur drei von zahlreichen Bezeichnungen für Raiffeisen. Selbstverständlich hat diese Organisation aber nichts mit der Mafia zu tun und auch keine Ähnlichkeit damit. Es ist nur ein multinationaler Konzern. Vielleicht ist es einfach dessen überwältigende wirtschaftliche und politische Dominanz in Österreich, die manche Leute dazu verleitet, eine derartige Analogie herzustellen.
Man blättert in Wirtschaftsdatenbanken, stößt auf Zahlen, Daten und Fakten, liest von Tausenden Firmen, die zum Raiffeisen-Reich gehören; listet auf, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Raiffeisen eine beherrschende Position hat; versucht alle Produkte aufzuschreiben, die dem Raiffeisen-Reich entstammen: süßsaure Gurken von Efko, Milch von Maresi, Bad Ischler Speisesalz, Knabbernossi, Inzersdorfer Dosennahrung, Wiener Feinkristallzucker und so weiter; wirft einen Blick auf Machtdiagramme; auf die Medien, an denen Raiffeisen beteiligt ist, von Kurier bis News; man beschäftigt sich mit führenden Managern wie Christian Konrad, Walter Rothensteiner, Ludwig Scharinger, Herbert Stepic und Ferry Maier; mit langen Listen von Aufsichtsratsmandaten, in denen diese Herren (es sind nur Herren!) wichtige Entscheidungen treffen; mit Aufzählungen aller Raiffeisenbanken; mit den Verflechtungen zwischen Raiffeisen und der Politik – und hat am Ende das hohle Gefühl, dass dieser Koloss nicht zu fassen ist.
Das ist Macht!
Raiffeisen ist Österreichs größter Konzern, und wie hoch sein Umsatz ist, weiß vermutlich nur eine handverlesene Zahl von Insidern. Jedenfalls wies allein die Raiffeisen Bankengruppe am 1. Januar 2009 eine Gesamtbilanz von 265 Milliarden Euro aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 betrug das österreichische Bundesbudget 148 Milliarden, der Umsatz von VW betrug 114 Milliarden, der von Siemens 77 Milliarden Euro.
Manche sehen in der Dominanz des Molochs die Demokratie gefährdet
Wirtschaftlich dominiert Raiffeisen in Österreich nicht nur den Landwirtschaftsbereich, sondern spielt auch eine führende Rolle bei Banken (vierzig Prozent aller Österreicher sind Kunden einer Raiffeisenbank), in den Medien, im Tourismus, in der Industrie, bei Versicherungen und Immobilien. Manche Kritiker meinen, allein schon das Ausmaß dieser Macht stelle eine Gefahr für die Demokratie dar.
Raiffeisen ist ein typischer Mischkonzern, der seine Finger in fast allen Geschäftsbereichen hat. Die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG war im September 2009 mit einer Bilanzsumme von 151,3 Milliarden Euro das drittgrößte Bankeninstitut Österreichs. Und allein die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien beschäftigt 114.000 Mitarbeiter im In- und Ausland.
- Datum 27.08.2010 - 13:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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Die Höhe des österreichischen Bundesbudgets wird hier mit 69.9 Mrd. € Ausgaben und 66.9 Mrd. € Einnahmen beziffert. Woher kommen die 148 Mrd?
Früher einmal hat man solche als "Gemeindearme" bezeichnet und in jeder Gemeinde mußte jeder Bürger bzw. Bauer je nach seinem Vermögen diese verschieden lange erhalten. Heute gehen diese zum Staat betteln. Man stelle sich vor, ein privater, gut gehender Industriebetrieb würde bei einem Gewinn von ca. 600 Mio. ca. 290 Mio (ca. 48 %)an Steuern abliefern. Der Raiffeisenkonzern geht halt zum dicken Pröller und zahlt die lächerliche Summe von 14 Mio.(2,3 %).
Das ist die sogenannte Gleichheit vor dem Gesetz, die die Schwarzen mit Füßen treten und das doofe Beiwagerl (eigentlich der "Chef") des Fetten schaut zu. In Ö. gibt es ca. 1,2 Billionen Privatvermögen, davon befinden sich ca. 2/3 in Händen von 10% der Bürger, also ca. 750 Mrd. Diese mit 1,5% Vermögenssteuer belegt, ergäben ca. 11 Mrd. und unser Defizit wäre weg. Dies wäre gerechtfertigt, weil diese Vermögen dienen weder Investitionen noch dem Konsum, sondern einzig und allein der Spekulation. Anstatt diese zu besteuern, fallen Dick und Doof über die öst. Familien mit Kindern, über die pflegenden Angehörigen und die Studenten her, wie die Raubritter und bei sich selbst kennen sie sparen überhaupt nicht. Dem Bürger wird dann ein Belastungspaket als Sparpaket verkauft, das ist genausos, wenn jemand zur BAnk geht und diese ausraubt und er dann zur Polizei sagt, was wollt ihr, ich habe gerade gespart.
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