Energiespeicher Sie träumen von der Megabatterie

Ingenieure forschen nach neuen Möglichkeiten, Strom zu speichern

Manchmal kommen einem die besten Ideen beim Duschen oder in der Kneipe. Vor sieben Jahren saß auch Christian Dötsch mit Kollegen abends nach der Arbeit beim Bier zusammen, diskutierte über seine aktuellen Projekte. »Damals ist uns aufgefallen, dass sich in Deutschland fast niemand mit Energiespeichern beschäftigt. Doch ohne diese Technik werden wir die Energieprobleme der Zukunft nicht lösen können«, sagt der 41-jährige Forscher vom Fraunhofer Institut Umsicht in Oberhausen: »Wir haben dann beschlossen, hier Forschung anzuzetteln, Fördermittel einzuwerben, Industriepartner zu überzeugen.«

Seitdem beschäftigt sich der Energie-Verfahrens-Ingenieur intensiv mit elektrischen Energiespeichern, vor allem mit sogenannten Redox-Flow-Batterien, sieben Doktoranden unterstützen ihn dabei. Die Technik ermöglicht es, die Leistung der Batterien individuell anzupassen und abzurufen. Die Energie speichern zwei Elektrolyte, die aufgeladen und in beliebig große Tanks gefüllt werden und dann bei Bedarf durch eine chemische Reaktion Strom liefern – zumindest theoretisch. Denn noch sind diese Batterien für eine breite Anwendung viel zu teuer, schon eine Demonstrationsanlage mit einem Megawatt beziehungsweise zehn Megawattstunden würde schnell fünf Millionen Euro kosten. Es wird noch Jahre dauern, bis sie für Energiekonzerne auch wirtschaftlich attraktiv werden. »Das Thema Energiespeicher wurde lange vernachlässigt, rückt aber jetzt in den Fokus von Forschung, Politik und Wirtschaft«, sagt Dötsch.

Anzeige

Bis zum Jahr 2020 will Deutschland den Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 Prozent steigern, bis 2050 den Ausstoß von Kohlendioxid gar um 85 Prozent reduzieren. Doch was dem Weltklima guttut, stellt die Ingenieure vor große Probleme. Denn anders als Kohle- oder Kernkraftwerke bringen Solar- oder Windkraftanlagen keine konstante Leistung. Die Stürme über der Nordsee lassen sich nur bedingt vorausberechnen, und der Strombedarf der Bevölkerung orientiert sich erst recht nicht am Wetterbericht: Auch an windstillen Tagen wird gekocht, geheizt und gewaschen, Unternehmen brauchen Energie für ihre Produktion. Umgekehrt entsteht bei Starkwind ein immenser Überschuss, der nicht genutzt werden kann. Diese Differenzen werden in Zukunft zunehmen – und müssen ausgeglichen werden: durch ein flexibles, intelligentes Stromnetz - und leistungsfähige Speicher.

Neue Haushaltsgeräte sollen nur noch bei Stromüberschuss anspringen

Bislang wird Energie hauptsächlich in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert, die bei einem Überschuss an Energie Wasser in ein höher gelegenes Becken pumpen. Wird zusätzlicher Strom gebraucht, treibt das ablaufende Wasser dann Turbinen und Generatoren an. Doch in Deutschland gibt es kaum noch geeignete Standorte, alle großen Energiekonzerne schauen nach Norwegen, wollen dort neue Anlagen errichten. »Es ist aber eine Illusion, zu glauben, dass Norwegen allein das Speicherproblem für ganz Europa lösen kann«, sagt Dötsch.

