Zusatzqualifikationen gesammelt wie Briefmarken
Sie werden nach Zeit bezahlt, zwischen 10 und 15 Euro verdienen sie pro Stunde. Überwiegend machen Männer den Job, aber die beiden kennen auch eine Handvoll Kolleginnen. Wenn sie wollten, könnten die meisten an Windkraftanlagen arbeitenden Industriekletterer im Sommer jeden Tag durcharbeiten, auch am Wochenende. Im Winter sitzen sie dafür manchmal wochenlang zu Hause. Oder gehen ins Ausland. »Ich habe in Kolumbien, Japan, China gearbeitet«, sagt Gleichner. Paech arbeitete schon mehrere Wochen am Stück in Portugal und Sizilien. Man kommt rum.
Auch im Ausland greifen viele Firmen auf deutsche Spezialisten zurück. Zwar gibt es Industriekletterer überall auf der Welt, sie sanieren die Fassaden der Wolkenkratzer in Hongkong und Shanghai, montieren riesige Werbetafeln an Hauswände in New York und Sydney. Doch Klettern allein reicht nicht für Hochtechnologieanlagen. In Deutschland kümmert sich deshalb der Fachverband Fisat um die entsprechenden Zertifizierungen. Er gibt Scheine im Bereich »Seilzugangstechniken« aus, Level eins bis drei. Was man für die Wartung einer Windkraftanlage sonst noch braucht: jede Menge Erfahrung und Fingerfertigkeit.
Mirko Gleichner hat die entsprechenden Zusatzqualifikationen und Zertifikate in den vergangenen Jahren gesammelt wie andere Briefmarken. Von Haus aus Tischler, wusste Gleichner schon früh, dass er in der Höhe arbeiten will. Heute gehört er mit seinen 30 Jahren schon zu den Erfahreneren. In Asien hat er im vergangenen Jahr Japaner eingearbeitet: wie man einen Riss erkennt, wie man eine offene Stelle nachhaltig abdichtet.
Und die Gefahren? Paech lacht. Klar, sagt er, man könne immer irgendwie abstürzen. Aber eigentlich sei das doch fast unmöglich. Mehrere Seile als Sicherung an der Anlage, dazu sei man noch mit dem Kollegen verbunden. Viel schwieriger dagegen ist die Sache mit dem Wetter. »Während eines Sturms oder heftigen Regens ist es da oben keene Freude«, sagt er. Bei Gewitter kommt noch der Blitzschlag dazu. Wenn das Wetter sich plötzlich ändert, heißt es ganz schnell runterkommen. Und dann seien da noch die Mobilfunkantennen, die häufig auf den Anlagen installiert sind. Bevor sie eine Mühle besteigen, müssen sie sie abschalten lassen. »Sonst wird es ganz schnell ganz heiß da oben«, sagt Paech und drückt die Zigarette aus.
Sie klettern wieder hoch. Den Ausblick genieße er immer noch, sagt Paech, Felder und Wälder wie in einem Miniaturland, Autos so klein wie Spielzeugautos. Aber natürlich hat er sich auch daran ein wenig gewöhnt. Unvermeidlich.
Kürzlich allerdings war er auf einer Offshore-Anlage, Windräder in der Nordsee, dreimal so hoch wie dieses hier, allein die Rotorblätter länger als 50 Meter. Er hing in 75 Meter Höhe, über sich der Himmel, unter sich der Ozean. Das, sagt Paech, sei selbst für ihn, der täglich irgendwo in der Luft hängt, etwa ganz Besonderes gewesen.
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- Datum 25.08.2010 - 17:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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verrückte Jobs gibt es jede Menge, Industriekletterer ist sicherlich einer davon. Ich frage mich wirklich wie hoch der Frauenanteil in diesem Berufsfeld ist und was die Burschen wohl bei schlechtem Wetter, Eis und Regen machen... !?
Die kurze Suche im Internet hat mich zu einem passenden Artikel gebracht: Eine derartige Aktion macht sich sicherlich gut im Lebenslauf der nächsten bewerbung eines Industriekletterers :)
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