Acht Jahre lang war er im Amt. Wie alles, was er macht, ging er den Job mit der Energie des passionierten Marathonläufers an. Am Ende der Strecke hatte er dennoch das Gefühl, verloren zu haben. Er habe "so viel gearbeitet wie noch nie in seinem Leben", konnte den Etat seines Hauses deutlich steigern. Genützt habe es ihm wenig. "Es war der undankbarste Job, den ich je hatte." So beschreibt Willi Lemke (SPD) die Zeit von 1999 bis 2007 als Bildungssenator in Bremen.

Lemke ist nur einer von vielen ehemaligen Kultusministern, die ihre Stellung im Hader mit dem Amt räumten. "Egal, was man tut: Man gewinnt mit Schulthemen kaum noch Mehrheiten", sagt der ehemalige Ressortkollege in Baden-Württemberg, Helmut Rau (CDU), der den Posten des Schulministers vergangenen Februar nach viereinhalb glücklosen Jahren abgab.

Ein Fluch scheint über der Bildungspolitik zu liegen. In den vergangenen Jahren hat sie sich geradezu als Mehrheitskiller erwiesen, egal, ob Rote oder Schwarze, Grüne oder Gelbe die Regierung stellten. So war es bei der letzten Wahl in Bayern, wo die Unzufriedenheit der Bürger mit G8 der CSU wichtige Stimmen zur Alleinherrschaft kostete. In Hessen verlor Roland Koch 2008 aus dem gleichen Grund seine Regierungsmehrheit. Neun Jahre zuvor hatte Koch diese der SPD abgenommen – unter anderem wegen deren verkorkster Bildungspolitik. In Nordrhein-Westfalen gewann Jürgen Rüttgers seine Wahl mit Bildungsversprechen und verlor sie wieder, weil er sie in den Augen der Wähler nicht eingelöst hatte. Und gerade brachte der verlorene Volksentscheid zur Bildungspolitik das schwarz-grüne Bündnis in Hamburg an den Rand des Zerfalls.

Warum kennt die Öffentlichkeit Bildungsminister überwiegend als gescheiterte Existenzen? Weshalb können Regierungen mit dem Thema Schule Wahlen nur verlieren? Ein Erklärungsversuch in zehn Lektionen.