Das müssen nun – zumindest in großen Teilen – die Ingenieure leisten, die für diese Aufgabe aber noch nicht immer optimal ausgebildet sind. »Bislang gibt es im Energiebereich eine strikte Trennung zwischen Elektrotechnik und Maschinenbau. Energieingenieure, die sich mit Kraftwerken, Speichern und Netzen beschäftigen, sollten aber eigentlich beides können«, sagt Viktor Wesselak von der Fachhochschule Nordhausen, die als erste deutsche Hochschule im Jahr 2003 den Studiengang Regenerative Energietechnik eingeführt hat. Die Absolventen sollen in Zukunft ganz verschiedene Ansätze verfolgen, etwa auch intelligente Haushaltsgeräte entwickeln, die immer dann anspringen, wenn viel Strom verfügbar ist – Waschen kann man auch nachts. Rund 120 Studenten hat er bislang ausgebildet, beobachtet bei ihnen neben fachlicher Kompetenz auch ein großes gesellschaftliches Engagement: »Wenn es bei uns um fair gehandeltes Mensaessen oder das Semesterticket geht, sind die Energie-Leute immer vorn mit dabei«, sagt Wesselak.

Neue Ideen sind gefragt, denn auch bei klassischen Themen sind plötzlich ganz andere Probleme relevant, an denen lange nicht geforscht wurde. »Bei den Batterien müssen wir nun eigentlich noch mal ganz von vorn beginnen, das Rad um 20 Jahre zurückdrehen«, sagt Professor Monika Willert-Porada vom Lehrstuhl für Werkstoffverarbeitung an der Uni Bayreuth, die seit Jahren über Materialien für Lithium-Ionen-Batterien forscht. Bislang wurden diese vor allem in Computer oder Handys eingebaut, haben dort schon einen Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent. Um das Energieproblem zu lösen, müssen sie in Zukunft jedoch langlebiger und vor allem leichter sein, um etwa zuverlässig Elektroautos mit Strom zu versorgen. Da es – beim heutigen Stand der Dinge – unmöglich scheint, alle Netzschwankungen zentral über Großspeicher auszugleichen, sollen die Batterien in Zukunft auch die Schwankungen abpuffern. Autofahrer könnten nachts, zu günstigen Kosten, die Batterien aufladen und tagsüber dann die Wagen benutzen. Außerdem wird an »intelligenten Andockstationen« geforscht, an denen die Besitzer ihre Batterien auch entladen und den Strom verkaufen können.

Peter Igney macht gerade seinen Master in Automotive Components Engineering and Mechatronics und entwickelt in seiner Freizeit im Rahmen der selbst gegründeten Studenteninitiative E-Mobility einen vollelektronischen Rennwagen, der im kommenden Jahr am Hockenheimring starten soll. »Wir bekommen in letzter Zeit sehr viele Anfragen aus der Industrie zu unserem Projekt, das ist wichtig, da gerade die neue Speichertechnologie letztendlich auch wirtschaftlich interessant sein muss, um erfolgreich zu sein«, sagt der 26-Jährige.

Leser-Kommentare
  1. >Ich denke, dass wir an unserer Wasserstofftankstelle einen Preis von 1,50 Euro pro Liter anbieten können

    Huch? Einen Liter Wasserstoff kriegt man mit 300W Strom in einige Sekunden für unter einen cent, eine Angabe zum Druck wäre nicht schlecht gewesen, oder ob es ein Liter flüssiger Wasserstoff ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Artikel wirft auch mit Gigawattangaben um sich ohne aber zu erwähnen über welche Zeiträume diese Leistung zur Verfügung steht. Etwas mehr Hintergrungwissen und weiter Erläuterungen hätten nicht geschadet.

    Der Artikel wirft auch mit Gigawattangaben um sich ohne aber zu erwähnen über welche Zeiträume diese Leistung zur Verfügung steht. Etwas mehr Hintergrungwissen und weiter Erläuterungen hätten nicht geschadet.

  2. Der Artikel wirft auch mit Gigawattangaben um sich ohne aber zu erwähnen über welche Zeiträume diese Leistung zur Verfügung steht. Etwas mehr Hintergrungwissen und weiter Erläuterungen hätten nicht geschadet.

    Antwort auf "Zusatzinfo gebraucht"
  3. "Waschen kann man auch nachts"...
    und die Nachbarn werden sich freuen, wenn die Waschmaschine im Badezimmer der Wohnung nebenan nachts um auf Schleudergang schaltet.

    Die Ausgleichsmöglichkeiten einer flukturierenden Stromproduktion in den Haushalten liegt bei : NULL.

  4. Die Waschmaschinen laufen alle gleichzeitig an! Bleiben wir mal bitte bei den Wasserspeichern in Norwegen, verbunden mit einem Gleichstromkabel.

  5. 7. methan

    ist der grösste Klimakiller

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Methan entsteht auch bei natürlichen Fermentationsprozessen, daher kommt beispielsweise das Deponiegas. Dieses Gas aufzufangen und zu verbrennen ist daher ein positiver Kliameffekt.
    Sie haben natürlich Recht, sobald es um Methanschlupf, also Leckagen, Leistungsverluste usw. geht.
    Da müsste auch mehr getan werden.
    Ab 3 % Metahnschlupf sind Biogasanlagen ein klimapolitischer Schildbürgerstreich, der tatsächliche Verlust liegt im Schnitt allerdings bei etwa 1 % (soweit mir bekannt), unter'm Strich also sind die heutigen Biogasanlagen mit ihrem geschlossenen CO2-Kreislauf also ein klimapolitischer Gewinn. Dennoch sollte dies ein Schwerpunkt sowohl in der Forschung als auch in der Überarbeitung des EEG für die Vergütungswürdigkeit und in der Immisionsschutzgesetzgebung werden.
    Gleiches gilt für Methanerzeugung zwecks Einspeisung in das Erdgasnetz!

    Methan entsteht auch bei natürlichen Fermentationsprozessen, daher kommt beispielsweise das Deponiegas. Dieses Gas aufzufangen und zu verbrennen ist daher ein positiver Kliameffekt.
    Sie haben natürlich Recht, sobald es um Methanschlupf, also Leckagen, Leistungsverluste usw. geht.
    Da müsste auch mehr getan werden.
    Ab 3 % Metahnschlupf sind Biogasanlagen ein klimapolitischer Schildbürgerstreich, der tatsächliche Verlust liegt im Schnitt allerdings bei etwa 1 % (soweit mir bekannt), unter'm Strich also sind die heutigen Biogasanlagen mit ihrem geschlossenen CO2-Kreislauf also ein klimapolitischer Gewinn. Dennoch sollte dies ein Schwerpunkt sowohl in der Forschung als auch in der Überarbeitung des EEG für die Vergütungswürdigkeit und in der Immisionsschutzgesetzgebung werden.
    Gleiches gilt für Methanerzeugung zwecks Einspeisung in das Erdgasnetz!

  6. Die Natur hat in den etwa 3,5 Gigajahren Evolution nur gelernt, die Sonnenenergie in Form von Kohlenwasserstoffen zu speichern. Das nennen wir Erdgas, Erdöl, Steinkohle, Braunkohle, Teersande etc. Zusammengetragen über Jahrmillionen mit einem Umwandlungswirkungsgrad von vielleicht 3%.
    Warum wohl hat die Evolution keine "Mega"batterie erfunden?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Lyaran
    • 28.08.2010 um 11:26 Uhr

    Das war jetzt aber nicht ihr ernst, oder?

    Zum Druckluftspeicher: Würde mich mal interessieren wie sie das Temparaturproblem gelöst haben. Über Regeneratoren? Was passiert mit dem Wasser das bei der Entspannung ausfällt?

    eigentlich kein Rad erfunden?

    • Lyaran
    • 28.08.2010 um 11:26 Uhr

    Das war jetzt aber nicht ihr ernst, oder?

    Zum Druckluftspeicher: Würde mich mal interessieren wie sie das Temparaturproblem gelöst haben. Über Regeneratoren? Was passiert mit dem Wasser das bei der Entspannung ausfällt?

    eigentlich kein Rad erfunden?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service